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Vom geduldigen Ausharren zur allumfassenden Prävention

Grippe-Pandemien im Spiegel von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit

AutorDavid Rengeling
VerlagNomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl526 Seiten
ISBN9783845285658
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis115,70 EUR
Die Spanische Grippe von 1918-1920 forderte je nach Diskurs zwischen 25 und 100 Mio. Menschenleben. Nachfolgende Pandemien erreichten nicht annähernd diese Dimension. Ab 1997 wurde die Möglichkeit einer weiteren Influenza-Pandemie umfangreich kommuniziert. In der Folge wurden Milliardenbeträge mobilisiert, um dieser Bedrohung zu begegnen. Das befürchtete Großschadensereignis blieb indes aus. Neben einer historischen Betrachtung der Influenza wird der Reaktualisierung und Rememorierung des Themas Influenza seit dem Ausklingen der Spanischen Grippe nachgespürt. Die grundlegende These besteht darin, dass diskursive Prozesse die Wahrnehmung der Influenza prägen. Die Diskurse speisen sich aus den Erinnerungen an frühere Pandemien und beeinflussen sowohl die Wissensgenerierung zur Influenza als auch deren Risikowahrnehmung. Eine entsprechende Diskursanalyse bietet die Möglichkeit, die Risikowahrnehmung und Risikokommunikation für die Influenza grundsätzlich zu überdenken.

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Inhaltsverzeichnis
Cover1
1. Einleitung17
1.1 Die Wirkmächtigkeit der historisierten Influenza17
1.2 Vom Virus zur Epidemiologie – Zugriffsmöglichkeiten zum Phänomen Influenza32
1.3 Generelle Beobachtungen zur Rezeption von Influenza-Pandemien in den Wissenschaften40
2. Eine kurze Geschichte der Influenza48
2.1 Die Influenza vor der Spanischen Grippe48
2.2 Die Spanische Grippe als pandemische ‚Urkatastrophe‘ des 20. Jahrhunderts51
2.2.1 Herkunft, Ausbreitung und Auswirkungen der Spanischen Grippe51
2.2.2 Maßnahmen gegen die Spanische Grippe im Deutschen Reich55
2.2.3 Die Spanische Grippe im Zeichen des Ersten Weltkriegs58
2.3 Die Entdeckung des Influenzavirus und seiner pathogenen Eigenschaften63
2.4 Die Asiatische Grippe von 1957/195869
2.5 Die Hongkong-Grippe von 1968 bis 197073
2.6 Die Schweinegrippe-‚Panik‘ von 1976/1977 und die Russische Grippe 1977/197879
2.7 Die unvollendete Geschichte der Vogelgrippe und der Geflügelpest ab 199783
2.8 Die sogenannte ‚Schweinegrippe-Pandemie‘ 2009/2010 und die zunehmende Verwendung von Big Data in der Influenzabekämpfung88
3. Die Influenza als Krise des bakteriologischen Denkstils96
3.1 Die Wirkmächtigkeit des bakteriologischen Denkstils96
3.2 Die zeitgenössische Wahrnehmung der Spanischen Grippe101
3.2.1 Die Spanische Grippe im Spiegel von Behörden, Ärzten und der öffentlichen Berichterstattung101
3.2.2 Die Spanische Grippe als Herausforderung des bakteriologischen Denkstils106
3.3 Wissen, Nichtwissen und Erinnerungsdiskurse zur Influenza zwischen Spanischer Grippe und Asiatischer Grippe113
3.3.1 Vergessen der Spanischen Grippe als Krisenreaktion?113
3.3.2 Die Influenza im Deutschen Reich im Anschluss an die Spanische Grippe116
3.3.3 Vorbereitungen für eine deutsche Influenza-Prophylaxe im Zweiten Weltkrieg125
3.3.4 Das Ende des ‚Dritten Reichs‘ als Zäsur im deutschen Influenza-Verständnis?130
4. Das ‚geduldige Ausharren‘ im deutschen Gesundheitssystem134
4.1 Die erste Pandemie nach 1918: Wahrnehmung der Asiatischen Grippe 1957/1958134
4.1.1 DFG-Förderung der Influenza-Forschung in den 1950er und 1960er Jahren134
4.1.2 Geringe Aufmerksamkeit gegenüber der Asiatischen Grippe in deutschen Ministerien, Behörden und der Ressortforschung143
4.1.2.1 Die Wahrnehmung der Influenza in den Bundesbehörden143
4.1.2.2 Diskussionen um die Asiatische Grippe in der bundeseigenen Ressortforschung150
4.1.2.3 Niedersächsische Behörden und die Asiatische Grippe153
4.1.2.4 Impfkampagnen der DDR-Gesundheitsbehörden in den 1950er Jahren158
4.1.3 Die Pandemie von 1957/1958 in medizinischen Zeitschriften162
4.1.3.1 Ärztliche Expertise im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit162
4.1.3.2 Die Influenza im Schatten von Nukleartechnik und Krebsforschung164
4.1.3.3 Die Asiatische Grippe im Fokus der ärztlichen Fachöffentlichkeit167
4.1.4 Die mediale Darstellung der Asiatischen Grippe173
4.1.4.1 Wahrnehmung in der BRD-Presse173
4.1.4.2 Wahrnehmung in der DDR-Presse178
4.1.5 Zwischenfazit: geringe Resonanzen auf die Asiatische Grippe 1957/1958182
4.2 Die letzte große Pandemie: Wahrnehmung der Hongkong-Grippe von 1968 bis 1970185
4.2.1 DFG-Förderung der Virus- und Influenzaforschung im Spiegel des Sonderforschungsbereichs 47185
4.2.2 Die Wahrnehmung der Hongkong-Pandemie in Politik, den Behörden und der Ressortforschung der BRD193
4.2.2.1 Korrespondenz der westdeutschen Gesundheitsbehörden zum Thema Influenza194
4.2.2.2 Das Influenza-Schnellinformationssystem des Bundesgesundheitsamtes 1967–1970202
4.2.2.3 Abwarten der niedersächsischen Behörden während der Hongkong-Grippe213
4.2.3 Die Hongkong-Grippe als Zäsur in der DDR-Gesundheitspolitik220
4.2.3.1 Die erste Grippe-Welle 1968/1969: alarmierte Behörden220
4.2.3.2 Die zweite Grippewelle 1970: besorgte Bürger225
4.2.3.3 Konsequenzen aus den Erfahrungen der Hongkong-Grippe: Genese eines Führungsdokumentes zur Grippebekämpfung229
4.2.4 Resonanzen auf die Hongkong-Grippe in der Deutschen Ärzteschaft235
4.2.5 Die mediale Wahrnehmung der Hongkong-Grippe244
4.2.5.1 Klare Risikomarkierung in der Westpresse, Impfungen als Mittel der Wahl244
4.2.5.2 Gut vorbereitet: Influenza als eine handhabbare Herausforderung in der DDR249
4.2.6 Zwischenfazit: der öffentliche Diskurs um die Hongkong-Grippe als Grundlage für ein präemptives Vorgehen gegen die Influenza255
5. Vorreiterrolle USA: der erste Impfgroßversuch258
5.1 Die narrative Reaktualisierung der Spanischen Grippe in den 1970er Jahren258
5.1.1 Die Erinnerung an die Spanische Grippe in der Belletristik: das Beispiel Collier259
5.1.2 Dem Vergessen entrissen – die Spanische Grippe in der US?Historiographie am Beispiel Crosbys265
5.2 Abwartendes Beobachten der ‚Schweinegrippe 1976/1977‘ bzw. der sogenannten ‚New-Jersey-Grippe‘ durch westdeutsche Behörden270
5.2.1 Keine Großimpfung in der Bundesrepublik Deutschland nach US-amerikanischem Vorbild270
5.2.2 Die Schweine- bzw. New-Jersey-Grippe blieb in Niedersachsen ein virtuelles Phänomen278
5.3 Ausbau der Influenzabekämpfung in der DDR als sozialistisches Leitziel282
5.4 Randständige Position des Schweine- bzw. Jersey-Virus in der deutschen Ärzteschaft291
5.5 Mediale Kritik an der amerikanischen Schweinegrippe-Impfung – ein gescheitertes Großexperiment?297
5.6 Zwischenfazit: die virtuelle Schweine- bzw. New-Jersey-Grippe als epidemiologisches Großexperiment301
5.7 Interludium: die nächste Influenza kommt bestimmt304
6. Auf dem Weg zur ‚allumfassenden Prävention‘309
6.1 Alte und neue Viren: die Angst vor der Vogelgrippe ab den 1990er Jahren309
6.1.1 Das erneute Interesse der Wissenschaften an der Influenza309
6.1.1.1 Vogelgrippe-Alarm vor dem Hintergrund gehäuft auftretender Zoonosen309
6.1.1.2 Die viroarchäologische Entschlüsselung der Spanischen Grippe313
6.1.1.3 Zwischen Gesellschaftskritik und überzogener Alarmierung – Davis' Menetekel der Vogelgrippe316
6.1.2 Die Vogelgrippe in der Perspektive der deutschen Politik und die Implementierung des Nationalen Pandemieplans321
6.1.3 Das Geschäft mit der Angst – das Pandemie-Risiko in der einschlägigen Ratgeberliteratur und der Fall Cystus 052329
6.1.4 Die ausgebliebene Vogelgrippe-Pandemie und eine kritische Sicht auf die erfolgte Risikobewertung und -kommunikation335
6.1.5 Zwischenfazit: Geflügelpest und Vogelgrippe als Alarmsignal und Vorboten der Schweinegrippe 2009/2010342
6.2 Die Schweinegrippe 2009/2010 – der erste Ernstfall nach 40 Jahren?344
6.2.1 Wirkmächtige Historie: wiederholte Rekurse auf die Spanische Grippe im Rahmen der sogenannten Schweinegrippe-Pandemie344
6.2.2 Die Schweinegrippe 2009/2010 in der Perspektive des Deutschen Bundestags und deutscher Behörden350
6.2.3 Die Schweinegrippe als Verhandlungsgegenstand in der deutschen Ärzteschaft361
6.2.3.1 Die ärztliche Fachöffentlichkeit unter dem Eindruck einer sich weltweit verbreitenden Schweinegrippe-Pandemie361
6.2.3.2 Harmlos oder nicht harmlos? Die Schweinegrippe in der Retrospektive369
6.2.4 Die Schweinegrippe-Pandemie als Objekt sich wandelnder medialer Agendasetzungen374
6.2.4.1 Agendaphase I: Alarmierung – eine neue Spanische Grippe?375
6.2.4.2 Agendaphase II: auf dem Weg zum bevölkerungsweiten Vollschutz – ein großangelegter Menschenversuch?383
6.2.4.3 Agendaphase III: die Schweinegrippe-Pandemie und behördliche Risikokommunikation in der medialen Retrospektive392
6.2.5 Zwischenfazit: Das Ziel ist die ‚allumfassende Prävention‘ – die Schweinegrippe von 2009/2010395
6.3 Ausblick: jüngste Ereignisse nach der Schweinegrippe 2009/2010399
6.3.1 Die Influenza – eine immerwährende Bedrohung399
6.3.2 Influenzaviren als Gegenstand von Biosicherheitsdebatten405
7. Fazit411
7.1 Die Influenza als Gegenstand sich wandelnder Diskurse411
7.2 Synthese der Ergebnisse: vom ‚geduldigen Ausharren‘ zur ‚allumfassenden Prävention‘415
7.2.1 Die Influenza zwischen Bakteriologie und Virologie415
7.2.2 ‚Geduldiges Ausharren‘ in den 1950er und 1960er Jahren417
7.2.3 New-Jersey-Grippe 1976/1977: reaktualisierter Erinnerungdiskurs und Sonderweg in den USA418
7.2.4 Vogel- und Schweinegrippe: der Versuch der ‚allumfassenden Prävention‘420
7.2.5 Die vier Phasen des Influenza-Diskurses: vom ‚geduldigen Ausharren‘ zur ‚allumfassenden Prävention‘421
7.3 Schlussfolgerungen und Ausblick423
Abkürzungsverzeichnis431
Glossar 433
Quellen- und Literaturverzeichnis441
Archivalien441
Quellenverzeichnis (gedruckte Quellen)444
Sekundärliteratur464
Interview mit Dr. F. Feil: Leitfaden und Transkript473
Leitfaden für das Interview und Hinweise zur Transkription473
Fragenkatalog474
Transkript des Interviews478

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