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Über Berauschung, deren Folgen und Verhütungs- und Heilmittel dagegen. Alkoholsucht

Die Sicht auf die Alkoholabhängigkeit, Alkoholkrankheit und Alkoholiker im frühen 19. Jahrhundert

AutorRobert Macnish
Verlagneobooks Self-Publishing
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl130 Seiten
ISBN9783748589150
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,99 EUR
Die Sicht auf die Alkoholabhängigkeit im frühen 19. Jahrhundert. Der schottische Arzt und Schriftsteller Robert Macnish (15. Februar 1802 - 16. Januar 1837) war wohl einer der ersten Mediziner, die Trunksucht als Krankheit erkannten. Dieses frühe Werk gibt einen tiefen Einblick in die damaligen Behandlungsmethoden, zudem über die Trunkenheit im Allgemeinen. Ferner durchleuchtete Robert Macnish auch andere berauschende Substanzen, wie Opium und Lachgas. Selbst über den Tabak wusste er einiges zu berichten, wie etwa die Bestrafung des Tabakgenusses durch das 'Abschneiden der Nase' im alten Russland. Ein faszinierendes Werk für jedermann;, und ein Muss für alle, die mit Geschichte, Medizin oder Suchterkrankungen zu tun haben.

Die Sicht auf die Alkoholabhängigkeit im frühen 19. Jahrhundert. Der schottische Arzt und Schriftsteller Robert Macnish (15. Februar 1802 - 16. Januar 1837) war wohl einer der ersten Mediziner, die Trunksucht als Krankheit erkannten.

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Leseprobe

Drittes Kapitel. Phänomene der Trunkenheit:




Die Folgen der Trunkenheit sind schrecklich, aber der Genuß selbst hat seine Reize. So lange die Täuschung währt, ist die Glückseligkeit vollkommen. Sorgen und Traurigkeit werden verscheucht und das Elysium (Vollkommenes Glück) mit aller seiner Herrlichkeit zeigt sich der verblendeten Phantasie des Trinkers. Einige Schriftsteller haben von der Seligkeit des Zustandes vollkommener Trunkenheit gesprochen; aber dieses dürfte wohl nicht die angenehmste Periode sein, sondern vielmehr jene, wenn eine Person weder ganz betrunken, noch ganz nüchtern in einem Mittel-Zustande zwischen beiden ist. Diese Stimmung tritt ein, wenn die spirituösen Theile beginnen, sich nach dem Gehirn zu ziehen, wenn der Geist seine Fittiche entfaltet und sich von der Erde aufzuschwingen bestrebt, wenn die Zunge etwas geläufiger im Munde, und das frühere Stillschweigen, insofern ein solches Statt fand, gebrochen wird.

Welches sind die Empfindungen der beginnenden Trunkenheit?

Zuvörderst bemächtigt sich eine ungewöhnliche Heiterkeit des Gemüthes, und es wird mit ruhiger Selbst- Genügsamkeit erfüllt. Nach und nach vernimmt der Trinker ein sanftes und nicht unmusikalisches Getöse, während jeder Pause der Unterhaltung, in seinen Ohren. Es scheint ihm, als schwebe sein Kopf leichter als gewöhnlich zwischen den Schultern. Darauf zieht eine Art von Dunkelheit, wie ein feiner Nebel vor seinen Augen vorüber, und läßt ihm alle Gegenstände etwas undeutlich erscheinen. Die Lichter scheinen sich zu bewegen und stellen sich doppelt dar. Zu gleicher Zeit wird das Herz mit Heiterkeit und Wärme erfüllt. Die Phantasie wird immer thätiger und gaukelt eine Menge entzückender Bilder vor.

Der Trinker wird gesprächig und theilt in begeisterten Worten die Gedanken mit, welche urplötzlich in seinem Gehirn aufsteigen. Jetzt tritt eine Stimmung allgemeiner Zufriedenheit mit sich und der ganzen Welt ein. Er denkt nicht mehr an Unglück und Elend, und ergibt sich ganz der Seligkeit des Augenblicks. Dieses ist der Höhepunkt – die Ekstase ist jetzt vollkommen.

Das Denkvermögen ist noch in leidlichem Zustande; es wurde nur erschüttert, aber nicht ganz zurückgedrängt. Um diese Zeit schwatzt der Trinker alle Geheimnisse seines Herzens aus. Seine guten oder schlechten Eigenschaften äußern sich ohne Rückhalt, und in diesem Zustande, wenn in irgend einem, läßt sich das menschliche Herz durchschauen. Kurz darauf bemächtigt sich seiner der unwiderstehliche Drang, Unsinn zu sprechen, wenn er sich auch dessen vollkommen bewußt ist; ebenso begeht er manche thörichte Streiche, von denen er weiß, daß sie thöricht sind. Die Willenskraft, welche sich dem Urtheil unterwirft, scheint gänzlich geschwächt zu sein. Die angenehmste Periode ist wohl jene unmittelbar vor der, in welcher er gesprächig wird. Wenn dieses Statt findet, so macht sich der Trinker gewöhnlich lächerlich und seine, wenn auch geräuschvollere Heiterkeit ist nicht mehr so ansprechend.

Darauf verdunkelt sich die Scene. Die Einbildungskraft des Trinkers wird mit den abentheuerlichsten Erscheinungen erfüllt. Statt mit Trinken nachzulassen, stürzt er immer schneller ein Glas nach dem andern hinunter. Es wird ihm schwindlicht vor den Augen, die Lichter brennen blau, oder grün, oder gelb, und wo vielleicht nur drei auf dem Tische stehen, sieht er deren ein Dutzend. Seinem Temperament gemäß ist er verliebt, oder musikalisch, oder zanksüchtig. Bei Manchen werden die Geisteskräfte gesteigert und sie entwickeln einen ungewöhnlichen Witz.

Nach und nach aber versagt die Sprache und die Zunge vermag keine Worte mehr zu artikuliren. Der Mund ist halb geöffnet und die Züge nehmen einen geistlosen Ausdruck an, während die Augen gläsern und wässericht erscheinen. Der Trinker bildet sich leicht ein, daß er Jemanden aus der Gesellschaft beleidigt habe, und er ist lächerlich freigebig mit seinen Entschuldigungen. Häufig hält er eine Person für eine andere oder verwechselt auch die Individuen, welche er vor sich sieht, mit Abwesenden oder selbst mit Verstorbenen.

Die Muskelkraft wird in dieser Periode sehr affizirt (Beeinflussen, Reizen).

Dieser Zustand tritt schon ein, bevor in der Geistesstimmung eine merkliche Veränderung Statt findet, und nimmt nach und nach zu. Er kann nicht mehr mit festem Schritte gehen, sondern wankt von einer Seite zur andern. Seine Glieder werden kraftlos und versagen ihm den Dienst. Er ist sich jedoch seines Zustandes in dieser Beziehung nicht immer bewußt, und während er durch seine seltsamen Bewegungen sich lächerlich macht, bildet er sich ein, mit vollkommener Sicherheit einherzutreten. Wenn er zu laufen versucht, so glaubt er mit außerordentlicher Schnelligkeit über den Boden zu schweben. Seinen Blicken scheinen alle Menschen und selbst die unbelebte Natur betrunken zu sein, während er allein sich für nüchtern hält. Die Häuser schwanken von einer Seite zur andern, als hätten sie ihr Gleichgewicht verloren und selbst die Erde scheint unter seinen Füßen zu entgleiten und ihn in der Luft sich bewegen zu lassen.

Die letzte Periode des Betrunkenseins ist jene gänzlicher Gefühllosigkeit. Der Trinker fällt vielleicht unter den Tisch und wird in einem empfindungslosen Zustande auf sein Lager gebracht. Sind sein Bewußtsein und sein Gefühl, wenn auch sehr abgestumpft, doch noch nicht ganz ertödtet, so beginnt jetzt das Elend, welches dem früheren Entzücken zu folgen bestimmt ist. Kaum liegt sein Kopf auf dem Kissen, so fühlt er das heftigste Pochen im Gehirn. Sein Herz klopft schnell und stark gegen die Rippen, er vernimmt ein Geräusch, wie jenes eines entfernten Wasserfalls oder eines rauschenden Stromes.

Eine dunkle Erinnerung an seine Ausschweifungen erwacht, wie ein unbestimmter Traum, in seinem Gedächtniß. Er hört noch wie im Echo das Geschrei und Gelächter seiner Gefährten. Wilde phantastische Ideen drängen sich in seinem Geiste. Der Schwindel ist größer als je zuvor, und er hat die Empfindung, als würde er auf hoher See in einem Schiffe gewiegt.

Endlich versinkt er unmerklich in einen tiefen Schlaf. Am Morgen erwacht er in fieberhaftem Zustande. Die Haut des Körpers ist ausgetrocknet und besonders das Innere der Hände fühlt sich wie Leder an. Oft wird er durch heftige Kopfschmerzen geplagt. Er fühlt großen Durst, während seine Zunge belegt, trocken und steif ist. Auch das Innere des Mundes ist ausgetrocknet und zusammengezogen, und selbst die Kehle oft wund.

Der Blick ist trübe und stier, alles Feuer ist aus ihm gewichen, und die Augen sind noch empfindlich gegen das Licht. Die Gesichtsfarbe ist bleich und kränklich, und deutet körperliche und geistige Erschöpfung an. Der Appetit ist verschwunden, und selbst jetzt hat ihn das Delirium der Betrunkenheit nicht verlassen, denn noch pocht es in seinem Kopfe, das Herz klopft heftig, und sobald er sich erheben will, sinkt er schwindlicht zurück. Die Gemüthsstimmung ist niedergedrückt und traurig, und er erinnert sich mit Mißvergnügen der Ereignisse der durchschwärmten Nacht. Er bereuet sein Benehmen, verspricht feierlich, sich nie wieder so hinreißen zu lassen, und verlangt ungeduldig etwas, um seinen Durst zu löschen.

Dieses sind die gewöhnlichen Erscheinungen eines berauschten Zustandes. Im Anfange der Trunkenheit ist der Trinker zum Schlaf geneigt, besonders wenn er allein ist. In Gesellschaft wird dieses durch das Geräusch und die Lebhaftigkeit des Gespräches verhindert, und sobald eine gewisse Quantität getrunken wurde, vermindert sich die einschläfernde Wirkung.

Wer gut bei einem Trinkgelage auszuhalten wünscht, sollte nie viel sprechen, indem dieses die Trunkenheit beschleunigt, weshalb auch jeder erfahrene Trinker diese Vorsichtsmaßregel zu beobachten pflegt.

Der Schwindel der Trunkenheit ist immer größer im Dunkeln als bei Licht. Ich weiß dafür keinen Grund anzugeben, aber so viel ist gewiß, daß der Betrunkene nie seinen wahren Zustand so genau kennt, als wenn er allein und im Dunkeln ist. Vielleicht beschäftigt das Geräusch und das Licht den Geist, und macht für den Augenblick die körperlichen Empfindungen weniger fühlbar.

Es giebt Personen, die, wenn sie auch nur wenig trinken, unwohl werden, und dieses ist im Ganzen ein günstiger Umstand, da er ihnen einen wohlthätigen Zügel anlegt, wenn sie auch zur Unmäßigkeit geneigt sein sollten. Man wird im Allgemeinen in solchen Fällen finden, daß das Unwohlsein gleichzeitig mit der Empfindung des Schwindels eintritt, und es scheint durch denselben veranlaßt zu werden. Dieses ist jedoch ein seltener Umstand, denn obgleich der Schwindel gewöhnlichen Ursachen leicht Uebelbefinden veranlaßt, so hat der aus der Trunkenheit entstehende selten diese Wirkung. Das Uebelsein der Berauschung entsteht fast immer aus dem überladenen Zustande des Magens und sehr selten aus dem ihn begleitenden Schwindel.

Die Trunkenheit pflegt oft Anfangs den Appetit zu vermehren. Vielleicht würde man sich richtiger ausdrücken, wenn man sagte, daß berauschende Getränke, indem sie den Magen reizen, diese Wirkung haben. Wir sehen oft Eßbegierde und Trinksucht zusammen vereinigt, und dieses dauert fort bis zu der letzten Periode, wo der Magen in Folge von Ueberladung und Ueberreizung sich durch Brechen erleichtert. Die Thätigkeit der Nieren wird besonders im Anfang der Trunkenheit sehr vermehrt.

Wenn eine große Quantität berauschenden Getränks plötzlich in den Magen gebracht wurde, so erscheinen die gewöhnlichen Symptome der Trunkenheit nicht. Es erfolgt plötzlich eine gänzliche Abstumpfung, welche nicht der Ausdehnung der Gehirngefäße, sondern einer plötzlichen Wirkung auf die Magen-Nerven zugeschrieben werden muß....

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