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E-Book

Unser letzter Tanz

Die Liebe ist immer stärker als der Krebs

AutorLisa Niemi Swayze
VerlagPiper Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl384 Seiten
ISBN9783492961295
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Wie soll man weitermachen, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist? Patrick Swayzes Frau Lisa erzählt in ihrem Buch von dem gemeinsamen Kampf gegen seine Krankheit, von den letzten Stunden mit ihrem Mann und von ihrer tiefen Trauer nach dessen Tod. Aber sie gibt auch Einblick in ihre glückliche Zeit vor Patricks Erkrankung und beweist, welch unglaubliche Kraft der Liebe innewohnt. Eindrücklich zeigt sie, wie wir mit dem Verlust eines Menschen umgehen können, ohne daran zu zerbrechen.

Lisa Niemi Swayze, geboren 1956, ist amerikanische Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin. 1975 heiratete sie den Schauspieler Patrick Swayze.

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Leseprobe

Kapitel 1


Märchen


In dem Moment, in dem ich mein Notebook zur Hand nahm, um mit dem Schreiben dieses Buchs zu beginnen, wurde ich von Gefühlen überflutet, gegen die ich eine ganze Zeit lang einen Damm zu errichten versucht hatte. Sie sind wie eine Woge, die aus endlosen Tränen zusammengesetzt ist und mich daran erinnert, dass ich noch lange nicht genug geweint habe.

Die Gefühle, die in mir aufwallen, lassen Erinnerungen aus der weit zurückliegenden Vergangenheit lebendig werden. Und die Einzelheiten schreien in meinem Kopf und meinem Herzen laut auf: jedes Mal, wenn ich meine Gefühle unterdrückt habe, jedes Mal, wenn ich gelächelt habe, während die Welt um mich herum zusammenbrach, und jedes Mal, wenn ich eine schlechte Nachricht verdauen musste und positiv reagiert habe, wenn ich mit vorgespielter Tapferkeit gelacht habe, anstatt in Tränen aufgelöst zu sein, wie es eigentlich angemessen gewesen wäre ...

Für das Privileg, sich um den Menschen, den man liebt, kümmern zu können, während er stirbt, muss man eine schwere Bürde auf sich nehmen, aber ich würde diese Bürde gegen nichts in der Welt tauschen. Ich habe immer gesagt, dass ich zum Weinen später noch jede Menge Zeit haben würde. Als Patrick seine Diagnose erhielt, sah es zunächst so aus, als hätte er nur noch Wochen zu leben. Dann waren es Monate. Wir erlebten glücklich das Verstreichen eines ganzen Jahres. Und wir ließen uns auch dann nicht unterkriegen ... Einundzwanzig Monate sind eine lange Zeit, um für den Menschen, den du liebst, gegen einen Feind wie den Krebs anzukämpfen. Eine lange Zeit, um standhaft und stark zu bleiben. Jetzt, nach all dem Kampf, bin ich ausgespien worden, bin auf der anderen Seite, alleine, und versuche herauszufinden, wie ich mein Leben weiterleben soll.

Heiß und kalt.

Gerade jetzt unterliege ich extremen Gefühlsschwankungen.

Während ich diese Zeilen schreibe, im Mai 2010, sind mehr als sieben Monate vergangen, seit ich Patrick verloren habe, und ich beobachte mich dabei, wie ich abwechselnd die schlechten Zeiten, die wir miteinander durchgemacht haben, verteufle, oder den guten huldige. Dazwischen gibt es nichts.

Deshalb treibt mich genau in diesem Augenblick die Frage um, wie ich objektiv über uns, über ihn reden soll. In einer Weise, die eine treffende, wenn auch hier und da emotional gefärbte Vorstellung davon bietet, was tatsächlich passiert ist, wie er wirklich war, wer ich gewesen bin und wer ich jetzt bin. Denn eins kann ich Ihnen sagen: Ich bin heute ein anderer Mensch. Einer, der ins Feuer geworfen und neu geschmiedet wurde. Einer, dem all die schönen Dinge genommen wurden, die mich vor der Welt und vor mir selbst beschützt haben.

Es war und ist hart, hier draußen in der Kälte zu leben. Ich halte überall nach einem Rettungsfloß Ausschau, aber es ist keins in Sicht. Keiner der üblichen Rettungsanker, die mir Halt gewähren könnten. Keine weiteren tröstlichen Illusionen. Doch dieser Mensch, der ich bin, ist real, leidvoll in diesem immer schneller werdenden Spurt, diesem Spurt, der ohne meinen Mann stattfindet ... aber real. Und weil ich real bin, gibt es Möglichkeiten.

Nun gut, so fängt man wohl eigentlich kein Buch an, aber ... ich denke, ich habe einen finsteren Tag, einen dieser Tage, die ich manchmal durchlebe, seit ich meinen »Buddy« verloren habe (»Buddy« war sein ganzes Leben lang sein Spitzname). Und ja ... ich denke, ich bin traurig.

Ich denke, ich habe gehofft, all das, was ich mit ihm erlebt habe, mit einer netten kleinen Verbeugung zum Abschluss zu bringen. Und mich in dieser Weise daran zu erinnern. Auf Armeslänge. Wenn ich jetzt ein bisschen sarkastisch wirke, ist dies einfach nur meinem Versuch geschuldet, ein wenig Abstand zu der Geschichte zu bekommen, die ich erzähle. Und bedauerlicherweise weiß ich, dass meine Bissigkeit ein Versuch ist, den Verlust nicht zu spüren. Denn wenn ich über ihn rede (wie ich es hier tue), vermisse ich ihn so sehr. So entsetzlich. So ganz und gar, dass ich mich frage, wie ich es schaffen soll, den nächsten Augenblick zu erleben.

Moment mal ...

... na bitte.

Ich habe es bis zum nächsten Augenblick geschafft.

Und genau so gelingt es dir, die schlimmen Phasen des Kummers zu überwinden. Indem du dich von einem Moment zum nächsten hangelst.

Und jetzt will ich von ihm reden. Darüber, wer er war, als er noch hier auf der Erde weilte. Mein wunderbarer Mann. Ich möchte diese Geschichte erzählen, bevor ich mich bereits zu weit von ihr entfernt und vergessen habe, wie die letzten zwei Jahre wirklich waren. Weil wir nun einmal vergessen. Es ist nur real, wenn du es erlebst. Danach, mit dem Verstreichen der Zeit, ist es irgendwann nur noch das Nacherzählen einer Geschichte.

Es ist schon seltsam, dass immer so viel über Scheidungsstatistiken geredet wird. Wenn du heiratest, kommst du nicht umhin, dir dessen bewusst zu sein, dass die soeben geschlossene Ehe mit einer nahezu fünfzigprozentigen Wahrscheinlichkeit mit einer Scheidung enden wird. Es gibt Daten darüber, wie viele Paare sich scheiden lassen, wenn die Partner zwischen zwanzig und dreißig sind, wie viele diesen Schritt tun, wenn sie zwischen dreißig und vierzig sind, und so weiter, wie viele heterosexuelle Paare betroffen sind und wie viele homosexuelle. Es gibt Fernsehserien, in denen geschiedene Männer und Frauen die Hauptrolle spielen, es gibt Bücher über die Scheidung und Bücher, die von Geschiedenen geschrieben wurden, es gibt bedeutende Filme, die sich um eine Scheidung drehen, gar nicht zu reden von all den Geschiedenen, denen man in seinem Alltag ständig über den Weg läuft, nicht wahr? Und dann gibt es die Kinder geschiedener Eltern, die Bücher, die diese Kinder schreiben, wenn sie erwachsen sind, die Filme, die aus diesem Stoff entstehen, die Kinder, die zwangsweise zu dem einen oder dem anderen Elternteil gebracht oder sogar entführt werden. Es gibt so viele Informationen darüber, was passiert, wenn Ehen scheitern.

Doch niemand redet jemals darüber, wie es ist, wenn Ehen funktionieren.

Was passiert, wenn man zusammenbleibt? Sollte diese Frage doch Gegenstand tiefer gehender Erörterungen gewesen sein, habe ich das nicht wirklich auf meinem Radar gehabt. Die kurze Antwort auf die Frage, was passiert, wenn Ehen funktionieren, lautet: Und so lebten sie glücklich miteinander bis ans Ende ihrer Tage. So heißt es im Märchen. Aber wir leben nicht in einem Märchen, oder?

Niemand redet über die Formel »Bis dass der Tod uns scheidet«, die am Ende des traditionellen Ehegelübdes steht. Was sie bedeutet, was sie wirklich bedeutet. Ich finde es witzig, wie viele Leute diese Formel in »solange wir beide leben« oder »alle Tage unseres Lebens« abgewandelt haben. Ich kann nachvollziehen, dass die Sache mit dem Tod ein bisschen schaurig klingt, aber die beiden Alternativen bieten doch jede Menge Schlupflöcher. Ich meine, man kann jemanden durchaus in bester Erinnerung behalten – nachdem man ihn aus dem gemeinsamen Zuhause rausgeworfen hat. Als die Dinge sich 2003 zwischen Patrick und mir so furchtbar entwickelten, dass ich für ein Jahr auszog, wusste ich dennoch ohne jeden Zweifel, dass ich ihn bis ans Ende aller Zeiten lieben würde, und trotzdem hatte ich die Absicht, ihn in den Wind zu schießen und mich scheiden zu lassen, wenn unsere Beziehung sich nicht ändern sollte. (Zum Glück tat sie das.) Die anderen alternativen Ehegelöbnisse lassen mich gleichermaßen auflachen: »Bis in alle Ewigkeit« (kann man so etwas wirklich versprechen?), oder eines, das ein noch offensichtlicheres Hintertürchen zum Ausstieg bereithält: »Was auch immer das Leben uns bescheren möge.« Aber das ist zumindest ehrlich. Niemand will in einer schlecht laufenden Ehe gefangen sein.

»Bis dass der Tod uns scheidet.« So hatten Patrick und ich es bei unserer Eheschließung gesagt. Ich hatte bereits dafür gesorgt, dass die Worte »zu ehren und zu gehorchen« aus dem Gelöbnis gestrichen wurden. Die Formel »Bis dass der Tod uns scheidet« hatte ich irgendwie übersehen. Ich war achtzehn, ich wusste, dass der Tod existiert, aber noch war er für mich allenfalls ein abstrakter Begriff, etwas, das in weiter, ferner Zukunft lag. So weit, dass ich mir noch keine Gedanken darum machen musste.

Wir wurden von dem besten Priester getraut, von Pater Welch. Pater Welch war ein Freund der Familie Swayze. Patricks Mutter Patsy hatte in früheren Jahren bei einigen Musiktheateraufführungen mit ihm zusammengearbeitet und meinte, dass er einen schrägen Sinn für Humor habe. Sie erzählte uns, wie der Pater eines Tages zu ihr kam und schwärmte: »Hey Patsy, ich habe eine tolle Idee für die Aufführung. Lass uns eine richtig elegante Dame in einem schicken Ballkleid auf die Bühne schicken, und wenn sie zu dem Stuhl kommt, zieht sie ihr Kleid hoch, hockt sich hin wie eine Landarbeiterin und fängt an, ein Huhn zu rupfen! Ist das nicht großartig?« Ich sah Patrick an und stellte trocken fest: »Klingt großartig.«

Und Pater Welch war großartig. Während meines Traugesprächs mit ihm, das, wie ich erfuhr, für eine katholische Hochzeit unerlässlich war, schreckte ich im Stillen davor zurück, all die Fragen bezüglich eines Übertritts zum katholischen Glauben, zum Großziehen von Kindern und zur Geburtenkontrolle mit Ja zu beantworten. Doch er machte eine wegwerfende Handbewegung, trug »Ja«, »Ja«, »Ja« ein und erklärte mir, dass all diese Fragen sowieso in einigen Jahren geändert werden würden, weshalb meine Antworten ohnehin keine Rolle spielten. Ich finde es zum Brüllen komisch, damals so ehrlich und...

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