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Und plötzlich aus der Spur ...

Leben nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und anderen neurologischen Erkrankungen. Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige

AutorAngela Luppen, Harlich H. Stavemann
VerlagBeltz
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl211 Seiten
ISBN9783621282079
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis20,99 EUR
Für Patienten mit »erworbenen« hirnorganischen Erkrankungen ist das Leben nicht mehr so, wie es vor ihrer Erkrankung war. Sie erleben starke Beeinträchtigungen im täglichen Leben und Handeln, z.B. in den Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache oder Motorik. Häufig fällt es ihnen sehr schwer, diese Beeinträchtigungen zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen. Das Patientenbuch spricht die Probleme der Betroffenen direkt an und hilft ihnen, ihre Erkrankung zu verstehen, zu akzeptieren und das Beste aus ihrer aktuellen Situation zu machen. Sie geben Tipps, wie man weiteren Belastungen vorbeugt, unnötige belastende Gefühle loswird, keine Selbstwertprobleme entwickelt und neue Lebensziele findet. Alle Hinweise und Übungen basieren auf der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Das Buch wendet sich an Betroffene, die unter den Folgen dieser Krankheiten leiden: •Schlaganfall •Schädel-Hirn-Trauma •Hirntumor •Multiple Sklerose •Entzündungen des Gehirns Aus dem Inhalt Was ist bloß passiert? • Bleibt das jetzt so? Möglichkeiten der Genesung und der Therapie • Akzeptieren, nicht resignieren. Zusätzlicher Belastung durch unrealistische Genesungsziele vorbeugen • Wo ist mein altes Ich? Unfall- oder krankheitsbedingte bleibende Änderungen von Persönlichkeit und Verhalten • Ängstlich, ärgerlich oder verzweifelt? Unnötig belastende Gefühle loswerden • Leiste ich nicht (mehr) genug? • Ich bin nicht mehr 'der/die Alte' - und nun? Alte Lebensziele an die neue Situation anpassen • Schuldgedanken oder -vorwürfe • Hilfe - mein(e) Partner(in) ist nicht mehr die/derselbe! Was Angehörige wissen sollten oder: Hilfestellung für Angehörige • Umgang mit Fachchinesisch. Übersetzungshilfen für medizinische und psychologische Fachbegriffe • Hier finden Sie Hilfe

Dipl.-Psych. Angela Luppen, Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis in Bad Oeynhausen.

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Leseprobe

1Was ist bloß passiert?


Alle neurologischen Erkrankungen, mit denen wir uns in diesem Buch beschäftigen, haben eines gemeinsam: Sie betreffen in mehr oder weniger intensivem Ausmaß die Funktionsfähigkeit des Gehirns. Schauen wir zunächst, was das bedeuten kann.

1.1  Das Gehirn


Das Gehirn ist die Kommandozentrale des Körpers, hier kommen alle Informationen an, die über die verschiedenen Sinnesorgane aus der Umwelt oder aus dem eigenen Körper aufgenommen werden. Hier werden sie weiterverarbeitet und führen zu entsprechenden Reaktionen, wie zum Beispiel zur Flucht vor einer Gefahr oder zum Lachen über einen Witz.
Das Gehirn ist unter anderem zuständig für unser Denken, unser Gefühlsleben und für unser Verhalten. Ein Großteil der Hirntätigkeit bezieht sich auch auf Vorgänge, die unbewusst ablaufen, wie zum Beispiel die Regulierung unseres Stoffwechsels und der Herzschlagfrequenz.
Um diese vielfältigen Aufgaben bewältigen zu können, ist das Gehirn mit seinen 100 Milliarden Nervenzellen darauf angewiesen, jederzeit mit ausreichend Sauerstoff versorgt zu werden. Hierfür sind eine ungestörte Sauerstoffzufuhr durch die Atmung und ein funktionierender Kreislauf, also ein reibungsloser Transport des Sauerstoffs zum Gehirn über das Blut, notwendig.
Bei einem Kreislaufstillstand, wie er zum Beispiel im Rahmen eines Herzinfarkts vorkommen kann, kann kein Sauerstoff über das Blut zum Gehirn transportiert werden. Schon nach wenigen Minuten kommt es dann zu einem Sauerstoffmangel und in der Folge zum Absterben von Gehirnzellen. Je mehr Gehirnzellen dabei absterben, umso größer sind die Konsequenzen in Form von Ausfallerscheinungen. Diese können sich zum Beispiel in Gedächtnis-, Sprach- oder Bewegungsstörungen zeigen oder auch in Wesensveränderungen.
Mögliche Beeinträchtigungen bei Hirnschädigungen
Bei jeder Erkrankung oder Verletzung des Gehirns kann es zu typischen Beeinträchtigungen kommen:
  • Halbseitenlähmung des Arms, des Beins (Fachbegriff ? Hemiparese) oder des Gesichts (Fachbegriff ? Facialisparese)
  • Störungen der Bewegungsabläufe (Fachbegriff ? Apraxie)
  • Empfindungsstörungen (zum Beispiel Kribbeln in klar umgrenzten Körperpartien, Fachbegriff ? Sensibilitätsstörung)
  • Sprach- und Sprechstörungen (Fachbegriffe ? Aphasie, ? Dysarthrie)
  • Schluckstörungen (Fachbegriff ? Dysphagie)
  • Dreh- oder Schwank-Schwindel, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen (zum Beispiel Doppelbilder oder Gesichtsfeldeinschränkungen, Fachbegriffe ? Diplopie, ? Hemi- und Quadrantenanopsie)
  • Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit in den Bereichen Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, Wahrnehmung/räumliche Leistungen, Denken, Planen und Handeln
  • psychische Veränderungen (zum Beispiel Fachbegriff ? Depressionen)

1.2  Häufige Erkrankungen des Gehirns


Nachfolgend betrachten wir die häufigsten Schädigungen des Gehirns, die zu neurologischen Störungen führen und die oben aufgeführten Konsequenzen nach sich ziehen können.

1.2.1  Schlaganfall


Beim Schlaganfall führen plötzlich auftretende Durchblutungsstörungen im Gehirn zu einem Sauerstoffmangel in den Nervenzellen. Es gibt verschiedene Formen von Schlaganfällen.
Hirninfarkt. Am häufigsten, in ca. 80 Prozent der Fälle, sind es Hirninfarkte, bei denen die Adern, die das mit Sauerstoff angereicherte Blut transportieren, verengt sind oder sich ganz verschließen. So kann das Blut nicht mehr zu bestimmten Hirnregionen gelangen. Die Nervenzellen dieser Hirnregion werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, können deshalb nicht mehr reibungslos funktionieren und beginnen abzusterben.
Abhängig davon, welche Hirnregion nicht versorgt wird, führt dies zu ganz typischen Ausfallerscheinungen (siehe obige Übersicht S. 12).
Hirnblutung. Seltener kommt es zu Hirnblutungen, weil ein Blutgefäß im Gehirn einreißt oder platzt und Blut ins umliegende Hirngewebe sickert. Dadurch erhöht sich einerseits der Druck im Schädel und andererseits werden bestimmte Hirnregionen nicht mehr richtig mit Blut versorgt, weil ja die geplatzte Ader nicht mehr ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllen kann. Auch hier können in den betroffenen Hirnregionen dann Nervenzellen ihre Funktion nicht mehr reibungslos erfüllen und beginnen, wegen mangelnder Sauerstoffversorgung abzusterben.
!
Das bedeutet: Schlaganfälle sind Notfälle!
Um die Chance auf eine komplette Genesung zu erhöhen und den im Gehirn verursachten Schaden möglichst gering zu halten, sollten die medizinische Untersuchung und Behandlung des Betroffenen zügig beginnen.
Vorgehen bei Schlaganfällen
In manchen Krankenhäusern gibt es Stationen, die auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind (Fachbegriff ? Stroke-Unit).
Zunächst geht es darum, die Atmung und einen ausreichenden Sauerstoffgehalt im Blut zu gewährleisten.
Der direkte Nachweis des Schlaganfalls erfolgt über eine ? Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (Fachbegriff ? Magnetresonanztomographie [MRT]) des Kopfes.
Bildhafter Nachweis von Schlaganfällen
? Computertomographie (CT). Eine Computertomographie liefert Schichtaufnahmen des Kopfes, die mithilfe von Röntgenstrahlen und eines Computertomographen erstellt werden. Ein Computertomograph ist ein röhrenförmiges Gerät, in das der Betroffene auf einer speziellen Liege hineingeschoben wird. Die einzelnen Aufnahmen gibt das Gerät an einen Computer weiter, der sie auswertet und als Bild anzeigt. Um die Organe und Blutgefäße besser darzustellen, kann der untersuchende Arzt ein Kontrastmittel spritzen.
? Magnetresonanztomographie (MRT). Die Magnetresonanztomographie kommt ohne Röntgenstrahlen aus. Auch mit der MRT kann man Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugen. Der Betroffene wird auf einer Liege in eine Röhre hineingeschoben, die von einem starken Magnetfeld umschlossen wird. Die physikalischen Grundlagen dieses Verfahrens sind für den Laien sehr kompliziert und werden daher an dieser Stelle nicht im Einzelnen erläutert. Auch bei dieser Untersuchungsmethode wird ein Kontrastmittel gespritzt. Es gelangt über das Blut in den ganzen Körper. In den Schichtaufnahmen ist es wegen seiner helleren Farbe gut zu erkennen. So ist es möglich, Blutgefäße vom umliegenden Gewebe abzugrenzen. Das Kontrastmittel sammelt sich oft vermehrt in Tumoren. Diese kann man auf den Aufnahmen dann gut erkennen. Häufig eingesetzt wird die MRT beim Verdacht auf Entzündungen, Geschwulste oder Verletzungen am Gewebe.
Behandlung des Schlaganfalls
Auf den durch diese Untersuchungsmethoden erstellten Bildern des Gehirns kann der Arzt genau sehen, wo der Schlaganfall passiert und wie groß das geschädigte Gebiet ist.
Sollte eine Ader teilweise oder ganz durch ein Blutgerinsel verstopft sein, kann dieses durch ein Medikament, das in den Blutkreislauf gespritzt wird, aufgelöst werden (Fachbegriff ? Lysetherapie). Diese Therapie ist nur innerhalb der ersten Stunden nach dem Hirninfarkt möglich und in der Regel nur durch Spezialisten durchführbar.
Bei Hirnblutungen wird operiert, wenn der Druck im Schädel zu sehr steigt. Wenn möglich, wird die Blutungsquelle durch verschiedene Operationstechniken verschlossen.
Außerdem geht es auch immer darum, einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Deshalb wird im Krankenhaus nach Risikofaktoren gesucht: In Frage kommen zum Beispiel Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, verengte Arterien (das sind die Adern, die das mit Sauerstoff angereicherte Blut transportieren) im Hals oder Kopf, Herzfehler, Veränderungen der Gefäßwände, Diabetes mellitus (»Zuckerkrankheit«).
Doppler-Sonographie. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung der Adern (Doppler-Sonographie) kann der Arzt untersuchen, ob die Gefäße im Hals oder Gehirn verengt sind. Die Doppler-Sonographie ist eine spezielle Ultraschall-Untersuchung, mit der die Fließgeschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen gemessen wird. So lassen sich Gefäßverengungen entdecken.
Wird eine Ursache für den Schlaganfall gefunden, kann diese entsprechend behandelt werden, zum Beispiel indem der Betroffene einen »Blutverdünner« einnimmt. Häufig findet man aber auch keinen konkreten Auslöser des Schlaganfalls.

1.2.2  Schädel-Hirn-Trauma (SHT)


Ein Schädel-Hirn-Trauma wird durch äußere Gewalteinwirkung auf den Schädel herbeigeführt, etwa durch einen Sturz oder einen Verkehrsunfall. Durch diese Gewalteinwirkung prallt das Gehirn gegen die Innenseite des Schädels. An dieser Aufprallstelle und an der genau gegenüberliegenden Seite entstehen Hirnprellungen (Fachbegriff ? Kontusionen), die sich auch bei der Untersuchung mit den oben beschriebenen bildgebenden Verfahren CT und MRT zeigen.
Folgen des Schädel-Hirn-Traumas
Wenn dabei Adern verletzt werden, treten an einzelnen Stellen Blutungen auf. Stoffwechselprodukte, die weitere Hirnsubstanz schädigen können, werden freigesetzt. Neben diesen klar umgrenzten Verletzungen können auch ungeordnete, nicht scharf begrenzte Verletzungen von Nervenfasern im Inneren des gesamten Gehirns auftreten. Man spricht dann von diffusen Schädigungen. Die Verletzungen sind nur leicht und fast nicht sichtbar, aber über das gesamte Gehirn verteilt. Sie entstehen dadurch, dass beim...
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