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Zeit für Neues

Wie Sie herausfinden, was Sie im Ruhestand machen möchten

AutorIris Seidenstricker
Verlagdtv Deutscher Taschenbuch Verlag
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783423433525
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR

Gibt es ein Leben nach dem Job? Und ob!

Viele Menschen, die aus ihrer beruflichen Arbeit Anerkennung beziehen, beunruhigt die Vorstellung des Abschieds aus dem Arbeitsleben. Kein Zweifel: Diese neue Lebensphase zu gestalten, ist eine Herausforderung – aber auch der ideale Zeitpunkt, um etwas Neues zu beginnen. Was das sein könnte, lässt sich durch dieses Buch leicht herausfinden.

»Ihre beruflichen und privaten Erfahrungen sind eine Schatzkiste, die Sie für sich und andere öffnen können. Ihre neugewonnene Freiheit auch.« Iris Seidenstricker



<p><b>Iris Seidenstricker</b> hat Germanistik, Philosophie und Pädagogik studiert und arbeitet heute als Coach und Trainerin für die Bereiche Karriere und Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist Herausgeberin mehrerer Anthologien und Autorin von Lebenshilferatgebern.</p>

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Leseprobe

2 Abschied und Loslassen


Klaus schmunzelt, wenn er sich an den Abschied aus der Firma erinnert. »Und was machen Sie jetzt?«, wiederholt er die Frage, die ihm jeder an seinem letzten Tag im Büro gestellt hat. »Zur Beruhigung der anderen habe ich dann geantwortet: ›Ich lerne Italienisch und kochen.‹ Kochen stimmte nicht ganz, aber ins Italienische nochmals richtig einzusteigen, das ich früher für kurze Zeit studiert und dann aufgegeben hatte, das war tatsächlich mein Plan.«

Abrupt aus der Arbeitswelt auszusteigen, quasi die Vollbremsung aus Tempo 100, kann das seelische Gleichgewicht ganz schön aus dem Lot bringen. Ziehen Sie sich daher bewusst und möglichst über einen längeren Zeitraum in Etappen aus dem alten Feld zurück. Überlegen Sie sich, wie Sie das am besten organisieren können. Und überlegen Sie auch, wie speziell Ihr letzter Tag im Unternehmen aussehen soll.

Auf keinen Fall sollten Sie sich einfach aus der Firma schleichen. Ein würdiger Abschied hilft Ihnen, die Lebensphase »Beruf« hinter sich zu lassen und die Lebensphase »Ruhestand« zu begrüßen. Denn nur, wer einen Lebensabschnitt wirklich abschließt, kann auch einen neuen beginnen. In der Wissenschaft nennt man das den »Zeigarnik-Effekt«, benannt nach der russischen Psychologin, die in den 1920er Jahren in Experimenten feststellte: Wenn etwas noch nicht abgeschlossen ist, bleibt es als quasi unerledigt im Kopf haften und man fühlt sich unwohl. »Man« wären in diesem Fall Sie selbst, aber auch Ihre Kollegen. Es bliebe ein fader Nachgeschmack zurück.

Hier sind einige Tipps, wie Sie entspannt den Abschied aus dem Berufsleben vorbereiten und dann völlig frei und unbeschwert Ihrer neuen Lebensphase entgegengehen können:

Planen Sie Ihren Übergang schrittweise

Ideal, wenn Sie schon ein, zwei Jahre vorher Ihre Arbeit auf 80 Prozent reduzieren. Dann fangen Sie nämlich schon zeitig damit an, gedanklich Abstand von der Firma zu gewinnen. Sie identifizieren sich nicht mehr so stark mit dem Unternehmen und suchen parallel neue Inhalte. Lassen Sie sich von Ihrer Personalabteilung bezüglich Altersteilzeitmodellen Ihrer Firma beraten.

Legen Sie eine Datei für die Übergabe an

Legen Sie früh ein Notizheft oder eine Datei an, in die Sie alles schreiben, was für die Übergabe wichtig ist. Dann können Sie sicher sein, dass Sie auch Kleinigkeiten nicht vergessen. Was leicht passiert, wenn man die betreffende Agenda auf den letzten Drücker erstellt. Sorgen Sie in Absprache mit Ihrem Vorgesetzten dafür, dass Ihr Nachfolger für seinen Einstieg gut gerüstet ist, und klären Sie mit ihm, in welcher Form die Übergabe stattfinden soll.

Sommer oder Winter?

»Das Schöne war, dass ich nicht im Winter, sondern mit Beginn des Sommers in den Ruhestand gegangen bin«, sagt Klaus. »Da konnte ich eine Menge draußen unternehmen.«

Wenn auch Sie den Sommer, die Wärme und das Licht lieben und gern draußen sind, dann ist es natürlich ideal, wenn Ihr Ruhestand in dieser Jahreszeit beginnt. Aber auch Herbst und Winter haben ihre Vorteile. Man kann es sich gemütlich machen, länger im Bett und überhaupt zu Hause bleiben, während die vielen verschnupften Pendler im grauen und kalten Morgen zur Arbeit unterwegs sind. Für den Beginn des Ruhestands ist also jede Jahreszeit die richtige, wenn Sie sie zu nutzen wissen.

Markus, 58 Jahre, war Senior Manager in einem internationalen Unternehmen und hat sich nach seinem Ausscheiden als Consulter selbständig gemacht:

»Ich hatte eine lange Zeit des Abschiednehmens und das war gut so. Im letzten Jahr habe ich nämlich noch einen anderen Job gemacht, in dem ich viel gereist bin – auch im Ausland – und durch den ich gedanklich aus meiner Rolle und dem Tagesgeschäft schon raus war. Das war so etwas wie qualitative Altersteilzeit. Den täglichen Umsatz- und Mitarbeiterdruck gab es nicht mehr, ich war jetzt als Berater tätig, konnte noch ein Jahr für meine Firma arbeiten und hatte gleichzeitig die Chance, mental Stück für Stück auszusteigen und mich langsam aus der operativen Verantwortung herauszunehmen. Wenn ich in Deutschland war, hatte ich einen kleinen Schreibtisch in der Ecke oder konnte von zu Hause aus arbeiten. Ich hatte zunächst gedacht, dass das vielleicht eine frustrierende Zeit werden würde – aus dem Job, aber noch in der Firma. Dass das ein Abstellgleis ist und ich nur noch geduldet werde. Aber ich konnte etwas bewegen und wurde wertgeschätzt für das, was ich tat.«

Bereiten Sie sich emotional auf den letzten Tag vor

Auch wenn Sie sich für eher »hart im Nehmen« halten – der letzte Tag kann emotional sehr bewegend sein. Manche haben so große Angst davor, dass sie sich kurz (oder auch schon Wochen) vorher krankmelden. Wenn Sie merken, dass es Ihnen beim Gedanken an Ihren nahenden Abschied nicht gutgeht, geben Sie auch diesem Gefühl Raum. Die Trauer über den Verlust des Arbeitsplatzes ist absolut berechtigt. Nehmen Sie sich Ihre Gewinn- und Verlustliste von Seite 36 vor, schauen Sie auf Ihre Gewinnseite und versuchen Sie, den Gewinn jetzt schon zu fühlen. Wenn Sie Ja zum Wandel und zur neuen Lebensphase sagen, werden Sie bald die Energie des Aufbruchs spüren.

Von wem wollen Sie sich persönlich verabschieden?

Nicht nur Sie werden viele gute Wünsche bekommen – Sie selbst werden Ihren Kolleginnen und Kollegen am letzten Tag auch Wünsche mit auf den Weg geben. Dann spontan die passenden Worte zu finden ist nicht immer leicht. Überlegen Sie daher schon vorher, was Sie wem sagen wollen, was Sie an jemandem bewundert haben, was er Ihnen bedeutet hat und was Sie mitnehmen: »Wenn ich mir ein Stückchen von Ihnen abschneiden dürfte – es wäre …« Damit ehren und würdigen Sie Ihre Kollegen noch einmal. Und schenken sich selbst mit Ihren herzlichen Worten ebenfalls ein schönes Gefühl.

Famous last words?

Wenn Sie mit Ihrem Chef oder dem einen oder anderen Kollegen Schwierigkeiten hatten – widerstehen Sie der Versuchung, ein letztes Mal eine passende Antwort zu geben oder sich vielleicht gar nicht zu verabschieden. Selbst wenn es nur ein kurzer Abschied mit den Worten »Ich wünsche Ihnen beruflich und privat viel Glück« ist – sehen Sie es als Ritual, dieses Kapitel Ihrer Beziehung friedlich zu beenden. Das bringt Ihnen auf Dauer mehr, als wenn Sie eine Feindseligkeit unabgeschlossen weiter mit sich herumtragen. Die stresst Sie nämlich und Sie schaden damit nur Ihrer Gesundheit. Und wenn die Beziehung es nicht zulässt, dass Sie sich persönlich begegnen, dann können Sie sich trotzdem von ihm verabschieden, indem Sie ihm gedanklich alles Gute wünschen.

Auch mit einer Abschiedsmail können Sie »famous last words« hinterlassen. Aber auch hier gilt: Nutzen Sie sie nicht, um sich für etwas zu rächen oder endlich zu sagen, was Sie sich schon seit Langem denken. Wie der sächsische König Friedrich August III. im November 1918. Als er abdanken musste, ging er mit fünf Abschiedsworten, die Geschichte schrieben: »Machd doch eiern Drägg alleene.« Das mag ehrlich gewesen sein, nobel war es nicht. Machen Sie Ihrem Ärger nicht auf diese Weise Luft, denn er vergeht irgendwann, die Abschiedsmail aber bleibt. Schreiben Sie sie daher als Entwurf, geben Sie sie einer Person Ihres Vertrauens zum Lesen und schlafen Sie eine Nacht darüber. Wenn Sie dann immer noch ein gutes Gefühl haben, können Sie auf »senden« klicken.

Übrigens: Ein Ort für Kritik, Enttäuschungen und Verletzungen sind sogenannte Austrittsgespräche mit dem Vorgesetzten, die manche Firmen ihren Mitarbeitern anbieten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, Altes endgültig loszulassen.

Die Abschiedsrede – muss sie sein?

So fragen viele, aber: Ja, sie sollte sein. Auch wenn Sie vielleicht nicht gern im Mittelpunkt stehen und keine große Rednerin oder kein großer Redner sind – eine Abschiedsrede ist immer eine schöne Sache und gehört zum stimmigen und gelungenen Abschied dazu. Mit ihr würdigen Sie Ihre langjährigen Kolleginnen und Kollegen und die Zeit, die Sie im Unternehmen verbracht haben.

Wenn eine spontane Ansprache oder Stegreifrede nicht gerade Ihre Lieblingsdisziplin ist, können Sie sie schon Monate vorher vorbereiten. Die wichtigste Regel dabei: KISS – keep it short and simple, machen Sie es kurz und nicht zu sentimental. Keiner mag Abschiede gern. Und manche können mit Sentimentalität nicht gut umgehen. Außerdem ist es ja auch keine Trauerfeier – Sie gehen »nur« in Ihren wohlverdienten Ruhestand.

Da einem erfahrungsgemäß nichts einfällt, wenn man sich hinsetzt und loslegen will, sammeln Sie schon Monate vorher Anekdoten, Projekte, Begegnungen, wichtige Erlebnisse mit Kollegen in Ihrem Notizbuch. Dazu, wie Sie die Rede aufbauen und gestalten können, finden Sie Anregungen in Büchern oder Sie schauen einfach mal im Internet. Unter dem Stichwort »Rede vorbereiten«, »Rede schreiben« oder »Abschiedsrede Ruhestand« finden Sie prima Anregungen und auch Beispielreden, die Sie für Ihren eigenen Abschied nur noch anpassen müssen.

Der letzte Tag im Job ist da

Irgendwann ist er da. Vielleicht freuen Sie sich schon darauf, vielleicht bereitet er Ihnen Bauchschmerzen, vielleicht blicken Sie auch aus einer etwas unsortierten Gefühlslage auf ihn. Wie Sie Ihren letzten Tag gestalten, hängt ganz von Ihnen, aber auch von der Firmenkultur Ihres Unternehmens ab. Was ist bei Ihnen üblich? Wie machten es die Kolleginnen und Kollegen vor...

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