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Wie ein Bündel Schilf

Warum Einheit und gegenseitige Verantwortung der Ruf der heutigen Stunde ist

AutorMichael Laitman
VerlagEdition Laitman Kabbala
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl248 Seiten
ISBN9783899018837
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.' ist die maximale Form der Selbstlosigkeit, die das jüdische Volk der Welt überbracht hat. Unzählige jüdische Weise sprachen im Laufe der Jahrhunderte ehrfurchtsvoll über die Macht der brüderlichen Liebe und gegenseitigen Verantwortung. In letzter Zeit scheint es, als hätten wir zu beidem jegliche Verbindung verloren. Heute sind die jüdischen Menschen stärker polarisiert und zersplittert als je zuvor. Aber vor allem jetzt im Angesicht eines wieder erstarkten Antisemitismus wäre die Einheit des gesamten Volkes von größter Bedeutung. Doch es scheint, als könnten wir uns nicht über unsere starren Standpunkte erheben, um uns zu vereinen. Dieses Buch verdeutlicht, warum Einheit und gegenseitige Verantwortung der Ruf der heutigen Stunde sind. Warum nur die Rückbesinnung auf diese Werte unsere Gesellschaft heilen kann - auch den Antisemitismus. Anhand zahlreicher Zitate und Referenzen von jüdischen Weisen und Historikern beleuchtet Michael Laitman die wichtigsten Fragen der Juden: Was ist unsere Rolle auf diesem Planeten? Sind wir wirklich das 'auserwählte Volk' und wenn ja, wofür wurden wir ausgewählt? Was ist die tatsächliche Ursache des Antisemitismus?

Michael Laitman ist Gründer und Präsident des Ashlag Research Instituts (ARI). Das Ashlag Research Institut untersucht die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kabbala. Michael Laitman ist Professor der Ontologie, Doktor der Philosophie und hat einen Master in medizinischer Kybernetik. Sein Werk von mehr als 30 Büchern wurde in 29 Sprachen übersetzt. Laitman gilt als weltbekannter Experte auf dem Gebiet der Kabbala.

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Leseprobe

VORWORT: DAS SCHRECKGESPENST UND DER GEIST


(Was mich dazu bewog, dieses Buch zu schreiben)


Ich wurde im August 1946 in der Stadt Vitebsk in Weißrussland geboren. Es war der zweite Sommer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und das Leben gestaltete sich träge; langsam bewegte es sich zurück zu der freundlichen Monotonie der Normalität. Als erstgeborenes Kind eines Zahnarztes und einer Gynäkologin hatte ich eine sehr angenehme Kindheit. Ich wuchs in einer vorstädtischen Nachbarschaft auf, und wir hatten keinerlei materielle Sorgen wie die Familien der meisten meiner Kindheitsfreunde.

Und doch folgte mir ein Schatten durch meine ganze Kindheit und selbst durch meine Teenager-Jahre. Es war das Schreckgespenst des Holocausts, das Phantom, über das man zwar nicht sprach, das aber trotzdem immer zugegen war. Die Namen von Familienmitgliedern oder Freunden, die damals verschwanden, wurden nur leise und mit düsterem Unterton ausgesprochen, was ihnen eine seltsame Präsenz verschaffte – als wären sie noch immer unter uns, obwohl ich natürlich wusste, dass sie es nicht waren.

Und noch seltsamer war das Ekelgefühl gegenüber Juden, das mich meine Kameraden damals in Russland spüren ließen. Die Kinder, mit denen ich gemeinsam aufwuchs, hassten Juden einfach deswegen, weil sie Juden waren. Sie wussten, was ihren jüdischen Nachbarn noch bis vor einem Jahr zugestoßen war, doch sie waren genauso boshaft und mitleidlos wie vor dem Krieg, so erzählten es mir zumindest die älteren. Das konnte ich nicht verstehen. Warum waren sie so hasserfüllt? Was hatten die Juden ihnen jemals getan, das so unverzeihlich falsch gewesen war? Und woher hatten sie diese Horrorgeschichten über die Dinge, die Juden ihnen antun könnten?

Wie es von einem Sohn eines Ärzte-Ehepaares erwartet wurde, „wählte“ auch ich eine medizinische Karriere. Ich studierte medizinische Biokybernetik, eine Wissenschaft, welche die Systeme des menschlichen Körpers erforscht. Ich wurde Wissenschaftler und arbeitete am St. Petersburger Blutforschungsinstitut. Und während ich mich selbst schon strahlend vor Stolz als Nobelpreisgewinner am Rednerpult in Stockholm sah, gelangte langsam eine tiefere Leidenschaft, mit der ich mich bereits seit einiger Zeit auseinandersetzte, an die Oberfläche meines Bewusstseins.

„Ich möchte das System begreifen“, dachte ich, „wissen, wie alles funktioniert.“ Doch hauptsächlich fragte ich mich, warum alles so war, wie es war.

Als Wissenschaftler aus Überzeugung suchte ich nach wissenschaftlichen Antworten, die alles erklären konnten, nicht nur, wie man die Masse eines Objekts oder die Geschwindigkeit seines Falls berechnet, sondern was überhaupt die Existenz dieses Objekts bewirkte.

Und da ich in der Wissenschaft keine Antwort fand, entschied ich mich, weiterzuziehen. Nachdem ich zwei Jahre lang ein Refusenik war (sowjetische Juden, welchen die Emigration verwehrt wurde), bekam ich schließlich im Jahr 1974 doch noch meine Ausreiseerlaubnis, und ich emigrierte nach Israel.

In Israel suchte ich weiter nach der Bedeutung und dem Zweck aller Dinge. Zwei Jahre nach meiner Ankunft in Israel begann ich, die Kabbala zu studieren. Doch erst im Februar 1979 fand ich meinen Lehrer, den Rabash, den erstgeborenen Sohn und Nachfolger von Rav Yehuda Leib HaLevi Ashlag, auch bekannt als Baal HaSulam (Besitzer der Leiter) für seinen Sulam (Leiter)-Kommentar zum Buch Sohar.

Endlich wurden meine Gebete erhört! Jeden Tag, jede Stunde enthüllten sich mir neue Dinge. Die Teile des Puzzles der Wirklichkeit passten plötzlich alle zusammen, und ein vollständiges Bild der Welt formte sich vor mir.

Mein Leben hatte sich geändert. Ich vertiefte mich ins Studium und diente dem Rabash, so gut ich konnte. Glücklicherweise war ich in der Lage, meine Familie mit nur ein paar Arbeitsstunden am Tag zu ernähren. Den Rest meiner Zeit verbrachte ich damit, diese Weisheit, so tief ich konnte, in mich aufzunehmen.

Ich lebte in einer traumartigen Wirklichkeit. Ich hatte eine wunderbare Familie und lebte in einem Land, in dem ich mich wirklich frei fühlte. Ich verdiente leicht meinen Lebensunterhalt und hatte die Antworten auf Fragen gefunden, die mich zeitlebens begleiteten.

Eine jener immer wieder auftauchenden Fragen befasste sich mit dem Judenhass. In der Kabbala entdeckte ich den Grund dafür, dass dieser Hass so zäh anhält, und – das war das Wichtigste – was man dagegen tun kann. Tatsächlich ist Antisemitismus ein Schmerz im Herzen der Menschheit, der Widerhall einer anhaltenden Qual, welche die Welt seit fast 4.000 Jahren erträgt – seitdem der Patriarch Abraham Babylon verließ.

Die Kabbala lehrte mich, dass Abraham seinen Mitmenschen vorschlug, sich zu verbinden und „mit einer Sprache und einer Zunge zu sprechen“ (Genesis 11,1), und dass König Nimrod, der damals in Babylon herrschte, Abraham verbot, diese Idee zu verbreiten. Langsam erkannte ich, dass die Welt heute genau diese Einheit benötigt – Kameradschaft und gegenseitige Fürsorge, welche Abraham einst mit seiner Gruppe und seinen Freunden entwickelt hatte und deren Verbreitung König Nimrod ihm verbot.

Eines Vormittags nahm mein Lehrer Baal HaSulams „Einführung in das Buch Sohar“ durch. Am Ende des Buches schrieb Baal HaSulam, dass, solange die Juden nicht ihr Wissen und ihre Botschaft über die notwendige Einheit an die Welt weitergäben, die Völker der Welt sie hassen würden. Sie würden sie erniedrigen, aus dem Land Israel vertreiben und sie quälen, wo auch immer sich Gelegenheit dazu biete. Ich hatte diesen Artikel bereits vorher einmal gelesen, doch an jenem Morgen hatte er eine tiefere Bedeutung für mich erlangt. Ich fühlte einen neuen Zustand in meiner Entwicklung, welcher seinen Ursprung in diesem Artikel nahm.

Später an diesem Tag fuhren wir nach Kfar Saba, einer kleinen Stadt in der Nähe von Tel Aviv. Wir gingen in ein Kolel, ein jüdisches Lehrhaus, welches nach meinem geschätzten Mentor benannt war. Im Erdgeschoss zeigte mir der Rabash eine mittelgroße Schachtel, welche randvoll mit handschriftlichen Notizen war. Er bat mich, sie ins Auto zu tragen und mit zu seinem Haus zu nehmen.

Ich stellte die Schachtel in den Kofferraum, und auf dem Weg zurück fragte ich ihn, um welche Notizen es sich dabei handele. Ganz nebenbei erwähnte er, dass es alte Manuskripte von Baal HaSulam seien. Ich starrte ihn an, doch er schaute nur auf die Straße und schwieg den Rest des Heimweges.

In dieser Nacht brannte das Licht in Baruch Ashlags Küche die ganze Nacht lang. Ich blieb bei ihm und las mich akribisch durch alle Seiten, bis ich schließlich etwas fand, das meine Suche beendete. Es war das Stück des Puzzles, nach dem ich gesucht hatte, ohne mir dessen bewusst zu sein. Es war der der Auslöser für den ersten Schritt des Weges, den ich fortan auf mich nahm.

Der Artikel, den ich fand, welcher nun Teil von Baal Ha-Sulams „Schriften der letzten Generation“ ist, erzählte eine Geschichte über Qualen und Durst, Liebe und Freundschaft, Hingabe und Verpflichtung. Hier die Worte, die ich fand: „Es gibt eine Allegorie über Freunde, die sich in der Wüste verirrten. Sie waren hungrig und durstig. Einer von ihnen fand eine Siedlung, übervoll mit allen Genüssen. Er erinnerte sich an seine armen Brüder, doch er hatte sich schon zu weit von ihnen entfernt und wusste nicht mehr, wo sie waren. Er rief sie und blies das Horn. Vielleicht würden seine armen, hungrigen Freunde seine Stimme vernehmen, näherkommen und ebenfalls diese reiche Siedlung finden.“

Genauso ist, was vor uns steht: Wir haben uns in einer schrecklichen Wüste gemeinsam mit der ganzen Menschheit verirrt und jetzt einen großen, übervollen Schatz gefunden: die Bücher der Kabbala. Sie erfüllen unsere suchenden Seelen und erfreuen uns im Überfluss mit Üppigkeit und Einigkeit.

Wir sind satt, und es gibt mehr, aber die Erinnerung an unsere Freunde, welche hilflos in der schrecklichen Wüste umherirren, verbleibt tief in unseren Herzen. Die Distanz ist groß, und Worte können zwischen uns keine Brücken bilden. Aus diesem Grund halten wir dieses Horn bereit, um es laut zu blasen, damit unsere Brüder uns hören, sich nähern können und ebenso glücklich werden wie wir.

„Wisset, unsere Brüder, unser Fleisch, dass die Essenz der Weisheit der Kabbala aus dem Wissen besteht, wie die Welt von ihrem einst erhöhten, himmlischen Platz zu unserem schmachvollen Zustand kommt… Es ist daher sehr einfach, in der Weisheit der Kabbala alle zukünftigen Korrekturen zu finden, welche aus den vollkommenen Welten kommen, die uns vorangegangen waren. Dadurch werden wir wissen, wie wir unsere Wege korrigieren können. Stellt euch zum Beispiel vor, dass heute einige historische Bücher gefunden würden, welche uns die letzte Generation in 10.000 Jahren von jetzt an zeigen. Sie würden uns die Verhaltensweisen von Individuen und...

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