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E-Book

Unendliche Hoffnung

Was kommt nach dem Tod?

AutorHermann-Josef Frisch
VerlagPatmos Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl144 Seiten
ISBN9783843604208
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Vergänglichkeit, Sterben und Tod sind ständig in unserer Nähe, in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und im Beruf. Dies konfrontiert uns mit Fragen, auf die sich nur schwer Antworten finden lassen: Gibt es eine Perspektive über den Tod hinaus? Was dürfen wir hoffen? Wie haben wir uns ein Jenseits, ein ewiges Leben oder gar Wiedergeburten vorzustellen? Wie lauten die Antworten der großen Religionen und der geistigen Strömungen der Menschheit? Vor allem aber: Wie stelle ich mich selbst zu meinem persönlichen Sterben, zum Ende meines Lebensweges - kann und darf ich hoffen? Dieses Buch stellt die Antwortversuche und Vorstellungen der Religionen und Weltanschauungen kompakt dar und gibt so einen einzigartigen und lebenspraktischen Überblick.

Hermann-Josef Frisch, geboren 1947, ist Priester des Erzbistums Köln. Er ist einem breiten Publikum bekannt durch vielfältige Veröffentlichungen in den Bereichen Religionsunterricht, Gemeindekatechese, Gebet-, Glaubens- und Geschenkbücher.

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Leseprobe

Die Frage nach Tod und Jenseits


Die Erde, auf der wir leben,

ist im Grunde ein riesiger Friedhof.

Ein immens großer Friedhof all dessen, was gewesen ist.

Wenn wir anfangen würden zu graben,

fänden wir überall zu Staub zerfallene Knochen,

die Überreste des Lebens.

Kannst du dir vorstellen,

wie viele Abermilliarden von Lebewesen

auf dieser Erde gestorben sind?

Die sind alle da!

Wir laufen ständig über einen unendlich großen Friedhof.

Tiziano Terzani, Das Ende ist mein Anfang

Was der Journalist und Schriftsteller Terzani hier am Ende seines Lebens, den Tod vor Augen, im Gespräch mit seinem Sohn äußert, ist eine Erfahrung, die viele Menschen machen und die von Schriftstellern immer wieder in poetische Formen und in tiefsinnige Aussprüche gefasst wird. Der französische Dichter und Philosoph Albert Camus (1913–1960) formuliert: »Wir sind alle zum Tod verurteilt!« Und der Illustrator und Autor Walter Moers (*1957) schreibt: »Der Tod wohnt in uns allen.«

Der Dramatiker und Lyriker Friedrich Hebbel (1813–1863) beschreibt die Vergänglichkeit allen Lebens im Bild der Rose:

»Ich sah des Sommers letzte Rose stehen.

Sie war, als ob sie bluten könne, rot:

Da sprach ich schaudernd im Vorübergehen:

›So weit im Leben ist zu nah am Tod!‹

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,

Nur leise strich ein weißer Schmetterling;

Doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag

Bewegte, sie empfand es und verging.«

Der Theologe und Schriftsteller Lothar Zenetti (*1926) greift vergleichbar in seiner poetischen Form für unsere Zeit die Frage nach dem allgegenwärtigen Tod auf:

»Wir kommen und gehen

Wolken im Wind

Wer kann es verstehen

Wozu wir sind?

Wir kommen und gehen

Spuren im Sand

Die Spuren verwehen

Keinem bekannt?«

Der romantische Dichter Clemens Brentano (1778–1842) dichtet in seinem Erntelied, aufbauend auf mittelalterliche Totentanzlieder:

»Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,

Er mäht das Korn, wenn’s Gott gebot;

Schon wetzt er die Sense,

Dass schneidend sie glänze,

Bald wird er dich schneiden,

Du musst es nur leiden;

Musst in den Erntekranz hinein,

Hüte dich, schöns Blümelein.«

In ähnlicher Weise äußert sich auch der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788–1860): »Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt.« In seinem Werk »Wilhelm Tell« schreibt Friedrich Schiller (1759–1805):

»Rasch tritt der Tod den Menschen an,

Es ist ihm keine Frist gegeben;

Es stürzt ihn mitten in der Bahn,

Es reißt ihn fort vom vollen Leben.«

Die Hinfälligkeit und Begrenztheit der Menschen und die Allgegenwart des Todes fasst der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami (*1946) in folgendes Bild: »Der Tod begleitet das Leben wie der Schatten das Licht.« Und Kurt Tucholsky (1890–1935), Dichter und Journalist, greift mit einem Spruch die Gedankenwelt des mittelalterlichen Totentanzes auf und macht die Gleichheit aller Menschen vor dem Tod deutlich: »Dies ist die wahrste aller Demokratien, die Demokratie des Todes.«

Die Dichter und großen Denker hatten und haben keine Scheu, das Thema Tod anzusprechen und poetisch zu reflektieren. Weil der Tod notwendigerweise zum Leben gehört, muss er auch im literarischen Werk Berücksichtigung finden. Der chinesische Philosoph Lü Buwe (ca. 300–236 v. Chr.) fasst die Aufgabe der Denker wie folgt zusammen: »Gründlich das Leben zu kennen ist des Weisen wichtigste Aufgabe. Gründlich den Tod zu kennen ist der Weisheit letzter Schluss.«

Die Sprichwörter und Redeweisen der Volksweisheit personifizieren den Tod in der Regel. Da »schaut man dem Tod ins Auge«, »der Tod klopft an die Türe«, »der Tod hält reiche Ernte«. Auch deutet das Wort »mit dem Tod ringen« auf ein personalisiertes Verständnis des Todes hin (ähnlich englisch: »to shake hands with death«). Der Tod ist in vielen Bildern der »Sensenmann«, der als Gerippe mit einer Sense in der Hand (»Schnitter Tod«) erscheint, um einen Menschen abzuholen und aus dem Leben zu reißen. Oft hält er auch eine Sanduhr als Zeichen der Vergänglichkeit in der Hand, etwa in Albrecht Dürers (1471–1528) Kupferstich »Ritter, Tod und Teufel«.

Die Umgangssprache kennt eine Fülle von oft derben Ausdrücken für sterben: »Er hat den Löffel abgegeben, ihm ist die Pfeife ausgegangen, er hat sich fortgemacht, er ist über Bord gegangen, er hat sich einen Holzrock (Sarg) machen lassen, er wird nach Melaten (Kölner Friedhof) getragen, er ist vor die Hunde gegangen, er hat den Deckel (Sargdeckel) auf die Nase gekriegt, er hat die Augen auf Null gestellt, er hat ins Gras gebissen, er sieht sich die Radieschen von unten an ...«

Eine für uns eher befremdende Sitte findet sich in Zentralafrika. Dort werden kleine Kinder mit ungewöhnlichen Namen versehen, damit die bösen Geister abgeschreckt werden und sich nicht an ihnen vergreifen. Erst wenn die Kinder älter sind, erhalten sie ihre richtigen Namen. Kleine Kinder heißen dort etwa: »Kufa-Loli – du stirbst morgen«, »Dhevilete – der Tod wird dich nicht schonen«, »Bdudhe – Todeskandidat für morgen« ...

Auch die Bibel kennt Sprüche über die Vergänglichkeit des Menschen, etwa:

 »Unsere Tage zu zählen lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz« (Psalm 90,121).

 »Denn Staub bist du, zum Staube musst du zurück« (Genesis/1 Mose 3,19).

 »Du (Gott) lässt die Menschen zurückkehren zum Staub ... Am Morgen säst du die Menschen aus; sie gleichen dem sprossenden Gras. Am Morgen grünt es und blüht, am Abend wird es geschnitten und welkt« (Psalm 90,3.5–6).

 »Der Tod führt sie (die auf sich selbst vertrauen) auf seine Weide wie Schafe, sie stürzen hinab zur Unterwelt ...« (Psalm 49,15).

 »Wo ist der Mann, der ewig lebt und den Tod nicht schaut, der sich retten kann vor dem Zugriff der Unterwelt?« (Psalm 89,49)

 »Die Lebenden erkennen, dass sie sterben werden, die Toten aber erkennen überhaupt nichts mehr« (Kohelet 9,5).

 »Denk daran, dass der Tod nicht säumt und die Frist bis zur Unterwelt dir unbekannt ist« (Jesus Sirach 14,12).

 »Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot« (Jesaja 22,13 und 1 Korinther 15,32).

 »Lehrt eure Töchter die Klage, eine lehre die andere das Totenlied: ›Der Tod ist durch unsre Fenster gestiegen, eingedrungen in unsre Paläste. Er rafft das Kind von der Straße weg, von den Plätzen die jungen Männer. Die Leichen der Leute liegen wie Dünger auf dem Feld, wie Garben hinter dem Schnitter; keiner ist da, der sie sammelt‹« (Jeremia 9,19b–21).

 »Es ist alles Windhauch und Luftgespinst« (Kohelet 2,17).

(Vgl. dazu auch das Kapitel »Vorstellungen der Hebräischen Bibel/des Alten Testaments«.)

Der Tod ist allgegenwärtig und wird von den großen Denkern reflektiert. Aber in der Alltagswelt der Menschen erscheint er nur störend am Rande. Er wird die meiste Zeit tabuisiert; wenn dann doch ein Todesfall im persönlichen Umfeld eintritt, so ver»stört« das die Menschen. Anders dachte das Mittelalter: Hier galt das »Memento mori« (mittelalterliches Mönchslatein aus »Memento moriendum esse« = »Bedenke, dass du sterben musst«). Dieser Satz entstammt der Frömmigkeit der Zisterzienserklöster, gewinnt aber in der Zeit der Pest in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in der etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung qualvoll starb, eine besondere Bedeutung. Das ist die Zeit, in der Pestkreuze mit den Leidenswerkzeugen Jesu und Pestsäulen (etwa in Wien und Prag) errichtet werden, aber auch Totentanzdarstellungen (etwa in Lübeck) und -lieder en vogue sind.

Noch Martin Luthers Lied, das auf einen älteren lateinischen Text aufbauet, »Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen« (EG 518) lebt aus dieser Spiritualität, sich des Todes mitten im Leben bewusst zu sein und von da aus zu einer entsprechenden Lebensgestaltung zu kommen. Dahinter steht dann allerdings oft die Angst vor dem Jüngsten Gericht und vor Hölle oder Fegefeuer (vgl. dazu das Kapitel »Jenseitsvorstellungen – Topografie des Jenseits«), aber auch die vergleichbaren Vorstellungen in anderen Religionen im Kapitel »Die Antworten der Weltreligionen«. Die bildende Kunst greift das »Memento mori« vor allem in Stillleben auf, bei denen die Vergänglichkeit allen Lebens durch verblühte Blumen, verfaulende Früchte, aber auch durch eine erloschene Kerze oder durch Uhren deutlich wird, manchmal sogar durch einen Totenschädel (etwa Paul Cézanne, »Stilleben mit Schädel«, 1895). Auch gibt es sehr eigenständige Werke des Kunsthandwerks, etwa ein Handtuchhalter aus dem 16. Jahrhundert, dessen rechte Hälfte als schöne Frau,...

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