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Vom Beruf zur Employability?

Zur Theorie einer Pädagogik des Erwerbs

AutorKatrin Kraus
VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl298 Seiten
ISBN9783531902999
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis52,99 EUR
Angesichts veränderter ökonomischer, gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen ist der 'Beruf' in die Kritik geraten. Neben Flexibilisierung, Individualisierung und Internationalsierung stellen auch die aktuellen Diskurse um Employability und Work-Life-Balance den Beruf als Strukturprinzip der Gesellschaft in Frage - und damit nicht nur die Berufspädagogik vor neue konzeptionelle und theoretische Herausforderungen. Die international ausgerichtete diskurs- und inhaltsanalytische Untersuchung analysiert das Verhältnis von Beruf und Employability vor dem Hintergrund des theoretischen Ansatzes einer 'Pädagogik des Erwerbs'. Sie eröffnet damit neue Perspektiven in der Diskussion um die 'Krise des Berufs'.

Dr. Katrin Kraus ist wissenschaftliche Oberassistentin an der Professur für Berufsbildung der Universität Zürich.

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Leseprobe
5 Der Ansatz des Erwerbsschemas (S. 203-204)

Der Ausgangspunkt für die folgenden konzeptionellen Überlegungen zum Erwerbsschema als gemeinsamem Bezugspunkt von Pädagogik, Individuum und Erwerbssphäre sind insbesondere die Diskussionen um neue Produktions- und Arbeitsformen und die damit einhergehenden Veränderungen der Anforderungen an die Beschäftigten. Diese Diskussionen um neue Formen (abhängiger) Beschäftigung haben auch eine pädagogische Dimension: Zum einen entstehen durch neue Arbeitsformen neue Qualifizierungsbedarfe in fachlicher und überfachlicher Hinsicht.

Zum anderen zeigen sowohl historische Forschungen zur Industrialisierung wie auch Ergebnisse verschiedener aktueller Studien zu neuen Arbeitsformen, dass die damit jeweils verbundenen Anpassungsleistungen über die üblichen Formen der Qualifizierung hinausgehen und auch eine persönliche Dimension sowie den Lebenszusammenhang außerhalb des Arbeitsplatzes mit einbeziehen (vgl. u.a. Raeder/Grote 2000, Lehmkuhl 2002, Pongratz/Voß 2003, Hochschild 2002 und 2003, Kratzer 2003).

Diese Untersuchungen verdeutlichen, dass die spezifische Orientierung der Menschen an Erwerbsarbeit eine wichtige Grundvoraussetzung für die Sicherung des Lebensunterhalts innerhalb der jeweils bestehenden Form der gesellschaftlichen Arbeitsorganisation ist. Im Ansatz des Erwerbsschemas wird dies daher als eine von insgesamt drei Dimensionen berücksichtigt: Neben der Fachlichkeit und den überfachlichen Kompetenzen ist in diesem Ansatz strukturell auch die Dimension der Erwerbsorientierung als Teilaspekt der individuellen Voraussetzung für Erwerbsarbeit einbezogen.

Eine wichtige Basis für die Erarbeitung des Erwerbsschemas als flexiblen Strukturmusters ist die von Pries vorgestellte Idee der "erwerbsstrukturierenden Institutionen". In seinen "Theoretischen Überlegungen zu einer Erwerbssoziologie" geht Pries zwar davon aus, dass die "abhängige Vollzeiterwerbsarbeit" (Pries 1998: 159, Herv. i. Orig.) als "Beschäftigungsart zur dominierenden Form der Daseinsvorsorge geworden ist" (ebd.), er kritisiert aber gleichzeitig die daran anknüpfende theoretische Verengung der wissenschaftlichen – sowohl empirischen als auch theoretischen – Beschäftigung mit Arbeit auf das so genannte `Normalarbeitsverhältnis`.

Er versucht daher, einen Ansatz zu entwickeln, der zwar auch Beschäftigung im so genannten `Normalarbeitsverhältnis` beschreiben kann, aber nicht direkt von diesem ausgeht, was für ihn nicht nur zu einer theoretischen Bereicherung der international-vergleichenden, sondern auch der Forschung in Deutschland beiträgt (vgl. ebd.: 161). In vergleichbarer Absicht ist es Ziel dieser Arbeit, das Erwerbsschema unabhängig von bestehenden Konzeptionen der Schnittstelle von Pädagogik und Erwerbssphäre innerhalb konkreter Formen der Arbeitsorganisation zu entwickeln. Für den deutschen Kontext ist dies analog zum `Normalarbeitsverhältnis` das Berufskonzept, das gerade durch seine starke Stellung im deutschen System in der Regel auch als Folie zur allgemeinen Bestimmung des Verhältnisses von Pädagogik und Arbeit fungiert.

Um zu vermeiden, dass das konkrete Berufskonzept zum Ausgangspunkt für die theoretische Betrachtung anderer Konzepte gemacht wird, die dann quasi an diesem gemessen werden, nehmen die hier vorgestellten Überlegungen ihren Ausgangspunkt bewusst nicht im "Beruf" als einem beste henden Konzept. Der Ansatz des Erwerbsschemas geht vielmehr davon aus, dass ein gemeinsamer Bezugspunkt von Pädagogik, Individuum und Erwerbssphäre theoretisch und strukturell bestimmbare Dimensionen umfasst, die auch die konkreten Konzepte strukturieren und dort jeweils unterschiedliche inhaltliche Ausprägungen erfahren. Der kritische Impuls, den Pries für die Arbeits- und Industriesoziologie formuliert, dass nämlich die starke Stellung eines konkreten Konzepts bisweilen den Blick für andere Formen verdeckt, die ähnliche Funktionen erfüllen, soll hier also für die Berufspädagogik aufgegriffen werden.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt5
Vorwort7
1 Einleitung8
2 Arbeit, Erwerb und Pädagogik19
3 "Employability" – Ansatz, Diskurs und Kontexte53
4 Das Berufskonzept – Entwicklung, Kritik, Stand und Perspektiven140
5 Der Ansatz des Erwerbsschemas199
6 Schlussfolgerungen – "Vom Beruf zur Employability?"258
Literaturverzeichnis269
Zur Autorin293

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