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Wie Sie reden, damit Ihr Kind zuhört & wie Sie zuhören, damit Ihr Kind redet

AutorJan-Uwe Rogge, Angelika Bartram
VerlagGRÄFE UND UNZER
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl176 Seiten
ISBN9783833825620
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Erziehung ist ohne Kommunikation nicht denkbar - und jede Kommunikation ist auch Erziehung. Dieser GU-Ratgeber zeigt, wie Eltern und Kinder sich besser verstehen, wie sie so miteinander umgehen können, dass jeder sich akzeptiert und verstanden fühlt - und so, dass es mit dem Erziehen besser klappt. Jan-Uwe Rogge ist einer der renommiertesten und erfolgreichsten Buchautoren und Referenten im Bereich Erziehung: Auf unvergleichlich humorvolle und authentische Weise werden hier typische Eltern-Kind-Gespräche anhand echter Situationen dargestellt. Häufige Muster werden herausgearbeitet, typische Fallen enttarnt: Nicht nur das, was Eltern sagen, sondern auch die Art, wie sie es tun, zeigt Wirkung bei Kindern. Deshalb geht es hier nicht nur um das Sprechen und Reden, das Labern und Zutexten sowie um die Tücken des Wörtchens bitte, sondern auch um das Geheimnis des Redens ohne Worte. Dieses Buch regt an: zum Wiedererkennen, zum Schmunzeln - und dazu, es ab heute besser zu machen.

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Leseprobe

Manchmal verstehen Kinder nicht, was ihre Eltern möchten. Denn diese bleiben zu unverbindlich und sprechen nicht von sich. Noch häufiger gründen Störungen in der Eltern-Kind-Kommunikation auf (meist) kurzzeitigen Beziehungsstörungen: Das Kind könnte die Eltern verstehen, es will aber nicht und hört weg. Doch es gibt Wege, daran etwas zu ändern und so die daraus folgenden Konflikte oder Machtkämpfe zu vermeiden.

»Kannst du das bitte jetzt machen?«


Erwachsene überschätzen einerseits die Wirksamkeit ihrer gesprochenen Worte und unterschätzen andererseits die Sensibi­lität von Heranwachsenden. Auch für sie ist Kommunikation schon mehr als das Gesagte, es ist ein komplexer Ausdruck über Sprache und Mimik, über Gestik und den Klang der Stimme. Entsprechend empfänglich sind Kinder auch für die Zwischentöne, sie »hören die Flöhe husten«, also die BOTSCHAFT HINTER DER BOTSCHAFT. Und wenn die nicht stimmig und eindeutig ist, denken sie gar nicht daran, das zu tun, was die Eltern wollen, sondern fordern sie so lange heraus, bis diese Farbe bekennen.

Spätestens in solchen Situationen wird deutlich, wie eng Kommu­ni­ka­tion und Beziehung zusammenhängen, wie schnell die Beziehung wenigstens vorübergehend gestört ist, wenn die Worte nicht stimmen. Deshalb ist es so wichtig, dass Fragen nicht schon die Antworten vorwegnehmen und Bitten auch eine Entscheidungsfreiheit lassen. Kommt eine Bitte als getarnter Befehl daher, ist es kein Wunder, wenn das Kind sich verweigert oder »auf Durchzug schaltet«.

Rafaela hört nicht zu

Für Ulla Helmwein ist ihre neunjährige Tochter Rafaela manchmal ein Rätsel. Ulla gibt sich so viel Mühe, ihrem Kind mit freundlichen Worten alles genau zu erklären. Doch meistens mit wenig Erfolg: »Manchmal denke ich, mein Kind versteht mich nicht. Oder will mich nicht verstehen. Also erkläre ich es noch einmal. ­­Ich versuche wirklich, ihr alles im Guten zu erklären. Aber ohne Erfolg. Am Anfang schaffe ich es noch, ruhig zu bleiben. Aber wenn ich es dann wieder sagen muss und immer und immer wieder… dann schreie ich am Ende doch. Und dann fühle ich mich miserabel und überlege, wie ich das vermeiden könnte…«

Wenn Ulla darüber nachgrübelt, zieht sie meistens selbst den Schluss, dass sie wohl zu viel »labert«. In einem Elternratgeber hat sie gelesen, dass es wichtig sei, klare Anweisungen zu geben und Grenzen zu setzen. Ulla Helmwein arbeitet noch daran. Und ihre Tochter Rafaela hilft ihr, auch wenn das für Ulla zunächst ganz anders aussieht. So wie an diesem Nachmittag, als Rafaela mal wieder intensiv mit ihrer Spielekonsole beschäftigt ist…

»Bitte, ich habe dich was gefragt!«

»Rafaela, bitte, du kannst doch nicht den ganzen Nachmittag vor diesem Ding hocken. Das ist bestimmt nicht gut für deine Augen«, versucht Ulla ihre Tochter zu überzeugen.

»Es ist aber gerade so spannend«, wiegelt Rafaela ab.

»Bitte, Schatz, jetzt sei doch vernünftig! Und überhaupt… hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?«, erkundigt sich die Mutter.

Aber Rafaela überhört die Frage, sie ist ganz und gar in ihr Spiel vertieft.

»Rafaela, bitte, ich habe dich etwas gefragt.« Ulla schaut ihre Tochter auffordernd an. Als sie immer noch keine Antwort bekommt, wird sie lauter: »Rafaela, jetzt hör mir bitte mal zu!«

Rafaela rollt mit den Augen und schaut ihre Mutter genervt an.

Ulla bemüht sich, ruhig zu bleiben. »Ob du deine Hausaufgaben schon gemacht hast, möchte ich wissen.«

»Wir haben sowieso nicht viel auf«, beschwichtigt Rafaela und wendet sich wieder der Spielekonsole zu.

»Dann machst du jetzt bitte erst deine Haussaufgaben!«, fordert die Mutter, ihr Ton wird energischer.

»Gleich…«, seufzt Rafaela und spielt unbeirrt weiter.

Ulla Helmwein atmet tief durch. Sie spürt, wie die Nerven mit ihr durchgehen wollen, spürt schon ein hektisches Kribbeln unter der Haut. Aber sie versucht, weiter ruhig zu bleiben.

»Rafaela, bitte! Jetzt sei vernünftig und mach deine Hausaufgaben!«

Rafaela nickt mit dem Kopf und spielt weiter.

»Bitte! Wie oft muss ich dir das denn noch sagen?« Ulla presst die einzelnen Wörter heraus, versucht, die Wut zu unterdrücken, die sich mit aller Macht den Weg nach draußen bahnen will.

Rafaela schaut sie an und lächelt. »Spiel doch eine Runde mit, das entspannt.«

»Sei nicht so frech!«, beschwert sich die Mutter und zischt drohend: »Ich sag’s dir jetzt noch einmal im Guten: Du machst jetzt sofort deine Hausaufgaben!« Ulla ist kurz davor, zu platzen.

»Hey, ich hab jetzt gerade zehn Punkte reingeholt!«, freut sich Rafaela und schaut ihre Mutter an. »Ist das nicht toll?«

»Ich hör nix, Mama!«

Ulla reicht es. »Willst du, dass ich erst laut werde?«, brüllt sie und erschrickt sogleich, weil sie bemerkt, dass sie ihre Drohung schon wahr gemacht hat.

Rafaela hält sich die Ohren zu.

»Schau mich an, wenn ich mit dir rede!«, wettert die Mutter weiter.

Rafaela lächelt sie mitleidig an und hält sich weiter die Ohren zu.

Hilflos wird Ulla von ihrer Wut gesteuert, und sie schleudert ihrer Tochter Sätze entgegen, die sie gleich darauf wieder bereut: »Grins mich nicht so an! Du bist nur noch frech!«

Rafaelas Hände gehen wieder zu ihren Ohren. »Ich höre nicht, was du sagst, Mama!«

»Dann sag ich am besten gar nichts mehr«, erklärt die Mutter. Sie versucht, gegen das Gefühl anzukämpfen, dass sie mal wieder auf der ganzen pädagogischen Linie versagt hat. Aber es will ihr nicht gelingen. An diesem Nachmittag denkt Ulla noch viel über den Vorfall nach. Sie sortiert gerade Wäsche, da steckt ihre Tochter den Kopf zur Tür herein. »Die Hausaufgaben sind fertig, Mami!«

»Prima!«, lächelt Ulla und wird das schlechte Gewissen nicht los, dass sie mal wieder laut geworden ist und so viel »gelabert« hat.

Als sie dann später ihrer Tochter »Gute Nacht!« sagt, will sie die Situation noch einmal aufgreifen. »Rafaela, wegen heute Nachmittag…«, betrübt sieht sie ihre Tochter an und bittet um Verständnis. »Es liegt mir einfach am Herzen, dir klarzumachen, dass die Hausaufgaben wichtig sind. Und es tut dir wirklich nicht gut, wenn du so lange vor deiner Spielekonsole sitzt. Glaub mir, ich will doch nur dein Bestes!«

Rafaela lacht. Schon wieder Erklärungen und gute Worte! Ihre Hände gehen wieder zu ihren Ohren. »Ich hör nix, Mama!«

»Jetzt ist aber Schluss!«, empört sich Ulla Helmwein.

»Mama!«, erwidert Rafaela ruhig und entschlossen. Sie sieht ihrer Mutter fest in die Augen. »Ich hör dir nicht mehr zu! Aber ich mache, was du willst!«

 

» Jemand, der niemals Fehler gemacht hat, hat nie was Neues ausprobiert.«

[Albert Einstein | Physiker (1879–1955)]

 

Das Drama der »guten« Worte

Morgendliches Aufstehen, Bummelei beim Anziehen, unerledigte Hausaufgaben – in solchen alltäglichen Situationen brechen schnell heftige Gefühle aus. Ärger, Rachegefühle oder ein beleidigter Rückzug sind die Folgen. Dabei verlaufen diese Konflikte nach einem altbekannten Drehbuch, das in kürzester Zeit BEZIEHUNGSSTRESS vorsieht: Die Eltern möchten »ruhig« bleiben, artikulieren aber nicht klar, was sie wollen und wo ihre Grenzen liegen. Das Kind macht also weiter, als wäre nichts gewesen, oder es verhält sich auffällig, will verstanden, besser: angenommen werden. Irgendwann platzt den Eltern der Kragen, sie deuten – mal schreiend, mal wild gestikulierend, mal gefährlich leise zischend – Grenzen an. Das Kind lenkt ein, gehorcht, passt sich an – bis am nächsten Tag das alte Spiel von vorn beginnt. So geraten Eltern in ein Drama in vier Akten, an dessen Ende sie erschöpft und hilflos dastehen.

Erster Akt: »Bitte«

»Räum bitte auf!« »Komm bitte her!« »Lass das bitte sein!«… Barbara, neun Jahre, erzählt: »Wenn meine Mama ›bitte‹ sagt, dann ist es halb so wild!« Um nicht missverstanden zu werden: »Bitte« und »Danke« sind zwei wichtige Worte! Jemanden um einen Gefallen zu bitten oder sich für etwas zu bedanken drückt Respekt aus. Aber ein »Bitte« lässt dem anderen auch die Freiheit, der Bitte nicht nachzukommen, aus welchen Gründen auch immer. Will man jedoch etwas oder verweist auf getroffene Absprachen, dann kann, ja sollte das WORT »BITTE« ENTFALLEN:

»Ich möchte, dass du deine Sachen aufräumst!« »Ich möchte, dass du herkommst!« »Ich möchte, dass du das unterlässt!«

Kinder sind da viel klarer. Wenn sie etwas wollen, dann drücken sie das auch aus: »Ich will aber jetzt noch spielen!« Und nicht: » Ich möchte bitte noch spielen.« Kinder sind authentischer und verstecken sich nicht...

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