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Wie viel Moral verträgt der Mensch?

Eine Provokation

AutorFranz M. Wuketits
VerlagGütersloher Verlagshaus
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783641050610
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Jenseits von Gut und Böse?
- Ein provozierendes Plädoyer für einen realistischen Moralkodex
- Eine Autopsie der menschlichen Moralfähigkeit
- Argumente wider eine Diktatur der Moral
Finanzkrise, Doping-Skandale, Wissenschaftsbetrug, Kriege, Mord und Totschlag - ist es wirklich so, dass die Moral schwindet? Oder ist der Mensch überfordert, weil er möglicherweise weniger Moral verträgt, als er sich selbst verordnet?
Wie alle anderen Lebewesen sind Menschen Egoisten, die in erster Linie das Problem des Überlebens zu lösen haben. Dazu benötigt der Mensch Ressourcen, um die er mit anderen im Wettbewerb steht. Von Natur aus ist der Mensch also weder gut noch böse, sondern er macht nur, was ihm sein biologischer Imperativ gebietet. Als soziales Lebewesen ist nun der Mensch auf ein Miteinander mit Artgenossen angewiesen und kann obendrein sein Verhalten und Handeln kritisch reflektieren, was zur Schaffung eines Wertesystems geführt hat.
Franz M. Wuketits untersucht Herkunft und Zweck moralischen Verhaltens und macht Vorschläge für eine Werteordnung, die an die Bedürfnisse des Individuums angepasst sein muss, wenn sie in der Realität unserer gesellschaftlichen Verhältnisse eine Chance haben soll.


Franz M. Wuketits, geb. 1955, lehrt Philosophie mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften an der Universität Wien. Dort studierte er Zoologie, Paläontologie, Philosophie und Wissenschaftstheorie. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu verschiedenen Themen der Biologie, Evolution und Ethik. Im Gütersloher Verlagshaus erschien zuletzt »Die Boten der Nemesis. Katastrophen und die Lust auf Weltuntergänge«.

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Leseprobe
4. WIE VIEL MORAL VERTRÄGT DER MENSCH? (S. 77-78)

Man sagt, der Mensch verletze Gottes Gebote, wenn er einen Mitmenschen umbringt. Wenn das zutrifft, sind die Führer der Völker ungeheuerliche Verbrecher; denn sie lassen im Namen Gottes zahllose Menschen umbringen.
FRANÇOIS M. VOLTAI RE  

Es ist nicht zu übersehen, dass das Leben des Einzelnen zunehmend durch Vorschriften, Gebote und Verbote eingeschränkt wird. Man soll sich nur nicht täuschen lassen und denken, dass das in früheren Zeiten genauso oder noch viel schlimmer gewesen sei. Es hängt natürlich davon ab, welche Zeiten man meint - das Hochmittelalter, die Renaissance, das 19. Jahrhundert …

Und man muss auch geographisch differenzieren. Aber zu keiner Zeit wurden so viele Gesetze erlassen wie heutzutage, zumal in den westlichen Industriegesellschaften. Gesetze müssen sich natürlich nicht auf Moral beziehen, denn wenn beispielsweise nunmehr in der Wiener Innenstadt Sitzmöbel und Sonnenschirme in allen Gartenlokalen per Gesetz eine einheitliche Form aufzuweisen haben, dann kommt dabei gewiss kein moralischer Anspruch zum Vorschein, sondern lediglich eine schon geradezu pathologisch gesteigerte Lust an Vorschriften von Seiten der dafür politisch Verantwortlichen. Trotzdem wäre es zu einfach und zu billig, Gesetze von moralischen Vorstellungen völlig zu separieren. Da Moral, wie im letzten Kapitel dargelegt wurde, nicht zuletzt Machtansprüche widerspiegelt, rekurrieren alle, die Gesetze erfinden, bewusst oder unbewusst (direkt oder indirekt) auf ihre Vorstellungen darüber, wie Menschen leben sollen, was sie zu tun oder zu unterlassen haben.

Im vorliegenden Kapitel geht es also ganz allgemein darum, wie viel an Vorschriften, die sein Leben regulieren, der Einzelne aushält. Die Frage ist natürlich nicht quantitativ zu verstehen, so wie ja Moral insgesamt nicht als mathematische Größe zu definieren ist. Prinzipiell läuft die Antwort auf die Frage darauf hinaus, dass unsere Moralfähigkeit von Natur aus begrenzt ist und wir uns mit moralischen - oder vermeintlich moralisch begründeten - Geboten und Verboten regelmäßig überfordern.

Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Moral. Es bleibt dabei stets im Auge zu behalten, dass viele Gesetze mit Moral im engeren Sinn tatsächlich kaum etwas zu tun haben. Andererseits dürfen wir nie übersehen, dass Gesetze ein Sollen oder Nicht-Dürfen enthalten und insoweit als fleischgewordene Moralprinzipien gedeutet werden können, auch wenn der Gesetzgeber nicht ausdrücklich auf Moral rekurriert.
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