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E-Book

Wir fühlen uns anders, 2. Auflage

AutorDoris Ryffel-Rawak
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl159 Seiten
ISBN9783456945156
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
Doris Ryffel-Rawak
Wir fühlen uns anders!
Wie betroffene Erwachsene mit ADS/ADHS sich selbst und ihre Partnerschaft erleben
2., überarb. Aufl. 2008. 158 S., mit einem Titelbild und 10 Illustrationen der Autorin, Kt
ISBN: 978-3-456-84515-9


Mit ihrem Buch «ADHS bei Erwachsenen - Betroffene berichten aus ihrem Leben» hat die Autorin offensichtlich vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen. Im vorliegenden Buch möchte sie nun ganz bewusst "den Versuch wagen, über die typische Symptomatik hinaus einen tieferen Einblick zu vermitteln und Erklärungsmodelle anzubieten". ADHS-Betroffene reagieren auch in Partnerschaften anders - impulsiver, weniger geduldig. Nicht selten sind sie besonders liebenswürdig, doch immer auf der Suche nach dem «Kick», oft auch suchtgefährdet. Ständig drohen - auch in ansonsten gut funktionierenden Ehen - Konflikte und Außenbeziehungen. Zahlreiche Berichte und Auszüge aus Krankengeschichten geben Einblicke in die - auf Unbeteiligte oft bizarr wirkende - Welt dieser Menschen. Dank ihrer reichen Erfahrung gibt die Autorin zum Schluss spezifische Empfehlungen für die Therapie - und ganz allgemein für das Zusammenleben mit ADHS-Betroffenen. Diese Ausgabe wurde überarbeitet und ergänzt.

Sachbücher und Ratgeber Psychotherapie und Klinische Psychologie

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Vorwort
  2. Vorbemerkung
  3. Fakten zur ADHS
  4. A Wir fühlen uns anders
  5. B ADHS und Kreativität
  6. C Konflikte in Partnerschaft und Familie
  7. D Diagnose und Therapie
  8. Schlussfolgerungen, Zukunftsperspektiven, Wunschvorstellungen
  9. Persönliche Anmerkung
  10. Literaturverzeichnis
  11. Selbsthilfegruppen
Leseprobe
BADHS und Kreativität (S. 61-62)

Einleitung

Viele Ärzte und Psychologen, welche sich seit Jahren mit der ADHS beschäftigen, sehen einen Zusammenhang zwischen ADHS und Kreativität. Mehr noch: Sie bezeichnen Kreativität als eine der besonderen Fähigkeiten, die ADHS-Betroffene kennzeichnen können. Allerdings sind sich darin nicht alle Fachleute einig. Vor allem Russell Barkley, einer der führenden amerikanischen Forscher auf dem Gebiet der ADHS, ist der Meinung, dass ADHS-Betroffene nicht in der Lage sind zu analysieren, zu synthetisieren und somit Neues zu bilden – kurz: kreativ zu sein. Er führt diese Unfähigkeit zurück auf die vermehrte Reizoffenheit, d.h. auf den Umstand, dass die Betroffenen inneren und äußeren Reizen gegenüber ausgeliefert sind, sowie auf ihre mangelhaft ausgebildete Fähigkeit, irrelevante Reize auszublenden. Gemäß meiner Erfahrung in der Praxis weisen sehr viele ADHSBetroffene durchaus kreative Fähigkeiten auf. Der Begriff «Kreativität» umfasst ja nicht nur künstlerische Leistungen, sondern beinhaltet auch wissenschaftliche Entdeckungen, technische Erfindungen und auch die Entwicklung von Problemlösungsstrategien, beispielsweise bei guten (!) Politikern. Es sind solch schöpferische Leistungen, die sich durch ihre Neuartigkeit und Originalität auszeichnen.

ADHS-betroffene Menschen sind wie alle kreativen Menschen im Allgemeinen ungewöhnlich sensibel für alles, was sie sehen, hören, berühren, riechen und schmecken. Kreative Menschen nehmen nicht nur alles intensiver wahr, sie sind auch flexibler im Umsetzen ihrer Wahrnehmungen. Dazu bedarf es aber auch origineller Ideen und der Fähigkeit, assoziativ zu denken und zu analysieren, um schließlich Neues zu kreieren. Kreative Prozesse werden, so nimmt man heute an, unbewusst vorbereitet, sie entstehen auf dem Boden einer ausgeprägten Intuition. Etwas wird wahrgenommen und einfallsartig entsteht ein Gedanke, eine Idee, ganz von selbst und nicht im Voraus geplant.

ADHS-Betroffene sind reizoffen, hypersensibel, originell, intuitiv veranlagt. Ob sie diese Ressourcen produktiv umsetzen, hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab. Kreativität wird ermöglicht durch die Projektion unseres Inneren nach außen. Der kreative Prozess setzt voraus, dass man sich mit seinem Wissen bzw. seinen Lebenserfahrungen auseinander setzt und bereit ist, Neuem Platz zu machen. Ein innerer Dialog muss stattfinden, bei dem die Aufmerksamkeit frei zwischen Realität und Fantasie pendeln kann.Nur so wird es möglich sein, auf Gedanken, Ideen und Vorstellungen zu stoßen, die möglicherweise etwas Innovatives beinhalten. Ein Patient, dessen Frau sich darüber aufregt, wenn er einfach nur «herumsitzt» (anstatt z.B. seinen Pflichten im Haushalt nachzugehen), hat es so formuliert:

«Ich kann auch aktiv sein, wenn ich still auf einem Stuhl sitze. Es kommen mir dabei ‹ungesteuert› Gedanken in den Sinn, die aber Einfluss auf mein Leben ausüben. Denn eine neue Richtung, eine Veränderung kann sich anbahnen, ohne dass es sicht- oder messbar sein muss.» Dazu Luc Ciompi: «Die Unsicherheit ist der Motor und der Garant allen Fortschritts: Der ambivalente Mensch kann auf die Idee kommen, einmal beide in Frage kommende Möglichkeiten auszuprobieren. Auf diese Idee kommt der Sichere nicht». (Ciompi, 1988, S. 41)

Dieser Prozess ist vielen ADHS-Betroffenen bekannt, nur scheitern sie häufig an der Umsetzung. Zu viele Ideen, eine regelrechte Ideenflut wird hinderlich sein,wenn sie nicht kanalisiert bzw. auf ein bestimmtes Ziel hin gerichtet werden kann. Kreatives Denken kann auf jedem Gebiet stattfinden. Die Begabung entscheidet mit oder ohne ADHS, ob der eine dichtet,der andere malt, ein Dritter Musik macht, technisch begabt ist und neue Maschinen erfindet oder wissenschaftlich tätig ist und zu neuen Forschungsergebnissen kommt.

Gerhard Roth sagt zu Recht: «Kreativität ist eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Assoziativität. Viele kreative Menschen sprudeln vor Ideen, und der Schritt zum ‹Spinner› ist oft klein, und häufig genug fällt es schwer, zwischen Hochkreativen und ‹Verrückten› zu unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis8
Vorwort und Dank10
Vorwort zur 2. Auflage12
Vorbemerkung14
Fakten zur ADHS16
Geschichtlicher Überblick16
Erste Etappe16
Zweite Etappe17
Dritte Etappe17
Vierte Etappe18
Fünfte Etappe18
Krankheitsbild der ADHS21
Kriterien der Unaufmerksamkeit21
Kriterien der Hyperaktivität und Impulsivität21
A Wir fühlen uns anders26
Einleitung26
Hypersensibilität oder hohe Sensitivität, was ist damit gemeint?30
Betroffene kommen zu Wort36
1. Stimmungsschwankungen, das störendste Element meiner ADHS37
2. Meine Denkweise entspricht nicht den allgemeinen Erwartungen40
3. Pfirsiche essen, das war nicht nur eine Qual, sondern eine Folter44
4. Mit ADHS leben: Bestandesaufnahme eines Betroffenen47
5. Ich verliere mich in Tagträumen48
6. Ich fühle oft schon vor dem Ansprechen, wie sich mein Gegenüber fühlt49
7. Übergroße Sensibilität52
8. Ich habe große Angst, abgelehnt zu werden55
9. Eine Berührung kann ich sehr schnell als unangenehm empfinden58
10. Ich habe mich immer wie ein Wolf in einer Welt von domestizierten, dressierten und gezüchteten Hunden gefühlt61
B ADHS und Kreativität62
Einleitung62
Betroffene kommen zu Wort68
11. Niemand wollte mich verstehen. Meinen Weg musste ich alleine gehen69
12. Die Entstehungsgeschichte einer CD für Kinder70
C Konflikte in Partnerschaft und Familie72
Einleitung72
Impulsivität75
Das Bedürfnis nach Stimulation78
Konfliktsuchendes Verhalten79
Vergesslichkeit, Unaufmerksamkeit, verminderte Konzentration79
Mangelhafter Kommunikationsstil82
Desorganisation83
Betroffene kommen zu Wort88
13. Die Beziehungen einer Tagträumerin89
14. Auf der Suche nach dem Kick91
15. Mein Sex-Problem94
16. ADHS in der Paarbeziehung96
17. Ehe und Partnerschaft: An der Sonne, im Schatten99
An der Sonne99
Im Schatten99
18. Beziehungen101
19. Mein Leben als Haus- und Familienfrau103
20. Die Jagd nach hochgradiger Stimulation107
21. Das Zusammenleben mit einem ADS-Partner109
D Diagnose und Therapie110
Einleitung110
Diagnose110
Aufklärung113
Medikamentöse Therapie114
Individuelle Dosierung116
Unterschiedliche Wirkungsdauer117
Teilweise sehr schmale therapeutische Breite117
Kontinuierliches Monitoring117
Coaching118
Psychotherapie122
Betroffene kommen zu Wort126
22. Seit der Einnahme von Stimulanzien hat sich mein Verhalten total verändert127
23. Schulunterricht gestern und heute131
24. Ich kann jetzt mein Leben in kontrollierte Bahnen lenken133
25. Ich habe es geschafft!135
26. In unserem Familienalltag ist es ruhiger geworden . . .140
Schlussfolgerungen, Zukunftsperspektiven, Wunschvorstellungen144
Einmal sollte man . . .148
Persönliche Anmerkung150
Literaturverzeichnis152
Fakten zur ADHS152
Wir fühlen uns anders153
Kreativität153
Konflikte in Partnerschaft und Familie154
Diagnose und Therapie155
Bücher für Betroffene156
Im Internet156
Selbsthilfegruppen158

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