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Zuhören für Fortgeschrittene. Eine kommunikationswissenschaftliche Analyse ‚guten Zuhörens’ und gesprächspsychotherapeutischer Kommunikation

AutorKirsten Menzel
VerlagUVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl142 Seiten
ISBN9783940251268
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR

Der Wunsch nach guten Zuhörern ist allgegenwärtig. Wer einen Blick in die Ratgeber-Regale von Büchereien und Buchhandlungen wirft, gewinnt diesen Eindruck. „Zuhören für Fortgeschrittene“ ist jedoch keiner dieser Ratgeber für schlechte Zuhörer. Vielmehr wird anhand einer Analyse der ratgebenden Literatur die Frage beantwortet, was gemeinhin als ‚gutes Zuhören’ gilt. Die üblichen Anleitungen zum guten Zuhören werden aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht kritisch betrachtet.

Sind Gesprächspsychotherapeuten die idealen Zuhörer? Auch dieser Frage widmet sich das Buch, indem die Autorin die therapeutische und die alltägliche Kommunikationssituation vergleicht.

Eine kurze Prüfung des Zuhörverhaltens von Nacht-Talker Jürgen Domian schließt die kommunikationswissenschaftliche Arbeit ab, die zeigt, welche Bedürfnisse sich hinter dem Wunsch nach guten Zuhörern verbergen.

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Leseprobe

Lektion 2: Zuhören (S. 17-18)

Die Ohren spitzen, die Löffel aufstellen, ganz Ohr sein, jemandem sein Ohr leihen oder die Ohren aufsperren können wir nur im übertragenen Sinne. Die sprachlichen Bilder deuten an, dass es nicht reicht, mit zwei Ohren ausgestattet zu sein, um ein guter bzw. überhaupt ein Zuhörer zu sein. Ein Verständnis von Zuhören wird im Folgenden erstens mittels einer Abgrenzung zum Hören bestimmt und zwei tens durch den Vergleich von Definitionen gewonnen.

2.1 Vom Hörer zum Zuhörer

In der Alltagssprache werden „hören" und „zuhören" insofern synonym verwendet, als an Stelle von „zuhören" auch „hören" gebraucht werden kann: „Ich habe dich gehört." im Sinne von „Ich habe dir zugehört." Das Beispiel lässt sich in der deutschen Sprache jedoch nicht ohne weiteres umkehren. So ist etwa folgende Aus sage aus dem Mund eines Muttersprachlers höchst unwahrscheinlich: „Hast du dem Knall zugehört?"

Aus diesen Beispielen der Alltagssprache können zwei Schlüsse abgeleitet werden. Erstens impliziert zuhören immer hören, das heißt, wir können gar nicht zuhören ohne auch zu hören. Und zweitens kann man nicht unvermittelt zum Zuhörer wer den, sondern entscheidet sich bewusst und gezielt zum Zuhören. Diese Feststellungen spielen auch in der wissenschaftlichen Abgrenzung der Termini eine entscheidende Rolle.

Hören ist – alltagsweltlich definiert – das Wahrnehmen mit dem Ohr6, also der audi tive Sinn von Mensch und Tier. Im psychologischen Wörterbuch wird das menschliche Hören definiert als „Ton-, Klang- und Geräuschempfindungen ein schließlich der Lokalisierung ihrer Quelle und Erfassung ihrer Bedeutung" (Fröhlich 1997: 211). Wenn beispielsweise ein Auto herangefahren kommt, können wir – ohne das Auto zu sehen – die Richtung, aus der es kommt, bestimmen sowie das Ge räusch dem laufenden Motor zuordnen und damit das Ereignis „ein Auto kommt" sozusagen „erhören". Während die physiologische Hörfunktion in der Regel angebo ren ist, müssen Zuordnungen von Geräuschen zu Ereignissen gelernt werden (vgl. Berg/ Imhof 1996: 39).

Lundsteen definiert Hören lediglich als Umwandlung von Schallwellen in neuronale Impulse, die ins Gehirn gelangen, also als rein physiologische Aktivität, die sich zum Zuhören verhalte wie Sehen zum Lesen (vgl. Lundsteen 1979: 25). Sie geht da von aus, dass der physiologische Vorgang die Voraussetzung für das Zuhören bzw. Lesen sei, aber mit ihm noch keine Sinnerfassung einhergehe. Imhof und Berg kriti sieren diese Unterscheidung zwischen Hören und Zuhören als unzureichend und weisen darauf hin, dass auch durch Hören Bedeutung erfasst werden könne. Ein Schüler, der den Pausengong hört, versteht beispielsweise, dass die Pause beginnt (vgl. Berg/Imhof 1996: 49). Dass der gleiche Gong in dem Moment nicht das Ende der Pause einleitet, entscheidet der Hörer mit Hilfe des situativen Kontextes.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Vorwort8
Lektion 1: Einleitung12
Lektion 2: Zuhören18
2.1 Vom Hörer zum Zuhörer18
2.2 Zuhördefinitionen und -modelle25
Lektion 3: Gutes Zuhören34
3.1 Was man über das Zuhören wissen sollte34
3.2 Anleitung zum guten Zuhören53
3.3 Zusammenfassung und kritische Würdigung84
Lektion 4: Professionelles Zuhören98
4.1 Therapeutisches Zuhören98
4.2 Zuhörer von Beruf: Domian125
Lektion 5: Fazit und Ausblick132
Literaturverzeichnis138

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