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E-Book

Zweite Moderne oder Postmoderne?

Ein Architektur-Diskurs

AutorWerner Nehls
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl76 Seiten
ISBN9783638909648
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Fachbuch aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege, , 20 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Seit Bestehen der Postmoderne gibt es auch in der Architekturdebatte eine zähe Auseinandersetzung um die Etikettierungsfrage: 'Zweite Moderne' oder 'Postmoderne'? a) Modernisten wollen durch eine ständig erneuerte, 'modifizierte', 'revidierte', 'erweiterte', 'geläuterte' Moderne das Etikett ' Moderne' / 'Spätmoderne' erhalten, Postmodernisten keine eigenständige Epoche zugestehen. Die Fehlentwicklungen der Moderne werden merkwürdig verdrängt. b) Postmodernisten meinen, dass über die ökologischen Defizite hinaus fundamentale ideologische, gesellschaftspolitische und gestalterische Positionen ihrer Vorgänger nicht mehr haltbar sind und sie deshalb eine eigene Epoche beanspruchen können. Sie vermochten jedoch ihren 'Widerspruch' (noch?) nicht konkret zu formulieren, weisen deshalb ein 'theoretical lag' auf. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um den altbekannten Streit linker oder rechter Auffassungen . Altmoderne, Zweite Moderne, Hochmoderne, Transmoderne versus Postmoderne. Vorerst wird er als Hegemonie.Gerangel ausgetragen. Darüber vernachlässigt(e) man das kritische Hinterfragen von Ursachen und Inhalten und nicht selten ein gewisses Maß an Intelligenz. Die Bauhausenkel verspielten in der Nachkriegszeit das bei allen Mängeln einzigartige Erbe. Sie glaubten, das bloße 'Kupfern' der Bauhausformen, ihr Vermarkten und Abwehr von Laien- wie Fachkritik reiche aus. Nun rächt sich das lange blinde, unkritische Bejubeln und Verklären ebenso wie die 'Duldungsstarre' der Gegenseite.

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Leseprobe

2 Moderne als Epoche


 

2.1 Abgrenzung historischer Epochen


 

2.1.1 „Erneuerte“ Endlosmoderne?


 

Modernistische Planer erhoben für ihre Architektur Allgemein- und Ewig-keitsgültigkeit. Sie erklärten ihre Bewegung zur zeit-, stil-, und epochen-losen Moderne und waren davon überzeugt, dass die Realität diesem (unrealistischen) Gedankenkonstrukt folgt. Begründet wurde es mit den allgemeingültigen, ewigen mathematischen, funktionellen, euklidischen und platonischen Ideen, auf denen sie beruhte. „Für viele Kunstschaffende wird die Moderne als einzig `wahre` Kunstform angepriesen“.( >Das große Kunstlexikon< von P. W. Hartmann). Das schien den historischen Epochen- begriff überflüssig zu machen.

 

Nachdem die Bezeichnung „Postmoderne“ nicht mehr so ohne Weiteres zu kappen ist, formuliert man sogar die Postmoderne zur ewigen Moderne um. Otto Sell:

 

„Die Postmoderne ist eine fortgesetzte und fortwährende Erneuerung der Moderne, nicht ihr Abgesang“. [3]

 

Warum man das „Erneuerte“, so es denn eines ist, nicht anders benennen darf, sollte man irgendwann sagen. Im Prinzip basieren solche Überle-gungen auf Marxens „Endlösung“ der Geschichte, ein Indiz, dass man sich partout weigert, aus den verheerenden historischen Folgen der „Meta–Er-zählungen“ zu lernen. Die Erkenntnis, dass das Wegreden von Grenzen ursächlich ist für das Vereiteln von brauchbaren anderen Theorien, egal, ob für eine „Erweiterung“ oder „Ablösung“, steht erst recht noch aus. Einige ausländische Philosophen weisen auf diese weit verbreitete Denkblockade:

 

„Selbst akademisch geschulte, aber systemimmanent eingestellte Kulturhi-storikerInnen versuchen, durch wahllose Ausweitung des Begriffes `die Moderne` alle genaueren politischen oder sozioökonomischen Unterdiffe-renzierungen sowie alle auch in der Kunst auftauchenden ideologischen Polarisierungen zugunsten antiteleologischer Geschichtsauffassungen aus-zuschalten“. (Jost Hermand, S.44).

 

2.1.2 Zweite und dritte Moderne


 

Neben der Endlos-Moderne begnügt sich eine bescheidenere Variante (vorerst?) mit einer 2. Moderne, ohne zu sagen, was danach kommt. Viel-leicht rechnet man insgeheim mit einer 3., 4., 5. usw. Moderne? Solche Er-klärungsnot haben systemkonforme Altmodernisten natürlich nicht.

 

Heinrich Klotz, der früher einmal mit seiner »Revision der Moderne« richti-ger lag, schlug später mit der >2. Moderne< Volten rückwärts. Diese würde nämlich geradewegs wieder auf die >1. Moderne< hinauslaufen, wenn er gegen die Postmoderne argumentierend, fordert:

 

„Wir kehren zurück zu den primären Körpern, zu den reinen Formen unter dem Licht gemäß Le Corbusier und setzen gegen die Splitterästhetik des Dekonstruktivismus erneut den gestrafften Rechtkant“.

 

Jeannine Fiedler baut dagegen schon weiter vor:

 

„Von den Rezipienten zum Klassiker unter den Avantgarden geadelt, bleibt das Bauhaus auch über das ausklingende Jahrhundert hinaus Prüfstein für eine zweite und dritte Moderne in Design und Architektur.“ (S. 10).

 

2.1.3 Moderne-Bezeichnungen


 

Wenn Otto Sell sagt: „Kategorisierung soll man der Nachwelt überlassen“ (ebd.), gibt er Grundlagen von Wissenschaftlichkeit auf. Da solche Auffas-sungen kein Einzelfall sind, empfehlen sich Kategorisierungen. Um in den Wirrwarr der unterschiedlich gebrauchten (und propagandistisch miss-brauchten) architektonischen Modernebegriffe wieder eine klare Linie zu bringen und Abspaltungstaktiken Einhalt zu gebieten, sind einige Richtig-stellungen notwendig. Deshalb seien die verschiedenen Moderne-Be-zeichnungen wieder zusammengefasst. Sie bedeuten ein und dasselbe:

 

 

Mit diesen Bezeichnungen wird der monistische Inhalt der Bauhaus-Ideo-logie eindeutig und richtig charakterisiert. Funktionalismus oder Konstruk-tivismus sind ohne Rationalismus nicht möglich und umgekehrt. Auf ihnen beruht das viel gepriesene Ingenieurdenken. Sie auseinander zu dividieren, ist unlogisch und vereitelt richtige Erkenntnisse.

 

Wahrscheinlich entging solchen Abspaltern auch, dass sie damit ihrem an-gebeteten Idol widersprechen, sonst würden sie es sicher unterlassen. Mies wies solche Versuche schon 1927 zurück: ..."Die Frage `konstruk-tivistisch oder `funktionalistisch` ist unernst ". (F. Neumayer, S. 229).

 

Nur ein Beispiel: der Dozent und Architekturtheoretiker Jürgen Pahl lieferte noch im Jahr 1999 eine Breitseite falscher Aufgliederungen und Zuord-nungen. In einem >5-Säulen-Modell der Moderne< trennt er 1. Konstruk-tivismus, 2. Funktionalismus und 3. Rationalismus in gesonderte Säulen. Er ordnet diesen Begriffen unterschiedliche Raumauffassungen zu und cha-rakterisiert sie: 1.= Raum–durchdringend, 2.= Raum–fügend und 3.= Raum–begrenzend. Das ist absurd. Da alle drei als solitäre objektive Sy-steme gelten, beinhalten sie ein und dieselbe Raumkonzeption und für sie kann nur 1.= Raum–durchdringend in Frage kommen ( besser wäre „Raum–verdrängend“). Für "Zeit" hat er keine Zuordnung mehr (vermutlich, weil diese Periode zur „zeitlosen“ erklärt wurde). Tatsächlich lässt sich „Zeit“ nicht eliminieren. Wie gesagt, aus solchen falschen Prämissen kann man keine brauchbaren Theorien entwickeln. [4]

 

2.1.4 Unterscheidung von „spät“ und „nach“


 

Eine weitere bevorzugte Methode im begrifflichen Verschiebebahnhof ist das Vertauschen oder Gleichsetzen von „spät“ und „nach“. Wenn Thomas Köster und andere sagen: „Synonyme für Postmoderne sind `Transavant-garde` und `Spätmoderne`“, so verschieben sie das `nach` auf das `spät`. Zunächst: „post“ wird in Wörterbüchern sowohl im Englischen als auch Lateinischen mit „nach“ übersetzt und nichts anderem. D. h. die Verschie-betaktiker sind nicht nur unredlich, sondern strapazieren damit schon ver-bale Logik. Die Methode ist durchsichtig, es soll der Eindruck erweckt wer-den, dass der Inhalt von „nach“ derselbe ist wie von „spät“, es sich also um nichts Neues handelt. Das „Nach“ einer Epoche wird auf das „Spät“ der vorhergehenden zurückgesetzt. Da sie kein Danach zulassen, bleiben sie auf diese Weise in der „ewigen“ (Spät-) Moderne. Der Erfahrungsunter-schied, ob man „spät“ zu einer Party kommt oder „danach“ ist erheblich. An solchen Stellen tritt die Schwierigkeit von Modernisten mit dem Begriff `Zeit` zutage. Vor allem aber bleibt auch hier die Frage offen, was nach der (ewigen?) Spätmoderne kommen soll - etwa die 2. und 3. Spätmoderne? Eine wiederum fragwürdige Wissenschaftlichkeit.

 

2.1.5 Bestimmung der Früh-, Hoch- und Spätmoderne


 

Fachleute übernehmen den Wunschtraum der „epochen-, zeit- und stillosen Moderne“ bis heute unreflektiert. Postmodernes Denken arbeitet wieder mit Epocheneinteilungen: Früh-, Hoch- und Spätperioden. Sie sind ein (nicht? lineares) wissenschaftliches Naturgesetz, das die linear–deterministische marxistische Lehre (wie andere wissenschaftliche Gesetze, die nicht in de-re Denkkonstruktionen passten) einfach beiseite schob. Es bietet ein stim-migeres und praktikableres (ewiges!) Instrument von Phasentrennungen und -charakterisierungen als die pseudorationalistische Illusion einer epo-chenlosen Moderne. Die klassische Moderne missachtete mehr als eine wissenschaftliche Errungenschaft der Zeit (von den neu hinzu gekommenen nicht zu reden), opferte sie dem Marxismus.

 

Ohne präzise Abgrenzungen sind Orientierungen, Eindeutigkeit und Klar-heit für Sprache und Gestaltungen nicht möglich. Grenzen sind wissen-schaftliche Realitäten. Paradoxerweise grenzten sich Modernisten sehr ent-schieden und revolutionär gegen Eklektizismus, Jugendstil und Expressio-nismus ab, um bei Null beginnen zu können. Gleichzeitig redeten sie es anderen aus.

 

1. Früh- und Hochmoderne. Hierzu zählt die „klassischen Moderne“ von 1919 bis 1933 und ihre Ausbreitung nach 1945.

2. Spätmoderne. Die „Eiertänze“ in Geschichtsschreibung und Theorie um eine klare Abgrenzung der Moderne oder Spätmoderne resultieren aus dem zuvor Gesagten. Mit dem Aufheben von Grenzen will man um einen Abschluss der Moderne herumkommen. Die Folgen sind konfuse Zuord-nungen und fragwürdige Interpretationen:

 

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