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Trust no Reality: Eine soziologische Analyse der X-Files

AutorMarkus Wiemker
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl217 Seiten
ISBN9783638100182
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis27,99 EUR
Magisterarbeit aus dem Jahr 1998 im Fachbereich Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen, Note: 1,0, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Institut für Soziologie), 96 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: A. Relevanz und Darstellung I. Text und Kontext 'The X-Files is a product of its time not because it holds a mirror to reality but because it reflects the mindset of its era:...' (Lavery et al. 1996: 2) Warum soll man eine Fernsehserie untersuchen, die sich mit übernatürlichen Phänomenen, Entführungen durch Außerirdische und Regierungsverschwörungen befaßt? Im folgenden werde ich versuchen einige Antworten auf diese Frage zu geben. Erstens stellen mediale Texte wie zum Beispiel Fernsehserien als symbolische Formen der Kultur in gewisser Hinsicht ein Abbild unserer Gesellschaft dar. In ihnen werden bestimmte Themen, Strömungen und Entwicklungen, die in unserer Gesellschaft kursieren, aufgegriffen und oft verdichtet umgesetzt. Deshalb hoffe ich mit dieser Untersuchung bestimmte Themen und Diskurse, die in unserer Gesellschaft zirkulieren, besser einzugrenzen und zu erfassen. Exemplarisch versuche ich dies an der Fernsehserie AKTE X zu zeigen, in der in meinen Augen der Übergang von der Moderne zur Postmoderne thematisiert wird. Dieser Übergang läßt sich unter anderem durch eine Problematisierung von Wahrheit und Realität, und einem gesteigerten Interesse für Simulationen, Macht- und Verschwörungs-theorien kennzeichnen. AKTE X bietet Visionen darüber, ob man in einer postmodernen Welt, die immer stärker von Medieninformation und Simulation beherrscht wird, überhaupt noch 'die Wahrheit' erkennen kann. Bestimmte Fernsehserien, wie AKTE X, stellen reale postmoderne Artefakte in unserer medial vermittelten Kultur dar. Die Analyse solch eines medialen Textes kann deshalb die vielfältigen und schillernden postmodernen Theorieansätze bereichern und hoffentlich zu einer präziseren Fassung des Begriffes der Postmoderne beitragen. Zweitens werden mediale Texte unterschiedlich angeeignet, weshalb mein Ziel bei der Untersuchung von AKTE X nicht nur die Analyse bestimmer Inhalte des medialen Textes ist, sondern auch wie der Zuschauer diese Inhalte interpretiert und weiterverwendet. Wie die Inhalte einer Fernsehserie aufgenommen und verarbeitet werden, kann bei der gleichen Serie sehr unterschiedlich sein. Ein Teil der Zuschauer von AKTE X empfindet die Rezeption der Serie 'nur' als reine Unterhaltung, wobei andere sich wiederum hauptsächlich mit den in der Serie aufgegriffenen Diskursen beschäftigen, indem sie darüber reflektieren und diskutieren. [...]

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Leseprobe

B. Vom Text zum Kontext: Postmoderne Theorien und Cultural Studies


 

III. Postmoderne Theorien


 

1. Ursprung und Entwicklung


 

„Die Postmoderne ist ein Ort der Gelegenheit und ein Ort der Gefahr; und sie ist beides aus denselben Gründen.“ (Bauman 1992: 320)

 

„Auch für uns gibt es keine Zuflucht und keinen Ausweg aus der postmodernen Welt.“ (Winter 1992: 20)

 

Einleitend möchte ich vorausschicken, daß es kaum einen Begriff gibt, der hinsichtlich seiner Legitimität, seines Anwendungsbereiches, seiner zeitlichen Ansetzung so umstritten ist, wie der Terminus oder das Konzept der Postmoderne, deswegen muß meine Arbeit zwangsläufig unvollständig und ausrißhaft bleiben. Ich hoffe, daß ich es schaffe, mit meiner Untersuchung einige Aspekte dieser unübersichtlichen Thematik zu erhellen und trotz der Darstellung von eher unvollständigen Ansichten, dennoch ein Gesamtbild zu schaffen. Bei der Darstellung der postmodernen Theorien beziehe ich mich bei meiner Arbeit ganz besonders auf zwei Autoren: Douglas Kellner und Zygmunt Bauman. Wobei ich mich danach noch mit einem Kritiker der Postmoderne Fredric Jameson und verschiedenen anderen Ansätzen zur Postmoderne auseinandersetzen werde. Ich denke, es ist wichtig, verschiedene postmoderne Theorien zu beschreiben, um erstens zu dokumentieren, wie unterschiedlich das Theoriefeld der Postmoderne ist, und zweitens helfen diese verschiedenen Ansätze, AKTE X als postmodernen Text besser zu verstehen Dabei werde ich immer wieder versuchen die Themen, Theorien und Schlüsse der Postmoderne auf Inhalte der Fernsehserie AKTE X anzuwenden. Ich hoffe, durch die Analyse der Serie als exemplarischen Text einer postmodernen Medien Kultur, postmoderne soziale Phänomene und Zustände aufzuzeigen. Denn ich glaube, daß die Untersuchung des Einflusses kultureller Prozesse als Interpretationsrichtung für postmoderne Betrachtungen sehr wichtig ist. Aber wenn man versucht einen postmodernen Text zu analysieren, ist es wichtig, nicht eine vollständige, „wahre“ oder „richtige“ Darstellung des Textes oder seiner Bedeutungen vorlegen zu wollen, da dies, aufgrund der Polysemie von Texten, ein aussichtsloses Unterfangen ist.

 

Zuerst werde ich versuchen einen kurzen und allgemeinen Überblick über den Ursprung des Terminus Postmoderne zu geben um danach die Entwicklung des Begriffes in verschiedenen Bereichen zu beschreiben.

 

Postmoderne ist also ein Ausdruck, der mit sehr divergenten Inhalten gefüllt werden kann, trotzdem lassen sich einige Hauptmerkmale festhalten. Wenn man Postmoderne und Moderne als historische Perioden, als chronologische Entwicklungen sieht, indizieren beide einen bestimmten Zeitrahmen. Dieser Zeitrahmen wird hauptsächlich durch die industriell, ökonomische Entwicklung vorgegeben. Als frühe Moderne bezeichnet man den Zeitraum von 1600 bis 1789, die Zeit der Hochmoderne war von 1789 bis 1945, und heute befinden wir uns in der Spätmoderne oder Postmoderne.

 

Zuerst werde ich versuchen die Herkunft der Begriffe „postmodern“, „Postmodernismus“ und „Postmoderne“ aufzuzeigen. Die meisten Autoren sind der Meinung, daß der Terminus „Postmoderne“ zum erstenmal in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts auftaucht und dort den kulturellen Wandel vom Modernismus zur Zeit danach bezeichnet. Welsch (1987) hingegen sieht das erstmalige Auftauchen des Begriffes „postmodern“ 1917 bei Rudolf Pannwitz, dort in dem Zusammenhang des „postmodernen Menschen“, der, im Sinne Nietzsches, die dekadente und nihilistische Moderne überwinden sollte. (vgl. Welsch 1987: 12/13) Nach Featherstone wird der Begriff „Postmodernismus“ erstmals 1934 von Frederico de Onis, im Sinne einer unbedeutenden Reaktion auf den Modernismus, genauer als die Werke einer kurzen Periode im Bereich der spanisch- amerikanischen Literatur, benutzt. Der Terminus „Postmoderne“ taucht dann erstmalig 1947 bei Arnold Toynbee auf und kennzeichnet eine neue Periode der westlichen Zivilisation, die schon 1875 begann und den Übergang vom nationalstaatlichen Denken zur globalen Interaktion bezeichnen sollte. (vgl. Featherstone zitiert nach Welsch 1987: 12/13)

 

Als nächstes werde ich versuchen die Entwicklung des Begriffs innerhalb verschiedener Disziplinen wie der Literatur, Architektur, Kunst, Philosophie und Soziologie zu beschreiben.

 

„Als erstes ist dabei festzustellen, daß es noch keine einheitliche Sicht des Postmodernismus gibt, die für alle Bereiche - Architektur, Literatur, Musik, Kunst, Photographie, darstellende Kunst, Philosophie und Kritik - einsichtig wäre.“

 

(Featherstone 1990: 222)

 

In der Literatur der fünfziger Jahre bezeichnet Postmoderne die Fortsetzung des Modernismus, mit Öffnung zur bildenden Kunst und der Pop Art. 1959 taucht der Begriff Postmoderne zum ersten Mal bei Irving Howe auf, dort bezeichnet er ursprünglich ein Erschlaffen und Nachlassen der innovatorischen Potenz und Durchschlagskraft, war also eher negativ gemeint.

 

In den 60er Jahren wird er dann in einem positiven Sinne von Kritikern wie Susan Sontag benutzt und bezeichnet die Verbindung von Elite und Massenkultur. Diese Literatur kam von Autoren wie Norman Mailer, Leonard Cohen, Thomas Pynchon oder John Barth. (vgl. Welsch 1990: 14/15) Grundlegende Charakteristika bildeten sich heraus:

 

„Postmodernes liegt dort vor, wo ein grundsätzlicher Pluralismus von Sprachen, Modellen, Verfahrensweisen praktiziert wird, und zwar nicht bloß in verschiedenen Werken nebeneinander, sondern in ein und demselben Werk, also interferentiell.“ (Welsch 1990: 16/17)

 

In der Architektur bedeutet Postmodernismus die Abkehr vom Funktionalismus und Rationalismus durch spielerischen Umgang mit Bauformen und Stilmixturen, wie zum Beispiel gut in den Bauten von Ch. W. Moore oder R. A. M. Stern zu sehen ist. In der Architektur bürgert sich dieser Stil erst 1975 durch Charles Jencks ein und steht für eine Architektur, die mindestestens doppelt, meist aber mehrfach codiert ist. Das bedeutet, daß beispielsweise traditionelle und moderne, elitäre und populäre, internationale und regionale Codes zusammengeführt werden. (vgl. Welsch 1987: 19/20)

 

In der Kunst taucht der Begriff Postmoderne um 1978 als internationaler Sammelbegriff auf.

 

„[Postmoderne] Wie >Transavantgarde< und >Nachmoderne< internationale Sammelbezeichnung für die zeitgenössische Kunsttendenz seit 1978, die an die konzeptuelle Kunst anschloß, um zugleich in starke Opposition zur klar definierten Objektivität von Minimal und Concept Art zu treten. Typisch für die postmoderne Malerei ist ein beliebiger Rückgriff auf das Zeichenrepertoire der Mythen- und Kulturgeschichte, ein rigoroser Subjektivismus, der Mut zu verblüffenden Bilderfindungen durch historische Bildzitate, das Abklopfen mythischer Bilder auf ihren Emotionsgehalt und eine lustvolle Sinnlichkeit im spontanen Umgang mit Farben und Formen.“ (Thomas 1986: 20)

 

Auch Welsch (1987) glaubt, daß der Begriff der „Transavantgarde“, der 1980 von Achille Bonito Olivia geprägt wurde, in seiner Bedeutung dem Begriff der Postmoderne sehr nahe kommt. Allgemein kann man sagen, daß die Periode der Postmoderne im Bereich der Kunst die Bewegung ist, die der Moderne, mit ihren Schulen (hauptsächlich von 1880 bis 1940) des Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus, Kubismus u.s.w., folgt. Postmoderne Kunst entstand also überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders in den sechziger Jahren, wobei bekannte Künstler Andy Warhol oder Roy Lichtenstein waren. Die Arbeiten der postmodernen Künstler wurden oft als eklektizistisch betrachtet, womit man den Rückgriff, oft mangels eigenschöpferischer Leistung, auf die Stilmittel verschiedener Künstler früherer Epochen, meint.

 

Featherstone (1990) sieht die Postmoderne in der Kunst auch als eine Auflösung der Grenzen zwischen Hochkultur und Massenkultur. (vgl. Featherstone 1990: 226) Postmodernismus als Epochenbezeichnung wird in der Kunst der sechziger Jahre zur Kennzeichnung der Arbeiten von Rauschenberg, Cage, Burroughs und Barthelme populär, dort soll er eine Gegenbewegung zum musealen, akademischen und als erschöpft geltenden Hochmodernismus beschreiben.

 

(vgl. Featherstone 1990)

 

Postmoderne als eine Richtung in der Philosophie wird meistens mit den Post-Strukturalisten in Beziehung gebracht. Ende der Siebziger kommt der Postmodernismus nach Frankreich, wo er von Autoren wie Lyotard und dann in Gestalt von Derridas poststrukturalistischen Dekonstruktionismus aufgegriffen und wieder in den Vereinigten Staaten populär wird. (vgl. Featherstone 1990) Bei Jean-Francois Lyotard taucht der Begriff erstmalig 1979 auf und beschreibt den Zusammenhang neuer Technologien und Wissens. (vgl. Welsch 1987: 32) Die Postmoderne bezeichnet meist die französische Philosophie, die in späten Sechzigern und frühen Siebzigern durch Jacques Derrida, Gilles Deleuze, Michel Foucault, Jean-Francois Lyotard, Jean Baudrillard oder He­lene Cixous bekannt wurde. Der Stil dieser postmodernen Philosophen ist sehr literarisch und beherrscht von Themen, wie der Unsicherheit und dem Unvermögen zu kommunizieren, den Unterschieden in der Gesellschaft, dem Fehlen von Ursprünglichkeit und Herkunft, besonders in der Wissenschaft, und...

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