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E-Book

Zwei Minuten Ewigkeit

AutorBo Katzman
VerlagGiger Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl349 Seiten
ISBN9783905958379
Altersgruppe14 – 99
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,00 EUR
"Zwei Minuten Ewigkeit - eine tiefgründige Biographie von einem der erfolgreichsten Musiker der Schweiz Wieviele Menschen haben harte Lebensschläge erlebt, bei denen sie sich fragen: Warum gerade ich? Der Verlust von geliebten Menschen, schwere Krankheiten oder Unfälle. Sind solche Ereignisse Schicksal, Zufall oder einfach nur Pech? Wieso passieren einem unvermittelt Dinge im Leben, die man weder gewollt noch geahnt hat? Der erfolgreiche Musiker Bo Katzman hat eine Geschichte erlebt, die ihn aus der Bahn des Lebens geworfen hat und seither hat er einen Grossteil seiner Zeit damit verbracht, befriedigende Antworten auf solche Fragen zu finden. So wurde sein Lebensweg auch zu einem Weg der Suche, auf dem er auf Einsichten stiess, die ihn überraschten und die auch seine Leser überraschen werden!. .Ausgehend vom Erleben des eigenen Todes anlässlich eines Verkehrsunfalls im Alter von 20 Jahren, seiner Nahtoderfahrung entwickelt er u.a. in seinem Buch Überlegungen und Gedanken über den Sinn des Lebens. Bo Katzman erzählt aber auch seine eigene Geschichte, die eines kleinen Jungen aus dem Schweizer Industrieort Pratteln, der sich aufmachte, einmal berühmt zu werden und der durch viele Umleitungen und über manche Baustellen zu seiner grossen Liebe fand: Der Musik. Der begabte Musiker wurde zu einem der erfolgreichsten Künstler der Schweiz und erlaubt dem Leser auch einen Blick hinter die Kulissen des Showbusiness von spannenden Begegnungen und beispiellosen Erfolgen, die seinen Lebensweg säumten.

Bo Katzman, geboren 1952 in Pratteln, Schweiz. Mit acht Jahren bekam er seine erste Gitarre geschenkt und leitete bereits im Alter von 12 Jahren seinen ersten Pfadi-Gospelchor. Seit 1979 ist Bo Katzman nicht mehr aus der Schweizer Musikszene wegzudenken. Mit seinem berühmten Gospelchor feierte er begeisternde Erfolge. 1 Million Menschen besuchten bis heute seine Konzerte, 500 000 Verkaufte Tonträger, die 13 x vergoldet wurden, krönen seine beispiellose Musikkarriere.

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Leseprobe

2. Teil

Pratteln

Pratteln war in früheren Zeiten ein einfaches Bauern- und Winzerdorf, das erkennt man heute noch an den vielen Bauernhäusern und Scheunen im alten Dorfkern. Mit der Entdeckung der unterirdischen Salzvorkommen auf einem Gelände ausserhalb des Dorfes, das den Flurnamen Schweizerhalle trägt (der Wortteil »-halle« stammt von »Halit« her, was »Kristallsalz« bedeutet), wandelte sich das beschauliche Dörflein aber in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich zum Industrieort. Am Dorfrand begannen sich, angelockt von der industriellen Soleförderung, nach und nach chemische Fabriken mit turmhohen, rauchenden Kaminen und Produktionshallen aneinanderzudrängen.

Zum Gemeindegebiet gehört auch ein Teil des riesigen Rangierbahnhofes Muttenz, auf welchem Güter aus ganz Europa rangiert und verschoben werden. Pratteln liegt als Vorort von Basel direkt an der Bahnlinie, die den Norden Europas mit dem Süden verbindet, der sogenannten Gotthardstrecke. Alle paar Minuten braust entweder ein Schnellzug oder ein endloser Güterzug an der Häuserzeile vorbei, welche die Gleisstrecke säumt.

Im Wohnblock, der entlang dieser Bahnlinie am Bahnhof erbaut wurde, mietete sich 1948 ein junger Zahnarzt mit seiner Frau in der zweiten Etage ein. Man konnte bequem mit einem Lift die zwei Stockwerke hochfahren. Trat man dann aus der altmodischen Liftkabine, bei der zuerst eine quietschende Gittertür beiseitegeschoben werden musste, führte die Tür rechter Hand zur Zahnarztpraxis und links zur Wohnung, welche das junge Paar bezog.

Sicher haben Sie auch schon schmunzeln müssen, wenn Sie von einem Fleischer lasen, der den Namen Metzger trägt, oder von einem Schuster, der Schuhmacher heisst. Nun, so ein Schmunzler war auch meinem Vater beschieden: Der junge Zahnarzt hiess Borer.

Diese Wohnung am Bahnhofplatz in Pratteln war mein erstes Zuhause und dort trat ich als Reto Borer den Start in diese Welt an. Ich kam bei der traditionell verhütungsfreien katholischen Kinderproduktion als Dritter an die Reihe, vor mir waren bereits zwei Brüder eingetroffen und nach mir folgten noch drei Schwestern nach. Wie das schon in den Märchen immer wieder beschrieben wird, wo der erstgeborene Sohn ein verwöhnter Feingeist, der zweite ein eher phlegmatischer Haudrauf und der dritte ein Luftikus und Abenteurer ist, dem niemand viel zutraut und der in die Welt hinausziehen muss, um sein Glück zu suchen, ist dieser am Schluss derjenige, der mit einer tollen Prinzessin im Schlepptau heimkommt, an der meist noch ein ganzes Königreich hängt. Ich war der Luftikus der Familie und als solcher bekam ich zwar keine echte Prinzessin und auch kein Königreich, aber etwas, das für mich ebenso viel bedeutet: die wunderbarste Frau der Welt und ein Publikum, das mir durch dick und dünn die Treue halten würde.

Meine Eltern waren recht unterschiedliche Charaktere. Der Vater, Hugo, war Kaufmannssohn aus dem Bauerndorf Büsserach am Fuss des Passwang. Er war das achte von neun Kindern, von denen aber zwei bald nach der Geburt starben; ein stiller, fein- und eigensinniger Mann, der im Geheimen Gedichte schrieb, die nie jemand zu lesen bekam. Hugo schilderte sein Elternhaus Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als ziemlich konfus. Da der Abstand von den ältesten zu den jüngsten Geschwistern etwa achtzehn Jahre betrug, wurden die Kleinen eher als Last denn als Freudenquell empfunden und entsprechend vernachlässigt. Die Mutter, Josephine (meine Grossmutter also), von den vielen Schwangerschaften und Geburten ausgelaugt, lag vorwiegend im Bett und gab sich unpässlich. Der Vater, Albin (mein Grossvater), ein vielbegabter und wohlhabender Kaufmann, war selten zu Hause und wenn, dann war er so beschäftigt, dass ihm die Kinderschar hinderlich war. Der Standardsatz, den er zu den jüngeren Söhnen sagte, wenn sie ihm im Weg waren, lautete: »Flieh, Kleiner, flieh.«

Die zwei Jüngsten, Hugo und Iwan, assen allein an einem Katzentischchen und wurden zu keinerlei Einhaltung von Anstands- und Verhaltensregeln angehalten, da sie von niemandem wirklich beachtet wurden. An dem Tischchen »frassen wir beiden Jüngsten wie die Säue«, erzählte mir mein Vater einmal. Später, als er bereits Zahnarzt und mehrfacher Familienvater war, machten wir Kinder uns immer noch lustig darüber, dass seine Krawatten nach dem Essen manchmal aussahen wie Picassobilder.

Es gibt noch ein vergilbtes Foto, auf dem mein Vater als Fünfjähriger mit seinem kleineren Bruder barfuss an der staubigen Hauptstrasse von Büsserach mit Steinen spielt. Das einzige Auto weit und breit besass der Arzt, der in Laufen wohnte, und wenn der, eingehüllt in eine Staubwolke, mit atemraubenden 30 Stundenkilometern vorbeiknatterte, kam das ganze Dorf aus den Häusern gerannt, um das seltene Schauspiel nicht zu verpassen.

Der Patriarch Albin Borer, mein Grossvater, war ein künstlerisch und politisch begabter Mensch, der allerhand Ämter im Kanton und der Gemeinde übernahm. So brachte er es unter anderem zum Kantonsrat und zum Gründer und ersten Dirigenten der Blasmusik Büsserach, einem Orchester, das heute noch unter dem Namen Brass Band Konkordia Büsserach bei Wettbewerben Preise einheimst. Allerdings hatte er finanziell kein so gutes Händchen und fiel nach dem Krieg einem Spekulanten zum Opfer, der ihn dazu brachte, eine beträchtliche Summe in irgendwelche mechanische Beatmungsapparate zu investieren, die sich dann aber bald als überholt und wertlos entpuppten und zu Hunderten auf dem Dachboden verrotteten. Aus diesem und anderen Gründen konnte er seinen Kindern nur noch Schulden vererben, ausser seinem ältesten Sohn, der das ganze Warenlager und das schöne, stattliche Kaufmannshaus bekam. Dafür waren ihm seine Geschwister ein Leben lang gram, was dem Familienfrieden nicht gerade gut bekam.

Mein Vater machte seine Matura im katholischen Kollegium Mariahilf in Schwyz und doktorierte später in Basel als Dr. med. dent. Als mausarmer Student hauste der junge Hugo in einer winzigen Dachmansarde im Kleinbasel, wo seine häufigsten Besucher die Langeweile und die Einsamkeit waren.

Meine Mutter, Anna Eichhorn, war eine bodenständige Innerschweizerin aus Küssnacht am Fuss der Rigi am Vierwaldstättersee. Als junges Mädchen war Anneli ein richtig urwüchsiges »Kind der Berge«, voller Lebensfreude und Energie.

Sie war eine der Zwillingstöchter des schnauzbärtigen Malermeisters Ernst Eichhorn, der in seinen Gesellen- und Wanderjahren durch die ganze Welt gestreift war (es existiert noch ein vergilbtes Foto, das ihn auf einem Kamel sitzend vor den ägyptischen Pyramiden zeigt) und in Hamburg seine Liebe fand. Anneli war aus anderem Holz geschnitzt als der intelligente und verschlossene Hugo. Sie war vielleicht nicht so gebildet wie er, dafür aber lebenslustiger und energiegeladener.

Auch von ihr gibt es einen abgegriffenen Zeitungsausschnitt, der sie als Jugendliche mit wallendem blondem Haar auf einem Heuwagen thronend am Festumzug der »Sennenchilbi« in Küssnacht zeigt, mit dem Untertitel »Schönheit vom Rigi«.

Anneli Eichhorn wurde in eine Zeit und Umgebung geboren, nach der man sich heute wehmütig zurücksehnen möchte. Das idyllische Dörflein Küssnacht am Vierwaldstättersee war nicht nur eine der schönsten Gegenden weltweit, es war auch noch ein richtig heimeliges Dorf, in dem jeder jeden kannte. Die Leute hiessen nicht nur Herr Meyer, sondern das war der »Senn Meyer« oder »s’Alpbode Meyers Wysel«. Der Heinrich, von denen es offenbar einige gab, wurde identifiziert über seinen Vater Josef, der mit Trinkschalen und Melkkesseln handelte, und war somit »s’ Mucheli Seppes Heiri«.

Annelis Kindheit war aber nicht nur glücklich. Sie hatte eine Zwillingsschwester, die mit neun Jahren ums Leben kam. Während eines Festumzugs, bei dem die kleine Liselotte auf einem Heuwagen mitfahren durfte, trat sie auf einen rostigen Nagel und starb darauf innert weniger Wochen an einer Blutvergiftung. Der Schmerz der Mutter Elisabeth war so immens, dass Anneli alles tat, um ihr als gute Tochter das verlorene Kind zu ersetzen. Das war natürlich für die kleine Anneli purer Stress, vor allem weil sie spürte, dass dies trotz allem Aufwand vergebliche Liebesmüh war.

Die Umstände, unter denen Vati aus dem abgelegenen Büsserach in das ferne Küssnacht kam, um die Malerstochter kennen zu lernen, waren eine Geschichte für sich. Hugos ältere Schwester Erna hatte nämlich einen Kaufmann geheiratet, den Alois Meyer, der am Dorfplatz in Küssnacht einen grossen Gemischtwarenladen betrieb, der auch heute noch genau dieselben Waren anbietet wie damals. Als Medizinstudent verbrachte Hugo einen Teil seiner Semesterferien bei seiner Schwester Erna und half ein bisschen im Laden.

Anneli hatte nach der Schulzeit eine Stelle in der Kalender- und Papierfabrik Calendaria in Immensee angetreten. Da fuhr sie täglich mit dem Velo hin.

Eines Tages wurde sie überrascht, als plötzlich ein gutaussehender junger Mann neben ihr herradelte. Sie hatte diesen hübschen Burschen schon öfter gesehen, er arbeitete als...

Blick ins Buch

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