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Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Blitze

Verblüffende Statistiken über die Gefahren und Risiken unseres Lebens

AutorCord Balthasar, Thorsten Wiese
Verlagriva Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783864135750
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,99 EUR
Eigentlich ist es ein Wunder, dass es uns überhaupt gibt. Die Chance, dass es beim Sex zur Schwangerschaft kommt, ist so gering, dass es sich eigentlich nicht lohnt, darüber zu sprechen. Werden wir tatsächlich geboren, dreht sich das Karussell der Gefahren munter weiter. Wir sind ständig an Leib und Leben bedroht: beim Spielen, im Straßenverkehr oder bei der Ernährung. Und haben wir dann trotz aller Widrigkeiten das Erwachsenenalter erreicht, sind wir längst nicht sicher. Krankheiten, Unfälle, Verbrechen eigentlich überleben wir nur mit Glück jeden neuen Tag. Cord Balthasar und Thorsten Wiese haben sich in kleinteiliger Recherche durch Berge von Statistiken gearbeitet, um unser Leben in Zahlen und Tabellen auszuwerten und zu analysieren, welche alltäglichen Dinge potenzielle Risiken bergen, ohne dass uns dies auch nur annähernd bewusst ist. Das Fazit sollte man mit Humor nehmen, denn Überleben ist eher unwahrscheinlich.

CORD BALTHASAR hat Mathematik studiert und arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung realer und vorhersehbarer Risiken, die das Leben des Menschen täglich beeinflussen. Dies ist sein erstes Buch. THORSTEN WIESE ist Autor, Journalist und Redakteur. Für dieses Buch hat er intensiv zu den Gefahren in unserem Leben recherchiert.

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Leseprobe

Kapitel 2:
Säuglingsalter & Kindheit
Von Kindesbeinen an in Gefahr


Die Gedanken an die Probleme in fremden Ländern sind auf Neugeborenenstationen hierzulande natürlich weit weg. 2012 wurden die meisten Kinder im Juli geboren und es herrschten sommerliche Freude und Überwältigung angesichts des Wunders der Geburt. Herzlichen Glückwunsch! Ein heute geborener Junge kann sich über eine durchschnittliche prognostizierte Lebenserwartung von 84 Jahren freuen, ein Mädchen über die von 88 Jahren. Wir werden immer älter, hurra – vorausgesetzt, wir überleben den ersten Tag und das erste Jahr. Denn unsere frühe Zeit auf Erden gehört zu den gefährlichsten im ganzen Leben. Schon die ersten 24 Stunden sind oft tödlich. Für mehr als ein Drittel (35 Prozent) aller Säuglinge (Kinder bis ein Jahr) war der Geburtstag auch ihr Todestag. Ein weiteres Fünftel starb innerhalb der nächsten sechs Tage.

Quelle: Destatis/Statistisches Bundesamt

Wenn ein Kind seinen ersten Geburtstag nicht erlebt, dann stirbt es also in der Mehrzahl der Fälle in der ersten Lebenswoche – eine wahrhaft tödliche Zeit. Um davon abzulenken, hat die Natur das gute Werk getan, die Eltern nach der Geburt mit Freudenhormonen zu überschütten. Denn wer ständig an diese Bedrohung denkt, wird wohl noch weniger schlafen, als es mit einem Säugling ohnehin der Fall ist.

Ist die erste Woche gesund überstanden, ist bis zum Ende der 52. Lebenswoche der »Plötzliche Kindstod« der Angstfaktor Nummer eins für die Eltern. Und wirklich ist er, obwohl in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich seltener geworden, mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3500 die häufigste Todesursache bei Kindern unter einem Jahr, das etwa 3400 Säuglinge in Deutschland nicht überleben. Allerdings liegt die Sterblichkeitsrate im ersten Lebensjahr hierzulande nur bei 3 von 1000 Kindern. Allein in Norwegen, Schweden, Island, Japan und Luxemburg sterben weniger Kinder (2 von 1000 Kinder) daran. Mehrere afrikanische Länder haben dagegen Werte von zum Teil deutlich mehr als 100. Und laut UNICEF verteilt sich die Hälfte aller Todesfälle auf fünf Länder: Indien (22 Prozent), Nigeria (13 Prozent), Pakistan und Demokratische Republik Kongo (je 6 Prozent) sowie China (4 Prozent). Weltweit sterben etwa eine Million Babys in den ersten 24 Stunden nach der Geburt, 44 Prozent überleben den ersten Lebensmonat nicht. Und weltweit werden rund 6,6 Millionen Kinder nicht einmal fünf Jahre alt.

Namen sind nicht nur Schall und Rauch


Etwa 13 Millionen kleine Menschen lebten 2012 in Deutschland. Passen Sie gut auf sie auf – und verbauen Sie ihnen nicht die Zukunft. Ob sie das tun oder nicht, fängt früher an, als Sie denken, nämlich schon weit vor der Geburt. Mit der Namenswahl zum Beispiel. Gut, für Ihren Nachnamen können Sie nichts. Aber sollten Sie heiraten und die Wahl haben, halten Sie sich an ein paar Forschungsergebnisse. Wissenschaftler der Universitäten Cambridge und Paris haben zum Beispiel festgestellt, dass Menschen mit den Nachnamen ›König‹, ›Kaiser‹ oder ›Fürst‹ deutlich häufiger in Führungspositionen tätig sind als solche mit den Nachnamen ›Becker/Bäcker‹, ›Koch‹ oder ›Bauer‹. Natürlich waren die direkten Vorfahren der so Bezeichneten nur in den allerseltensten Fällen einmal selbst Inhaber eines hohen politischen Amtes, geschweige denn Handwerker. Aber der Name sorgt eben doch dafür, dass den Kaisers und Königs viel zugetraut wird – sie werden eher befördert, während die Bauers und Bäckers auf der Ebene der Arbeitsbienen festsitzen. Treffen Sie Ihre Wahl daher gut, wenn der Familienname eine einschlägige Assoziation freisetzen könnte.

Noch mehr Verantwortung lastet auf Ihren Schultern, wenn Sie sich durch die Listen der gängigen Vornamen arbeiten. Versuchen Sie zum Beispiel nicht, allzu ausgefallen daherzukommen: Ihr Kind wird es Ihnen nicht danken können. Dabei haben altbackene Namen genauso viele Nachteile wie allzu moderne. Andrea und Heike zum Beispiel klingen in den Ohren der meisten Menschen altmodisch – und die dazugehörige Person wird gleich als alt, unattraktiv und weniger intelligent eingeschätzt als Personen mit einem Namen, der mehr in der Zeit liegt. Bei den Männern kommen Jörg, Holger, Frank oder Heiko nicht gut weg – David, Florian und Felix dagegen schon.

Schon in der Grundschule kann es zu ersten Benachteiligungen kommen. Eine Studie der Universität Oldenburg förderte zutage, dass Lehrer in Grundschulen Kinder mit Namen wie Chantal, Kevin oder Mandy für die Abkömmlinge sogenannter bildungsferner Familien halten – und damit tendenziell für dümmer als Jakob, Charlotte oder Marie, die als lieb, strebsam und intelligent eingestuft werden. Kevin und Chantal haben es auch in der Liebe schwerer – der Name schreckt beim Flirten ab. Eine Online-Dating-Studie hat ergeben, dass Profile mit diesen Namen viel seltener angesteuert werden.

Sophie und Alexander haben es in der Schule leichter: Sie werden von Lehrern in die Schublade »leistungsstark« gepackt und auch gleich freundlicher benotet. Manche Namen klingen also frisch, frech und modern und wirken auf uns attraktiv und karrierefördernd – oder sie bewirken das Gegenteil. Aufgepasst: Sie haben es als Eltern in der Hand.

Auch zu Hause nur noch mit Helm …?


Angesichts der Gefahren, die im Kindesalter auf das Leben einwirken, ist es fast ein Wunder, dass wir groß werden. Jeder, der Kinder hat, kann ein Lied davon singen: Die kleinen Satansbraten, äh Racker rauben einem den letzten Nerv. Doch nicht Kidnapper, Vergewaltiger oder Raser im Straßenverkehr sind die Todbringer Nummer eins – die größte Gefahr geht, abgesehen von Krankheiten, von Unfällen aus. Und die meisten von ihnen ereignen sich nicht in vermeintlichen Gefahrengebieten wie auf der Straße, in der Schule, auf dem Spielplatz oder auf Reisen in den Dschungel – sie passieren zu Hause.

Ängstliche Eltern haben die Statistik auf ihrer Seite: Jedes Jahr haben 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren einen Unfall, das ergibt rund 4700 Unfälle pro Tag. Etwa alle 20 Sekunden kommt also in Deutschland ein Kind zu Schaden. Sie können sich schon bei der Geburt darauf gefasst machen, dass Ihr Kind, bis es 15 wird, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (1:3) stürzen, sich bei einem Zusammenstoß behandlungsbedürftig verletzen oder angefahren wird. Dabei ist die Gefahr im Alter zwischen drei und fünf Jahren am größten. Jungen sind draufgängerischer und landen mit 39 Prozent Anteil an allen Unfällen häufiger im Krankenhaus als Mädchen (28 Prozent).

Auf den Kinderstationen in den Kliniken hat das Personal gut zu tun. Jedes sechste Kind bis 17 Jahre erleidet mindestens einmal im Jahr eine Unfallverletzung, die medizinisch behandelt werden muss. Bei Minderjährigen gehören Verletzungen zu den häufigsten Gründen für Krankenhausaufenthalte überhaupt – jährlich gibt es rund 280.000 Klinikeinweisungen. Am häufigsten werden Gehirnerschütterungen diagnostiziert, gefolgt von Knochenbrüchen. Das geht so weit, dass Unfälle fast genauso häufig der Auslöser eines Arztbesuches sind wie Erkältungen, Halsweh oder die üblichen Kinderkrankheiten: 44 Prozent der ärztlichen Behandlungen sind insgesamt auf Unfälle zurückzuführen, bei den Ein- bis Zweijährigen sogar 85 Prozent.

Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI)

Und wie so oft machen sich Eltern die falschen Sorgen: Das höchste Risiko sehen Mama und Papa für ihre Kleinen im Straßenverkehr. Hier passieren aber nur 14 Prozent der Unfälle, während sich 60 Prozent in den eigenen vier Wänden ereignen. Kleinkinder kommen sogar zehnmal so oft in den eigenen vier Wänden zu Schaden wie im Straßenverkehr. Und auch Sorgen um das Wohlergehen des Kindes in der Kita sind weitgehend unbegründet: Hier ereignen sich 18 Prozent der Unfälle, also zwei Drittel weniger als in der Obhut der Eltern zu Hause.

Fehlender Halt, ein falscher Tritt, die Wand oder der Bruder waren im Weg: Stürze und Zusammenstöße sind für mehr als vier von fünf Kinderunfällen verantwortlich. Kinder fallen vom Wickeltisch, die Treppe herunter, vom Baum, vom Klettergerüst. Und meist ist es der Kopf, der in Mitleidenschaft gezogen wird – fünfmal so oft wie die Finger, doppelt so oft wie die Beine, anderthalbmal so oft wie die Arme. Nicht selten sterben Kinder bei unfreiwilligen Zusammenstößen mit harter Materie.

Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungwirtschaft (GDV)

Doch auch sanfte Elemente sind Todbringer. Viele Eltern wissen das, und so ist die Angst vor dem Ertrinken des eigenen Kindes weit verbreitet – im Wasser sehen etwa die Hälfte der Eltern das höchste oder ein hohes Risiko für das Ableben ihres Kindes. Kein Wunder: Weltweit ist das Ertrinken bei 5- bis 15-Jährigen die häufigste Unfalltodesursache. Doch es gilt eben: Machen Sie sich Sorgen, aber nicht die falschen. Denn in Deutschland ist die Gefahr, dass ein Kind ertrinkt, in den ersten fünf Lebensjahren weniger als halb so groß wie die, bei einem Unfall in den eigenen vier Wänden zu sterben, in den fünf Jahren danach um ein Drittel geringer. Das gilt auch für den Vergleich der Unfälle zu Hause mit denen im Sportverein: Sollten Sie Angst haben, weil Ihr Kind vollen Körpereinsatz beim Fußballspiel zeigt, seien Sie beruhigt: In der Unfallstatistik steht der Sport im Verein mit vier Prozent ziemlich weit unten.

Mehr aufräumen – weniger Vergiftungen


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