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E-Book

Wirtschaftsfaktor Brustkrebs

Werden Frauen und ihre Ängste instrumentalisiert?

AutorAndreas Feiertag, Franz Fischl
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl167 Seiten
ISBN9783211293942
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Die Angst vor Brustkrebs ist berechtigt, da es sich um die häufigste Krebserkrankung der Frau handelt. Manchmal wird diese Angst gezielt geschürt, das Risiko bewusst übertrieben. Wer aber sollte Interesse haben, diese Furcht auszunutzen? Welche Folgen hat das für Frau und Gesellschaft? Dieses Buch beschreibt nicht nur einen Körperteil, der als Krankheitsort für Betroffene, Angehörige, Ärzte und Pharmaindustrie unterschiedliche Bedeutung gewinnen kann. Es skizziert die Brust auch als Symbol, das in der Geschichte einem großen Wandel unterworfen war: von ernährender Drüse über Weiblichkeit, Sexualität, Unabhängigkeit und Politikum bis zum Therapieobjekt, umsatzträchtigem Gewebe und Mittel geschlechtlicher Diskriminierung. Die Autoren diskutieren anhand jüngster Daten in leicht verständlicher Sprache Chancen und Grenzen der Früherkennung, Sinn und Unsinn von Behandlungen, Wahrheit und Lüge von Statistiken, Nutzen und Risken von Hormonen sowie gewährte und verweigerte Entscheidungsfreiheiten für die Frau.

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Leseprobe

Neuntes Kapitel Komplementäre Therapiemöglichkeiten (S. 117-118)

Hier werden sowohl wirksame
als auch unwirksame
Behandlungsmöglichkeiten
gegen Brustkrebs
jenseits der Schulmedizin
dargestellt.


Nachdem im vorangegangenen Kapitel ausführlich über die verschiedenen Methoden der Schulmedizin diskutiert wurde, stellt sich unweigerlich die Frage: Und das soll es gewesen sein? Hat das heutige Gesundheitssystem und die moderne Wissenschaft nicht mehr anzubieten als Zellgifte, zerstörende Strahlen, verstümmelnde Skalpelle und bittere Pillen? Die Antwort ist eine befriedigende: Doch, sie hat! Nach heutigem Wissensstand jedoch nicht als Alternative zu den angeführten Behandlungsmethoden, sehr wohl aber als sinnvolle und nützliche Unterstützung beziehungsweise Ergänzung. Wobei hier größte Vorsicht angeraten ist, um nicht in die Hände von profitgierigen Scharlatanen zu geraten.

In der heutigen Zeit suchen Menschen bei Schwierigkeiten in den verschiedenen Lebenssituationen und natürlich auch bei schweren Erkrankungen immer öfter zusätzliche Hilfe innerhalb und außerhalb der traditionellen Schulen und Denkensweisen – angefangen bei der anthroposophischen Medizin über fernöstliche Lebens- und Behandlungsformen bis hin zur Spiritualität. Was in Europa früher der christliche Glaube beziehungsweise die christlichen Religionen vermittelt haben, sucht man heute oftmals in fernöstlichen Weisheiten, in Philosophien alter, zum Teil nicht mehr existierender Kulturen oder in Überlieferungen aus dem Schamanentum und in Ähnlichem mehr. Hier verschwimmen oftmals zum späteren Leidwesen der Hilfesuchenden die Grenzen zwischen anerkannten medizinischen Philosophien und ihren Anwendungen (zum Beispiel die anthroposophische Medizin, komplementärmedizinische Therapien) und alternativen paramedizinischen Anwendungen, der Scharlatanerie und dem „big business".

Letzteres kann in einer Ausbeutung im Sinne von Johann Wolfgang Goethes „Faust" münden, im Erkaufen von Leben, das nicht kaufbar ist. Mehrheitlich werden diese vermeintlichen oder tatsächlichen Therapien von den Kassen nicht bezahlt und müssen privat in Anspruch genommen werden. Ebenso unterliegen diese Behandlungsformen zum Teil keinerlei Qualitätskontrollen oder anderen Selektionskriterien. Nach oftmals nur kurzen und oberflächlichen Ausbildungen avanciert man bereits zum Spezialisten für TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Akupunkturfachman und Ähnlichem – wenngleich es auch hier tatsächliche Spezialisten gibt, denen man sich ohne weiteres anvertrauen kann. Entsprechend umfangreiche Informationen über die Anbieter sollten in jedem Fall im vornherein eingeholt werden. Die angebotenen komplementären und alternativen Leistungen boomen umso stärker, je mehr schulmedizinische Leistungen im Krankenkassenkatalog schlechter bewertet werden beziehungsweise aus dem Kassenkatalog überhaupt hinaus fallen.

Mit all diesen angebotenen und zum Teil mit obskuren und unrealistischen Heilsversprechen angepriesenen Methoden sollte daher besonders vorsichtig umgegangen werden. Gerade im Bereich Brustkrebs wird die Angst der betroffenen Frauen häufig ausgenutzt, um profitable Geschäfte mit den oft teuren Wundermitteln und Spezialbehandlungen zu machen. Sehr viel Sinnlosigkeiten, im schlimmsten Fall sogar schädliche, werden um teures Geld verkauft. Daneben gibt es freilich auch sehr viel Nützliches und Hilfreiches, ein kleiner Überblick darüber soll im Folgenden gegeben werden. Seit einigen Jahren hat sich beispielsweise die kompetent betriebene Komplementärmedizin einen festen Platz in der Krebstherapie geschaffen. Diese versteht sich als Ergänzung zur Schulmedizin im Gegensatz zur Alternativmedizin, die den Ersatz der bewährten schulmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten verspricht – ein Versprechen, das nach heutigem Wissensstand nicht gehalten werden kann. Die Misteltherapie, als ein Beispiel aus der Komplementärmedizin, hat sehr erfolgreich in die Karzinombehandlung Eingang gefunden und wurde und wird zusätzlich zur üblichen schulmedizinischen Therapie angewendet. Sie gilt heute als anerkannte klassische komplementärmedizinische Methode, aus der anthroposophischen Medizin kommend.

Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort7
Inhaltsverzeichnis11
Erstes Kapitel Eine kleine Kulturgeschichte der Brust13
Zweites Kapitel Eine Entwicklungsgeschichte der Brust25
Drittes Kapitel Die Entstehung von Brustkrebs31
Viertes Kapitel Die Verbreitung von Brustkrebs39
Fünftes Kapitel Statistische Zahlenspiele51
Sechstes Kapitel Größen und Grenzen der Früherkennung62
Siebentes Kapitel Hormone und Brustkrebs83
Achtes Kapitel Behandlung von Brustkrebs97
Neuntes Kapitel Komplementäre Therapiemöglichkeiten114
Zehntes Kapitel Die Ökonomie der Onkologie121
Elftes Kapitel Medizin und Medien133
Nachwort Ein nachdenklicher Ausklang147
Quellenangaben und Literaturverzeichnis156
Namensregister164
Autorenverzeichnis166

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