{"id":237997,"date":"2016-08-18T13:49:46","date_gmt":"2016-08-18T13:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=237997"},"modified":"2021-07-19T11:46:33","modified_gmt":"2021-07-19T10:46:33","slug":"systematische-parodontitistherapie-ursache-fuer-rueckgang-der-erkrankung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/systematische-parodontitistherapie-ursache-fuer-rueckgang-der-erkrankung-10237997\/","title":{"rendered":"Systematische Parodontitistherapie Ursache f\u00fcr R\u00fcckgang der Erkrankung"},"content":{"rendered":"<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-238327 size-full\" title=\"Deutsche Mundgesundheit\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/csm_dms_v_logo_f857e50149.png\" alt=\"Logo\" width=\"90\" height=\"110\" \/>F\u00fcnfte Deutsche Mundgesundheitsstudie<br \/> Weniger Parodontitis durch mehr und bessere Behandlung!?<br \/> Die Ergebnisse der F\u00fcnften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) wurden gerade ver\u00f6ffentlicht. Was hat sich an der parodontalen Gesundheit der Deutschen in zehn Jahren ver\u00e4ndert? Bei den jungen Erwachsenen (35-44 Jahre) ist der Anteil von CPI-Code 3 (Taschentiefen von mindestens 4 mm) von 52,7 Prozent in der DMS IV von 2005 auf 48,3 Prozent in 2015 zur\u00fcckgegangen. Deutlicher ist der R\u00fcckgang bei den schweren Parodontalerkrankungen<!--more--><\/p> <p>(CPI 4: Taschentiefen 6 mm) von 20,5 Prozent auf 10,4 Prozent in 2015. Nach Korrektur f\u00fcr die Untersch\u00e4tzung der Erhebung an nur einem Teil der Z\u00e4hne sind es dann allerdings doch wieder 14,5 Prozent (Hoffmann &amp; Sch\u00fctzhold 2016)! Bei den Senioren (65-74 Jahre) ist das Bild nicht ganz so eindeutig. Hier nehmen die moderaten Parodontalerkrankungen (CPI 3) von 48 Prozent (DMS IV) auf 50,8 Prozent etwas zu. Die schweren Parodontalerkrankungen der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen sind aber ebenfalls r\u00fcckl\u00e4ufig, von 39,8 Prozent (DMS IV) auf 24,6 Prozent (Kocher &amp; Holtfreter 2016). Das ist insgesamt eine gro\u00dfartige Entwicklung.<\/p> <p>Parodontitispr\u00e4valenz ins Bewusstsein gebracht<\/p> <p>2006 war die DMS IV ver\u00f6ffentlicht worden. Damals waren alle begeistert von der niedrigen Kariespr\u00e4valenz. \u00dcber die gestiegene Parodontitispr\u00e4valenz wollte au\u00dfer den Parodontologen niemand gerne sprechen. Auf der Basis der Zahlen aus der DMS IV l\u00e4sst sich berechnen, dass es 2005 etwa 8 bis 11 Millionen Bundesb\u00fcrger mit behandlungsbed\u00fcrftigen schweren Parodontalerkrankungen gab. Das waren 10 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung. Die DG PARO hat von Anfang an auf den Missstand der hohen Parodontitispr\u00e4valenz aufmerksam gemacht und sich gegen alle Versuche gewehrt, die Pr\u00e4valenz der Parodontitis in Deutschland klein zu reden. Als Fachgesellschaft sucht sie seit Jahren die Aufmerksamkeit der Politik f\u00fcr das Thema und diskutiert bei Parlamentarischen Abenden regelm\u00e4\u00dfig mit Gesundheitspolitikerinnen und -politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien gemeinsam mit Vertretern der zahn\u00e4rztlichen Institutionen (DGZMK, BZ\u00c4K, KZBV) \u00fcber diese Problematik. Auch in Richtung \u00d6ffentlichkeit betreibt sie Aufkl\u00e4rungsarbeit mit Patientenratgebern, Aufkl\u00e4rungsvideos und Pressearbeit.<\/p> <p>Parodontologische Kompetenz der Zahn\u00e4rzteschaft gef\u00f6rdert<\/p> <p>Die DG PARO ist auch sehr aktiv in Aus-, Fort- und Weiterbildung. Die Veranstaltung von wissenschaftlichen Tagungen und Fortbildungskursen geh\u00f6rt zu den Kernaufgaben der Fachgesellschaft. Dar\u00fcber hinaus besteht \u00fcber die DG PARO die M\u00f6glichkeit, sich durch ein berufsbegleitendes Masterstudium bzw. ein vollzeitiges Spezialistenprogramm weiterzubilden. Die DG PARO f\u00f6rdert so auf allen Ebenen intensiv die parodontologische Kompetenz der Kolleginnen und Kollegen. Es ist erfreulich zu sehen, dass diese intensiven Bem\u00fchungen Fr\u00fcchte tragen. Im Jahr der Erhebung der DMS IV in 2005 wurden 815.200 systematische PAR-F\u00e4lle \u00fcber die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abgerechnet. Seither hat die Zahl der jedes Jahr abgerechneten F\u00e4lle kontinuierlich zugenommen und erreichte in 2014 1.027.100 (KZBV-Jahrbuch 2015).<\/p> <p>Behandlungsrichtlinien \u00fcberarbeiten, um noch besser zu werden<\/p> <p>In Deutschland m\u00fcssen wir jedes Jahr mit ca. 500.000 Neuerkrankungen an schweren Parodontalerkrankungen (CPI 4) rechnen (Kassebaum et al. 2014). Wenn seit 2005 jedes Jahr durchschnittlich 1 Million F\u00e4lle behandelt und abgerechnet wurden, wird die H\u00e4lfte der so behandelten F\u00e4lle durch die j\u00e4hrlichen Neuerkrankungen neutralisiert. Nur 500.000 systematische Parodontalbehandlungen k\u00f6nnen deshalb zum Abbau der Gesamtpr\u00e4valenz beitragen. In 9 Jahren kann die Gesamtpr\u00e4valenz schwerer Parodontalerkrankungen so um 4,5 Millionen F\u00e4lle reduziert werden. Bei 8 bis 11 Millionen schweren F\u00e4llen in 2005 w\u00e4re dies eine knappe Halbierung der Pr\u00e4valenz, also genau die Entwicklung, die wir jetzt an den Zahlen der DMS V ablesen k\u00f6nnen. Auf diesem Weg m\u00fcssen wir weitergehen. Deshalb ist eine \u00dcberarbeitung der Behandlungsrichtlinien f\u00fcr die systematische Behandlung von Parodontopathien ein richtiger Weg.<\/p> <p>Systematische Parodontitistherapie ist Kernst\u00fcck des Erfolgs<\/p> <p>Nat\u00fcrlich wird der Effekt der systematischen Parodontalbehandlungen von anderen Entwicklungen flankiert. So nimmt die Zahl der Raucher ab und m\u00f6glicherweise verbessert sich das Mundhygieneverhalten der Bundesb\u00fcrger (vermehrter Einsatz von Instrumenten f\u00fcr die Zahnzwischenraumhygiene und elektrischen Zahnb\u00fcrsten). Der vom Pr\u00e4sidenten der BZ\u00c4K, Dr. Peter Engel, hervorgehobene statistische Effekt der professionellen Zahnreinigung (PZR) auf die Pr\u00e4valenz der Parodontitis ist in diesem Kontext auch zu nennen. Allerdings ist der postulierte Effekt eher gering. Au\u00dferdem beruhen die Daten zur Inanspruchnahme von PZR auf Befragungen der Teilnehmer in dieser bev\u00f6lkerungsrepr\u00e4sentativen Studie. Nun hat das IDZ selbst sehr eindrucksvoll gezeigt, wie wenig die Deutschen \u00fcber Parodontitis und deren Vorbeugung wissen (Deinzer et al. 2009). Das Etikett PZR ist in einer solchen Befragung nicht eindeutig, weil sich hinter diesem Begriff im Verst\u00e4ndnis der Befragten von Zahnsteinentfernung \u00fcber tats\u00e4chliche Zahnreinigung, systematische Parodontitistherapie bis zur unterst\u00fctzenden Parodontitistherapie vieles verbergen kann. Das Konsensuspapier der European Federation of Periodontology stellt eindeutig fest: PZR allein ist keine angemessene Therapie f\u00fcr Parodontitis (Tonetti et al. 2015). Der beobachtete R\u00fcckgang ist h\u00f6chstwahrscheinlich in erster Linie der Effekt von mehr systematischer Parodontitistherapie in den vergangenen 10 Jahren. In jedem Fall ein Erfolg der deutschen Zahn\u00e4rztinnen und Zahn\u00e4rzte.<\/p> <p>Management der Parodontitis wird wichtig in Zahn- und Allgemeinmedizin bleiben<\/p> <p>Dennoch d\u00fcrfen die Zahn\u00e4rzte die H\u00e4nde nicht zufrieden in den Scho\u00df legen. Die Bilanz 10 Jahre nach der DMS IV ist ermutigend und sollte uns darin best\u00e4rken, noch mehr und das Richtige zu tun. Die gesch\u00e4tzten 3,5 bzw. 5,5 Millionen behandlungsbed\u00fcrftiger schwerer F\u00e4lle von Parodontalerkrankungen heute sind deutlich weniger als 2005, aber immer noch zu viel. Es ist auch unrealistisch zu glauben, dass sich diese Entwicklung so linear fortsetzen und die Parodontitis verschwinden w\u00fcrde. Das Management der Parodontitisbehandlungen wird ein wichtiges Thema in der Zahnmedizin bleiben und durch die Interaktionen zwischen der Parodontitis und der Allgemeingesundheit auch in der Allgemeinmedizin werden.<\/p> <p>Deinzer R, Micheelis W, Granrath N, Hoffmann T. More to learn about: periodontitis-related knowledge and its relationship with periodontal health behaviour. J Clin Periodontol. 2009; 36: 756-764.<\/p> <p>Hoffmann T, Sch\u00fctzhold S: Krankheits- und Versorgungspr\u00e4valenzen bei J\u00fcngeren Erwachsenen (35-bis 44-J\u00e4hrige). In: Jordan AR, Micheelis W (Hrsg) F\u00fcnfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Deutscher \u00c4rzteverlag (D\u00c4V), K\u00f6ln 2016.<\/p> <p>Kassebaum NJ, Bernabe E, Dahiya M, Bhandari B, Murray CJ, Marcenes W. Global burden of severe periodontitis in 1990-2010: a systematic review and meta-regression. J Dent Res 2014; 93: 1045-1053.<\/p> <p>Kocher T, Holtfreter B: Krankheits- und Versorgungspr\u00e4valenzen bei J\u00fcngeren Senioren (65-bis 74-J\u00e4hrige). In: Jordan AR, Micheelis W (Hrsg) F\u00fcnfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Deutscher \u00c4rzteverlag (D\u00c4V), K\u00f6ln 2016.<\/p> <p>KZBV: KZBV Jahrbuch 2015.<\/p> <p>Tonetti MS, Eickholz P, Loos BG, Papapanou P, van der Velden U, Armitage G, Bouchard P, Deinzer R, Dietrich T, Hughes F, Kocher T, Lang NP, Lopez R, Needleman I, Newton T, Nibali L, Pretzl B, Ramseier C, Sanz-Sanchez I, Schlagenhauf U, Suvan JE, Fabrikant E, Fundak A. Principles in prevention of periodontal diseases-Consensus report of group 1 of the 11th European workshop on periodontology on effective prevention of periodontal and peri-implant diseases. J Clin Periodontol 2015; 42 (Suppl. 16): S5-S11.<\/p> <p>Das Logo zur DMS V kann hier (https:\/\/www.bzaek.de\/wir-ueber-uns\/daten-und-zahlen\/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html) heruntergeladen werden.<\/p> <p>Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Parodontologie e.V. (DG PARO) nimmt wissenschaftliche und fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, insbesondere der Parodontologie wahr. F\u00fcr ihre \u00fcber 4.800 Mitglieder sowie zahn\u00e4rztliche Organisationen ist sie seit \u00fcber 90 Jahren beratend und unterst\u00fctzend in parodontologischen Fragen t\u00e4tig. Zu den Aufgaben der DG PARO geh\u00f6rt u.a. die F\u00f6rderung der Forschung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wesentliche T\u00e4tigkeitsschwerpunkte neben der Durchf\u00fchrung von wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Zudem vergibt die Gesellschaft j\u00e4hrlich Wissenschaftspreise wie den Eugen-Fr\u00f6hlich-Preis. Die DG PARO arbeitet, auch interdisziplin\u00e4r, intensiv mit wissenschaftlichen Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes zusammen. Sie verfolgt ausschlie\u00dflich und unmittelbar gemeinn\u00fctzige Zwecke.<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Parodontologie e.V.<br \/> Gerlinde Krammel<br \/> Neufferstra\u00dfe 1<br \/> 93055 Regensburg<br \/> +49 (0) 941\/942799-0<br \/> kontakt@dgparo.de<br \/> http:\/\/www.dgparo.de<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> Accente Communication GmbH<br \/> Sieglinde Schneider<br \/> Aarstra\u00dfe 67<br \/> 65195 Wiesbaden<br \/> 0611\/40806-10<br \/> sieglinde.schneider@accente.de<br \/> http:\/\/www.accente.de<\/p> <\/div> <p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnfte Deutsche Mundgesundheitsstudie Weniger Parodontitis durch mehr und bessere Behandlung!? Die Ergebnisse der F\u00fcnften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) wurden gerade ver\u00f6ffentlicht. Was hat sich an der parodontalen Gesundheit der Deutschen in zehn Jahren ver\u00e4ndert? Bei den jungen Erwachsenen (35-44 Jahre) ist der Anteil von CPI-Code 3 (Taschentiefen von mindestens 4 mm) von 52,7 Prozent in<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":238327,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[108],"tags":[134],"class_list":["post-237997","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medizin-gesundheit","tag-default"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=237997"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237997\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":267383,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237997\/revisions\/267383"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/media\/238327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=237997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=237997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=237997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}