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Zeit für einen Spurwechsel

Wie wir aufhören uns selbst zu blockieren und dem Leben eine neue Richtung geben

AutorMirriam Prieß
VerlagSüdwest
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783641220457
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Wer bist DU tatsächlich? Wie wir uns aus der Sackgasse kindlicher Prägung befreien und erfüllt leben können
Sie wissen genau, was richtig ist, aber Sie handeln entgegengesetzt? Sie geraten immer wieder an falsche Personen und verharren in leidvollen Situationen - aber Sie schaffen es nicht, sich davon zu lösen? 'Warum wir in unserem Leben nicht ankommen? Weil etwas in uns genau das nicht will!' Mit dieser These beginnt die Burnout- und Resilienz-Spezialistin Dr. med. Mirriam Prieß ihr neues Buch und beschreibt, wie wir uns unbewusst von dem abhalten, was wir uns eigentlich wünschen. Auf eindrucksvolle Weise erfährt der Leser, wie uns Prägungen aus der Kindheit unbemerkt in private, berufliche und gesundheitliche Sackgassen führen und die Beziehung zu unserem wahren Ich verhindern. In einem neuen Ansatz wird deutlich, dass vor allem der Mechanismus gelöst werden muss, der sich hinter kindlicher Prägung verbirgt, und dem bislang zu wenig Beachtung geschenkt wurde.
Wie wir uns davon befreien und das eigene Leben kraftvoll in die richtige Richtung steuern können erfährt der Leser in diesem Buch. Schon nach den ersten Seiten wird deutlich: Es ist Zeit für einen Spurwechsel!


Dr. med. Mirriam Prieß hat an der Universität Hamburg Medizin mit anschließender Promotion im Fachbereich Psychosomatik studiert. Sie war als Ärztin 8 Jahre in einer psychosomatischen Fachklinik tätig und unter anderem für die Behandlungsschwerpunkte Ängste, Depressionen und Burnout verantwortlich. Seit 2005 übernimmt sie beratende Tätigkeiten in der Wirtschaft mit Einzelcoaching von Führungskräften im Bereich Konflikt- und Stressmanagement.

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Leseprobe

Es ist nicht die Frage, ob wir so, wie wir sind, genügen – es ist vielmehr die Frage, warum wir dies nicht leben.

Zuallererst: Mir ist in meiner Beratung noch kein Mensch begegnet, der bewusst von sich sagt: Ich will nicht glücklich sein! Der seine Ziele nicht erreichen möchte. Der kein erfülltes Leben möchte.

Mir ist noch niemand begegnet, der eine Partnerschaft oder einen Job beginnt mit dem Ziel, zu scheitern. Niemand, der sagt: Ich bleibe jetzt in dieser leidvollen Situation, weil ich unglücklich sein möchte. Niemand, der seine Ziele bewusst verhindert, weil er sich dafür entschieden hat, in seinem Leben lieber nicht ankommen zu wollen, sondern lieber scheitern möchte. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der, wenn er die Wahl hätte zwischen »Willst du ein glückliches und erfülltes Leben leben, das dir entspricht« und »Willst du in deinem Leben fernab von dir selbst leiden?« sich bewusst für Variante zwei entscheidet.

Und dennoch findet genau das unendlich oft statt: Wir verharren in leidvollen Situationen; uns gelingt es nicht, uns so zu vertreten, wie wir es wollen, wir blockieren uns im Job, fahren unsere Partnerschaft gegen die Wand, fallen auf »falsche« Menschen und Situationen herein oder lassen unseren Körper und unsere Gesundheit »verkommen«.

Rational wissen wir, was wir wollen, emotional sehnen wir uns nach unserem Glück – unsere äußere Realität jedoch sieht meist ganz anders aus.

Im folgenden Kapitel möchte ich auf genau diesen Widerspruch eingehen. Den Widerspruch, den unendlich viele von uns in sich tragen: Auf der einen Seite unter dem Leben zu leiden, das wir führen, es auf der anderen Seite aber nicht zu verändern. Auf der einen Seite zu wissen, was wir wollen, aber am Ende das Gegenteil davon zu tun – oder im Gegenteil zu verharren. Auf den Widerspruch, der uns nicht zu uns selbst und zu dem stehen lässt, wer wir sind.

Dieser Widerspruch ist einer der Hauptgründe für Stillstand, für Blockaden und für Schmerz. Einer der Hauptgründe für die Unmöglichkeit, glücklich zu sein. Wenn wir ihn nicht auflösen, dann können wir noch so viel tun – einschließlich Therapie –, wir werden in unserem Leben nicht ankommen.

Warum wir nicht sind, wer wir sind

»Ich bin der Geist, der stets verneint …«

(Goethe, Faust I)

Wenn wir feststellen, dass wir ein Leben fernab von uns selbst leben, wenn wir erkennen, dass wir uns in Beziehungen befinden, die uns nicht erfüllen oder sogar schaden, und wir uns die Frage stellen, wie wir mit uns selbst und unserem Leben umgehen, dann werden wir nicht umhinkommen, uns irgendwann auch der Frage zu widmen, wie mit uns umgegangen worden ist, als wir ins Leben kamen. Wenn wir feststellen, dass uns das Entscheidende für ein erfülltes und gesundes Leben – gelingende Beziehung – fehlt, dann werden wir uns zwangsläufig auch der Frage stellen müssen, wo und wie wir eigentlich Beziehung gelernt haben.

Wir können Widersprüche nur dort lösen, wo sie entstanden sind, und wenn wir Widersprüche in der Beziehung zu uns selbst, unserem Leben und unserer Umwelt feststellen, dann müssen wir zu dem Ursprung zurückkehren, wo Beziehung in uns entstanden ist.

Was haben wir in unseren ersten Jahren, in denen ein Mensch Beziehung lernt, an Beziehung erfahren? Wie sind unsere ersten Bezugspersonen, meist unsere Eltern, uns begegnet?

Wenn wir mit dieser Frage den Blick zurückrichten, dann sind es keine einzelnen Erlebnisse, die für unsere Antwort entscheidend sind, sondern es ist die tagtägliche Atmosphäre der Beziehungen, in der wir aufgewachsen sind, die uns in unserem Umgang für unser späteres Leben prägt. So, wie unsere Eltern mit uns als Kind, mit sich selbst und untereinander in Beziehung getreten sind, daraus haben wir gelernt, mit uns selbst und mit der Welt in Beziehung zu treten.

Unsere Eltern zeigen uns durch ihren Umgang, was Beziehung heißt – und zwar nicht durch einzelne Situationen, sondern durch die alltägliche Atmosphäre.

Lassen Sie uns vor diesem Hintergrund die drei Beziehungsaspekte genauer betrachten, die uns für unser späteres Leben und für den Umgang mit uns selbst prägen.

Der Umgang der Eltern mit dem Kind

Der direkte Umgang der Eltern mit uns als Kind ist der zentralste Punkt für die eigene spätere Beziehungsgestaltung, denn hier geht es unmittelbar um uns.

Die wichtigsten Fragen in diesem Bereich sind: Wie sieht der tägliche Kontakt aus? Ist er von Liebe und echter Annahme geprägt? Von Geborgenheit und Interesse? Von dem Grundsatz »So, wie du bist, bist du gut – schön, dass du da bist!«? Oder ist der Kontakt von Distanz und Gleichgültigkeit, von Ablehnung, von Überforderung, von Kälte oder Funktionalität geprägt? Werde ich als Kind in meinem Wesen erkannt und gefördert oder sehen meine Eltern sich selbst in mir und versuchen, ihre Überzeugungen und Bedürfnisse in mir zu verwirklichen?

Die Beziehung der Eltern zu sich selbst

Wer ist sich als Vater oder Mutter schon darüber bewusst, dass man dadurch, wie man mit sich selbst umgeht, automatisch sein Kind für den Umgang mit sich selbst prägt? Leben unsere Eltern das Leben, das ihnen entspricht? Stehen beide im Kontakt zu ihrem Wesen und leben den inneren Dialog?

Die Eltern zeigen mir als Kind, wie Beziehung zu sich selbst geht und was dies heißt: Selbstbewusstsein oder Wertlosigkeit; echter Selbstwert oder Selbstdefinition über Leistung; die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen, oder grenzenlose Selbstaufopferung; Selbstannahme oder Selbstaufgabe; Mitgefühl oder Härte. Bin ich so, wie ich bin, gut? Oder bin ich so, wie ich bin, nicht gut? Nicht mit Worten, sondern im täglichen Verhalten zeigen die Eltern ihrem Kind, »wie man mit sich selbst« umgeht – und zwar im Positiven wie im Negativen.

Die Beziehung zwischen den Eltern

»Wir sind für immer durch unser Kind verbunden«, sagte eine Frau, die aufgrund einer Trennungsproblematik in die Beratung kam. »Auch wenn wir getrennt sind, unsere Töchter sind wie ein dauerhaftes Band zwischen uns«, berichtete ein Unternehmensberater.

Die Verbundenheit, die Eltern untereinander durch ihre Kinder spüren, gilt im umgekehrten Sinne auch für das Kind. Weil ich aus dieser Verbindung entstanden bin, ist die Beziehung zwischen meinen Eltern für mich als Kind existenziell. Sie ist so hoch emotional besetzt, weil sie die Grundlage meiner eigenen Existenz darstellt. Ich spüre als Kind instinktiv: »Aus diesen beiden bin ich entstanden, ich bin ein Teil von beiden.«

In meinen Beratungen verwende ich manchmal das Bild, dass die Verbindung zwischen den Eltern die Wiege des Kindes ist, in der es in die Welt gewiegt wird, so lange, bis es alleine laufen kann und erwachsen ist. So lange, bis es genügend Beziehung zu sich selbst hat, um die Beziehung der Eltern für das eigene Leben nicht mehr zu benötigen.

Die Beziehung der Eltern zeigt mir als Kind also nicht nur, wie man als Paar miteinander umgeht, sondern prägt mich auch entscheidend in der Beziehung zu mir selbst. Sie wirkt sich auf mein Selbstbild aus. Vereinfacht ausgedrückt: Aus dieser Beziehung bin ich entstanden – dort ist mein Ursprung, dort liegen meine Wurzeln. Was wird mir tagtäglich vorgelebt? Ist mein Ursprung Liebe, Interesse, Annahme, Wertschätzung, Akzeptanz und Umgang auf Augenhöhe oder Streit, Verachtung, Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit?

Liebe und Geborgenheit

So wenig es in den ersten Jahren braucht, so existenziell notwendig ist dieses wenige, damit unser späteres Leben gelingt: Die beständige Erfahrung von liebevoller Annahme und Geborgenheit, die Erfahrung, die sich in diesem Satz ausdrückt: So, wie du bist, bist du gut – schön, dass du da bist!

Auch wenn wir in unserem Wesen schon da sind, haben wir noch keine Verbindung zu uns und dadurch noch kein Bewusstsein über uns selbst. Damit wir mit uns in Beziehung treten und herausfinden können, wer wir wirklich sind, brauchen wir Eltern, die uns von Beginn an in einem liebevollen Dialog begegnen. Unsere Eltern müssen mit uns in Kontakt treten, damit wir den Kontakt zu uns selbst aufnehmen können. Wir brauchen Eltern, die sich für uns in unserem wahren Wesen interessieren, die offen sind dafür, wer wir sind, und die uns von Anfang an auf Augenhöhe – unserem Alter entsprechend – begegnen und die uns bedingungslos annehmen.

Durch das Interesse der Eltern lernen wir, uns für uns selbst zu interessieren, über die Annahme der Eltern, uns selbst anzunehmen, und über die Offenheit und Unterstützung, uns selbst zu erkennen. Auf dieser Grundlage können wir uns zu dem Menschen entwickeln, der wir dem Wesen nach sind. »So, wie du bist, bist du gut – ich heiße nicht alles gut, was du tust, aber dich, dich heiße ich gut!« Mit dieser täglichen Erfahrung lernen wir den inneren Dialog zu uns selbst, lernen, mit uns umzugehen und von Anfang an selbstverständlich wir selbst zu sein.

Um es kurz zu sagen: Eigentlich brauchen wir nicht viel, um später gesund und glücklich zu werden – wir brauchen die liebevolle Annahme unserer Person. Wir brauchen Eltern, die uns helfen, den Zugang zu uns selbst zu entwickeln. Eltern, die uns helfen, eine...

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