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Warum haben Eltern keinen Beipackzettel?

Über Risiken und Nebenwirkungen des emotionalen Erbes fragen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner

AutorSabine Bösel, Roland Bösel
VerlagVerlag Orac im Kremayr & Scheriau Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783701505579
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
'Den Rucksack ,Kindheit' tragen wir alle. Wie wir aber vergeben, es besser machen können und angelegte Muster in unseren Partnerschaften durchbrechen, zeigt dieses Buch auf eindrucksvolle Weise. Und: Die Autoren sind so ehrlich mit sich selbst, dass wir alle daraus lernen können. Eine Empfehlung!' Euke Frank, Chefredakteurin Woman

Dr. Sabine Bösel ist Psychologin, Psychotherapeutin, Imago-Therapeutin und Imago-Workshop-Presenterin. Roland Bösel ist Psychotherapeut, Imago-Therapeut und Imago-Workshop-Presenter. Sabine und Roland Bösel sind seit über 30 Jahren verheiratet und haben drei erwachsene Kinder. Sie betreiben seit über 20 Jahren eine Praxis für Paartherapie und Psychotherapie in Wien (www.boesels.at) und haben den Generationen-Workshop erfunden. Bei Orac bisher erschienen: 'Leih mir dein Ohr und ich schenk dir mein Herz' (2010; Buchliebling-Preisträger 2011).

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Leseprobe

WARUM VERHÄLTST DU DICH SO SELTSAM?


Beipackzettel

Gebrauchsinformation: Dieses Kapitel wird angewendet bei „seltsamem“ Verhalten aller Art, das bei anderen, aber auch bei einem selbst auffällig wird, sowie bei Streit, Krisen, drohender Trennung und anhaltenden Konflikten mit Lebenspartnern, Kindern oder Eltern.

Warnhinweise: Das Lesen und Verstehen dieses Kapitels kann zu einer neuen Einstellung sich selbst und anderen gegenüber führen, die in Kombination mit dem Verstehen des nächsten Kapitels in einer dauerhaften Verhaltensänderung resultieren kann.

Sie haben nie gefragt


Sabine und Roland, 24 und 25 Jahre, auf einer Studentenparty in Wien

Die Luft ist stickig in der kleinen Wohnung. Viele junge Menschen stehen herum, sie plaudern und lachen. Musik tönt dünn aus einem billigen Lautsprecher. Sabine erzählt einem kleinen Grüppchen angeregt über den bevorstehenden Sommerurlaub bei den Meteora-Klöstern in Griechenland. Als sie sich zur Seite dreht, sieht sie Roland am Türstock lehnen. Mit dem Ellenbogen stößt sie ihre Freundin neben sich an und nickt mit dem Kopf in Rolands Richtung.

„Schau einmal, Roland ist im Stehen eingeschlafen!“ Es wird gekichert. Sabine geht zu Roland hin und berührt ihn sanft am Arm. Er blinzelt. „Oh, bin ich jetzt tatsächlich eingeschlafen? Im Stehen?“

„Ja, Roland. Ist ja auch kein Wunder. Es ist Donnerstag und du bist seit vier Uhr früh auf. Möchtest du, dass wir nach Hause gehen?“

„Nein, nein, geht schon. Du unterhältst dich doch gut.“

Doch als zwanzig Minuten später Roland wieder schlafend am Türstock lehnt, schnappt ihn Sabine kurzerhand und sie gehen heim. Müde trotten sie nebeneinander durch die nächtlichen Straßen.

„Manchmal frage ich mich, wie das weitergehen wird.“

„Was meinst du, Roland?“

„Mein Vater hat gesagt, dass er das Geld für die Löhne wieder nicht beisammen hat, und in drei Tagen ist Zahltag.“

„Ach, das habe ich schon so oft von dir gehört, und dann habt ihr es ja doch wieder geschafft. Warum sollte das jetzt anders sein?“ Roland seufzt und zuckt mit den Schultern.

„Sag, Roland, haben sie dich eigentlich jemals gefragt, ob du die Firma übernehmen willst?“

Roland bleibt abrupt stehen und schaut Sabine entgeistert an. „Was ist das denn für eine Frage? Das war doch immer klar, dass ich die Leitung übernehme. Da braucht man doch gar nicht darüber zu reden!“, sagt er aufgebracht.

„Natürlich muss man darüber reden. Das ist doch nicht selbstverständlich! Noch dazu, wo das Unternehmen Jahr für Jahr Verluste macht! Du hattest doch nie die Gelegenheit, dich frei zu entscheiden! Und ich erlebe täglich, wie du dich mit Haut und Haaren engagierst und gleichzeitig so frustriert bist.“

Roland wird ärgerlich. „Darüber will ich nicht reden. Ich muss morgen um fünf im Geschäft sein. Ich kann dir nur sagen, dass es meine eigene Entscheidung war. Ende der Debatte.“

Sozialisation – so wirken unsere Eltern


Von Geburt an werden wir geprägt, in erster Linie von unseren Eltern oder jenen Personen, die uns großziehen, aber auch von anderen Bezugspersonen wie Großeltern, Onkeln oder Tanten. So lernen wir verschiedene praktische Fertigkeiten: Wir krabbeln und lernen dann aufzustehen und schließlich zu gehen. Wir erfahren, dass es schmerzhaft ist, in die kochende Suppe zu greifen, und lassen das in Zukunft bleiben. Wir lernen, unsere Schuhe zu binden, uns selbst anzuziehen, sicher über die Straße zu gehen und vieles andere mehr. Als Kind entdecken wir auch allerhand Erstaunliches: dass Wasser nicht brennt, wenn man es ins Feuer schüttet, oder dass Glas zerbricht, wenn es herunterfällt, und man sich an den Scherben schneiden kann.

Nicht zuletzt aber lernen wir soziales Verhalten, um mit den Menschen in unserem Umfeld gut umzugehen und in die Gemeinschaft integriert zu werden. Vor dem Eisgeschäft stellt sich unser Vater mit uns an, und wir schließen daraus, dass sich das so gehört und man sich nicht vordrängeln darf. Wir grüßen und stellen fest, dass der andere meist lächelt, wenn wir selbst dabei lächeln. Wir lernen zu kommunizieren, unsere Befindlichkeiten und Meinungen auszudrücken. Die Art, wie wir das tun und welchen Wortschatz wir dabei anwenden, wird wiederum von unseren Eltern und dem näheren sozialen Umfeld beeinflusst. Ganz besonders prägt uns auch, wie die Eltern ihre Liebesbeziehung vorleben – oder auch nicht. In diesem Fall lernen wir ausschließlich durch Beobachten und unbewusstes Nachahmen.

Jeder von uns wird durch seine Sozialisation ein wenig anders beeinflusst. Nicht nur andere Länder haben andere Sitten, auch jede Familie hat eigene Verhaltensweisen und typische Kommunikationsmuster, also eine ganz spezielle Familienkultur entwickelt, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Risiken und Nebenwirkungen


Gerade das soziale Verhalten und die Kommunikation sind es aber auch, was uns oft zu schaffen macht. Wir beobachten, wie vor dem Eisgeschäft sich jemand vordrängelt, und ärgern uns: Das gehört sich doch nicht! Wir würden so etwas niemals tun! Am Arbeitsplatz stellen wir fest, dass unser Chef viel zu weich ist, um die Interessen der Abteilung durchzusetzen, und wundern uns, wie er nur Vorgesetzter werden konnte. Und die beste Ehefrau von allen lieben wir zwar sehr, doch ist es uns unbegreiflich, warum sie bei jedem, aber auch wirklich jedem Treffen zu spät dran ist. Warum, so fragen wir uns, verhalten sich die Menschen oft so seltsam?

Nun, zum einen muss gesagt werden, dass sich nicht nur die anderen seltsam verhalten, sondern auch wir selbst. Aus der Perspektive der besten Ehefrau von allen wird unser stets überpünktliches Verhalten genauso nervig und seltsam sein. Und unser Chef, der sich nicht durchsetzen kann, fühlt sich vermutlich von uns regelmäßig bedrängt und genötigt, wenn wir bei ihm nachfragen, und er wird sich ärgern. Zum anderen kann ein und dasselbe Verhalten von anderen Menschen als sehr wohl passend empfunden werden. Jemand, der ein lockeres Verhältnis zum Thema Zeit hat, wird das permanente Zuspätkommen der besten Ehefrau von allen kaum störend finden.

Wir alle haben in unserem emotionalen Rucksack nicht nur hilfreiches, adäquates Verhalten eingepackt, sondern auch belastendes, manchmal sogar zerstörerisches. Jedes Verhalten, ob es uns adäquat oder unpassend erscheint, hat einen Hintergrund, sowohl das regelmäßige Zuspätkommen als auch das strenge Pochen auf Pünktlichkeit. Gründe dafür gibt es so viele, wie es Menschen gibt! Und auch das Beurteilen und Interpretieren eines Verhaltens hat seinen Hintergrund: Die Unpünktlichkeit der Ehefrau kann man ganz entspannt oder auch als eine Abwertung der eigenen Person betrachten. Dementsprechend unterschiedlich können auch die Folgen sein – vom freudigen Seufzen, dass sie nun endlich da ist, bis zum handfesten Streit ist alles möglich.

Immer dann, wenn wir seltsames Verhalten feststellen – bei uns selbst wie bei anderen –, können wir davon ausgehen: Wir haben es mit den Nebenwirkungen unserer Sozialisation zu tun. Nebenwirkungen sind das, was wir im sanftesten Fall als Marotte bezeichnen oder wo wir verständnislos den Kopf schütteln. Im schlimmsten Fall führen sie zu Streit, Konflikten und Krisen mit oft tragischem Ausgang.

Der entscheidende Punkt: Zum überwiegenden Teil sind wir uns dieses Verhaltens gar nicht bewusst. Vielleicht sind Sie zum Beispiel ein Mensch, der viel lächelt. Sie schütteln jemandem die Hand, schauen ihm ins Gesicht und lächeln. Im Büro kommt Ihnen auf dem Gang eine Kollegin entgegen – und Sie lächeln. Sie sitzen im Meeting, ein Kollege präsentiert die Verkaufsergebnisse – und Sie lächeln. Alles schön und gut, werden Sie nun sagen, daran ist ja nichts auszusetzen. Natürlich nicht. Doch vielleicht ist dieses Lächeln schon so sehr eine Gewohnheit geworden, dass Sie sogar dann lächeln, wenn Ihnen jemand erzählt, dass es ihm gar nicht gut geht. Dann lösen Sie vermutlich beim anderen ein Befremden aus.

Bewusstes Wahrnehmen ist der erste Schritt


Vor einiger Zeit kamen Anita und Karl zu uns in die Paartherapie. Anita ist eine temperamentvolle, manchmal auch aufbrausende Frau, Karl ist eher der ruhigere, zurückgezogene Typ – was zwangsläufig zu Konflikten führte. Sie erzählten uns von einer typischen Szene:

Anita stand auf einem Stuhl in der Küche, um die alte Kaffeemaschine von ganz oben zu holen, Karl lehnte daneben am Tisch, um ihr behilflich zu sein. Anita erzählte von den Aufregungen ihres Tages. „Stell dir vor, unsere Nachbarin hat doch tatsächlich ihren hässlichen Gummibaum fast vor unsere Wohnungstür gestellt. Was glaubt die eigentlich! Daraufhin hab ich bei ihr geläutet und mich beschwert. Und weißt du, was sie zu mir gesagt hat?“ Sie stemmte die Arme in ihre Seiten und blickte auf Karl herab. „Ich soll mich nicht so anstellen, hat sie gemeint. Das darf doch nicht wahr sein!“ Anita fuchtelte mit ihren Armen durch die Gegend, um ihren Worten das nötige Gewicht zu geben.

Karl nahm die Kaffeemaschine entgegen, stellte sie ab und blickte dann von unten auf seine Freundin empor. „Ich sag dir“, fuhr Anita fort, „ich hab geglaubt, ich tu ihr gleich etwas. So eine Frechheit!“ Und während sie sich weiter aufregte, wurde ihre Stimme lauter und schriller. Karl schwieg, und es wurde ihm immer unbehaglicher zumute. Als Anita mit großen Gesten andeutete, was sie der Nachbarin am liebsten antun würde, wurde Karl immer bleicher. „Brauchst du mich noch?“, fragte er leise, und ohne eine Antwort...

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