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E-Book

Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen

Der Unternehmer Axel Springer

AutorTim von Arnim
VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl417 Seiten
ISBN9783593416878
FormatePUB/PDF
KopierschutzDRM/Wasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
'Ich wollte Zeitungen machen, die von den Menschen gelesen werden, anständige, moderne, von der gewohnten deutschen Norm etwas abweichende Zeitungen.' Axel Springer

In einer umfassenden Biographie, die erstmals den Unternehmer Axel Springer in den Mittelpunkt stellt, zeichnet der Wirtschaftshistoriker Tim von Arnim den beispiellosen Aufstieg des gelernten Buchdruckers und Journalisten zum größten deutschen Presseverleger nach. Dabei widmet er sich den wichtigsten Erfolgsfaktoren in Springers verlegerischer Arbeit - seiner charismatischen Führung, seinen Netzwerken und seiner schöpferischen Innovationskraft, die millionenfach verkaufte Pressetitel wie 'Hör zu' oder 'Bild' hervorbrachten.

Von den verlegerischen Anfängen im Zweiten Weltkrieg bis zum Rückzug Axel Springers in den 1970er-Jahren erzählt Tim von Arnim die Geschichte einer der schillerndsten und zugleich umstrittensten Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit.

Ausgezeichnet mit dem E.ON Bayern Kulturpreis 2012.

Tim von Arnim, geboren 1975, studierte nach einer Bankausbildung Wirtschafts-, Geschichts- und Politikwissenschaften an den Universitäten Passau und Eichstätt-Ingolstadt. Er arbeitet als Managementberater und lebt in München.

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Leseprobe
Altonaer Anfänge: Erste unternehmerische Schritte

'Inzwischen habe ich mich nun sehr bemüht, unseren Buchverlag auszubauen, was mit einigen recht schönen Anfangserfolgen geschehen ist', kommentierte Axel Springer seine ersten unternehmerischen Schritte im Dezember 1942. Dem verlegerischen Auftakt waren bewegte Monate vorausgegangen. Im Mai 1941 hatte die Reichspressekammer die kriegsbedingte Stilllegung der vom Vater Hinrich Springer herausgegebenen Hamburger Neuesten Zeitung verfügt. Für den traditionsreichen Hammerich & Lesser-Verlag bedeutete die Anordnung die weitgehende Einstellung des Verlags- und Druckereibetriebs, der sich damals in der Altonaer Königstraße befand. Schwere Erschütterungen im Familienkreis blieben nicht aus. Insbesondere Hinrich Springer, genannt Heino, konnte das Ende der Hamburger Neuesten Zeitung, die zwanzig Jahre im Mittelpunkt seines unternehmerischen Wirkens gestanden hatte, körperlich und seelisch nicht verkraften. Tief resigniert, aber auch unter den Symptomen einer fortschreitenden Schüttellähmung leidend, zog er sich weitgehend aus dem Geschäftsleben zurück und schuf damit den notwendigen unternehmerischen Freiraum für seinen Sohn. Der Verlust der gesicherten Redakteursstellung hatte jedoch auch Axel Springer in eine monatelange Phase der untätigen Orientierungslosigkeit gestürzt - einen seelischen Zustand, den er angesichts der weltpolitischen Situation wohl nur mit denjenigen Altersgenossen teilte, die entweder vom Krieg gezeichnet im Lazarett lagen oder, wie er, aus gesundheitlichen Gründen als wehruntüchtig eingestuft worden waren. Nachdem ein Einstieg in das Kinogeschäft gescheitert war, wandte sich Springer 1942 auf Anregung von Felix Jud, einem angesehenen Hamburger Buchhändler und engen Freund der Familie, dem Verlagsgeschäft zu. Felix Jud, der 'Prototyp eines systemkritischen Buchhändlers', gab die Empfehlung, an die Buchverlagstraditionen des Hammerich & Lesser-Verlags anzuknüpfen und mit Blick auf den niederschmetternden Kriegsalltag leichte belletristische Literatur zu verlegen. Um die begrenzte verlagskaufmännische Erfahrung des 30-Jährigen wissend, regte Jud eine Zusammenarbeit mit dem versierten und über beste Verbindungen verfügenden Verleger John Jahr an, den Springer von gemeinsamen Aufenthalten auf der Nordseeinsel Sylt kannte. John Jahr versagte dem charismatischen Nachwuchsunternehmer seine Hilfe nicht und wurde rasch zum engsten Geschäftspartner und persönlichen Mentor.

Herkunft, Jugend und Ausbildung

Axel Springers materielle wie immaterielle Voraussetzungen für einen Einstieg in das Buchverlagsgeschäft waren gut. Er verfügte über einen funktionsfähigen Druckereibetrieb, über ausreichende Papiervorräte und über Liquiditätsreserven, die sich unter anderem aus der Abfindungssumme der Reichspressekammer in Höhe von 100.000 Reichsmark speisten. Von weitaus größerer Bedeutung für den künftigen verlegerischen Erfolg war jedoch seine persönliche Prägung. Immerhin war der Sohn eines Verlags- und Druckereibesitzers seit Kindesbeinen darauf vorbereitet worden, das Familienunternehmen zu übernehmen. Alle Erziehung und Ausbildung hatten nach Ansicht des Vaters diesem Ziel zu dienen. Einen weitaus größeren Einfluss entwickelte allerdings die temperamentvolle Mutter Ottilie Springer, mit der Springer bis zu ihrem Tod 1960 ein besonders enges Verhältnis verband. Die von hohen Bildungsidealen erfüllte Ottilie Springer weckte nicht nur das geistige, literarische und musische Interesse des Kindes, sondern prägte auch entscheidend das wertkonservative Weltbild und die idealistischen Vorstellungen Springers. Während der gemeinsamen Theater- und Opernbesuche entwickelte sich frühzeitig seine Faszination für die Bühne, den Gesang und das bohemehafte Künstlerleben. Sehnlichster Wunsch des Jugendlichen war eine Laufbahn als Opern- und Operettensänger; jahrelang nahm er Gesangsunterricht. Angesichts der weltfremden Träume des Juniors war der Vater sicherlich nicht unglücklich darüber, dass der 16-Jährige aufgrund pubertärer Faulheit und Querulanz an den schulischen Anforderungen scheiterte und eine Drucker- und Setzerausbildung im elterlichen Unternehmen beginnen musste. Es folgten Volontariate bei der Papiergroßhandlung Sieler & Vogel, der Hamburger Dependance des Wolffschen Telegrafenbüros und bei der Bergedorfer Zeitung, bevor Axel Springer im Oktober 1933 in die Redaktion der väterlichen Altonaer Nachrichten, später Hamburger Neueste Zeitung eintrat. In diesen Lehrjahren eignete sich Springer das Druck- und Verlagsgeschäft 'von der Pike auf' an und legte die fachlichen Grundlagen, ohne die sein großer verlegerischer Erfolg wohl nicht möglich gewesen wäre. Dass er sich trotz seiner jugendlichen Sprunghaftigkeit und seines zunehmend bohemehaften Lebensstils so bemerkenswert in die Lehrbetriebe einfügte, lag sicherlich nicht zuletzt daran, dass ihm das Druck- und Verlagsgeschäft seit frühen Kinderzeiten vertraut war. In den Anfangsjahren lebten die Eltern in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hammerich & Lesser-Verlag, so dass er einen Großteil seiner Kindheit und Jugend im Betrieb verbrachte. Diese Jahre waren für sein verlegerisches Wirken in vielfacher Weise prägend. Insbesondere galt dies für Springers späteren Führungsstil, der in seinem eigentümlichen Patriarchalismus und in seiner Sozialorientierung dem seines Vaters glich. Zudem wurde der junge Axel Springer tagtäglich Zeuge eines beeindruckenden unternehmerischen und gesellschaftlichen Aufstiegs, den der aus kleinen Verhältnissen stammende Vater vollzog. Drei Jahre vor Axel Springers Geburt hatte der gelernte Buchdrucker den traditionsreichen Altonaer Verlag Hammerich & Lesser erworben. Der große Ruf des 1789 begründeten Verlagshauses, einst als der 'norddeutsche Cotta' gefeiert, war 1909 längst verblasst und an die Stelle literarischer Werke waren Drucksachen und Familienanzeigen getreten. Nach der Inflationszeit gelang es Hinrich Springer, in Zusammenarbeit mit Altonaer Vereinen erst ein Wochenblatt und wenig später mit den Altonaer Nachrichten eine liberale Tageszeitung zu etablieren, die bald zum bedeutsamsten Presseorgan des holsteinischen Ortes wurde. Immer häufiger verkehrten Künstler, Schriftsteller und Politiker von lokaler Bedeutung im Hause der liberal gesinnten Familie, die mittlerweile die beengten Verhältnisse des Altonaer Stadtkerns verlassen hatte und in die repräsentativen Elbvororte gezogen war. Die wirtschaftlichen Verhältnisse bildeten nicht nur die materiellen Voraussetzungen für eine unbeschwerte Kindheit; sie trugen offenbar auch maßgeblich zur Unbekümmertheit bei, die Springer zeitlebens im Umgang mit Geld an den Tag legte.

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