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E-Book

Zum Entscheiden geboren

Hirnforschung für Manager

AutorErnst Pöppel
VerlagCarl Hanser Fachbuchverlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl250 Seiten
ISBN9783446416734
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR

Manager müssen die Lage des Unternehmens nicht nur klar analysieren können - sie müssen daraus vor allem die richtigen Schlüsse ziehen, sich für die optimale Strategie entscheiden und diese dann mit ihren Mitarbeitern umsetzen.

Bei all dem spielt unser Gehirn und unser Denken die entscheidende Rolle. Doch gerade in Zeiten eines immer schnelleren Wandels und rasch zunehmender Komplexität können wir uns nicht länger auf vorgefertigte Denkmuster verlassen. Manager brauchen authentisches Denken - das heißt: Sie müssen konsequent gewohnte Denkwege verlassen und vor allem auch die neurowissenschaftlichen Grundlagen des Denkens mit in den Blick nehmen: Wie verändern Emotionen unser Denken? Wie führen wir gehirngerecht? Was motiviert uns? Wie wecken wir bei anderen Interesse? Wie lernen wir optimal?

Ernst Pöppel beschäftigt sich als Hirnforscher seit Jahrzehnten damit, wie das menschliche Gehirn funktioniert, was Denken ist und wie es uns den Reichtum der Wirklichkeit erschließt. In diesem Buch präsentiert er die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung und macht sie für Manager nutzbar. Wer dieses Buch gelesen hat, kann klarer denken, besser entscheiden, überzeugender auftreten und so kommunizieren, dass andere ihn verstehen. 

Der Autor
ERNST PÖPPEL ist einer der führenden deutschen Gehirnforscher. Er ist Professor für medizinische Psychologie, Vorstand des Humanwissenschaftlichen Zentrums der Universität München und Direktor des Parmenides-Center for the Study of Thinking

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Leseprobe

KAPITEL 4 (S. 95-96)

Welche vier Fehler wir beim Denken machen können

Die Macht der Zahl Vier zeigt sich bereits am Beginn der modernen Wissenschaft. Im Jahre 1620 publizierte der englische Staatsmann und Philosoph Francis Bacon sein epochemachendes Werk Neues Organon. Man kann sagen, dass mit diesem Werk überhaupt erst die moderne Wissenschaft begonnen hat, und so kann man verstehen, dass Immanuel Kant diesem Begründer des wissenschaftlichen Denkens seine Kritik der reinen Vernunft gewidmet hat. Francis Bacon beschreibt gleich zu Beginn seines Werkes vier Fehlermöglichkeiten, denen wir in unserem Denken ausgeliefert sein können. Es ist bemerkenswert, dass am Beginn des wissenschaftlichen Denkens unseres Kulturkreises darauf Bezug genommen wird, welchen Fehlschlüssen wir ausgeliefert sein können.

Wir können unsere Analysefähigkeiten gewaltig überschätzen. Als hätte Francis Bacon bereits genaue Kenntnisse über die Evolution gehabt, wie sie über 200 Jahre später erst von Charles Darwin beschrieben wurde, besteht die erste Fehlermöglichkeit darin, dass wir als Menschen, so wie wir von Natur aus geworden sind, bestimmten Einschränkungen unterliegen. Aufgrund unserer Werdensgeschichte haben unsere Denkwerkzeuge eine bestimmte Ausprägung bekommen, sodass uns nicht alles, was wir erfassen und bedenken wollen, zugänglich ist. Diese natürliche Begrenztheit unseres Denkens muss uns bewusst sein, und wir sind von vornherein zu einer gewissen Bescheidenheit gezwungen, was unsere analytischen Möglichkeiten betrifft. Unser Denkfehler besteht darin, dass wir unsere naturgegebenen analytischen Fähigkeiten überschätzen. Nicht alles ist uns denkend zugänglich.

Die zweite Fehlermöglichkeit, der wir ausgeliefert sind, ist jeweils durch uns selber bedingt. Als hätte Bacon wiederum Erkenntnisse der modernen Biologie über das Prägungslernen gehabt, weist er darauf hin, dass jeder von uns in einer besonderen Weise geprägt ist, und allein deshalb eine Begrenztheit unserer Erfahrungs- und Denkmöglichkeiten gegeben ist, und dass wir deswegen notwendigerweise auch Fehler machen können. Fehler zu machen beruht also in unserer stammesgeschichtlichen Ausstattung, aber auch in der individuellen Prägung, der jeder unterlegen ist. Diese Begrenztheiten zu wissen gibt einem vielleicht die Möglichkeit, sich selber gegenüber toleranter zu sein und Fehlerfreundlichkeit bei sich und auch anderen zu akzeptieren.

Die dritte Art des Fehlers, der wir ausgeliefert sind, entsteht durch unsere Sprache selbst. Was wird denken, bildet sich nie eindeutig in unseren sprachlichen Möglichkeiten ab. Sprache als explizite Kommunikation mit anderen repräsentiert immer nur einen Ausschnitt des Bedachten. Manchmal wundert man sich über sich selber, dass man das, was man so klar gedacht hat, nicht in Worte fassen kann. Der Dichter Joachim Ringelnatz sagte einmal: „Nur Gedanken danken richtig, doch mir folgt die Sprache nicht." Diese Frustration, die sich manchmal einstellt, nicht in Worte fassen zu können, was einen bewegt, gilt für jeden, sodass in einer Kommunikation möglicherweise über Dinge gesprochen wird, die gar nicht den Denkinhalten entsprechen, die jeder in sich trägt. Darüber hinaus mögen die geäußerten Worte und Sätze auch etwas völlig Falsches repräsentieren, weil das implizite Wissen sich üblicherweise der sprachlichen Äußerung entzieht. Es ist notwendig, diese Begrenztheit unserer Sprache zu

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Erstes Vorwort Motivation12
Zweites Vorwort Danksagung16
Erste Einleitung Was ist das Problem?20
Zweite Einleitung Das starke Gesetz der kleinen Zahl32
Kapitel 146
Entscheiden ist die natürlichste Sache der Welt46
Wir leben nicht in einem geschlossenen, sondern in einem offenen System48
Entscheidungen setzen zahlreiche andere Operationen voraus49
Entscheidungen fi nden in engen „Zeitfenstern“ statt52
Die Einheit des Bewusstseins musste entdeckt werden54
Eigentliches „Multitasking“ ist nicht möglich57
Wir alle leiden an einer Krankheit, der „Monokausalitis“59
Wie man durch mehr Kompliziertheit zu Einfachheit und Einheit kommt61
Kapitel 264
Die linke und die rechte Hirnhälfte: Ein Bild hat sich verselbständigt64
Hirnfunktionen lassen sich nicht nur nach „links und rechts“, sondern auch nach „oben und unten“ unterscheiden69
Das psychische Repertoire wird durch Was-Funktionen und Wie-Funktionen bereitgestellt70
Gute Entscheidungen sind durch „Zweiheit“ gekennzeichnet72
Wir können ein „guter Mensch“ sein, weil es zwei Zustände des Bewusstseins gibt74
Wir denken in zweifacher Weise über Dinge nach, und beide Formen sollten bei Entscheidungen genutzt werden76
Kapitel 378
Der unmittelbare Zugriff auf Informationen in der Welt ist außerordentlich begrenzt78
Mehrere Dinge sollte man über das „große intermediäre Netz“ wissen83
Störungen des Gehirns lassen sich voraussagen85
Alles, was im Gehirn geschieht, ist voneinander abhängig89
Wissen ist in dreifacher Weise ausgeprägt, als explizites, implizites und bildliches Wissen91
Kapitel 496
Welche vier Fehler wir beim Denken machen können96
Welche vier Regeln des Denkens wir beachten müssen99
Beim Denken benutzen wir mindestens vier verschiedene Operationen103
In unserem Bewusstsein gibt es vier inhaltlich verschiedene Bereiche105
Kapitel 5112
Unser Leben lässt sich in fünf Phasen einteilen112
Menschen lassen sich nach fünf verschiedenen Merkmalen kennzeichnen120
Was man vom Buddhismus lernen kann124
Es lassen sich fünf Formen des Lernens unterscheiden126
Ein kleiner Exkurs über das Lesen und Schreiben131
Wir unterscheiden uns nur wenig von den Pawlow’schen Hunden134
Wir lernen durch die Konsequenzen dessen, was wir tun136
Entscheidungen lassen sich auf einem 5-Ebenen-Modell beschreiben139
Wir beobachten uns immer selber nach getroffenen Entscheidungen144
Kapitel 6148
Alle Menschen haben sechs von Natur aus mitgegebene Gefühle148
Lust und Schmerz sind Grunddimensionen unseres Erlebens155
Sehnsucht ist die treibende Kraft, in der Zukunft ein inneres Gleichgewicht zu erreichen159
Kapitel 7162
Die Zahl Sieben hat etwas Magisches an sich162
Wir benötigen zum Sprechen ein Lexikon für Wörter163
Wörter werden zu Sätzen164
Texte haben Bedeutung, oder sollten sie haben166
Sprachlaute der verschiedenen Sprachen sind ganz besondere Geräusche167
Im Sprechen drücken wir Gefühle aus168
Nicht in jeder Situation spricht man in gleicher Weise169
Man schaut sich beim Sprechen in die Augen, doch nicht zu viel170
Jeder muss mehrere Sprachen beherrschen171
Kapitel 8174
Die Zahl Acht lässt auch an „Achtsamkeit“ denken174
Ein Würfel hat bekanntlich acht Ecken176
Unser Bewusstsein ist durch eine „zeitliche Bühne“ von etwa drei Sekunden gekennzeichnet178
Nur bis etwa drei Sekunden können wir die Zeit exakt überblicken180
Entscheidungen fi nden in dem Gegenwartsfenster von drei Sekunden statt183
Auch im Gehirn gibt es Beamte185
Festhalten und Loslassen ist ein Grundprinzip des Gehirns188
Kapitel 9192
Wir alle leiden an derselben Krankheit, der „Monokausalitis“192
Zu einfache Bilder können bei Entscheidungen in die Irre führen193
Mit Sprache lässt sich nicht immer sagen, was man meint194
Jeder ist von Meinungen anderer abhängig195
„Zufallsblindheit“ lässt uns übersehen, dass manchmal Brauchbares am Wege liegt196
Kurzfristige Entscheidungen verhindern langfristigen Erfolg197
Man sollte Schnelligkeit nicht mit Kompetenz verwechseln198
Uns allen fehlt leider ein „statistischer Sinn“200
Wir alle haben Schwächen, sonst wären wir nicht Menschen202
Kapitel 10206
Die E-Pyramide des Entscheidens setzt sich aus zehn Bausteinen zusammen206
Jede Entscheidung ist in einen evolutionären Rahmen eingebettet207
Für (fast) alle Menschen gilt die „goldene Regel“210
Wir sind für unsere Umwelt jetzt und in Zukunft verantwortlich212
Jede Entscheidung setzt „ökonomische Intelligenz“ voraus214
Wir brauchen leichten Zugang zu Informationen215
Unser Gehirn strebt nach anstrengungsloser Informationsverarbeitung216
Zufrieden sind wir dann, wenn wir effizient handeln können219
Jeder Mensch möchte und kann kreativ sein220
Wir müssen in ein soziales Gefüge eingebettet sein221
Was strategische Ziele sein können222
Appendix: Die politische Intelligenz224
Der PQ-Test230
Was testet der PQ-Test?230
Literaturverzeichnis238
Stichwortverzeichnis und Namensregister242
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