{"id":2582,"date":"2012-07-19T13:55:43","date_gmt":"2012-07-19T12:55:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=2582"},"modified":"2015-08-18T11:32:48","modified_gmt":"2015-08-18T10:32:48","slug":"neandertaler-von-el-sidrn-hatten-hochentwickeltes-wissen-ueber-ihre-natuerliche-umgebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/neandertaler-von-el-sidrn-hatten-hochentwickeltes-wissen-ueber-ihre-natuerliche-umgebung-102582\/","title":{"rendered":"Neandertaler von El Sidr\u00f3n hatten hochentwickeltes Wissen \u00fcber ihre nat\u00fcrliche Umgebung"},"content":{"rendered":"<p>Neandertaler aus der nordspanischen H\u00f6hle El-Sidr\u00f3n kannten die heilende Wirkung von Pflanzen<\/p> <p>Dass die Neandertaler nicht nur verschiedene Arten gekochter Pflanzen a\u00dfen, sondern auch bereits deren N\u00e4hrwert und Heilkraft kannten, konnte nun auch molekular nachgewiesen werden. Die Untersuchungen dazu wurden von einem internationalen Wissenschaftlerteam von der Universitat Aut\u00f3noma de Barcelona und der University of York, UK, durchgef\u00fchrt. Ihre Forschungsergebnisse sind diese Woche in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Naturwissenschaften \u2013 The Science of Nature erschienen. Bisher waren die Neandertaler, die vor 30.000 bis 24.000 Jahren verschwanden, vor allem als Fleischesser bekannt. Allerdings gibt es dank aufwendigerer Analysen immer mehr Beweise f\u00fcr ihren abwechslungsreichen Speisenplan.<\/p> <p><!--more-->Die Wissenschaftler aus Spanien, Gro\u00dfbritannien und Australien kombinierten die Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie mit der morphologischen Analyse von pflanzlichen Mikrofossilien. Damit sollte das im Zahnstein (sog. verkalkter Zahnbelag) eingeschlossene Material von f\u00fcnf Neandertalern aus dem arch\u00e4ologischen Fund in der nordspanischen H\u00f6hle El Sidr\u00f3n in Asturien n\u00e4her bestimmt werden. Die Forscher konnten St\u00e4rkek\u00f6rner und Kohlenhydrat-Marker in den Proben nachweisen. Au\u00dferdem fanden sie Pflanzenbestandteile wie beispielsweise Azulen und Kumarin sowie m\u00f6glicherweise Spuren von N\u00fcssen, Gr\u00e4sern und sogar gr\u00fcnen Gem\u00fcsesorten. Zusammengenommen sprechen all diese Ergebnisse daf\u00fcr, dass die aufgenommenen Pflanzen weitaus verbreiteter waren als sich durch stabile Isotopenanalyse bislang oft zeigte.<\/p> <p>Die Studie liefert auch Beweise daf\u00fcr, dass die St\u00e4rkek\u00f6rner vom Fundort in El Sidr\u00f3n nachweislich die \u00e4ltesten K\u00f6rner sind, deren Alter mit einem biochemischen Test best\u00e4tigt wurde. Die dabei gefundenen, im Zahnstein eingeschlossenen vorzeitlichen Bakterien k\u00f6nnten Ausgangspunkt sein f\u00fcr neue Studien, die sich mit Fragen zur Mundgesundheit der Neandertaler besch\u00e4ftigen.<\/p> <p>In dieser Studie wurden zehn Proben des Zahnsteins von f\u00fcnf Neandertalern untersucht. Durch Verfahren wie thermale Desorption und Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie identifizierten die Wissenschaftler sowohl freie\/ungebundene als auch gebundene\/polymere organische Bestandteile im Zahnstein. Durch den Einsatz dieses Verfahrens in Verbindung mit der Extraktion und Analyse der pflanzlichen Mikrofossilien fanden sie chemische Beweise in \u00dcbereinstimmung mit Holzfeuerrauch, einer Anzahl gekochter, st\u00e4rkehaltiger Speisen, zwei Pflanzen, die heute f\u00fcr ihre medizinische Wirkung bekannt sind sowie Bitumen oder \u00d6lschiefer, der im Zahnstein eingeschlossen war.<\/p> <p>Erstautorin Karen Hardy von der Universitat Aut\u00f3noma de Barcelona und der University of York, UK, sagt: \u201eDer unterschiedliche Gebrauch von Pflanzen, die wir identifiziert haben, weist darauf hin, dass die Neandertaler von El Sidr\u00f3n hochentwickeltes Wissen \u00fcber ihre nat\u00fcrliche Umgebung besa\u00dfen; einschlie\u00dflich der F\u00e4higkeit, bestimmte Pflanzen aufgrund ihres N\u00e4hrwertes und f\u00fcr die Selbstmedikation auszuw\u00e4hlen und zu verwenden. Obwohl Fleisch offensichtlich wichtig war, zeigt unsere Forschung eine noch deutlich komplexere Ern\u00e4hrungsweise als bisher angenommen.\u201c<\/p> <p>Quelle<br \/> Hardy K et al. (2012). Neanderthal medics? Evidence for food, cooking and medicinal plants entrapped in dental calculus. Naturwissenschaften \u2013 The Science of Nature DOI 10.1007\/s00114-012-0942-0<\/p> <p>Der vollst\u00e4ndige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verf\u00fcgung.<br \/> Kontakt: Renate Bayaz, <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Springer<\/a>, E-Mail: renate.bayaz@springer.com, Tel.: +49-6221-4878531<\/p> <p>Springer-Verlag GmbH, Heidelberg, Zweigniederlassung der Springer-Verlag GmbH, BerlinTiergartenstrasse 17D-69121 Heidelberg<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neandertaler aus der nordspanischen H\u00f6hle El-Sidr\u00f3n kannten die heilende Wirkung von Pflanzen Dass die Neandertaler nicht nur verschiedene Arten gekochter Pflanzen a\u00dfen, sondern auch bereits deren N\u00e4hrwert und Heilkraft kannten, konnte nun auch molekular nachgewiesen werden. 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