{"id":2485,"date":"2012-05-21T14:12:55","date_gmt":"2012-05-21T13:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=2485"},"modified":"2015-08-18T11:32:47","modified_gmt":"2015-08-18T10:32:47","slug":"komplexer-jagdvorgang-der-fledermaeuse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/komplexer-jagdvorgang-der-fledermaeuse-102485\/","title":{"rendered":"Komplexer Jagdvorgang der Flederm\u00e4use"},"content":{"rendered":"<p>Flederm\u00e4use optimieren ihre Jagdstrategie durch sensorische Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten<\/p> <p>Flederm\u00e4use nutzen eine Kombination von Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten in ihrem Jagdablauf, bei denen sie entscheiden, welche Beute sie angreifen, fangen und fressen wollen, von welcher sie lieber gleich ablassen und welche auf halber Jagdstrecke besser fallen gelassen werden sollte. Lauschende Flederm\u00e4use richten sich zun\u00e4chst nach den Ger\u00e4uschen ihrer Opfer, danach sch\u00e4tzen sie deren Gr\u00f6\u00dfe ab und testen schlie\u00dflich ihren Geschmack. Die von Dr. Rachel Page und ihrem Team vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama durchgef\u00fchrte Studie erscheint online in der Springer-Zeitschrift Naturwissenschaften \u2013 The Science of Nature.<\/p> <p><!--more-->Um zu \u00fcberleben, m\u00fcssen J\u00e4ger Beute finden, die sowohl die richtige Gr\u00f6\u00dfe hat als auch genie\u00dfbar ist. Dazu setzen sie oft mehrere Wahrnehmungstechniken ein, mit deren Hilfe sie ihre Beute ausfindig machen und beurteilen k\u00f6nnen. Die Experimente von Page und ihren Kollegen zeigen, dass die Fransenlippenfledermaus, Trachops cirrhosus, die sich von ganz verschiedenen Beutetieren wie z.B. Fr\u00f6schen ern\u00e4hrt, zun\u00e4chst akustische Signale aus einiger Entfernung nutzt. Danach verfeinert die Fledermaus ihre Jagdstrategie, indem sie aus kurzer Distanz die Gr\u00f6\u00dfe ihres Opfers einsch\u00e4tzt, vermutlich durch Echolokation. Schlie\u00dflich probiert sie den Geschmack ihrer Beute mit Hilfe chemischer Wahrnehmungselemente. So bewertet sie w\u00e4hrend der Jagd die Eignung ihrer Beute stufenweise neu.<\/p> <p>Die Forscher untersuchten acht Flederm\u00e4use auf Barro Colorado Island in Panama. Sie wollten wissen, ob die Flederm\u00e4use die Informationen \u00fcber ihre Beute st\u00e4ndig aktualisierten, um m\u00f6gliche t\u00f6dliche Irrt\u00fcmer zu minimieren. Die Rufe einer wohlschmeckenden Art von Fr\u00f6schen wurde genutzt, um die Flederm\u00e4use anzulocken. Anschlie\u00dfend boten sie den Flederm\u00e4usen eine Kombination von \u201aunbehandelten\u2018 und vergifteten Beutetieren an: die von Flederm\u00e4usen pr\u00e4ferierte Beutespezies (der Tungarafrosch) und zwei t\u00f6dliche Kr\u00f6ten (die gro\u00dfe Zuckerrohrkr\u00f6te und die kleine Blattkr\u00f6te).<\/p> <p>Die Rufe der Fr\u00f6sche l\u00f6sten ein Angriffsverhalten aus, wobei die Flederm\u00e4use w\u00e4hrend der Ann\u00e4herung jedoch der Reihe nach zus\u00e4tzliche Wahrnehmungselemente nutzten, um ihre Informationen bez\u00fcglich der Beutegr\u00f6\u00dfe und \u2013eignung zu aktualisieren. Sowohl genie\u00dfbare als auch giftige kleine Fr\u00f6sche wurden gefangen, gro\u00dfe giftige Kr\u00f6ten hingegen zogen zwar das Interesse der Flederm\u00e4use auf sich, wurden dann aber unbeachtet gelassen. Dies l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass die Flederm\u00e4use die Beute zuerst aus kurzer Distanz absch\u00e4tzen und auf diese Weise nur die Fr\u00f6sche und Kr\u00f6ten fangen, deren Gr\u00f6\u00dfe angemessen ist.<\/p> <p>Sobald die Flederm\u00e4use ihre Beute gefangen haben, nutzen sie chemische Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten, um endg\u00fcltig zu entscheiden, ob sie ihre Beute fressen wollen oder nicht. Tats\u00e4chlich lie\u00dfen sie kleine giftige Kr\u00f6ten unmittelbar oder kurz nach dem Beutefang genauso fallen wie schmackhafte Fr\u00f6sche, die mit Kr\u00f6tengift \u00fcberzogen waren.<\/p> <p>Diese Resultate lassen darauf schlie\u00dfen, dass Echolokation und chemische Wahrnehmungselemente auf kurze Entfernung zus\u00e4tzliche Informationen zu den akustischen Signalen aus gr\u00f6\u00dferer Entfernung liefern.<br \/> Die Autoren fassen zusammen: \u201eUnsere Studie demonstriert, dass Flederm\u00e4use nach der anf\u00e4nglichen Beurteilung der Beute die F\u00e4higkeit haben, alternative sensorische Wahrnehmungselemente einzusetzen, um so ihre Beute auf kurze Entfernung stufenweise neu bewerten zu k\u00f6nnen. Somit reduzieren sie die potentiellen Gefahren eines t\u00f6dlichen Fehlers. Unsere Resultate zeigen, wie komplex der Jagdvorgang ist, bei dem die Beute stufenweise anvisiert, letztlich dann aber nochmals flexibel neu bewertet wird.\u201c<\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Quelle<\/a> :<br \/> Page RA et al (2012). Sequential assessment of prey through the use of multiple sensory cues by an eavesdropping bat. Naturwissenschaften \u2013 The Science of Nature; DOI 10.1007\/s00114-012-0920-6.<\/p> <p>Der Volltext-Artikel ist f\u00fcr Journalisten auf Anfrage verf\u00fcgbar.<\/p> <p>Kontakt: Janine Haubenreisser, Tel.: +49 62 21 487 84 14, janine.haubenreisser@springer.com<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flederm\u00e4use optimieren ihre Jagdstrategie durch sensorische Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten Flederm\u00e4use nutzen eine Kombination von Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten in ihrem Jagdablauf, bei denen sie entscheiden, welche Beute sie angreifen, fangen und fressen wollen, von welcher sie lieber gleich ablassen und welche auf halber Jagdstrecke besser fallen gelassen werden sollte. 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