{"id":12634,"date":"2013-02-06T07:56:50","date_gmt":"2013-02-06T07:56:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=12634"},"modified":"2013-02-07T16:28:17","modified_gmt":"2013-02-07T15:28:17","slug":"sinnsuche-und-sehnsucht-nach-beruehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/sinnsuche-und-sehnsucht-nach-beruehrung-1012634\/","title":{"rendered":"Sinnsuche und Sehnsucht nach Ber\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<div> <p>Nicht nur f\u00fcr &#8222;Esofreaks&#8220;<\/p> <p>Tantra liegt im Trend<\/p> <p>Von Ansgar Lange +++ Das Gesch\u00e4ft mit Tantramassagen boomt. Dies gilt zumindest f\u00fcr gro\u00dfe St\u00e4dte wie Berlin, Hamburg oder K\u00f6ln. Doch was ist eine Tantramassage? &#8222;Etwas zwischen Kamasutra, Gruppensex mit R\u00e4ucherst\u00e4bchen?&#8220;, so die Frage des K\u00f6lner Stadt-Anzeigers an die Leiterin eines Tantramassage-Studios in der Domstadt. Jenseits des Wei\u00dfwurst-\u00c4quators gelten jedoch andere Gesetze, so dass Bayern in puncto Tantra eine Art blinder Fleck ist. Dort gilt die indische Ber\u00fchrungskunst als Prostitution, weshalb sich Studios, die auf die Kunst des &#8222;R\u00fchr mich an&#8220; spezialisiert sind, im Sperrbezirk angesiedelt sind. Doch mit dem Rotlichtmilieu wollen seri\u00f6se Anbieter nichts zu tun haben. <!--more-->Sie halten die Ber\u00fchrung des Intimbereichs bei einer Massage f\u00fcr genauso nat\u00fcrlich wie die Nacktheit von Gebendem und Empfangendem, der rein passiv bleibt. &#8222;Ich glaube, Tantra ist das Yoga des neuen Jahrtausends. In den 1980er Jahren haben viele Yoga f\u00fcr Hippie-Eso-Quatsch gehalten. Heute zahlt es die Krankenkasse&#8220;, sagt die Tantralehrerin Martina Weiser. Tantra k\u00f6nne es vielleicht auch bald auf Rezept geben. Schlie\u00dflich sei es auch eine Art Pr\u00e4vention f\u00fcr sexuelle Probleme.<\/p> <p>Alle gesellschaftlichen Schichten nutzen tantrische Angebote, die ja viel mehr beinhalten als nur Massagen, betont Dirk Liesenfeld http:\/\/www.liesenfeld.de. In seine Seminare und Sessions kommen unterschiedliche Menschen: &#8222;Von der 20-j\u00e4hrigen Studentin bis hin zum 75-j\u00e4hrigen Rentner. Und das ist es, was diesen Bereich f\u00fcr mich so spannend macht. Es ist ein realer Ausschnitt aus dem wirklichen Leben. Nicht nur ein paar Esofreaks mit R\u00e4ucherst\u00e4bchen, sondern ein Abbild der menschlichen Gesellschaft&#8220;, sagt Liesenfeld, der eine eigene Tantra-DVD-Reihe auf den Markt gebracht hat.<\/p> <p>Der Schriftsteller J\u00f6rg Fauser hat in seinem Roman &#8222;Rohstoff&#8220; dieser Esofraktion ein bitterb\u00f6ses literarisches Denkmal errichtet. Denn seinem Protagonisten, dem M\u00f6chtegernschriftsteller Harry Gelb, waren diese &#8222;Love&amp;Peace-Fr\u00fcchtchen mit ihren Schlafs\u00e4cken, ihren Gitarren, ihrem dummen Gefasel von Woodstock, Togetherness, Karma&#8220; zuwider: &#8222;Ich habe diesen Typen nie \u00fcber den Weg getraut. Sie waren alle nur hinter billigen Ficks her, besonders die, dies es st\u00e4ndig mit dem Bewusstsein hatten. Om. Mit Vaters Scheck durch die &#8222;Dritte Welt&#8220;, finanziert von Karies, Standard Oil und der R\u00fcstungsindustrie, und dann aber \u00fcber die Askese predigen, den Sojakeim, Ying-Yang und die kosmischen Strahlen.&#8220;<\/p> <p>Finanzkrise macht sich nicht bemerkbar<\/p> <p>Schaut man sich die Preise an, die f\u00fcr eine Tantramassage veranschlagt werden, so k\u00f6nnte man glauben, dass nur gestresste Banker oder 60-Stunden-Arbeiter mit gut gef\u00fclltem Bankkonto zur Klientel dieser Anbieter geh\u00f6ren. &#8222;In der Gruppe der Tantramassage-Genie\u00dfer w\u00fcrde ich sch\u00e4tzen, dass die H\u00e4lfte in besser bezahlten, stressigen Berufsgruppen zuhause ist (Banker, Anw\u00e4lte, F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten etc.), w\u00e4hrend die andere H\u00e4lfte eher &#8222;alternativ&#8220; eingestellte Menschen sind, die ganzheitlich und sinnlich interessiert sind&#8220;, meint Tantralehrer Nils Kriedner http:\/\/www.sahaja-tantra.de, der in Berlin und Dresden oder auch mal in S\u00fcdafrika Sessions gibt und Tantramasseure und -masseurinnen ausbildet. Die befragten Tantriker geben an, dass die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise keine relevanten Auswirkungen auf ihr &#8222;Gesch\u00e4ftsmodell&#8220; hat. F\u00fcr die meisten hat es keinerlei Einbr\u00fcche oder Ver\u00e4nderungen gegeben. Das Geld scheint also noch ziemlich locker zu sitzen, wenn man bedenkt, dass eine mehrst\u00fcndige Erfahrungsreise in den eigenen K\u00f6rper durchaus ein paar Hundert Euro kosten kann.<\/p> <p>Dies scheint nicht f\u00fcr alle Bereich der Erforschung der eigenen Lust zu gelten. So sagt die Berliner Escort-Dame Carmen, dass sie weniger zu tun hat, seit der Euro kriselt. Die br\u00fcnette Berlinerin hat daf\u00fcr aber eine eher pers\u00f6nliche Begr\u00fcndung parat: &#8222;Ich habe wahrgenommen, dass meine Kundenzahl weniger geworden ist, dass bestimmte Stammkunden aus der Finanzbranche keine Dates mehr vereinbarten. Das kann damit zusammen h\u00e4ngen, dass sie gerade anderweitig zu tun haben, dass sie gerade das n\u00f6tige Kleingeld nicht \u00fcbrig haben oder eben daran, dass ich mich zur\u00fcckgezogen und nicht aktiv f\u00fcr meinen Service geworden habe.&#8220; Carmen hat sich f\u00fcr ca. ein Jahr lang aus dem Gesch\u00e4ft zur\u00fcckzogen, um ihr Studium zu beenden.<\/p> <p>Damit ist die sch\u00f6ne Geisteswissenschaftlerin, die bei der Piratenpartei f\u00fcr eine liberale Prostitutionspolitik wirbt, kein Einzelfall. Rund vier Prozent der Berliner Studenten jobben nach einem Bericht der Berliner Morgenpost im &#8222;Rotlichtmilieu&#8220;. Aber weitaus mehr k\u00f6nnen sich vorstellen, damit ihr Studium zu finanzieren. Jeder dritte Studierende in der Hauptstadt, die angeblich arm, aber sexy ist, kann sich vorstellen, sein Studium mit Prostitution zu finanzieren. Das geht aus einer Studie des Studienkollegs zu Berlin mit dem Titel &#8222;Nebenjob: Prostitution&#8220; hervor. F\u00fcr die Untersuchung hat eine vierk\u00f6pfige Forschungsgruppe in Berlin, Paris und Kiew insgesamt rund 3.600 Studentinnen und Studenten nach ihrer Einstellung zur Prostitution befragt. Der Schwerpunkt lag mit 3.200 Teilnehmern in Berlin. Die Bereitschaft zur Sexarbeit war in Paris (29,2 Prozent) und Kiew (18,5 Prozent) deutlich geringer als in der deutschen Hauptstadt.<\/p> <p>Sinnsuche und Sehnsucht nach Ber\u00fchrung<\/p> <p>Den Kunden eines Edel-Escorts geht es wahrscheinlich weniger um Sinnsuche. Doch auch G\u00e4ste, die &#8222;nur&#8220; erotische Abwechslung suchen, sind den Tantrastudios willkommen. Dies sei &#8222;v\u00f6llig in Ordnung&#8220;, so Michaela Riedl http:\/\/www.tantramassagen.de, die zwei B\u00fccher \u00fcber die Kunst der Intimmassage geschrieben hat, n\u00e4mlich \u00fcber die Yoni-(weibliche) und Lingam(m\u00e4nnliche Genitalien)-Massage. &#8222;Viele Menschen freuen sich einfach, endlich mal einen Ort gefunden zu haben, an dem sie eine lockere Offenheit, Herzlichkeit und Nat\u00fcrlichkeit in Bezug auf Ber\u00fchrung, Nacktheit und Sexualit\u00e4t vorfinden und sie endlich SEIN d\u00fcrfen. Dass sie \u00fcber Sex reden k\u00f6nnen, nackt sein k\u00f6nnen, Gef\u00fchle, Lust, Trauer, Unwohlsein empfinden k\u00f6nnen, ohne dass dabei irgendetwas komisch oder falsch ist. Diese Sehnsucht nach Unverkrampftheit erlebe ich sehr stark bei fast all unseren G\u00e4sten&#8220;, so Riedl, auf deren Website 15 &#8222;Ber\u00fchrungsk\u00fcnstlerinnen&#8220; und ein Masseur aufgef\u00fchrt sind. Ein Indikator, dass Frauen in der Branche deutlich mehr zu tun haben als M\u00e4nner. Eine Frauenquote braucht es hier bestimmt nicht.<\/p> <p>Die kapitalistische Arbeitsweise und die derzeitige Finanzkrise habe auf den Tantrasektor keine anderen Auswirkungen als auf andere Branchen auch: &#8222;In dieser unserer kapitalistischen Welt erleben wir die Suche nach einem wirklichen Sinn im Leben oft als sehr ausgepr\u00e4gt. Die Menschen hungern nach etwas, was einfach nur ECHT ist und das sind oft die einfachen Dinge im Leben, wie zum Beispiel die Ber\u00fchrung, die nichts weiter ist als Ber\u00fchrung.&#8220;<\/p> <p>Tantra ist nichts f\u00fcr Fastfood-Liebhaber<\/p> <p>Tantra ist allerdings nichts f\u00fcr Fastfood-Liebhaber. Wer &#8222;nur&#8220; einen erotischen Kick sucht, kann dies \u00fcberall zu weit g\u00fcnstigeren Konditionen bekommen. Doch selbstverst\u00e4ndlich sind im K\u00f6lner AnandaWave mehr Manager, Banker und Gutverdiener als Hausfrauen und Rentner zu Gast. &#8222;Das ist bei uns nicht anders als in anderen Bereichen, in denen man gutes Geld f\u00fcr gute Leistung bezahlt&#8220;, so Riedl. Sicher g\u00e4be es auch in ihrer Branche schwarze Schafe: &#8222;Viele haben die Vorstellung, dass es v\u00f6llig ausreicht, an zwei bis drei Tagen ein wenig &#8222;puscheln&#8220; zu lernen, um dann ein eigenes Institut zu gr\u00fcnden. Oder auch die Vorstellung, dass ein gro\u00dfes Herz alleine schon ausreicht, um ein guter Tantramasseur oder eine gute Tantramasseurin zu sein. Das ist leider weit verbreitet und ein sehr gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis.&#8220;<\/p> <p>Hier sind dann Dilettanten am Werk, die schnell Kasse machen wollen mit ihrem Halbwissen und Halbk\u00f6nnen. Doch so etwas gab es schon immer, wie Thomas Rietzschel in seinem Buch &#8222;Die Stunde der Dilettanten&#8220; festgestellt hat. Schon vor \u00fcber 100 Jahren wurde der Dilettantismus n\u00e4mlich sozusagen am Monte Verita am Lago Maggiore entdeckt, einer St\u00e4tte, wo Rohk\u00f6stler, Anarchisten, Naturisten, Esoteriker und andere Lebensk\u00fcnstler ihr Unwesen trieben. F\u00fcr sie galt, was den Dilettanten auch in heutigen Zeiten ausmacht, eben auch in der Tantraszene, die sich nicht \u00fcber einen Kamm scheren l\u00e4sst. &#8222;Wo das Wollen mehr gelten sollte als das K\u00f6nnen, wurde die Beherrschung der Sache nebens\u00e4chlich&#8220;, schreibt Rietzschel.<\/p> <p>Wellness, Therapie, Sinnsuche, erotischer Kick, Gier, Lust, der Wunsch nach Erl\u00f6sung &#8211; die Bereiche sind flie\u00dfend. Eine Autorin der Badischen Zeitung merkte kritisch an, in der Tantraszene wirke auch die &#8222;kapitalistische Selbstbedienungsmentalit\u00e4t, nur auf die Erotik \u00fcbertragen: Nimm Dir, was Du brauchst &#8211; Sinnlichkeit to go.&#8220; Denn mit dem traditionellen Tantra &#8211; so Kritiker &#8211; h\u00e4tten herk\u00f6mmliche Tantramassagen so gut wie nichts mehr zu tun. Es handele sich um eine kommerzielle Dienstleistung in einer kommerziellen Welt. Was sollte daran schlecht sein? Diese Frage muss jeder f\u00fcr sich beantworten. (Ansgar Lange)<\/p> <p>Das Redaktionsb\u00fcro Andreas Schultheis bietet Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Ghostwriting, Manuskripte, Redevorlagen etc. f\u00fcr Unternehmen, Verb\u00e4nde, Politiker.<\/p> <p>Kontakt:<br \/> Andreas Schultheis, Text &amp; Redaktion<br \/> Andreas Schultheis<br \/> Heisterstra\u00dfe 44<br \/> 57537 Wissen<br \/> 02742967527<br \/> schultheisoffice@aol.com<br \/> <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.xing.com\/profile\/Andreas_Schultheis2\" title=\"Andreas Schultheis | Text &amp; Redaktion \" >http:\/\/www.xing.com\/profile\/Andreas_Schultheis2<\/a><\/p> <p>&nbsp;<\/p> <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur f\u00fcr &#8222;Esofreaks&#8220; Tantra liegt im Trend Von Ansgar Lange +++ Das Gesch\u00e4ft mit Tantramassagen boomt. Dies gilt zumindest f\u00fcr gro\u00dfe St\u00e4dte wie Berlin, Hamburg oder K\u00f6ln. Doch was ist eine Tantramassage? &#8222;Etwas zwischen Kamasutra, Gruppensex mit R\u00e4ucherst\u00e4bchen?&#8220;, so die Frage des K\u00f6lner Stadt-Anzeigers an die Leiterin eines Tantramassage-Studios in der Domstadt. 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