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Yes, she can!

Die Rolle der Frau in der Gemeinde. Ein bibelfestes Plädoyer

AutorChristian Haslebacher
Verlagfontis
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl268 Seiten
ISBN9783038487746
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis5,99 EUR
Sollen Frauen die Gemeinde leiten und lehren - oder dürfen sie dies aus Treue zur Bibel nicht tun? Diese Frage ist in zahlreichen Kirchengemeinden nach wie vor umstritten. Christian Haslebacher untersucht die Rolle der Frauen in der gesamten Bibel und geht speziell auf Aussagen im Neuen Testament ein, welche den Dienst der Frauen in der Gemeinde einzuschränken scheinen. Er kommt zum Schluss: Yes, she can - ja, sie kann.

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Leseprobe

Kapitel 2
Das Lehrverbot für Frauen in 1. Timotheus 2,12–14 im gesamtbiblischen Kontext


Die Frage der Rolle von Frauen im «Volk Gottes» und der Gemeinde wird nicht nur in den viel diskutierten Stellen in 1. Korinther 14 und 1. Timotheus 2 aufgegriffen, sondern sie wird durch den gesamten biblischen Kanon hindurch immer wieder implizit oder explizit thematisiert. Eine Engführung der Diskussion auf einige paulinische Aussagen ist daher zu vermeiden, die paulinischen Aussagen müssen sowohl in ihrem historischen als auch im gesamtbiblischen Kontext verstanden werden.

Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über die einschlägigen Bibelstellen und die damit verbundenen Argumentationen. Diese Untersuchung zeigt, dass die gesamte Argumentation stark davon abhängt, ob man die Aussagen in 1. Timotheus 2,12–14 allgemeingültig versteht.

1. Die Frauen und die Schöpfungsordnung


Die menschliche Geschlechtlichkeit als Mann und Frau, ihre Leiblichkeit und Sexualität, ist von Gott gewollt und wird von ihm als «sehr gut» bejaht (1Mo 1,27–31). Mann und Frau werden in 1. Mose 1,27–28 gemeinsam als Ebenbild Gottes gewürdigt (vgl. 1Mo 5,1; 9,6) und als Konkretisierung davon gemeinsam beauftragt, fruchtbar zu sein und über die Schöpfung zu herrschen.

Die dabei gebrauchte Wortwahl (griech. kyrieuo und archo) erinnert daran, wie Könige über ihre Völker herrschen (kyrieuo, Lk 22,25; archo, Mt 20,25) und wie Christus nach seiner Auferstehung die Herrschaft innehat (kyrieuo, Röm 14,9; archo, Röm 15,12). In einem ähnlichen Sinn haben also Mann und Frau beide als Ebenbild Gottes einen Herrschaftsauftrag über die Schöpfung.

In 1. Mose 1,27 wird deutlich, dass Gott den Menschen (hebr. adam) als Mann und Frau (wörtlich: männlich und weiblich) zu seinem Ebenbild geschaffen hat: «Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau» (Luther). Mann und Frau sind beide «Mensch», sie sind beide «Adam» (vgl. 1Mo 5,1–2).

Neuer, selbst ein Vertreter der historischen Position, sieht darin einen Ausdruck der Gleichwertigkeit beider Geschlechter in ihrer Würde, Abbild Gottes zu sein: «1. Mo 1,27 ist das für alle Zeiten gültige biblische Nein zur Abwertung der Frau, in welcher Gestalt diese auch auftreten mag.»77 Er schränkt jedoch ein: «Die … Gleichwertigkeit von Mann und Frau darf nicht mit einer Gleichrangigkeit verwechselt werden, sondern schließt eine Über- und Unterordnung der gleichwertigen Partner ein.»78

Ortlund, und mit ihm andere Vertreter der historischen Position, erklärt jedoch zurecht: «Mose lehrt in Kapitel 1 nicht ausdrücklich das männliche Hauptsein; aber was dies betrifft, er lehrt auch nicht ausdrücklich die Gleichheit von Mann und Frau.»79 Ortlund vertritt die Ansicht: «Dass Gott die Rasse ‹Adam, Mensch› (oder ‹Mann›) nannte, riecht [im Original: whispers] nach männlicher Führung.»80

Das Empfinden darüber, was die Aussagen in 1. Mose 1,27 einschließen beziehungsweise «riechen lassen», ob es eher in Richtung Gleichheit oder männlicher Führung geht, ist in hohem Maße davon abhängig, ob man eher die historische oder die progressive Position vertritt. Es scheint daher angebracht, zuzugeben, dass man weder die historische noch die progressive Position mit 1. Mose 1,27 begründen kann.

Dass die Frau dem Mann als Hilfe geschaffen wurde (1Mo 2,18), stellt sie nicht unter den Mann. Das Substantiv «Hilfe» (hebr. ezer) wird im Alten Testament überwiegend für Gott verwendet81 und bezeichnet weder Häuslichkeit noch Unterordnung, sondern vielmehr Kompetenz und Kraft.

Was Gott und die Frau als «Hilfe» unterscheidet, ist, dass die Frau im Gegensatz zu Gott in ihrem Hilfesein ihren Existenzgrund hat. Mit anderen Worten: Die Frau wurde aus einem Mangel Adams heraus geschaffen, der ohne sie nicht komplett war.

Der Mann war als geschlechtliches Wesen jedoch von Anfang an auf das ihn ergänzende andere Geschlecht angelegt, so dass dieser Mangel vorhersehbar war, von Gott gewollt war und geradezu auftreten musste und in keinster Weise als «Unfall» gewertet werden darf.82

Argumentiert Ortlund dagegen, das Wort «Hilfe» bringe die unterstützende und untergeordnete Rolle der Frau und auch Gottes zum Ausdruck, der sich in gewissem Sinn den Menschen unterordne und sich in eine dienende Rolle unter den Menschen begebe, wenn er ihnen helfe,83 dann bleibt zu fragen, ob dies wirklich die Aussage der Stellen ist, in denen Gott als Hilfe bezeichnet wird.

In 1. Mose 49,25 wird die Hilfe beispielsweise mit dem Segen des Allmächtigen parallel gesetzt. Und auch die anderen Bibelstellen, in denen von der Hilfe Gottes die Rede ist, bringen stets Gottes Macht und Hoheit zum Ausdruck, nicht seine temporäre Unterordnung unter den Menschen. Neuer liefert wiederum ein Argument gegen die Sichtweise, die Frau stehe unter dem Mann, weil sie ihm als Hilfe geschaffen wurde:

«Auch wenn es hier nicht ausdrücklich formuliert ist, so spricht unser Vers nicht nur von der Ergänzung des Mannes durch die Frau, sondern setzt indirekt voraus, dass auch die Frau durch den Mann Hilfe und Ergänzung erfährt: Gott erschafft nicht einen vollkommenen Menschen zum Gegenüber des Mannes, sondern einen Menschen, der dazu bestimmt ist, den Mann zu ergänzen … Beide Geschlechter sind ergänzungs- und hilfsbedürftig durch das jeweils andere.»84

Mit anderen Worten: 1. Mose 2,18 spricht zwar nur davon, dass die Frau dem Mann zur Ergänzung und Hilfe geschaffen sei, impliziert aber, dass auch die Frau Ergänzung und Hilfe durch den Mann erfährt, ansonsten die Frau vollkommen wäre, was sie ebenso wenig ist wie der Mann (vgl. z. B. 1Pet 3,7). Die wesenhafte Verschiedenartigkeit von Mann und Frau dient dazu, den Mangel und die Hilfsbedürftigkeit des einen Geschlechts durch die Eigenschaften des anderen auszugleichen.85

1. Mose 2,18 bringt dasselbe zum Ausdruck wie Prediger 4,9–10: «So ist's ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft» (Luther). Gegenseitiges Helfen ist ein Wesensbestandteil des Menschseins.86

Anders, als dies zum Teil argumentiert wird, bringt die Tatsache, dass Adam den Tieren ihre Namen gab (hebr. kara) und ebenso die Frau «Männin» nannte (kara, 1Mo 2,23), keine Herrschaft beziehungsweise Leiterschaft Adams über die Frau ähnlich der Herrschaft über die Tiere87 zum Ausdruck.88

Hagar nannte (kara) Gott in einer Gebetsanrede «El-Roï» (Gott des Sehens; 1Mo 16,13), ohne dass sie auf Grund dieser Namensgebung über Gott stand.

Jesus selbst nannte Gott «Vater», stand aber nicht über ihm (Joh 5,18; vgl. 1Kor 11,3).

Entgegen der Aussage Ortlunds überließ es Gott Adam nicht, zu definieren beziehungsweise zu ordnen, in welcher Beziehung die Frau zu ihm als Mann stand,89 als Adam die Frau «Männin» nannte. Adam legte keine Ordnung fest, sondern er erkannte die wesensartige Gemeinschaft, die Gleichartigkeit: «Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist» (1Mo 2,23; Luther).

Dabei verwendet er mit «Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch» die sogenannte «Verwandtschaftsformel»90. «Männin» ist hier nicht ein Name wie später, nach dem Sündenfall, «Eva» (1Mo 3,20), sondern ein Gattungsbegriff. Die Begriffe «Mann» (hebr. isch) und «Männin» (hebr. ischa) verhalten sich zueinander wie «Mensch» (hebr. adam) zu «Erde» (hebr. adama; vgl. 1Mo 2,7; 3,19).91

Von Vertretern der historischen Position wird zuweilen argumentiert, beim Sündenfall (1Mo 3,1–7) hätte Eva die «Sünde der Leiterschaft» begangen: Satan habe die Frau angesprochen, um die Leiterschaft des Mannes anzugreifen. Er habe die Frau eingeladen, leitende Verantwortung zu übernehmen im Sinn von: «Du entscheidest, Eva. Du leitest den Weg. Möchtest nicht lieber du die Leiterschaft wahrnehmen?»

Die Sünde der Frau habe darin bestanden, dass sie als Frau die Leiterschaft an sich riss. Die Sünde des Mannes habe darin bestanden, dass er dies zugelassen, seine geistliche Führungsaufgabe verleugnet und auf seine Frau gehörte habe (1Mo 3,17).92 Die Sündenfallgeschichte sei demnach eine Warnung vor den Gefahren, wenn Frauen religiöse Führung an sich rissen, welche Gott Männern aufgetragen habe,93 so die historische Sichtweise.

Dieser Argumentationsweise gilt es entgegenzuhalten, dass beim Sündenfall die Versuchung der Frau nicht darin bestand, dass die Frau sein wollte wie der Mann und daher die Leiterschaft an sich riss. Die Versuchung lautete nicht: «Du wirst sein wie dein Mann», sondern: «Ihr [!] werdet sein wie Gott» (1Mo 3,5; Luther).

Wenn Adam in 1. Mose 3,17 vorgeworfen wird, auf die Stimme seiner Frau gehört und vom verbotenen Baum gegessen zu haben, ist der Punkt in diesem Vorwurf nicht der, dass die Worte der Versuchung von einer Frau kamen. Die Sünde Adams wäre nicht weniger schlimm gewesen, wenn sie auf Grund von Worten eines Mannes erfolgt...

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