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E-Book

Zivilgesellschaftliches Engagement in virtuellen Gemeinschaften

Eine systemwissenschaftliche Analyse des deutschsprachigen Wikipedia-Projektes

AutorIngo Frost
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl157 Seiten
ISBN9783831606092
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR

Wikipedia hat sich in nur vier Jahren zur umfangreichsten internationalen Internetenzyklopädie entwickelt: Es gelang genug Freiwillige zu motivieren, sich an diesem Projekt zu beteiligen und ein frei zugängliches, mehrsprachiges, virtuelles Lexikon aufzubauen. Ingo Frost stellt Wikipedia aus Sicht verschiedener Wissenschaften vor und entwickelt einen eigenen Erklärungsansatz, mit dem das Wikipedia-Phänomen aus zivilgesellschaftlicher Perspektive beleuchtet wird. Bekannte Konzepte aus den Sozialwissenschaften wie Partizipation, Soziales Kapital und Soziales Vertrauen werden somit auf die virtuelle Gemeinschaft, die hinter Wikipedia steht, übertragen.

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Leseprobe

3 Stand der Forschung: Wissenschaftliche Erklärungsansätze (S. 52)

Nach der Einführung in das Wikipedia-Projekt im letzten Kapitel folgt nun die Präsentation von ausgewählten wissenschaftlichen Arbeiten über Wikipedia. Sie sind vier Unterkapiteln zugeordnet, die je eine Perspektive repräsentieren:

1. Interpretation Wikipedias anhand der produzierten Enzyklopädie als eine besondere Gterart,
2. Wikipedia als Open Content-Projekt in Anlehnung an die Open Source- Bewegung,
3. Wikipedia interpretiert als partizipativer Journalismus und
4. Vorstellung empirischer Arbeiten über Wikipedia.

Jedes dieser vier Unterkapitel wird durch eine abschließende Bewertung und Einordnung der vorgestellten Arbeiten abgeschlossen. Sie bilden so den Grundbau für die eigenen Erklärungsansätze, die im vierten Kapitel entwickelt werden.

3.1 Wikipedia als Allmende, Klub- oder öfentliches Gut?
Welche kollektive Güterart wäre f¨ur die Enzyklopädie Wikipedia adäquat? Der Ausdruck Allmende bezeichnete ursprünglich ein gemeinsam genutztes Stück Land in einer Gemeinde. Dabei entsteht die Allmendeproblematik und die Möglichkeit der Übertragung auf alle öffentlichen Güter bis hin zur Wissensgesellschaft und Wikipedia. Um dieses Konzept herum entstanden viele wissenschaftliche Arbeiten aus verschiedenen Disziplinen heraus, von denen hier drei näher vorgestellt und zu Wikipedia in Bezug gesetzt werden.

3.1.1 Vorstellung der Autoren
Volker Grassmuck studierte Soziologie, Publizistik, Informationswissenschaft und Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach Mitarbeit in verschiedenen sozio-technischen Projekten promovierte er 1999. Grassmuck ist sehr engagiert in der Internetszene: neben dem von ihm mitgegründeten Verein mitko e.V. zur Vernetzung Berliner Medienkulturen und regelmäßigen Vorträgen beim Chaos- Computer-Club hat er die Konferenzreihe The Wizards of OS62 - Information wants to be free organisiert, aus dem die in diesem Unterkapitel diskutierte Arbeit stammt. Volker Grassmuck prägte u.a. durch sie den Begriff Wissens-Allmende schon vor dem Aufkommen Wikipedias.

• Volker Grassmuck: Die Wissens-Allmende (2000) - [Grassmuck (2000)] Philippe Aigrain ist französischer Informatiker und befasst sich jedoch schon lange mit Software aus einer sozialkritischen Perspektive. Er hat verschiedene Projekte u.a. an der Universität Toulouse gegründet und ist aktiv im Bereich Freie Software. Er thematisiert ebenfalls Begrife wie information commons und public goods im Zusammenhang mit Wikipedia in seiner Arbeit:

• Philippe Aigrain: The Individual and the Collective in Open Information Communities (2003) - [Aigrain (2003)]

Andrea Ciolilli ist italienischer Wirtschaftswissenschaftler und stellt in seiner Arbeit eine Taxonomie virtueller Gemeinschaften vor. Als theoretische Basis nutzt er dazu die Teamtheorie sowie Club Economics.

• Andrea Cifollili: Phantom authority, self-selective recruitment and retention of members in virtual communities: The case of Wikipedia (2003) - [Ci.olilli (2003)]

3.1.2 Einleitung: Gemeinsame Güter und ihre Problematik

Die ursprüngliche Idee der Allmende (während des Mittelalters in Europa)
Der Begriff Allmende stammt aus dem mittelhochdeutschen " almende" oder " al(ge)- meinde". Er bezeichnete ursprünglich eine Wald- oder Weidefäche, die von den Mitgliedern einer Gemeinde gemeinschaftlich genutzt wurde. Diese Güterart, die bis zum 18. Jahrhundert z.B. in Deutschland verbreitet war, hatte u.a. eine soziale Funktion, da diese Flächen von ärmeren Bauern benutzt werden konnten.

Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung6
Vorwort zur ersten gedruckten Auflage8
Vorwort9
Inhaltsverzeichnis11
1 Einleitung14
1.1 Das Wikipedia-Phänomen: In fünf Jahren zur weltgrößten Enzyklopädie14
1.2 Fragestellung15
1.3 Methode16
1.4 Aufbau der Arbeit16
2 Der Forschungsgegenstand Wikipedia19
2.1 Fakten und Begriffe rund um Wikipedia19
2.2 Aufbau und Funktionsweise44
2.3 Organisationsstruktur rund um Wikipedia53
3 Stand der Forschung: Wissenschaftliche Erklärungsansätze57
3.1 Wikipedia als Allmende, Klub- oder öffentliches Gut?57
3.2 Übertragung des Open Source-Entwicklermodells auf Freie Inhalte wie Wikipedia65
3.3 Wikipedia als partizipativer Journalismus73
3.4 Erklärungsansätze durch empirische Studien77
4 Ein eigener Erklärungsansatz: Virtuelles zivilgesellschaftliches Engagement84
4.1 Begriffe und Definitionen: Zivilgesellschaftliches Engagement aus drei Perspektiven84
4.2 Das Modell gemeinsamer Entscheidungsprozesse91
4.3 Weitere Erklärungsansätze110
4.4 Auswertung116
5 Ausblick124
5.1 Schlussfolgerungen124
Wikis und die Wissenschaft125
5.2 Weiterer Forschungsbedarf125
Literatur128
Anhang135
Glossar135
Anlagen138
Material aus Wikipedia-Projekten138
GNU Free Documentation License138

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