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Visualisierung von Textprozessen

Die kommunikative Organisation von Informationen durch Bilder

AutorAnnely Rothkegel, Graziella Tonfoni
VerlagDUV Deutscher Universitäts-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl215 Seiten
ISBN9783835091627
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis46,99 EUR
Ein konsistentes visuelles Repräsentationssystem knüpft an Erfahrungen und Bildwelten in anderen Lebens- und Wissenschaftsbereichen an und verdeutlicht durch visuelle Metaphern (geometrische Figuren, Textmaschinen), die die Prozesse des Textverstehens und Textproduzierens nachvollziehbar machen, wie Information und Kommunikation im Text zusammenkommen. Die Autorinnen zeigen, dass die metaphorische Sprache insgesamt ein konzeptuelles Instrument für Theorie und Praxis der Arbeit an Dokumenten bildet und dass sich das vorgestellte System sowohl für den Umgang mit Geschichten als auch zur Organisation der E-Mail-Kommunikation einsetzen lässt.



Dr. Graziella Tonfoni ist Professorin für Linguistik an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Visualisierung sowie Sprach- und Sprachgebrauchstheorie.
Dr. Annely Rothkegel ist Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft an der TU Chemnitz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Linguistische Textanalyse und Textproduktion, Fachkommunikation und Dokumentation.

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Leseprobe
Kapitel I (S. 1)

1 Sprache und Information

1.1 Einführung: die wissenschaftliche Aufgabe

Eine Theorie des qualitativen Folgerns über Kommunikation ist die Voraussetzung für ein System der Verarbeitung natürlicher Sprache. Das in diesem Buch dargestellte System des qualitativen Folgerns betrifft vornehmlich Aspekte der Kommunikation und Information, wie sie in der natürlichen Sprache vorkommen. In diesem Sinne handelt es sich um ein „natürliches" Modell.

Zunächst geht es darum, die einzelnen Aspekte der Kommunikation zu unterscheiden und zu identifizieren. Darüber hinaus wird ein wissenschaftliches System entworfen, das ausgewählte Sprachfakten in angemessener Weise handhaben kann. Dazu gehören Prozesse des Verstehens und Produzierens von Texten und Dokumenten. Sie werden beschrieben und in einer Systematik aufeinander bezogen.

Beides gehört zusammen. Die Ansicht wird vertreten, dass jeder Sprachwissenschaftler sich nicht nur für die Beschreibung und Katalogisierung von Fakten interessieren, sondern auch für die Konstruktion einer konsistenten Theorie bzw. einer Reihe von Theorien, die solche Fakten auf verschiedene Weise erklären und rechtfertigen können. Dem Sprachphilosophen dagegen obliegt es, nicht nur isolierte Sprachfakten zu analysieren, sondern auch die Art und Weise zu thematisieren, in der solche Fakten vorher erkannt und benannt worden sind.

Dann wiederum mögen die Sprachwissenschaftler spezifisch zu lösende Probleme in der Weise definieren, dass sie eine Reihe konsistenter Regeln und Kriterien erschaffen, die das entstehende System in seinem Zusammenhang erkennbar machen. Die grundlegende Aufgabe einer Wissenschaft von der Sprache ist es, kommunikative Ereignisse zu erklären, die via Sprache stattfinden. Sprachliche Fakten wie auch kommunikative Ereignisse mögen mit beobachtender Methode entdeckt werden.

Einem Gespräch zuhören, wenn es natürlicherweise stattfindet, und es aufnehmen, oder einen Text lesen und analysieren, ohne Einfluss darauf zu nehmen, was gerade stattfindet, sind Experimente, die auf die Analyse authentischer Ereignisse zielen, so dass daraus retrospektiv ein konsistentes Interpretationsmodell geschaffen werden kann.

Chomsky (1957, 1965) hat den Sprachwissenschaftlern ein Modell geliefert, das eine ganze Reihe von „ad hoc"-Experimenten enthält, so z.B., dass man, um Sprachfakten zu beobachten, Muttersprachler nach ihren Bewertungen und Urteilen über bestimmte Phänomene befragt. Im vorliegenden Beobachtungsmodell gibt es keine vorbestimmte experimentelle Situation. So ist sichergestellt, dass die beobachtete Person vollkommen spontan agiert. Nichtsdestotrotz gibt es strikte und stabile Festlegungen hinsichtlich von Beobachtung und Bewertung seitens der Beobachter.

Wie häufig in der Wissenschaft werden auch in dieser Arbeit Prozesse und Phänomene entdeckt, die eigentlich nicht sichtbar sind. Verwendet werden experimentelle Methoden mit spezieller Ausrüstung, die es gestatten, derartige Prozesse und Phänomene unter bestimmten kontrollierten Bedingungen zu evozieren. Die „spezielle Ausrüstung" in meinem Beobachtungsverfahren ist die Fähigkeit zur Selbst-Beobachtung und Selbst- Reflexion. Die Beobachter können erkennen, was bei der beobachteten Person geschieht.

So können sie Bezugspunkte angeben, die Identifikation und konsistente Benennung der beobachteten Phänomene erlauben. Dies ist die Basis für ein vollständiges Referenzsystem, das zu neuen Definitionen und einer spezifischen Terminologie führt. Es versteht sich von selbst, dass es ohne ein allseits geteiltes Interpretationssystem keine Beobachtung relevanter Fakten geben kann, sondern nur eine Sammlung von Zufallsdaten. Daher stelle ich ein solches Interpretationssystem zur Verfügung, das ich entsprechend einführe. Ich folge hier dem allgemeinen Anspruch von Wissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort und Einführung zu Tonfoni „ Visualisierung von Textprozessen“6
Inhaltsverzeichnis12
Abbildungsverzeichnis16
Kapitel I19
1 Sprache und Information19
1.1 Einführung: die wissenschaftliche Aufgabe19
1.2 Theorie und Beobachtung: ein neues System21
1.3 Textrepräsentation24
1.4 Die Rolle visueller Werkzeuge: Nutzer werden Entscheider26
1.5 Theorie und Anwendung: die Verantwortlichkeit des Forschers29
1.6 Selbstbeobachtung als wissenschaftlich unterstütztes Verfahren32
1.7 Zentrale Vorannahme34
1.8 Zur Terminologie: CPP35
1.9 Aktive Energien in der Textarbeit36
1.10 Umgang mit Text38
Kapitel II39
2 Visualisierung der Textrepräsentation39
2.1 Ausgangspunkt: eine Grammatik des Sprachgebrauchs39
2.2 Die Textur als Tiefenstruktur des Textes47
2.2.1 Textleinwände48
2.2.2 Text-Maschinen58
2.3 Die Oberflächenstruktur des Textes65
2.3.1 Text-Zeichen67
2.3.2 Text-Symbole69
2.3.3 Textuelle Lesersymbole74
2.4 Vergleich der Textpräsentation mit der Musiknotation76
2.5 Eine Umgebung für die Textkonstruktion76
2.6 Textverarbeitung als Text-Komposition und Text- Realisierung82
2.7 Segmentieren und Markieren von Textsegmenten: ein mentaler Scanner85
2.8 Textverdichtung86
Kapitel III95
3 Visuelle Werkzeuge für Textakteure95
3.1 Einführung: Sprache und Bild95
3.2 Visuelle Metaphern der Textplanung96
3.3 Visuelle Werkzeuge der Textverarbeitung102
3.4 Textoperation104
Kapitel IV111
4 Wissen schaffen durch Metaphern und Analogien111
4.1 Informationsdesign: mit Metaphern eine Domäne kreieren111
4.2 Was Informationsanalysten tun und wie metaphorische Prozesse ihnen dabei helfen117
4.2.1 Metaphernmodelle117
4.2.2 Anforderungen an die Rekonfiguration119
4.2.3 Management des Schließens durch Analogie124
4.2.4 Schließen über relevante Information129
4.2.5 Zum Abschluss: einige Definitionen131
4.3 Sprache und Physik in Analogie: eine physikalische Sprachtheorie133
4.3.1 Kommunikative Haltung, kognitive Disposition und textuelle Aktivität133
4.3.2 Belichtung und Verdunklung136
4.3.3 Evidenz, Theorie und Terminologie: eine Annäherung an die Physik137
4.3.4 Alte Evidenz, neue Evidenz139
4.3.5 Abstrakte Theorien und mechanische Modelle141
4.3.6 Sprache, Information und Kommunikation144
4.3.7 Kommunikative Kräfte und Energien: wie sie auf Sprache wirken147
4.3.8 Ein makro- und mikroskopischer Blick auf Sprache149
4.3.9 Kognitive Strukturen, Wissensstrukturen, syntaktische Strukturen151
4.3.10 Kommunikationsmuster erkennen154
4.3.11 Eine erklärende Theorie der Pragmatik155
4.3.12 Sachkenntnis und die Beherrschung verschiedener Techniken157
4.3.13 Kommunikative Energie und Textwahrnehmung158
4.3.14 Mechanische Effekte kommunikativer Energie160
4.3.15 Von der Bindungs- zur Fesselungstheorie163
4.3.16 Eine deskriptive, erklärende und präskriptive Theorie der Sprache164
4.3.17 Textwahrnehmung erhöhen166
Kapitel V169
5 Anwendungen169
5.1 Eine Architektur für die E-Mail-Kommunikation169
5.1.1 Kommunikative Semantik des E-Mail-Textes169
5.1.2 Aufgaben und Werkzeuge für die individuelle Textarbeit und die Textarbeit im Team173
5.1.3 Textproduktion im Team183
5.2 Eine Annotationssprache für die kontextsensitive Dokumentation189
5.2.1 Einführung189
5.2.2 Informationswandel: Bedrohung oder Herausforderung?192
5.2.3 Informationen in Päckchen organisieren: eine Gelegenheit zum Lehren und Lernen194
5.2.4 Kodierung zum Zusammen- und Entpacken von Informationen197
Index209
Literaturverzeichnis223

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