{"id":264150,"date":"2017-02-17T17:49:25","date_gmt":"2017-02-17T16:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=264150"},"modified":"2022-06-17T13:35:12","modified_gmt":"2022-06-17T12:35:12","slug":"trumps-protektionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/trumps-protektionismus-10264150\/","title":{"rendered":"Trumps Protektionismus"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-264151\" title=\"Denken in Szenarien\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/311865-e1487350028137.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"205\" height=\"242\" \/>Trump: Lose-lose-Plan f\u00fcr die Weltwirtschaft<\/p> <p>Protektionismus zerst\u00f6rt komplexe Lieferketten. Dennoch hat der US-Pr\u00e4sident genau so etwas Zerst\u00f6rerisches im Sinn. Wie reagieren internationale Unternehmen?<\/p> <p>Mexiko ist nerv\u00f6s. J\u00e4hrliche Exporte von rund 300 Milliarden Dollar in die USA sind in Gefahr. Auch ein h&amp;z-Kunde findet im Gespr\u00e4ch die Pl\u00e4ne des neuen US-Pr\u00e4sidenten gar nicht zum Lachen. Navico ist Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Schiffselektronik und bedient den US-Markt von Mexiko aus.<\/p> <p><!--more-->Fast die H\u00e4lfte der Wertsch\u00f6pfung importiert der Hersteller in Form von Bauteilen aus Asien. Er l\u00f6scht die Ware in Kalifornien, schafft sie auf dem Landweg in das Werk Ensenada in Mexiko, um die fertigen Produkte dann wieder in den USA zu verkaufen. Die hohen Importz\u00f6lle der USA, die Donald Trump angek\u00fcndigt hat, tr\u00e4fen die Firma also gleich doppelt.<\/p> <p>Noch ist nichts sicher. Keiner wei\u00df, ob Trump seine protektionistischen Ma\u00dfnahmen mit Strafz\u00f6llen von bis zu 45 Prozent tats\u00e4chlich durchzieht. Er verh\u00e4lt sich auch im h\u00f6chsten Amt der USA wie ein Deal Maker aus der Immobilienbranche, der seine Gegner gerne mal mit Maximalforderungen erschreckt, um ihnen am Ende das Gef\u00fchl zu geben, sie h\u00e4tten noch Gl\u00fcck gehabt.<\/p> <p>Doch dass der Autohersteller Ford den Bau seiner Fabrik in Mexiko erst einmal gestoppt hat, gibt zu denken. Auch dass die mexikanische Regierung \u00fcberlegt, mit welchen Anreizen sie die Nachteile der Trumpschen Zollpolitik f\u00fcr Produktionsstandorte in Mexiko ausgleichen k\u00f6nnte, zeigt, dass die Bedrohung ernst genommen wird. Grund<\/p> <p>genug, sich gut vorzubereiten.<\/p> <p>Protest auch bei US-Firmen<\/p> <p>Im Moment sind zwar nicht wenige \u00d6konomen und Experten dabei, dem Pr\u00e4sidenten zu erkl\u00e4ren, dass seine Politik auch die Vorprodukte f\u00fcr US-Fabriken verteuern w\u00fcrde, was entweder die Endverbraucherpreise steigen lie\u00dfe oder die Gewinne und Zahl der Arbeitspl\u00e4tze schrumpfen. Die gr\u00f6\u00dften Importeure sind oft auch die gr\u00f6\u00dften Exporteure: So produziert der deutsche Hersteller BMW in dem gro\u00dfen Werk in Spartanburg (South Carolina) nicht nur f\u00fcr den US-Markt, sondern f\u00fcr die ganze Welt.<\/p> <p>Da ist auch der Faktor Zeit: Neue, inl\u00e4ndische Lieferanten m\u00fcssten erst langwierig qualifiziert und zertifiziert werden, aber auch Standorte lassen sich nicht von jetzt auf gleich verlegen. Ein gro\u00dfer deutscher Zulieferer der Luft- und Raumfahrtindustrie etwa sagt gegen\u00fcber h&amp;z: &#8222;Wir nehmen Trumps Drohungen \u00fcberhaupt nicht ernst&#8220;. Als Lieferant von Boeing sei man kaum ersetzbar. Der Austausch von bew\u00e4hrten Systemkomponenten in einem Flugzeug ist ein Vorgehen, das weder OEMs noch die Betreiber begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrden. &#8222;Die USA schnitte sich ins eigene Fleisch und schadete ihren eigenen Unternehmen.&#8220; Gleiches gilt sicherlich in einer Vielzahl von High Tech Unternehmen in den USA.<\/p> <p>Die Gleichung der globalen Supply Chain, die ein komplexer Mix aus Spezifikationen, Qualit\u00e4t, Lieferf\u00e4higkeit und Preis ist, hat sich \u00fcber viele Jahre der Globalisierung optimiert.. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass Abschottung den Wettbewerb beschr\u00e4nkt und damit dem Ideenreichtum und der Effizienz der US-Firmen Fesseln anlegt. Dies h\u00e4tte Auswirkungen auf die eigenen Arbeitnehmer. Denn innovative K\u00f6pfe sch\u00e4tzen den Wettbewerb und k\u00f6nnten so ins Ausland gehen. Letztendlich tr\u00e4fe es also den Konsumenten im eigenen Land, der zwar US Produkte im Regal finden w\u00fcrde, die im schlimmsten Fall weniger innovativ und daf\u00fcr teurer w\u00e4ren. Dies bef\u00fcrchten auch<\/p> <p>Handelsketten wie Wal-Mart und Sears, die heute mit global optimierten Zulieferketten die besten Produkte f\u00fcr ihre Kunden anbieten m\u00f6chten.<\/p> <p>Ob die Regierung Trump einen Handelskrieg mit China durchhalten w\u00fcrde, wo die USA doch von den dort gef\u00f6rderten Seltenen Erden maximal abh\u00e4ngig sind, ist fraglich.<\/p> <p>&#8222;Trumps Pl\u00e4ne sind definitiv nicht gut durchdacht. Wir sind aber vorbereitet, falls sie dennoch realisiert werden&#8220;, sagt Jim Brailey, Executive Vice President bei Navico. Man k\u00f6nne die Endmontage zum Beispiel in die USA verlegen oder aber einem bereits bestehenden Werk in Osteuropa zuweisen, falls die Ma\u00dfnahmen sich nur gegen Mexiko richteten, sagt er. Die zus\u00e4tzlichen Logistikkosten l\u00e4gen immer noch unter den angek\u00fcndigten Strafz\u00f6llen.<\/p> <p>Sich vorbereiten, das sollten alle Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Lieferkette in irgendeiner Form ber\u00fchrt sein wird durch die Politik des Herrn Trump, ist real &#8211; wie real, wei\u00df nur die Regierung selbst.<\/p> <p>Denken in Szenarien<\/p> <p>Manche Firmen ziehen sich bei solchen Risiken auf die gro\u00dfe Unsicherheit zur\u00fcck, mit denen sie behaftet sind, und warten erst einmal ab. Oder sie f\u00fchlen sich stark, etwa allein aufgrund ihrer Bedeutung als Arbeitgeber, wie zum Beispiel der Siemens-Konzern mit seinen 60 Produktionsstandorten und 50.000 Besch\u00e4ftigten in den USA. Nat\u00fcrlich hat es keinen Sinn, in Panik zu verfallen. Doch das Denken in Szenarien erscheint vern\u00fcnftig.<\/p> <p>Mit Hilfe von Netzwerksimulationen k\u00f6nnen die Produktion in Verbindung mit m\u00f6glichen Z\u00f6llen aber auch Lieferantenstrukturen analysiert und bewertet werden. Das gilt auch f\u00fcr Standortverlagerungen mit ihren Auswirkungen auf die Gesamtkosten in der Lieferkette. Die strukturierte Erfassung von Risikofeldern und Einzelrisiken mit anschlie\u00dfender Quantifizierung und Bewertung erlaubt die Formulierung von Szenarien, die jeweils genaue Strategien und einen konkreten Ma\u00dfnahmenkatalog nach sich ziehen.<\/p> <p>Es geht nicht nur um Z\u00f6lle. Die gesamte wirtschaftspolitische Zukunft der USA steht auf dem Pr\u00fcfstand von Trump. Auch diskriminierende steuerpolitische Ma\u00dfnahmen sind schon vage angek\u00fcndigt. Wie wird sich die US-W\u00e4hrung entwickeln, mit welcher Folge f\u00fcr die Zinspolitik? Werden Talente abwandern? Wird die Abschottung Vergeltungsma\u00dfnahmen provozieren?<\/p> <p>Unger\u00fchrt gab sich diese Woche Siemens-Chef Joe Kaeser: Er reiste wie geplant nach Mexiko und k\u00fcndigte Investitionen an. Die sind mit 200 Millionen Dollar zwar \u00fcberschaubar und sollen sich \u00fcber volle zehn Jahre erstrecken. Dennoch wurde die Geste in Mexiko dankbar aufgenommen. Und solche Treue macht sich vielleicht sp\u00e4ter noch bezahlt.<\/p> <p>Manche Unternehmen trauen dem frisch angetretenen US-Pr\u00e4sidenten also nur eine kurze Laufzeit oder nur begrenzte Unvernunft zu. Tats\u00e4chlich scheint es schwer vorstellbar, dass sich Trump am Ende f\u00fcr eine &#8222;Lose-lose-Situation&#8220; entscheidet, also einen Zustand, wo alle nur verlieren.<\/p> <p>Doch er ist eben ein Deal Maker, ein Pokerspieler, einer der Verluste in Kauf nimmt, so lange die Gewinne auf seiner Seite stehen. Bei solch einem Gegenspieler sollte man besser ein gutes Blatt in der Hand halten oder, wie beim Schach, f\u00fcnf Z\u00fcge im Voraus denken.<\/p> <p>Autor: Thomas Mrozek<\/p> <p>verantwortet als Partner bei der h&amp;z Unternehmensberatung den Bereich Supply Chain<\/p> <p>Management. Sein Schwerpunkt ist die Steuerung komplexer Lieferketten. Hier betreut er Unternehmen unter anderen auf ihrem Weg zu umfassenden Serviceverbesserungen.<\/p> <p>h&amp;z Unternehmensberatung AG<\/p> <p>h&amp;z steht f\u00fcr Beratung mit Hirn, Herz und Hand &#8211; seit 1997. Mit Standorten in M\u00fcnchen, D\u00fcsseldorf, Dubai, Hamburg, Paris, Wien und Z\u00fcrich geh\u00f6rt das Unternehmen zu Europas f\u00fchrenden Unternehmensberatungen mit den Schwerpunkten Strategie &amp; Optimierung, Einkauf, Supply Chain Management, Technologie &amp; Innovation, Vertrieb &amp; Wachstum, Service und Training. 20 der DAX-30-Unternehmen sowie zahlreiche Mittelst\u00e4ndler z\u00e4hlen zu den Kunden. 98 Prozent von ihnen beauftragen h&amp;z wiederkehrend. Als Mitglied der Transformation Alliance ist h&amp;z Teil eines weltweiten Netzwerks mit \u00fcber 420 Beratern an 13 Standorten. h&amp;z wurde mehrfach mit dem Great-Place-to-Work-G\u00fctesiegel als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Mehr unter www.huz.de<\/p> <p><b>Firmenkontakt<\/b><\/p> <p>h&amp;z Unternehmensberatung AG<\/p> <p>Constanze von Lentzke<\/p> <p>Neuturmstrasse 5<\/p> <p>80331 M\u00fcnchen<\/p> <p>+49 89 242969-848<\/p> <p>presse@huz.de<\/p> <p>http:\/\/www.huz.de<\/p> <p><b>Pressekontakt<\/b><\/p> <p>h&amp;z Business Consultung<\/p> <p>Constanze von Lentzke<\/p> <p>Neuturmstrasse 5<\/p> <p>80331 M\u00fcnchen<\/p> <p>+49 89 242969-848<\/p> <p><a href=\"mailto:presse@huz.de\">presse@huz.de<\/a><\/p> <p>http:\/\/www.huz.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trump: Lose-lose-Plan f\u00fcr die Weltwirtschaft Protektionismus zerst\u00f6rt komplexe Lieferketten. Dennoch hat der US-Pr\u00e4sident genau so etwas Zerst\u00f6rerisches im Sinn. Wie reagieren internationale Unternehmen? Mexiko ist nerv\u00f6s. J\u00e4hrliche Exporte von rund 300 Milliarden Dollar in die USA sind in Gefahr. 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