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Was tun, sprach Zeus

Redewendungen aus der Antike

AutorGerhard Wagner
Verlagwbg Theiss
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783806228175
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Das klassische Altertum hat deutliche Spuren in unserer Sprache hinterlassen. Das ist angesichts der immensen Bedeutung der Antike für die europäische Kultur nicht verwunderlich. Die großen Werke der griechischen und lateinischen Literatur haben viele Dichter angeregt, die antiken Mythen nachzuerzählen. Generationen von Schülern wurden geprägt durch die Lektüre von Texten, die seit 200 Jahren als Ausweis klassischer Bildung galten. ?Geflügelte Worte? sind bis heute beliebt und finden zahlreiche Leser. Gerhard Wagner stellt hier - ähnlich wie in seinem Büchlein »Das geht auf keine Kuhhaut« - bekannte Redensarten und Sprichwörter zusammen, die tatsächlich auf die Antike zurückgehen oder auf dem Umweg über die deutschen Klassiker wie Schiller oder Goethe in unsere Sprache gelangten. Auf amüsante Weise und ?ohne den Faden zu verlieren? erklärt der Autor Herkunft und ursprüngliche Bedeutung dieser Redewendungen, die heute meist zum alltäglichen Wortschatz gehören.

Gerhard Wagner, geb.1954, ist nach dem Studium der Germanistik und Geschichte seit 2001 Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung e. V. und Burgvogt auf der Marksburg am Rhein.

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Leseprobe

Kapitel 2


 

 

Von Amors Pfeil bis Venusberg


Redewendungen und Begriffe aus der römischen Mythologie

„Neptun opfern“


sich bei Seekrankheit übergeben

Der griechische Götterhimmel ist bekanntlich Vorbild für den römischen gewesen. Viele der griechischen Original-Götternamen sind heute nicht mehr populär, weil sie von den viel weiter verbreiteten römischen verdrängt worden sind. Auch dem griechischen Poseidon erging es so, er wurde von seinem römischen „Kollegen“ Neptun überflügelt, soweit man das von einem Meeresgott sagen kann. In der archaischen Weltvorstellung wurden die drei Naturbereiche durch Hauptgötter vertreten: Zeus/Jupiter für den Himmel, Hades/Pluto für die Unterwelt und Poseidon/Neptun für das Meer (für die Erde waren alle zugleich zuständig). Neptun, der mit seinem Symbol, dem Dreizack, dargestellt wurde, spielt auch heute noch in der Seemannsmythologie eine Rolle, neben dem Klabautermann und dem Fliegenden Holländer. Bei einem Umtrunk wird traditionell ein Glas als Opfer für ihn ins Meer geschüttet. Eher sarkastisch ist die Verwendung der Redensart, wenn bei hohem Seegang das Mittagessen partout nicht im Magen bleiben will, sondern den Weg über die Reling findet.

„Pluto“ – Planet und Hund


Himmelskörper auf extremer Umlaufbahn und Comic-Köter

Kürzlich ist dem 1930 entdeckten Himmelskörper Pluto, der kleiner ist als der Erdmond, der Status eines Planeten aberkannt worden. Wegen seiner dunklen, weit von der Sonne entfernten Bahn hatte ein elfjähriges, an klassischer Mythologie interessiertes Mädchen aus Oxford damals vorgeschlagen, ihn nach dem römischen Gott der Unterwelt zu benennen. Das radioaktive Schwermetall Plutonium erhielt dann 1942 wegen seiner „infernalischen Wirkung“ seinen Namen nach dem finsteren Planeten. Vergessen wir bei derart universellen Dingen aber einen berühmten Hund namens Pluto nicht. Man weiß, dass sich Disney bei der Benennung eines der beliebtesten Hunde der Comic-Kultur von dem kurz zuvor entdeckten Planeten hat inspirieren lassen; wenn man aber den hintergründigen Humor – und die durchaus auch bei Amerikanern dieser Zeit noch verbreitete klassische Bildung – des Comic-Vaters in Rechnung stellt, kann man davon ausgehen, dass es sich bei dem tollpatschigen Hund dieses Namens um eine Parodie des Höllenhundes Cerberus handeln dürfte.

„Schön wie Apoll“


göttlich gut aussehend

Die männliche Götterwelt der Römer beeindruckte nicht durch besondere Schönheit. Andere Attribute wie Stärke, kriegerisches Wesen oder Klugheit waren wichtiger. Nur einer der Olympier stach durch seine sprichwörtliche Schönheit unter den anderen hervor: Apollo, bei den Griechen Apollon genannt, Sohn des Jupiter und der Latona und Zwillingsbruder der Göttin Diana. Apollo war der jugendlich schöne Gott des Lichts, der Heilung und Reinheit, aber auch der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs. Besonders populär war er als Gott der Weissagung – sein bekanntestes Heiligtum war Delphi, das wichtigste Orakel der Antike. Der mittlerweile seltene Apollofalter (Parnassius apollo) hat seinen Namen von dem dem Gott geweihten Musenberg Parnassos in Mittelgriechenland, an dessen Fuß Delphi liegt.

„Der Rheinische Merkur“


westdeutsches Nachrichtenblatt

Wieso nennen sich Zeitungen nach einem römischen Gott? Der Rheinische Merkur, der Münchner Merkur und eine überregionale Monatszeitschrift haben diesen Namen gewählt, weil Merkur als Götterbote unter anderem dafür zuständig war, Nachrichten in kürzester Frist unter den anderen Göttern, die oft weit vom Olymp entfernt unterwegs waren, zu verbreiten. Dafür hatte er als Hilfsmittel – ein Zeichen dafür, dass auch Götter nicht allmächtig sind – die berühmten geflügelten Schuhe und einen ebensolchen Helm auf dem Kopf. Mercurius war einer der zwölf olympischen Götter und entsprach als „Götterbote“ und Gott der Händler – in Rom nannten sich die Mitglieder der Kaufmannszunft „mercuriales“, und seit 1947 wird sein Flügelhelm als stark stilisiertes Logo für die Hannover-Messe benutzt – dem griechischen Hermes. Sein Name geht auf das lateinische Wort „merx“ für „Ware“ zurück. Auch wenn Merkur unter anderem der Gott der Diebe war, wurde der Mittwoch „Mercurii dies“ benannt, was später in den romanischen Sprachen – im Italienischen mercoledì, im Französischen mercredi, im Spanischen miércoles – Spuren hinterlassen hat.

„Venusberg und Venushügel“


sagenhafter Lusttempel und erogene Zone

Nach der römischen Göttin Venus sind zwei Erhebungen unterschiedlicher Höhe benannt, die nicht verwechselt werden sollten. Der Venusberg gilt in der mittelalterlichen Sage als das Exil der vor dem Sieg des Christentums geflohenen heidnischen Liebesgöttin; hier wartet sie, umgeben von reizvollen Nymphen, auf Männer und verführt sie zu einem Leben in allen erdenklichen, vor allem erotischen Ausschweifungen – ein antikes Eroscenter. Im Mittelalter äußerst verwerflich, führte so ein Leben konsequenterweise geradewegs in die Hölle. Der berühmteste Insasse des Venusberges soll Tannhäuser gewesen sein, ein realer Ritter und Minnesänger, der es vor allem durch Wagners gleichnamige Oper zu dauerhafter Bekanntheit brachte. Ein echter Venusberg befindet sich im Stadtgebiet von Bonn; sein Name hat aber mit der Lustgöttin nichts zu tun, sondern leitet sich von dem niederdeutschen Wort für Moor ab. Nicht etwa der kleinere Bruder des Venusberges ist der Venushügel, der treffender als Schamhügel bezeichnet wird. Auch wenn er seinen Namen nach der römischen Liebes- und Lustgöttin hat, besteht dieser pikante Teil der weiblichen Anatomie über dem weiblichen Schambein ernüchternderweise aus Fettgewebe …

„Von Amors Pfeil getroffen werden“


von heftiger Zuneigung ergriffen werden

Bei der Übernahme der griechischen Götter durch die Römer wurden ihnen viele Zuständigkeiten zugeordnet, die vorher etruskische oder italische Gottheiten innegehabt hatten. Der römische Gott Amor, auch unter dem Namen Cupido bekannt, ist eigentlich das Pendant zum griechischen Eros und genau wie dieser der Sohn von Mars/Ares und Venus/Aphrodite. Beide, Amor und Eros, sind zwar Gott der Liebe, aber nicht der tiefen, bedingungslosen Zuneigung, sondern eher des Verliebens. Heute schwingt beim Namen Amor nicht die erotische (sic!) Reife seines griechischen Bruders mit, sondern eher eine fast harmlose Liebelei. Die Redewendung ist entstanden, weil Amor – im Unterschied zu Eros! – meist als geflügeltes Kleinkind dargestellt wird, das, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, augenzwinkernd ins Herz trifft, wodurch dann leidenschaftliches Klopfen desselben ausgelöst wird.

„Vulkanische Kräfte“


unbeherrschbare Urgewalten

Der Mensch, der bis vor gar nicht so langer Zeit ausschließlich auf eigene oder höchstens tierische Kräfte zurückgreifen konnte, hat es technisch fertiggebracht, elementare Gewalten freizusetzen – ob immer zum Segen der Menschheit und der Erde, sei dahingestellt. Trotzdem brechen immer wieder Naturgewalten aus, gegen die selbst Atombombenstärken verblassen. Erdbeben, Tornados, Flutkatastrophen, das alles ist jenseits menschlichen Vermögens, es zu entfesseln, aber auch es einzudämmen oder gar zu verhindern. Ein gutes Beispiel sind die aktiven Vulkane, deren Urgewalt atemberaubend ist – es gibt nichts, das sie aufhalten könnte. Benannt sind sie nach dem römischen Gott des Feuers und der Schmiede, Vulcanus, dessen griechischer Name Hephaistos ist. Er hat der römischen Sage nach seine Werkstatt, in der er Waffen für die Götter schmiedet, im Innern des feuerspeienden Berges Vulcano auf einer der Liparischen Inseln nördlich von Sizilien. Er ist übrigens der einzige Gott, der ausgesprochen hässlich ist, was seine Gattin Venus zu immer neuen Amouren mit Schönlingen veranlasst.

„Einen martialischen Eindruck machen“


kriegerisch wirken

In der römischen Götterwelt war Jupiter der Chef. Aber es gab einen, der ihm im Götter-Ranking fast gleich kam: Mars, der Kriegsgott – in einer, jedenfalls in ihren Anfängen, kriegerischen Kultur wie der römischen kein Wunder. In vielem dem griechischen Ares gleich, war er doch vielseitiger und dominanter und wurde dementsprechend mehr verehrt. Er spielte als Vater der Stadtgründer Romulus und Remus und damit als Ahnherr der Römer eine wichtige Rolle. Der dritte Wochentag wurde ihm zu Ehren „Martis dies“ genannt, weshalb noch heute der italienische Dienstag martedi und der französische mardi genannt wird. Auch in unserer Sprache hat der römische Kriegsgott seine Spur hinterlassen. Wenn etwas sehr kriegerisch daher kommt, nennen wir es immer noch martialisch, also...

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