{"id":2576,"date":"2012-07-17T13:49:18","date_gmt":"2012-07-17T12:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=2576"},"modified":"2015-08-18T11:32:48","modified_gmt":"2015-08-18T10:32:48","slug":"engpass-im-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/engpass-im-gehirn-102576\/","title":{"rendered":"Engpass im Gehirn"},"content":{"rendered":"<p>Die Anwendung neuer Regeln ist anstrengende und erm\u00fcdende Kopfarbeit<\/p> <p>Kann man, wie ein englisches Sprichwort sagt, einem alten Hund neue Kunstst\u00fccke beibringen? Man kann, sagen Hans Schroder und seine Kollegen von der Michigan State University in den USA, aber es erfordert Zeit, \u00dcbung und harte Arbeit, bis die betreffende Person die neue Aufgabe fehlerfrei beherrscht. Ihre Arbeit zeigt, dass wir beim Versuch, unsere Handlungen an neue Regeln anzupassen, den Details weniger Aufmerksamkeit schenken. Ihre Forschungsergebnisse sind in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Cognitive, Affective, &amp; Behavioral Neuroscience erschienen.<\/p> <p><!--more-->Damit wir uns neuen Bedingungen anpassen k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir in der Lage sein, unser Verhalten erfolgreich zu \u00e4ndern. Um mit den Regeln zu brechen, an die wir uns t\u00e4glich halten, ist ein betr\u00e4chtliches Ma\u00df an Aufmerksamkeit und Anstrengung erforderlich und trotzdem unterlaufen uns beim ersten Mal manchmal noch Fehler. Wenn wir zwischen zwei oder mehr Aufgaben wechseln, sind wir langsamer und Fehler werden wahrscheinlicher. Dies ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass der Wechsel zwischen Aufgaben anstrengend ist und k\u00f6nnte eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sein, warum es f\u00fcr uns so schwer ist, aus unseren Fehlern zu lernen, wenn es neue Regeln gibt.<\/p> <p>Die Autoren erl\u00e4utern: \u201eWenn sich f\u00fcr eine Aufgabe, die wir routinem\u00e4\u00dfig erledigen, die Regeln \u00e4ndern, nehmen wir unsere Fehler nicht so gut wahr. Daher f\u00e4llt es uns auch schwerer, aus diesen Fehlern zu lernen, denn der Wechsel zwischen Aufgaben ist f\u00fcr unseren Kopf ersch\u00f6pfend und anstrengend, unsere Aufmerksamkeit f\u00fcr Details nimmt ab und folglich machen wir mehr Fehler.\u201c<\/p> <p>An der Studie nahmen insgesamt 67 Studenten teil. W\u00e4hrend des Versuchs trugen sie eine Kappe, die die elektrische Aktivit\u00e4t im Gehirn aufzeichnete. Die Teilnehmer f\u00fchrten eine Aufgabe am Computer aus, bei der man leicht Fehler machen kann. Dabei wurde ihnen eine Buchstabenreihe auf dem Bildschirm angezeigt, beispielsweise \u201eMMMMM\u201c oder \u201eNNMNN\u201c, bei der sie eine einfache Regel einhalten mussten: Falls ein \u201eM\u201c in der Mitte der Buchstabenreihe erschien, mussten sie den linken Knopf dr\u00fccken; wenn in der Mitte ein \u201eN\u201c angezeigt wurde, den rechten Knopf . Nachdem sie diese Regel fast 50 Mal angewendet hatten, wurde ihnen die gleiche Aufgabe gestellt, allerdings mit der umgekehrten Regel. Wenn jetzt ein \u201eM\u201c in der Mitte der Buchstabenreihe erschien, mussten sie die rechte Maustaste dr\u00fccken und bei einem \u201eN\u201c die linke Maustaste.<\/p> <p>Nachdem die Regel umgekehrt wurde, nahm die Anzahl der aufeinanderfolgenden Fehler bei den Teilnehmern zu. Ihnen unterliefen h\u00e4ufiger zwei Fehler hintereinander. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer weniger in der Lage waren, neu zu beginnen und aus ihren Fehlern zu lernen. Die Umkehr der Regel f\u00fchrte auch zu erh\u00f6hter Gehirnaktivit\u00e4t im Bereich Kontrolle bei gleichzeitig geringerer Aktivit\u00e4t im Bereich Fehlerkorrektur.<\/p> <p>Diese Ergebnisse legen nahe, dass unser Gehirn bei der Umkehr von Regeln mehr leisten muss, um die beiden Regeln &#8211; die neue und die alte &#8211; zu beherrschen und auf die neue Regel konzentriert zu bleiben. Wenn wir im Umgang mit diesen beiden Regeln Gehirnleistung verbrauchen, bleibt uns weniger Kapazit\u00e4t, um unsere Fehler zu erkennen.<\/p> <p>Quelle<br \/> Schroder HS et al (2012). Action-monitoring consequences of reversing stimulus-response mappings. Cognitive, Affective, &amp; Behavioral Neuroscience; DOI 10.3758\/s13415-012-0105-y<\/p> <p>Der Volltext-Artikel ist f\u00fcr Journalisten auf Anfrage verf\u00fcgbar.<br \/> Kontakt: Joan Robinson, <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Springer<\/a>, Tel.: +49-6221-487-8130, joan.robinson@springer.com<\/p> <p>Springer-Verlag GmbH, Heidelberg, Zweigniederlassung der Springer-Verlag GmbH, BerlinTiergartenstrasse 17D-69121 HeidelbergTelefon: +49 (0) 6221 487 0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anwendung neuer Regeln ist anstrengende und erm\u00fcdende Kopfarbeit Kann man, wie ein englisches Sprichwort sagt, einem alten Hund neue Kunstst\u00fccke beibringen? 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