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E-Book

[Wahl]Arzt in Österreich

Überlebensstrategien im Gesundheitssystem von morgen

AutorChristoph Reisner, Michael Dihlmann
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl179 Seiten
ISBN9783211336595
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis39,99 EUR

Gesundheitswesen im Umbruch: Steigende Ansprüche der Patienten stehen restriktiver Ausgabebereitschaft der öffentlichen medizinischen Versorgung gegenüber. Kurzfristige budgetorientierte 'Gesundheitspolitik' macht vernünftige Reformen beinahe unmöglich. Der Mut zu notwendigen Veränderungen fehlt. Die 'Zweiklassenmedizin' hat sich bereits etabliert. Der niedergelassene Arzt von morgen braucht Strategien, um sich in diesem Umfeld zu behaupten.



Dr. Christoph Reisner, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Vizepräsident der Ärztekammer für Niederösterreich, Präsident 'Wahlärzte Österreich', Obmann 'Wahlärzte und Mittelbau Niederösterreich'

Michael Dihlmann, Ressortleiter 'Praxis und Wirtschaft' Ärztewoche Zeitungsverlag

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Leseprobe

Medizin zwischen Ethik und Monetik (S. 89-91)

Was ist Medizin wert?

Im benachbarten Deutschland gehen derzeit die Wogen hoch. Neben vielen anderen Missständen wird von den Ärzten vor allem die angeblich miserable Bezahlung angeführt. Im niedergelassenen Bereich gibt es schon Gebiete, für die sich kein Arzt finden lässt. Die angestellte Ärzteschaft ist zu Protesten auf der Straße, Einkommensanpassungen von 30 Prozent und mehr werden gefordert.

Wie aber ist die Einkommenssituation der Ärzte in Österreich? Das lässt sich, wie üblich, nicht generell sagen. Klinikärzte vom Oberarzt aufwärts kommen – abhängig vom Dienstgeber und von der Berufserfahrung, aber auch von der Anzahl der Dienste bzw. der Überstunden und vom Volumen der Klassegelder – auf durchschnittliche Einkommensbereiche zwischen 2.000 und 5.000 Euro netto 14-mal pro Jahr. Auffällig sind dabei massive Unterschiede in Abhängigkeit vom Bundesland.

Demgegenüber attestiert die Ermittlung eines großen österreichischen Wirtschaftsmagazins allen österreichischen Führungskräften im Schnitt ein Nettoeinkommen von immerhin 14-mal 5.900 Euro pro Jahr. Dieser Wert gilt auch für Nicht-Akademiker. Im Vergleich sind daher – aus unserer Sicht – für einen Arzt für Allgemeinmedizin mit Kassenpraxis 5.000 Euro pro Monat als Untergrenze für eine gerechte Bezahlung anzusetzen. Für dieses angenommene Beispiel lässt sich eine Berechnung der . - nanziellen Notwendigkeiten vornehmen. Somit geht es um ein Nettoeinkommen von 70.000 Euro pro Jahr.

Unsere Begründung: Die Ausbildung ist mit angestellten Ärzten vergleichbar, die Verantwortung für den Patienten ebenfalls. Beim Spitalsarzt fallen wirtschaftliche Verantwortung weg, die soziale Absicherung, etwa bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit, ist deutlich besser. Auch die Bezeichnung als Führungskraft ist durchaus angemessen. Nachdem das Steuersystem in Österreich progressiv gestaltet ist, muss man in dieser Einkommenskategorie zwar den Spitzensteuersatz von 50 Prozent leisten, durch die niedrigeren Progressionsstufen spart man sich aber auf dem Weg dorthin etwa 8.000 Euro.

Die „Milchmädchenformel" für die Steuerberechnung lautet daher: Gewinn geteilt durch zwei minus 8.000 Euro. Das ergibt rein rechnerisch den Zusammenhang, dass bei einem Einkommen von 70.000 Euro netto jährlich 54.000 Euro an Steuer zu zahlen sind (70.000 minus 16.000). Der notwendige Gewinn ergibt sich aus 70.000 Euro Nettoeinkommen plus 54.000 Euro Steuer (124.000 Euro). Um ein mit einem Spitalsarzt vergleichbares Einkommen zu erzielen, muss von einem Arzt mit Praxis also ein steuerlicher Gewinn von 124.000 Euro erwirtschaftet werden. Dieser Gewinn ist jedoch nur jenes Ergebnis, das „ganz zum Schluss übrig bleibt".

Vom Umsatz (Überweisungen der Gebietskrankenkasse, der „kleinen Kassen" und Privatpatienten) müssen vorher noch die Betriebskosten bedient werden: Zinsen und Abschreibungen der Investitionskosten, Ärztekammer, Wohlfahrtsfonds und Sozialversicherung und etwa 20 Prozent (des Umsatzes) an Personalkosten. Dazu kommen noch Kosten für EDV, Wartung und Telekomprovider für die e-Card. Summa summarum kann man bei einem Allgemeinmediziner von einer „gut geführten Ordination" sprechen, wenn vom Umsatz die Hälfte als Gewinn übrig bleibt. So wäre bei unserem Rechenbeispiel ein bereits stolzer Umsatz von 248.000 Euro notwendig. Ein durchschnittlicher Kassenarzt bleibt hier deutlich darunter.

Wer bei einem Scheinschnitt von 45 Euro und 1.000 Scheinen pro Quartal hält, erreicht bei Zurechnung von etwa zehn Prozent Umsatz pauschal aus den „kleinen Kassen" und Privatpatienten eine Umsatzgrößenordnung von etwa 200.000 Euro. Das geht sich dann für knapp 4.100 Euro Nettoeinkommen aus (siehe Tabelle 7). Bleibt noch die Berechnung der Relation Umsatz bzw. Einkommen zu Arbeitszeit. Pro Jahr stehen 52 Arbeitswochen zur Verfügung. Bei „normaler" Gebarung in Sachen Urlaube, Fortbildung, Feiertage und Krankenstand bleiben 40 Arbeitswochen übrig.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort und Einleitung5
Die Autoren6
Inhalt9
Grundlagen11
Defi nitionen12
Kassenarzt12
Wahlarzt12
Privatarzt13
Wohnsitzarzt13
Historische Entwicklung14
Kassensystem14
Wahlarztsystem15
Krankenkassendorado Österreich15
Dutzende Krankenkassen – dutzende Abrechnungssysteme15
Das Wirtschaftlichkeitsgebot bei Kassenärzten22
Kurzfristige Budgetsanierung oder gesundheitspolitischer Weitblick?25
Ausgewählte Lebenslügen der modernen Gesundheitspolitik27
Ärztekammern in der Sackgasse?36
Kammerstruktur36
Wettbewerb innerhalb der Ärztekammer – Jeder gegen Jeden41
Spaltpilz im Vormarsch – Die Zähne sind gezogen36
Der Mythos vom Gott in Weiß44
Die Mär von den goldenen Türklinken44
Helfersyndrom als Berufung46
Situationsbeschreibung49
Neun Bundesländer – Neun Wege zum Kassenvertrag50
Niederlassungsrichtlinien, Übergabemodalitäten, Ordinationsbewertung50
Was ist eine Ordination eigentlich wert?50
Weitere Gedanken zur Ordinations bewertung55
Übergabepraxis in Niederösterreich –ein schlechtes Beispiel56
Aktuelle Situation der Kassenärzte in Österreich61
Einbahnstraße Honorarsystem65
Der Wahlarzt im Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie69
Freier Beruf Wahlarzt!69
Honorargestaltung nach wirtschaft lichenKriterien70
Mathematik in der Gebietskrankenkasse70
Wie viele Wahlärzte verträgt der Markt?72
Standpunkte und Perspektiven75
Österreich im Umbruch75
Warum ich gerne Kassenarzt bin75
Warum ich (gerne) Wahlarzt bin78
Visionen als Zukunftsperspektiven81
Sichtweise der Patienten89
Qualität89
Der Wahlarzt aus Sicht des fachkundigen Patienten –gelebte Patienten orientierung92
Umsatz – Gewinn – Einkommen95
Medizin zwischen Ethik und Monetik99
Was ist Medizin wert?100
Ökonomischer Zwang versus Ärzte gesetz – Dokumentation und Aufklärung106
Von der (Ohn)Macht der Kammern im Zwiespalt unterschiedlicher Interessen108
Der verordnete Solidarfonds109
Chefarztpfl icht und Bürokratie109
Erstattungskodex110
Kammerbeschlüsse und Legislative110
Hygieneverordnung111
Zusammenschluss von Versicherungen111
Qualitätssicherung111
Vorsorgeuntersuchung neu111
Ärztliche Hausapotheken111
Arbeitszeitgesetz112
Gesundheitspolitik auf dem Holzweg112
Wahlarztaktivitäten im Spannungsfeld der Ärztekammer115
Erfahrungen eines engagierten Wahlärztevertreters116
Wahlarztreferat der Österreichischen Ärztekammer116
Verein Wahlärzte Österreich116
Pressekonferenz117
Die Zeit der Vorwürfe117
Software Wahlarzt118
Der Gipfel der Kontroverse118
Deutschland ruft119
Aktivitäten des Wahlarztreferates der Ärztekammer für Niederösterreich119
Patientenbefragung119
Wahlarztratgeber120
Niederlassungsseminare121
Standortanalyse – Entscheidungshilfe für Praxisgründer122
Wahlarztformulare122
Ordinationsbörse122
Niederlassungsberatung122
Wahlarzt-CD123
Kommunikationsseminare123
Informationsveranstaltungen123
Benchmarking in der Ordination123
Zuweisungen – Überweisungen123
e-Card für Wahlärzte124
Wahlarztbefragung in Niederösterreich125
Mögliche Gegenstrategien –Erfolgskriterien in der Wahlarztordination127
Standortwahl128
Bei der Standortwahl nichts dem Zufall überlassen128
Partnerschaften130
Lehrpraxis130
Gruppenpraxen132
Kassenverträge für Gruppenpraxen in Wien132
Kassenverträge für Gruppenpraxen in Oberösterreich134
Ärztliche Kooperationsformen jenseits der Gruppenpraxis140
Praxismarketing144
Die häufi gsten Irrtümer145
Informationsbeschaff ung145
Festlegen der Ziele145
Strategien planen145
Produktpolitik – Dienstleistungen sind Produkte146
Preispolitik146
Distributionspolitik – Absatzwege und Marketinglogistik147
Kommunikationspolitik – Werbung und PR im Zentrum der Kommunikation147
Professionelle Umsetzung147
Anstellung oder Werkvertrag147
Soziale Absicherung als Kriterium147
Ärztekammerbeitrag berücksichtigen148
Die wertfreie Berechnung149
Alle Komponenten abwägen149
Anstellung von Ärzten bei Ärzten149
Honorarnoten und Honorargestaltung150
Honorarnote150
Zahlungsmodelle152
Honorarmodelle153
Kostenrückerstattung157
Richtwerte159
Persönlichkeit des Arztes159
Organisation159
Möglichkeiten der EDV nutzen159
Terminmanagement164
Serviceleistungen165
Fachgebiet165
Miete – Kauf, Investition in Praxisräumlichkeiten167
Goldene Regeln für wirtschaftliche Praxisführung170
Resümee173
Wir stehen für176
Epilog179
Drei Jahre in der „Kammer des Schreckens“180
Albträume von Gesprächen, die nie stattgefunden haben182

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