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Was wird hier eigentlich gespielt?

Strategien im professionellen Umfeld verstehen und entwickeln

AutorZita Küng
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2005
Seitenanzahl168 Seiten
ISBN9783540278085
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis6,99 EUR
Wann haben Sie sich in Ihrer Organisation zum letzten Mal gefragt: »Was wird hier eigentlich gespielt?« Oder hören Sie sich eher fassungslos feststellen: »Ich glaube, ich bin im falschen Film«? Beides drückt aus, dass Sie sich auf eine bestimmte Situation vorbereitet und dazu Üb- legungen für eine erfolgreiche Aktion angestellt und diese umgesetzt haben - ohne Erfolg. Die anderen waren nicht mehr im Spiel - oder nicht im gleichen Film. Dies kann ganz verschiedene Ursachen haben. Oft setzen wir mit der Analyse bei uns selbst und unserer Unzulänglichkeit an. In diesem Buch wird der individuelle Aspekt erst in der zw- ten Hälfte behandelt, wenn es darum geht, die eigenen Strategien bewusst zu entwickeln. Die erste Hälfte des Buches widmet sich der Analyse der Situation. Die Organisationsanalyse, wie sie Michel Crozier entwickelt hat, befasst sich mit den folg- den vier Elementen: Macht, Strategie, Spiel und Umwelt der Organisation. Als Organisation bezeichnet er mehrere Personen, die einen gemeinsamen Zweck mit einer mehr oder weniger großen Konstanz verfolgen. Als Ensemble zeigen diese Elemente auf, dass es sehr viel aufschlu- reicher ist zu verstehen, was eine Organisation zusammenhalten kann, als was die Organi- tionsroutine stört. Sie werden deshalb herausfinden, wie Sie die Organisation als Ganzes (mit)steuern können und wo Ihre (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten sind.

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Leseprobe

5 Wie bringen Sie sich ins Spiel? (S. 125-127)

5.1 Welches Spiel wird ausgewählt?

Wenn wir uns selbst und unsere Umgebung betrachten und davon ausgehen, dass dort, wo »Organisation« stattfindet, sich dieses organisierte Handeln durch Spiele strukturiert, sehen wir ganz unterschiedliche Spiele. Nicht überall wird Hartball gespielt, aber erfahrungsgemäß oft in wirtschaftlichen Zusammenhängen. Es sind ganz unterschiedliche Spiele in Gang. Wir selbst schlagen Spiele vor und entscheiden, bei welchen Spielen wir, wenn wir können, mitspielen. Nicht alle lieben die gleichen Spiele. Wie kommt die Auswahl zustande? Nicht alle spielen aus der gleichen Motivation heraus. In diesem Kapitel stellen Sie Überlegungen zur Ihrer Spielnatur an. Sie werden entdecken, was für Spiele Ihnen im Blut liegen und welche Spiele Sie meiden. Sie werden spüren, wie Sie sich in den Spielen bewegen, aber auch welche Möglichkeiten Sie bis heute noch nicht wahrgenommen haben. Vielleicht erhalten Sie hier auch Anregungen, in welche Richtung Sie Ihr Repertoire erweitern können.

Gelernt ist gelernt

Die freie Wahl des Spiels ist zwar persönlich, wir stellen aber wesentliche kulturelle Einflüsse auf die Auswahl der Spiele fest. Eine Komponente ist das Geschlecht. Heim et al. beschreiben in »Warum gerade die?« Forschungsergebnisse, die aufzeigen, wie Kleinkinder mit Spielsachen umgehen und welche Verhaltensweisen von Erwachsenen unterstützt bzw. kritisiert werden. Die traditionelle Aufteilung zwischen Mädchen und Jungen ist dabei vorherrschend: den Mädchen die Puppen, den Jungen die Traktoren. In einem Experiment wurden den Jungen Barbies und den Mädchen Lastwagen zum Spielen gegeben.

Was haben sie gespielt? Ganz Unterschiedliches, aber einige Jungen spielten mit den Barbies »Krieg«, einige Mädchen mit den Lastwagen »Mutter, Vater, Kind«. Diese Prägungen sind wesentlich, auch wenn klar ist, dass sie nicht angeboren sind. Nicht alle Jungen verhalten sich traditionell männlich, nicht alle Mädchen verhalten sich traditionell weiblich, aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir stereotypem Verhalten begegnen, ist höher als 50%. Damit sind diese Prägungen auch Orientierung, wir brauchen sie inhaltlich gar nicht zu teilen. Sogar wenn wir zur Aufhebung von stereotypem Verhalten beitragen wollen, um den persönlichen Spielraum für alle zu erweitern, ist es wichtig, einerseits die Stereotype zu kennen und andererseits stereotypes Verhalten zu erkennen.

Wenn Kinder zwischen zwei und vier Jahren miteinander spielen dürfen, wählen sie meistens Mitspielende des gleichen Geschlechts. In diesen geschlechtshomogenen Gruppen bildet sich das heraus, was wir später Geschlechterrollen nennen. Zwar verbringen Mädchen und Jungen gleich viel Zeit mit Spielen, aber Jungen spielen sehr viel häufiger im Freien als Mädchen. Die Lieblingsspiele der Jungen sind Hartballspiele, Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm sowie Kriegspiele, die viel Platz brauchen, draußen und in größeren Gruppen gespielt werden müssen. Mädchen hingegen machen Puppen- und Brettspiele, die vorwiegend zu zweit und im Haus gespielt werden. Wenn überhaupt eine Mischung zwischen Mädchen und Jungen stattfindet, dann in der Form, dass sich Mädchen an den Spielen der Jungen beteiligen, Jungen dagegen würden bei den Spielen der Mädchen in der Regel nur mitmachen, um zu stören. Im Schulalter bleiben die Gruppen, die zusammen spielen, meist geschlechtshomogen. Wesentlich ist, dass ein einzelnes Spiel für die Jungen über eine Stunde dauert. Nicht einmal die Hälfte der Spiele der Mädchen dauern so lange. Das heißt, dass die vorbereiteten Unterschiede im Verhalten sich zunehmend vertiefen. In »Frauen lernen fighten« fassen Heim und Golant zusammen, was Mädchen und Jungen im Spiel für stereotype Lektionen lernen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort6
Dank7
Inhaltsverzeichnis8
1 Wie bekommen Sie den Durchblick?10
1.1 Macht12
1.1.1 Fachkenntnisse und Sachwissen13
1.1.2 Beherrschen von Informationsund Kommunikationskanälen13
1.1.3 Kontrolle über Beziehungen der Organisation zu ihrer Umwelt14
1.1.4 Technische Fertigkeiten15
1.1.5 Nutzen der organisationellen Regeln15
1.2 Strategie16
1.2.1 Die offensive Strategie16
1.2.2 Die defensive Strategie18
1.2.3 Unsicherheitszonen19
1.3 Spiel20
1.4 Verhältnis der Organisation zur Umwelt22
1.5 Macht und Spiel23
1.6 Strategie und Spiel25
1.7 Strategische Organisationsanalyse27
2 Das Spiel als wesentliches Orientierungselement30
2.1 Wie können wir feststellen, dass gespielt wird?32
2.2 Spielen hat Laborcharakter37
2.3 Im Spiel werden nicht ausschließlich hohe menschliche Werte gefordert37
2.4 Neues Spiel – neues Glück39
2.5 Zwei Spezialfälle39
2.5.1 Sport39
2.5.2 Computerspiele40
2.6 Was das Spielen attraktiv macht42
2.7 Was das Spiel verdirbt45
2.8 Wie stehen Spiele und Spielchen zueinander?48
2.9 Das Verhältnis von Spiel und Ernst49
2.10 Wann verhindert ein Konflikt das Spiel?51
3 Was wird hier eigentlich gespielt?56
3.1 Wie können Sie Ihr Spiel identifizieren?57
Faktor 1: Wo wird das Spiel gespielt?57
Faktor 2: Wie ist die Spielatmosphäre?58
Faktor 3: Wer spielt mit?58
Faktor 4: Wer ist aktiv? Wer ist passiv?58
Faktor 5: Was ist verabredet?58
3.2 Beispiele aus der Praxis59
Beispiel A: Dabei sein ohne Wirkung59
Beispiel B: Chronische Überlastung62
Beispiel C: Die rechte Hand des Chefs64
Beispiel D: Die inneren Zirkel68
Beispiel E: Zustimmung des Finanzamtes70
Beispiel F: Die entscheidende Sitzung74
Beispiel G: Fusion77
Beispiel H: Konzept top-down installieren81
Beispiel I: Aufsteigen?85
Beispiel J: Unklare Spitze88
Beispiel K: Unter GL-Kollegen89
Beispiel L: Einfluss erweitern92
Beispiel M: Arbeitszuteilung94
Beispiel N: Die Dissertation wird nicht fertig97
Beispiel O: Einsame Entscheidung100
Beispiel P: Personalklüngel104
Beispiel Q: Ideenklau107
Beispiel R: Gemeinsam, aber nicht fifty-fifty110
Beispiel S: Projekt mit lauter wichtigen Personen113
Beispiel T: Eine Aushilfe ist bitter nötig115
Beispiel U: Reorganisation117
4 Jetzt sind Sie dran122
4.1 Finden Sie das angesagte Spiel123
4.1.1 Beschreiben Sie eine konkrete Situation123
4.1.2 Bezeichnen Sie die Beteiligten123
4.1.3 Beschreiben Sie die Spielatmosphäre124
4.1.4 Orientieren Sie sich an den Irritationen125
4.2 Wie läuft das Spiel?126
4.2.1 Ist gerade ein Spiel im Gang oder ist Pause?126
4.2.2 Welche Regeln gelten?127
4.2.3 Wer hält die Regeln (nicht) ein?127
4.3 So kommen Sie zu Ihrer Strategie128
4.3.1 Ihre Ziele in der aktuellen Situation128
4.3.2 Sie formulieren Ihre strategischen Überlegungen128
4.3.3 Sie entwickeln konkrete Schritte129
4.3.4 Was setzen Sie ein?132
5 Wie bringen Sie sich ins Spiel?134
5.1 Welches Spiel wird ausgewählt?135
Welches Spiel schlagen Sie vor?138
5.2 Was für eine Spielnatur sind Sie?139
Was ist Ihr Impuls zum Mitspielen?139
5.3 Wie erkennen Sie Ihre Trümpfe im Spiel?141
5.4 Wie verhalten Sie sich im Spiel?142
5.5 Nutzen Sie Ihre Ressourcen146
6 Auf in die nächste Runde148
6.1 Lassen Sie sich inspirieren150
6.2 Spielbeschreibungen in alphabetischer Reihenfolge151
Literatur164
Über die Autorin166
Sachverzeichnis168

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