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E-Book

YS

TEIL I: DAS TOR

AutorElisabeth Karsten
Verlagtao.de
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl460 Seiten
ISBN9783958024144
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
YS ist ein spannender Abenteuerroman, der u.a. folgende Fragen aufwirft: Kann es sein, dass Teile von uns, die wegweisend für unser Lebensglück sind, in einer anderen Zeit beheimatet sind? Kann es sein, dass eine Liebe in einem anderen Jahrhundert uns im Weg steht, unseren Lebenspartner im Jetzt zu finden? Kann eine Prophezeiung aus einer vergangenen Zeit wirklich Einfluss auf einen rationalen Menschen der Gegenwart nehmen? Die Geschichte entfaltet sich auf zwei verschiedenen Zeitebenen, die schließlich zu einer verschmelzen und so eine völlig neue Sicht des Geschehens offenbaren. Inhalt des ersten Teils: Norea Danninger quält sich mit dem Gedanken, was sie endlich richtig machen muss, damit in ihrem Leben nicht mehr alles falsch läuft. Durch die Begegnung mit dem amerikanischen Schamanen Joe Night beginnt sie, ganz neue Fragen zu stellen - doch die Antworten sind nicht in unserer Zeit zu finden...Je näher sich Norea und Joe auf ihrer gemeinsamen Reise durch die Bretagne kommen, umso häufiger stoßen sie auf Spuren der sagenumwobenen Stadt YS und umso stärker offenbart sich ihre Verbindung zur keltischen Antike und zu Ahez und Vytosco. Während die Zeitebenen immer mehr miteinander verschmelzen und sich die Ereignisse zuspitzen, wächst die Sehnsucht nach der Befreiung aus diesem Schicksalsnetz.

Elisabeth Karsten lebt seit 2003 als Autorin und Lebensberaterin in Berlin. Sie hat Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in Deutschland studiert und Film in den USA.

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Leseprobe

II SCHWINGT DER RAUM

Vytosco stand am Bug der Galeere, den Blick nach Osten gerichtet. Gegen Mittag sollten sie Ys erreichen, hatte der Kapitän gesagt. Vytosco hatte sich einen guten Platz an Deck gesichert, um nur ja nichts von der Ankunft zu verpassen. Der Anblick der Stadt von der Meerseite sollte atemberaubend sein. Es regnete heftig und dennoch brach einen Augenblick später wieder die Sonne durch die Wolken. Das Wetter in diesen Breiten war noch unberechenbarer, als eine Ziegenherde im Frühling. Seit der Durchquerung der Bucht von Biscaya hatte das Wetter ständig gewechselt. Bisher waren ihnen jedoch größere Stürme erspart geblieben – was Vytosco sehr begrüßte, denn schon geringer Seegang schlug ihm mächtig auf den Magen und er war froh, dass heute sein letzter Tag auf See war.

Er entdeckte die beiden Delphine wieder. Sie tauchten immer wieder auf seit sie die sagenumwobene Insel der Gallisenae passiert hatten. Von der Insel selbst war allerdings wenig zu erkennen oder zumindest nichts, was irgendwelche Rückschlüsse auf das Tun ihrer Bewohnerinnen erlaubte. Natürlich hatte auch Vytosco von den sagenumwobenen Zauberinnen gehört, die auf der Insel vor der Küste Armorikas lebten. Laut der Erzählung eines der Ruderer konnten sie sich beliebig in Tiere verwandeln, die Zukunft lesen und das Wetter beeinflussen. Vytosco amüsierten die – in seiner Sicht - typischen, Vermutungen fabulierfreudiger Seefahrer. Wahrscheinlich waren es schlichte, harmlose Frauen, die dem weltlichen Leben abgeschworen hatte und sich ihrem Glauben widmeten - wenn auch nicht dem christlichen.

Freudiges Rufen ertönte plötzlich von allen Seiten des Schiffes. Vytosco hob den Blick und staunte: vor den grauen Wolkenungetümen hatte sich ein riesiger Regenbogen gespannt. Seine Farben strahlten intensiver und ausdauernder als er es je zuvor gesehen hatte. Der geradezu magische Regenbogen stand genau über der Bucht, die sich nun auf Steuerbord öffnete. Vytosco sandte ein Dankgebet in den Himmel. Das war ein Zeichen, dass er auf dem richtigen Weg war! Der Steuermann brüllte ein Kommando und die Galeere veränderte ihren Kurs. Die Senaeinsel, die so eben noch östlich von ihnen gelegen hatte, war jetzt hinter ihnen und sie steuerten direkt auf das Land und den Regenbogen zu. Der Westwind blähte das Segel jäh auf und es wurde eingeholt. Sie fuhren auf eine Meerenge zu, die mit kontrollierter Geschwindigkeit leichter zu bewältigen war. Bald ertönte das rhythmische Kommando an die Ruderer und in regelmäßigen Bögen tauchten die Ruder ins Wasser und schoben die Galeere voran.

Laertes gesellte sich zu seinem iberischen Passagier. Der hellenische Händler war der Besitzer dieser Galeere, die ihre Fahrt von Piräus nach Thule machte und alle Häfen mit den Gütern der anderen versorgte. Vytosco hatte ihn im Hafen von Gadir aufgesucht, um für sich und seine Stute eine Fahrt nach Britannien zu vereinbaren. Der Preis war horrend gewesen, aber es gab nicht wirklich eine Alternative, wenn Vytosco noch in diesem Sommer sein Ziel erreichen wollte. Unterwegs stellte Vytosco fest, dass der Hellene nicht nur sein Geschäft und fast alle Sprachen zu beherrschen schien; er kannte sich auch hervorragend in den Erzählungen der verschiedenen Völker aus. Es ging das Gerücht, dass Laertes jedem für eine gute Geschichte einen Krug Wein spendierte und es gab in jedem Hafen genug arme Seelen, die das für sich zu nutzen wussten.

Ursprünglich hatte Vytosco selbst mit Ailida über Land reiten wollen. Durch Hispanien, über die Pyrenäen, durch ganz Gallien, bis hinauf nach Britannien. Aber eines Morgens kurz vor ihrer Abreise kam er in den Stall und erschrak. Ailidas rechtes Auge war milchig trübe geworden. Ein sicheres Anzeichen für den Beginn der Mondkrankheit. Damit war der mehrwöchige Ritt unmöglich geworden. Das Pferd würde in absehbarer Zeit erblinden. Vytosco war verzweifelt: die Araberstute war sein wertvollster Besitz. Er hatte sie vor einigen Jahren als junges Fohlen von einem alten Züchter in der Extremadura erworben und sie selbst zugeritten. Inzwischen war aus ihr ein Prachtpferd geworden, das ein Vielfaches dessen wert war, was sie ihn einst gekostet hatte. Alle beneideten ihn um das wundervolle Tier. Mehrfach war ihm viel Gold für sie geboten worden. Leicht hätte er sich von dem Erlös zwei neue Pferde leisten können, doch er war keine Krämerseele. Außerdem hing er viel zu sehr an ihr, als dass er sie ohne weiteres hätte aufgeben können. Umso härter traf ihn der Schock, als er ihr entzündetes Auge sah. Gegen die Mondkrankheit gab es kein wirksames Mittel und ein blindes Pferd war völlig wertlos. Man hatte schon Glück, wenn man einen Schlachter fand, der nicht abergläubisch war, und dem man für einen kleinen Betrag wenigstens das Fleisch verkaufen konnte. Vytosco lief ein Schauer über den Rücken, wenn er daran dachte. In seiner Verzweiflung hatte er in der Kirche gebetet. Wenn der Herr seinem Plan zustimmte, ein Ritter der Tafelrunde zu werden und in seinem Namen für Gerechtigkeit, Frieden und Nächstenliebe zu kämpfen, dann würde er sicherlich dafür sorgen, dass er sein Ziel auch erreichte. Er musste einige Stunden in der Kirche verbracht haben, denn als er heraus kam, war es bereits Nachmittag. Er hatte Hunger und kehrte in einer kleinen römischen Taverne ein, wo er für ein paar Sesterzen eine Suppe und ein Stück Brot erwarb, sowie einen kleinen Krug Cervesa. Kurz darauf setzte sich ein Hünenhafter blonder und bärtiger Germane an seinen Tisch und bestellte sich gleich die doppelte Portion. Er stellte sich als Olf, der Raumariker vor. Sie kamen ins Gespräch und Vytosco erzählte von Ailidas Erkrankung. Olf war voller Mitgefühl. Er erzählte, dass die germanischen Pferde ebenfalls unter der Mondkrankheit litten. Er wusste von einigen wertvollen Tieren, die deswegen vor ihrer Zeit getötet worden waren. Alle Völker und Stämme, deren Pferde daran erkrankten, verloren sie schließlich! Der Germane nahm einen herzhaften Schluck von seiner Cervesa. Vytosco schob ein Stück Brot über den Grund der Schale, um den letzten Rest seiner Suppe aufzusaugen und erklärte, er würde alles für ein Heilmittel geben! Er wolle sich einfach nicht damit abfinden, dass ein so schönes Tier so unwürdig enden müsse. Olf nickte verständnisvoll. Dann senkte er den Kopf und die Stimme, ehe er fort fuhr: Er habe tatsächlich mal von einem Volk gehört, das seine Pferde von der Mondkrankheit zu heilen wüsste! Vytosco sah ihn hoffnungsvoll an und der Germane berichtete, es gebe angeblich im Norden von Gallien, unter den Armorikanern einen Stamm, deren Pferde nie daran erkrankten. Ihre Weisen seien die größten Meister der Heilkunst und es sei ihnen völlig gleichgültig, ob es sich bei den Kranken um Menschen oder Tiere handelte. Tatsächlich würden sie auch beliebig Menschen in Tiere verwandeln und zurück. Das mache für diese Barbaren wohl nicht den geringsten Unterschied und man müsse überhaupt gründlich Acht geben, dass man bei ihnen nicht versehentlich als Kesselfleisch ende! Dann sprach Olf wieder in normaler Lautstärke weiter und erklärte, dies zumindest habe ihm ein Urugunde im Suff erzählt und man wisse ja, wie man derlei zu bewerten habe… Olf nahm seinen Teller in die Hand und schlürfte die restliche Suppe genüsslich aus, wobei nicht wenig davon in seinem Bart hängen blieb. Dennoch begann Vytosco Hoffnung zu schöpfen. Er hatte das Bedürfnis nachzudenken und zwar allein. Als Dank für die Informationen überließ er dem erfreuten Olf den Rest seiner Cervesa und verabschiedete sich. Seine Schritte führten ihn zurück auf den Kirchhof. Zwischen den Gräbern hin und her schreitend, ging er seinen Gedanken nach: Er würde sich wohl für sich und sein Pferd eine Schifffahrt in den Norden leisten können. Aber dann blieb ihm nicht mehr viel, bis er am Hofe des britannischen Königs Fuß gefasst hatte und über eigene Einkünfte verfügte. Des Weiteren war es allein vom Hörensagen eines mäßig Vertrauen erweckenden Germanen, das die Hoffnung in ihm geweckt hatte, Ailida könne geheilt werden. Der schlimmste Fall war natürlich, dass er sie zu den Armorikanern brachte, sich ihre legendäre Heilkunst als Gerücht erwies und er Ailida dort notschlachten musste. Dann hatte er beides verloren: sein Pferd und fast sein ganzes Vermögen. Doch wenn er sie gleich zum Schlachter brachte, konnte er sein Barvermögen mehren und sich dann zumindest ein einigermaßen brauchbares neues Pferd kaufen. Die Sonne ging unter und Vytosco wurde müde. Er wusste, diese Entscheidung würde ihm den Schlaf rauben und beschloss, die Nacht im Stall bei Ailida zu verbringen. Der Anblick des vertrauten Wesens und die Wärme ihres Körpers brachten ihn dazu, am nächsten Morgen aus Liebe zu seiner besten und treuesten Freundin eine vollkommen unvernünftige Entscheidung zu fällen: er erwarb für sie beide eine Schiffsreise nach Ys. Und jetzt stand er neben Laertes am Bug der Genaia, nur noch wenige Stunden von seinem Ziel entfernt. Sie warteten das Einsetzen der Flut ab. Dann fuhr die Galeere auf die Meerenge zu, die den natürlichen Hafen der Stadt begrenzte. In der Ferne funkelte das Sonnenlicht auffällig und Vytosco fragte, ob es wohl schon die ersten Häuser der Stadt seien? Laertes schüttelte lachend den Kopf und erklärte: „Nein, das sind nur die Kupferdächer der Deichtore, die das Sonnenlicht spiegeln. Die Stadt selbst funkelt an der Bucht wie ein Diamantcollier am Hals einer Königin – dagegen sind das die erbärmlichen Blechohrringe einer Sklavin. Ihr wart noch nie in Ys?!“ Vytosco schüttelte verlegen den Kopf. Auf einmal wurde ihm bewusst, dass er in Wirklichkeit keine Ahnung hatte, worauf er sich eingelassen hatte, als er vor...

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