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E-Book

Vom individuellen zum organisationalen Lernen

Eine konstruktivistische Analyse

AutorVera Schüerhoff
VerlagDUV Deutscher Universitäts-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl287 Seiten
ISBN9783835090248
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis79,99 EUR
Vera Schüerhoff entwickelt ein Konzept des organisationalen Lernens, das den Übergang von der individuellen zur kollektiven Lernebene anhand von vier Phasen erklärt. Dazu integriert sie die Erkenntnisse des radikalen und sozialen Konstruktivismus und stellt so die Zusammenhänge und Wechselspiele der beiden Lernebenen heraus. Außerdem gibt sie Handlungsempfehlungen zum Umsetzen ihres Lernkonzepts in die Praxis und bedient sich dabei verschiedener Instrumente wie Unternehmenstheater, Coaching, Open Space Technology und Story Telling.

Dr. Vera Schüerhoff promovierte bei Prof. Dr. Jean-Paul Thommen am Department International Management and Consulting der European Business School, Schloß Reichartshausen. Sie ist als Unternehmensberaterin für Heidrick & Struggles tätig.

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Leseprobe
2. Konstruktivismus: Individuelles und kollektives Wissen (S. 27)

Anknüpfend an die Erläuterung der Problemstellung und der Zielsetzung der vorliegenden Arbeit zielt das zweite Kapitel darauf ab, diejenigen Aspekte des radikalen und sozialen Konstruktivismus vorzustellen, die zur Schließung der Forschungslücke relevant sind. Nach einer knappen Erklärung der konstruktivistischen Grundprämissen steht daher die Frage im Mittelpunkt, wie beide konstruktivistischen Spielarten vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Schwerpunktsetzung die Prozesse der Wirklichkeits- bzw. Wissenskonstruktion beschreiben.

Basierend auf diesen Erkenntnissen lassen sich dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Theorieperspektiven voneinander abgrenzen und zu einer Art Synthese zusammenführen. Da diese sowohl individuelle als auch kollektive Erklärungselemente beinhaltet, kann sie sowohl dazu beitragen, den Zusammenhang individueller und organisationaler Lernprozesse zu beschreiben als auch den Übergang von der einen zur anderen Ebene zu erklären.

2.1 Der konstruktivistische Diskurs

2.1.1 Konstruktivismus als Wissens-, Wirklichkeits- und Erkenntnistheorie


Der Konstruktivismus, als erkenntnisleitende Theorie dieser Arbeit, lässt sich als eine Entwicklungsrichtung verschiedener, sich gegenseitig befrüchtender Disziplinen verstehen (beispielsweise Neurobiologies, Psychologie, Philosophie, Kybernetik, Sprachwissenschaften, Soziologie), die das funktionalistische Verständnis menschlichen Wissens sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für Wissenschaft und Praxis kritisieren. Aufgrund seiner Vielschichtigkeit und Interdisziplinarität entspricht der Konstruktivismus jedoch eher einem wissenschaftlichen Diskurs oder einem sprachlichen Konstrukt als einer einheitlichen Denkschule oder ausformulierten Konzeption.

Sein Anliegen besteht in der Umdeutung oder Neudefinition der Phänomene "Wirklichkeit,Wissen und Wahrheit", die nach konstruktivistischem Verständnis niemals unabhängig von einem wahrnehmenden Individuum existieren. Sie sind untrennbar mit seinem Erkenntnisapparat verbunden und stets Resultate intra- und interindividueller Konstruktionsleistungen. Diese Aussagen basieren auf zwei komplementären Grundprämissen, die allen konstruktivistischen Disziplinen unterliegen. Erste besagt, dass Individuen prinzipiell keinen Zugang zu einer von ihnen unabhängigen Welt haben und sie niemals detailgetreu abbilden können.

Damit leugnet der Konstruktivismus jedoch nicht die Existenz einer Wirklichkeit an sich. Er betont lediglich, dass jegliche Aussagen und jegliches Wissen über sie individuellen Erlebnissen, Beobachtungen oder Beschreibungen entspringen und darum keinen ontologischen Charakter aufweisen. An diese Vorstellungen knüpft die zweite Grundprämisse an. Sie betont, dass Individuen die ihnen bekannte Wirklichkeit und damit jegliches Wissen mit Hilfe kognitiver Operationen permanent selbst erzeugen.

Die individuellen Wirklichkeitsvorstellungen und das Wissen über die Wirklichkeit bilden daher zwei Seiten derselben Medaille. Aus diesem Grund werden die Begriffe synonym verwandt. Indem die konstruktivistische Theorie die Konstruiertheit von Wissen und Wirklichkeit hervorhebt, ersetzt sie die Vorstellung eines "Entdeckens der Wirklichkeit" , durch die ihrer Erfindung. Der Aufbau von Wissen ist folglich kein passiver Aufnahmeprozess, sondern eine aktive Tätigkeit des Ordnens individueller Erfahrungen. Mit diesen Annahmen führt der konstruktivistische Diskurs zu einer pragmatischen Wende der Erkenntnistheorie und widerspricht der positivistischen Annahme, dass Individuen objektiv richtiges Wissen über die Wirklichkeit generieren können.

In erster Annäherung stellt der konstruktivistische Diskurs somit ein interdisziplinares Programm zur Erklarung der "Wirklichkeit" dar. ,Dabei bildet nicht die spezifische Auspragung der Wirklichkeit selbst den Forschungsschwerpunkt. Der Analysefokus liegt vielmehr auf dem Vorgang, wie Individuen die Vorstellung erzeugen, eine von ihnen unabhangige "Wirklichkeit" zu entdecken. Dementsprechend befasst sich der konstruktivistische Diskurs nicht mit der Ontologie bzw. mit den Inhalten oder Gegenständen von Wissen und Wahrnehmung. In seinem Fokus stehen vielmehr epistemologische Fragen nach den Funktionsweisen, Wirkungen und Resultaten menschlicher Erkenntnisprozesse.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort6
Vorwort8
Inhaltsübersicht10
Inhaltsverzeichnis12
Abbildungsverzeichnis16
Tabellenverzeichnis18
Abkürzungsverzeichnis20
1. Einleitung21
1.1 Problemstellung und Zielsetzung21
1.2 Wissenschaftstheoretischer Hintergrund und Methodik32
2. Konstruktivismus: Individuelles und kollektives Wissen47
2.1 Der konstruktivistische Diskurs47
2.2 Radikaler Konstruktivismus53
2.3 Sozialer Konstruktivismus64
2.4 Zwischenfazit I: Radikaler und sozialer Konstruktivismus als Brücke zwischen individuellem und kollektiven Wissen74
3. Organisationales Lernen: Individuum und Organisationen83
3.1 Individuelles und organisationales Lernen83
3.2 Perspektiven des organisationalen Lemens89
3.3 Analyse vorhandener Perspektiven des organisationalen Lernens96
3.4 Zwischenfazit II: Viabilität vorhandener Lernkonzepte130
4. Entwicklung eines konstruktivistischen Bezugsrahmens zur Klärung des Zusammenhangs von Individuum und Organisation135
4.1 Organisationsebene: synreferentielle Sozialsysteme136
4.2 Individuumsebene: Individuen als autonome und soziale Wesen143
4.3 Schnittstellen und Übergänge zwischen Individuum und Organisation149
4.4 Zwischenfazit III: Ein radikal-sozlalkonstruktivistischer Bezugsrahmen156
5. Der Übergang vom individuellen zum organisationalen Lernen161
5.1 Zusammenspiel zwischen der Organisations- und Individuumsebene161
5.2 Das Phänomen des organisationalen Lernens aus konstruktivistischer Perspektive166
5.3 Entwicklung eines Phasenkonzeptes zur Klärung des Übergangs vom individuellem zum organisationalen Lernen175
5.4 Zwischenfazit IV: Erkenntnisse bezügllch der Übergangsproblematik211
6. Vorschläge zur Implementierung215
6.1 Instrumente zur Unterstützung der Kognitionsphase216
6.2 Instrumente zur Unterstützung der Externalisierungsphase226
6.3 Instrumente zur Unterstützung der Objektivationsphase231
6.4 Instrumente zur Unterstützung der Internalisierungsphase243
6.5 Zwischenfazit V: Fünf Erkenntnisse zur Implementierung des Phasenkonzeptes247
7. Schlussbetrachtung: Nutzen der Arbeit für Theorie und Praxis251
7.1 Fazit: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse251
7.2 Kritische Reflexion und Anknüpfungspunkte weiterer Forschung254
Anhang257
Abbildungen258
Tabellen260
Literaturverzeichnis263

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