{"id":2383,"date":"2012-03-22T14:18:53","date_gmt":"2012-03-22T13:18:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=2383"},"modified":"2015-08-18T11:32:47","modified_gmt":"2015-08-18T10:32:47","slug":"rueckgang-der-sexualdelikte-durch-unueberwachte-partnerbesuch-in-gefaengnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/rueckgang-der-sexualdelikte-durch-unueberwachte-partnerbesuch-in-gefaengnissen-102383\/","title":{"rendered":"R\u00fcckgang der Sexualdelikte durch un\u00fcberwachten Partnerbesuch in Gef\u00e4ngnissen"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nnten bei Gef\u00e4ngnisinsassen un\u00fcberwachte Kontakte zum Partner zu einem R\u00fcckgang der sexuellen \u00dcbergriffe in Gef\u00e4ngnissen beitragen? Stewart D\u2019Alessio und sein Team von der Florida International University in den Vereinigten Staaten gehen zumindest davon aus. Ihre Arbeit macht deutlich, dass es in Staaten, in denen un\u00fcberwachte Besuche der Partner erlaubt sind, erheblich weniger Vergewaltigungsf\u00e4lle und andere Sexualdelikte in Gef\u00e4ngnissen gibt. Die Studie erscheint online im Springer-Journal American Journal of Criminal Justice.<\/p> <p><!--more-->Zu den Ursachen sexueller Gewalt gibt es zurzeit zwei gegens\u00e4tzliche Theorien. Die feministische Perspektive geht davon aus, dass das Motiv f\u00fcr sexuelle Gewalt haupts\u00e4chlich im Streben nach Macht- und Kontrollaus\u00fcbung zu suchen ist. Nach dieser Theorie h\u00e4tte der Kontakt zum Partner nur wenig oder gar keinen Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit von Sexualdelikten in Gef\u00e4ngnissen. Die andere Theorie geht hingegen davon aus, dass das Motiv f\u00fcr Vergewaltigung und andere sexuelle Gewalt letztendlich der Wunsch nach sexueller Befriedigung ist. In diesem Fall m\u00fcssten un\u00fcberwachte Besuche der Partner die H\u00e4ufigkeit von Sexualdelikten reduzieren.<\/p> <p>D\u2019Alessio und seine Kollegen stellten die beiden Theorien auf den Pr\u00fcfstein. Analysiert wurden die Daten von 50 US-Staaten zwischen 2004 und 2006 aus einer Reihe von Quellen: dem Directory of Adult and Juvenile Correctional Departments; Sexual Violence Reported by Correctional Authorities und einem Artikel aus dem Case Western Reserve Journal of International Law. Gekl\u00e4rt werden sollte der Zusammenhang zwischen un\u00fcberwachten Besuchen der Partner von Gef\u00e4ngnisinsassen und der Menge an Sexualdelikten hinter Gef\u00e4ngnismauern. Verglichen wurde die Zahl der aktenkundigen sexuellen \u00dcbergriffe zwischen Insassen (darunter nicht einvernehmlicher Geschlechtsverkehr und Missbrauchsf\u00e4lle) und zwar jeweils in Staaten, in denen Besuchszeit im un\u00fcberwachten Raum m\u00f6glich ist, und in Staaten, wo dies nicht der Fall ist.<\/p> <p>Unter Ber\u00fccksichtigung der Zahl der Gef\u00e4ngnisinsassen* stellten die Wissenschaftler fest, dass die Rate sexueller Gewalt in Staaten, die sexuelle Kontakte zum Partner erm\u00f6glichen, signifikant niedriger ist: 57 Vorf\u00e4lle pro 100.000 Gefangene im Vergleich zu 226 Vorf\u00e4llen in Staaten, wo dies nicht der Fall ist. Dieses Ergebnis zieht die feministische Perspektive in Zweifel und unterst\u00fctzt die Befriedigungstheorie.<\/p> <p>Die Autoren: \u201eDer beobachtete R\u00fcckgang der Sexualdelikte durch un\u00fcberwachte Partnerbesuche sollte weitere Staaten veranlassen, derartige Besuchsm\u00f6glichkeiten als Mittel gegen sexuelle Gewalt in Gef\u00e4ngnissen zuzulassen. Durch regelm\u00e4\u00dfige sexuelle Kontakte zum Partner lassen sich auch die Familienbande st\u00e4rken und die Disziplin der Gefangenen wie auch die Wiedereingliederung nach der Entlassung verbessern.\u201c<\/p> <p>Behandlungsprogramme an Gef\u00e4ngnissen sollten nach Meinung der Autoren Sexualdelikte in Zukunft auch als solche einordnen und nicht als Versuch reiner Machtaus\u00fcbung. Der Einsatz der durchaus umstrittenen chemischen Kastration k\u00f6nnte eine effektive Strategie sein, um Vergewaltigung und andere sexuelle \u00dcbergriffe zu reduzieren.<\/p> <p>*Mit der steigenden Zahl der Gef\u00e4ngnisinsassen nimmt auch sexuelle Gewalt im Gef\u00e4ngnis zu. Je mehr Gefangene, umso gr\u00f6\u00dfer die Wahrscheinlichkeit sexueller \u00dcbergriffe.<\/p> <p>Quelle: D\u2019Alessio SJ et al (2012). The effect of conjugal visitation on sexual violence in prison. American Journal of Criminal Justice; DOI 10.1007\/s12103-012-9155-5<\/p> <p>Der vollst\u00e4ndige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verf\u00fcgung.<br \/> Kontakt: Joan Robinson, Springer, Tel. +49 6221 487-8130, joan.robinson@springer.com<\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Springer-Verlag<\/a> GmbH, Heidelberg, Zweigniederlassung der Springer-Verlag GmbH, BerlinTiergartenstrasse 17D-69121 Heidelberg<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnten bei Gef\u00e4ngnisinsassen un\u00fcberwachte Kontakte zum Partner zu einem R\u00fcckgang der sexuellen \u00dcbergriffe in Gef\u00e4ngnissen beitragen? Stewart D\u2019Alessio und sein Team von der Florida International University in den Vereinigten Staaten gehen zumindest davon aus. 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