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Trient

Das Tor zum Süden

AutorChristine Monika Richter
VerlagStyria Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783990401682
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis4,49 EUR
Eine Stadt zwischen den Bergen und doch schon erfüllt vom Zauber und dem Lebensgefühl des Südens: Das ist Trient. Für die deutschen Könige und Kaiser war Trient das Tor zum Zug nach Rom, sie ist aber auch die Stadt des großen Konzils und Sitz mächtiger Fürstbischöfe, die jahrhundertelang über das Schicksal der Region entschieden. Eine Stadt mit einem einzigartigen historischen Zentrum, mit großartigen Palazzi und Kirchen wie Santa Maria Maggiore oder dem Dom San Vigilio. Und mit dem imposanten Castello del Buonconsiglio, das vom Reichtum und der kulturellen Feinsinnigkeit der kirchlichen Herrscher kündet. Es ist eine Stadt des Marmors, der Brunnen und Gärten, der Lebensfreude und des Genießens, eine Stadt mit besonderer Atmosphäre, die den Besucher unwillkürlich in ihren Bann zieht. Christine Monika Richter, eine ausgezeichnete Kennerin der Stadt, führt auf ihren Stadtrundgängen zu allen Sehenswürdigkeiten und sie schildert, was Trient so lebens- und liebenswert macht: seinen Reichtum an Kunstdenkmälern, die Vielzahl der Festivals und Veranstaltungen und die herrlichen kulinarischen Köstlichkeiten, mit der die Besucher verwöhnt werden.

Christine Monika Richter, 1943 geboren, absolvierte in Berlin eine Ausbildung im Fach Mode und Mode-Illustration mit dem Berufsziel Kostümbildnerin, 1978 Beginn des Medizinstudiums in Berlin, Promotion zum Dr. med, ab 1986 verschiedene Tätigkeiten in der Klinischen Forschung der Pharmazeutischen Industrie. Ab 1996 selbständige Tätigkeit als Medical Writer, zahlreiche medizinische Fachpublikationen. Ab 2001 Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft, Abschluss 2008 mit dem Magister Artium.

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Leseprobe

Tridentum – Trient – Trento:
2000 Jahre Stadtgeschichte


Die günstige geografische Lage im Etschtal hat von Beginn an die Entwicklung der Stadt bestimmt. Der Weg über den Brennerpass und entlang der Etsch ist bis in die Gegenwart die zentrale Verbindung für den transalpinen Handel und den Reiseverkehr zwischen Mitteleuropa und Italien. Trento mit knapp 120 000 Einwohnern ist die Hauptstadt der Autonomen Provinz Trento, die geografisch dem Gebiet des sogenannten Trentino und historisch weitgehend dem Territorium des ehemaligen Fürstbistums Trient entspricht.

Für den von Norden kommenden Reisenden ist Trento auch insofern das „Tor zum Süden“, als er hier in die erste vollständig italienischsprachige Stadt kommt. Die Sprachgrenze bildete sich im Mittelalter in Höhe der sogenannten „Salurner Klause“ aus, einer Engstelle des Etschtals südlich von Salurn und nördlich von Lavis. Beim Gang durch die Straßen und die Museen von Trento begegnet man vielen historischen Zeugnissen aus der zweitausendjährigen Geschichte der Stadt. Mit dem folgenden Überblick wird versucht, diese Zeugnisse in eine zeitliche Reihenfolge und einen geschichtlichen Zusammenhang zu stellen.

TRIDENTUM ALS RÖMISCHE STADTGRÜNDUNG


Mit der Ausdehnung des Römischen Reiches nach Norden gelangte die Gegend um das heutige Trento etwa ab 100 v. Chr. unter römischen Einfluss. Für das weitere Vordringen über die Alpen wurde ein durch das Etschtal über den Reschenpass führender Zugang in den Donauraum erschlossen. Diese später als Via Claudia Augusta bezeichnete Straße begann an zwei wichtigen strategischen Punkten, am Flusshafen Hostilia (Ostiglia) am Po und am Adriahafen Altinum (Altino). An der Vereinigung der beiden Zubringerrouten entstand ab etwa 50 v. Chr. die befestigte Stadt Tridentum.

Vom römischen Tridentum haben sich viele Zeugnisse erhalten. Hauptausstellungsort für die römischen Funde sind die unterirdischen Ausgrabungsstätten des römischen Tridentum im Stadtzentrum (siehe Route 5). Die Via Claudia Augusta ist in Deutschland, Österreich und Italien für Wanderer und Radfahrer als ausgeschilderte Trasse ausgebaut (www.viaclaudia.org). In Trento verläuft sie für Radfahrer am Ufer der Etsch, für Wanderer am Berghang entlang in das Valsugana hinein (siehe Route 13).

DIE BEDEUTUNG DES NAMENS TRIDENTUM


Lange wurde die naheliegende Ansicht vertreten, der Name Tridentum beziehe sich auf die drei Hügel (lat. dens, dentes, Zacken) der Stadt: Doss Trento, Doss S. Agata und Doss S. Rocco. Diese einfache Erklärung scheint jedoch nicht zuzutreffen. Symbolisch wurde der Name auch mit dem Dreizack (it. tridente) des Neptun in Verbindung gebracht.

Römischer Stein mit Dreizack, Nordfassade des Doms

DIE CHRISTIANISIERUNG VON TRIDENTUM


Seit dem 4. Jahrhundert konnte sich das Christentum auch im Etschtal ausbreiten. Als bedeutendste Persönlichkeit für die Christianisierung des heutigen Trentino gilt der dritte Bischof von Trient, der später heiliggesprochene Vigilius (um 355  400), der Schutzpatron der Stadt. Seine Reliquien befinden sich unter dem Hauptaltar des nach ihm benannten Doms von Trient (siehe Route 1).

TRIDENTUM IM 6. BIS 9. JAHRHUNDERT: LANGOBARDEN, FRANKEN UND OTTO DER GROSSE


Mit dem Niedergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert drangen germanische Stämme über die Alpen nach Süden vor. Im Laufe des 6. Jahrhunderts konnten die Langobarden ihre Herrschaft in Norditalien festigen, Tridentum wurde ein Herzogtum innerhalb ihres Reichsgebietes. Diese Ära endete im Jahre 774, als das Langobardenreich in das Frankenreich Karls des Großen eingegliedert wurde. Nach dessen Zerfall sicherte sich Otto I. (912  973), König des Ostfrankenreiches und späterer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, bei seinem Italienzug im Jahre 951 die Langobardenkrone und gelangte damit auch in den Besitz des strategisch wichtigen Tridentum. Aus diesen von Zerstörungen und Plünderungen geprägten Jahrhunderten sind nur wenige Zeugnisse erhalten. Einige Skulpturen sind im Lapidarium des Castello del Buonconsiglio zu sehen (siehe Route 3).

DAS BISTUM TRIENT WIRD FÜRSTBISTUM: GEISTLICHE UND WELTLICHE MACHT


Das Etschtal und Trient waren für die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches als Etappe auf dem Weg nach Rom über Jahrhunderte von besonderer Bedeutung. Sie hatten ein Interesse daran, die Stadt in sicheren Händen zu wissen. Mit Urkunden von Heinrich II. und Konrad II. aus den Jahren 1004 beziehungsweise 1027 wurde den Bischöfen von Trient zusätzlich zur geistlichen auch die weltliche Macht übertragen. Diese gehörten damit zu den rund 30 nur dem Kaiser unterstellten Fürstbischöfen mit Sitz und Stimme im Reichstag. Zeichen ihrer Macht waren der Hirtenstab für die geistliche und das Schwert für die weltliche Macht, die man beide in den fürstbischöflichen Wappen sehen kann.

800 JAHRE FÜRSTBISTUM TRIENT IM HEILIGEN RÖMISCHEN REICH


Für die Ausübung der weltlichen Herrschaft waren die Fürstbischöfe auf die Dienste eines machtbewussten und streitbaren Adels angewiesen. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich aus ihrer Abhängigkeit von den Grafen von Tirol, die aufgrund von Verträgen die innere und äußere Sicherheit des Fürstbistums zu gewährleisten hatten. Über Jahrhunderte war es die schwierige Aufgabe der Fürstbischöfe, ihre staatsrechtlich abgesicherte weltliche Macht in der Praxis sowohl gegen die Grafen von Tirol als auch gegen den Adel durchzusetzen. Ihre Position konnten sie durch ein enges Verhältnis zu den römischdeutschen Herrschern stärken. Da die Grafschaft Tirol seit 1363 den Habsburgern gehörte und auch die deutschen Kaiser seit dem 15. Jahrhundert nahezu ausschließlich aus dieser Dynastie gewählt wurden, konzentrierten sich die Fürstbischöfe auf die Nähe zum Haus Habsburg. Das erklärt die zahlreichen Darstellungen der Habsburger im Stadtbild von Trento.

Vergoldete Kupferfolie mit der Ermordungsszene von Fürstbischof Adelpret

Fürstbischof Adelpret: Opfer seines kriegerischen Adels

Die mächtigen Adeligen des Fürstbistums waren im Mittelalter nicht immer treue Vasallen ihres Lehnsherrn. Dies bekam beispielsweise Fürstbischof Adelpret (Adelpreto) zu spüren, der im Jahre 1172 bei Arco von Aldrighetto di Castelbarco hinterrücks durch einem Lanzenstich getötet wurde. Der Sarkophag von Adelpret ist in der frühchristlichen Unterkirche des Doms zu sehen. Eine vergoldete Kupferfolie (Original im Diözesanmuseum) zeigt dort die Szene seiner Ermordung durch den Grafen Castelbarco (siehe Route 1).

Fürstbischof Friedrich von Wangen: Stadterneuerung im 13. Jahrhundert

Aus der Reihe der mittelalterlichen Fürstbischöfe ragt Friedrich von Wangen (Federico Vanga) heraus, der seit 1207 regierte. Er schloss sich dem Kreuzzug von 1217 zur Rückeroberung Jerusalems an und fand dabei 1218 bei Akkon den Tod. Sein Name steht für den bedeutenden Ausbau der Stadt. Er war Auftraggeber des 1212 begonnenen Neubaus des Doms in seiner heutigen Form und der Umgestaltung der damaligen Bischofsresidenz am Domplatz. Durch die Anlage einer erweiterten Stadtmauer wurde das Stadtgebiet erheblich vergrößert. Der Befestigungsturm am früheren Etschufer, die Torre Vanga, ist nach ihm benannt (siehe Route 6).

Fürstbischof Nikolaus von Brünn: Trient erhält sein Adlerwappen

Das Adlerwappen von Trient geht auf Fürstbischof Nikolaus von Brünn (Nicolò di Brno) zurück, der von 1338 bis 1347 regierte. Ihm und der Trienter Kirche wurde im Jahre 1339 von König Johann von Böhmen (1296  1346) das Wappen des heiligen Wenzeslaus mit dem einköpfigen schwarzen Adler verliehen. Es fand bald allgemeine Verwendung in Trient und begegnet dem Besucher heute als Wappen der Autonomen Provinz Trento im Stadtbild überall. Als höchste Aus-zeichnung verleiht die Provinz den Orden „L’Aquila di San Venceslao“.

Fürstbischof Georg von Liechtenstein: Ein bedeutender Kunstförderer

Konfliktreich war die Regierungszeit des Georg von Liechtenstein (Giorgio di Liechtenstein) aus dem bedeutenden österreichisch-mährischen Adelsgeschlecht, der von 1390 bis 1419 Fürstbischof war. Im Jahre 1407 kam es zum Aufstand unter der Führung des aus einer angesehenen Trienter Familie stammenden Rodolfo Belenzani. Die gegründete Stadtrepublik (Repubblica trentina) war jedoch nur von kurzer Dauer. Der Aufstand wurde 1409 von Tiroler Truppen niedergeschlagen, Rodolfo Belenzani fand dabei den Tod. Aus heutiger Sicht hat sich Georg von Liechtenstein als bedeutender Kunstförderer verdient gemacht. Der berühmte Monatszyklus im Adlerturm des Schlosses Buonconsiglio wurde von ihm in Auftrag...

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