{"id":264858,"date":"2018-02-16T14:49:15","date_gmt":"2018-02-16T13:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=264858"},"modified":"2018-02-16T14:49:16","modified_gmt":"2018-02-16T13:49:16","slug":"auf-pflege-angewiesene-muessen-auf-pflegequalitaet-vertrauen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/auf-pflege-angewiesene-muessen-auf-pflegequalitaet-vertrauen-koennen-10264858\/","title":{"rendered":"Auf Pflege Angewiesene m\u00fcssen auf Pflegequalit\u00e4t vertrauen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/auf-pflege-angewiesene-muessen-auf-pflegequalitaet-vertrauen-koennen-10264858\/v-l-dr-bernhard-opolony-prof-dr-thomas-klie-ingeborg-germ\/#main\" rel=\"attachment wp-att-264859\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-264859 size-full\" title=\"v. l. Dr. Bernhard Opolony, Prof. Dr. Thomas Klie, Ingeborg Germann, Reiner Kasperbauer, Dr. Stefan Arend\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/337457-e1518788925925.jpg\" alt=\"Bild der Expertenrunde\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><\/p> <p>KWA Symposium 2018: Pflege au\u00dfer Kontrolle?<br \/> F\u00fcr kontr\u00e4re Standpunkte stehen: Dr. Bernhard Opolony, Ingeborg Germann, Reiner Kasperbauer, Prof. Dr. Thomas Klie und Bianca Jendrzej.<br \/> Gerade dann, wenn kein Pflegeskandal Schlagzeilen macht, muss \u00fcber Pflege geredet werden. Der Koalitionsvertrag verspricht Entlastung und ein Sofortprogramm. Noch ist er nicht in trockenen T\u00fcchern. Beim diesj\u00e4hrigen KWA Symposium im KWA Georg-Brauchle-Haus wagte man unter der \u00dcberschrift &#8222;Pflege au\u00dfer Kontrolle?&#8220; eine Bestandsaufnahme und versuchte, zu skizzieren, wie Kontrollen in der Pflege k\u00fcnftig aussehen k\u00f6nnten.<\/p> <p><!--more-->&#8222;Auf Pflege Angewiesene m\u00fcssen auf Pflegequalit\u00e4t vertrauen k\u00f6nnen!&#8220; Mit dieser klaren Ansage positionierte sich KWA Vorstand Dr. Stefan Arend. Beleuchtet wurde das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Vertrauen. Dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) und Heimaufsicht (FQA) nach v\u00f6llig unterschiedlichen Kriterien pr\u00fcfen, f\u00fchrt bei Mitarbeitern zu Verunsicherung und Unverst\u00e4ndnis. Der KWA Vorstand sieht die Pflege unter zunehmendem Zwang, permanent Rechenschaft ablegen zu m\u00fcssen. Das bindet Zeit, die an anderer Stelle f\u00fcr Zuwendung fehlt.<\/p> <p>Der stellvertretende Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums f\u00fcr Gesundheit und Pflege Peter Steiert sieht die staatliche Verantwortung f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige in Artikel 2 des Grundgesetzes begr\u00fcndet: Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Pers\u00f6nlichkeit. Und: Jeder hat das Recht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Der aktuelle MDS-Pflege-Qualit\u00e4tsbericht des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (GKV) zeigt laut Steiert einerseits Verbesserungen, so zum Beispiel seien seltener freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen festgestellt worden. Andererseits gebe es noch einen Nachholbedarf in den Bereichen Wundversorgung und Schmerzmanagement.<\/p> <p>Keinerlei Kontrollen der h\u00e4uslichen Pflege versus penible Kontrollen in der station\u00e4ren Pflege<\/p> <p>Die Pflegeversicherung ist eine Teilleistungsversicherung. Das zwingt laut Prof. Dr. Thomas Klie, Institutsleiter von agp Sozialforschung in Freiburg, so manche Angeh\u00f6rige, die Erwerbst\u00e4tigkeit aufzugeben oder Hilfskr\u00e4fte aus Osteuropa zu besch\u00e4ftigen &#8211; die zum Teil ohne jegliche Qualifikation nicht nur den Haushalt f\u00fchren, sondern auch pflegen. Was in keinem GKV-Bericht steht: &#8222;20 Prozent der Menschen, die in der eigenen H\u00e4uslichkeit gepflegt werden, sind zeitweise fixiert&#8220;, so Klie. &#8222;Da schauen wir weg.&#8220; Der regul\u00e4ren Pflege gelte hingegen die volle Aufmerksamkeit.<\/p> <p>Dass wir weiterhin die 50-%-Fachkraftquote pr\u00fcfen und bei Nichterreichen Abteilungen schlie\u00dfen, sei nicht sonderlich intelligent. Klie ist \u00fcberzeugt: &#8222;Wenn viele Ehrenamtliche und Angeh\u00f6rige in Institutionen ein- und ausgehen, brauchen wir nicht viel Kontrolle.&#8220; Durch Anreizsysteme k\u00f6nne man das f\u00f6rdern. Die Kunst von Pflegenden und Angeh\u00f6rigen sei: durch W\u00fcrde und Zuwendung daf\u00fcr zu sorgen, dass es keine Dem\u00fctigung gibt. Pflege und Vertrauen geh\u00f6ren f\u00fcr Klie in hohem Ma\u00df zusammen.<\/p> <p>Anlasspr\u00fcfung statt Regelpr\u00fcfung in Rheinland-Pfalz<\/p> <p>Ingeborg Germann, Leiterin des Referats 646 am Ministerium f\u00fcr Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie in Rheinland-Pfalz, beschrieb den neuen Weg ihres Landes. Ein Mal pro Jahr wird mit Einrichtungen ein Beratungstermin vereinbart. Unangemeldete &#8222;anlassbezogene Pr\u00fcfungen&#8220; gibt es bei Hinweisen oder Beschwerden nach wie vor, und auch dann, wenn &#8222;die Ampel auf Rot&#8220; steht, bei nicht qualit\u00e4tsf\u00e4higen Einrichtungen. Kriterien f\u00fcr den Grad der Qualit\u00e4tsf\u00e4higkeit sind: Vertrauensw\u00fcrdigkeit, funktionierendes Qualit\u00e4tsmanagement, soziale &#8222;Kontrolle&#8220;, externe Qualit\u00e4tssicherung, Kontinuit\u00e4t der Zusammenarbeit und Offenheit der Einrichtung.<\/p> <p>Unter dem Begriff &#8222;Eigenverantwortung&#8220; der Einrichtungen in Bezug auf den Personaleinsatz verstehe man, dass der vereinbarte Personalschl\u00fcssel \u00fcbers Jahr eingehalten werde. Nichterreichen muss gemeldet werden, dann k\u00f6nne auf der Basis eines Konzepts zum Personalmix auch eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Man setzt am rheinland-pf\u00e4lzischen Ministerium auf ein &#8222;Grundprinzip des Vertrauens als Handlungs- und Verhandlungsbasis&#8220; und verzichtet auf undifferenzierte Regelpr\u00fcfungen als Kontrollinstrument.<\/p> <p>Kontrolle von Einrichtungen entspricht laut Dr. Bernhard Opolony dem Willen des Volkes<\/p> <p>Dr. Bernhard Opolony, Leiter der Abteilung Pflege und Pr\u00e4vention am Bayerischen Staatsministerium f\u00fcr Gesundheit und Pflege, stellte in Aussicht, dass das 10 Jahre alte Pflege- und Wohnqualit\u00e4tsgesetz in den n\u00e4chsten beiden Jahren reformiert wird. Vertrauen und Kontrolle m\u00fcssen aus der Sicht von Opolony nicht gegeneinandergestellt werden. &#8222;Gesetzliche Regulierungen sind nicht vom Himmel gefallen, sondern Wille des Volkes.&#8220; Wer von gesetzlichen Vorgaben abweichen m\u00f6chte, solle ein Konzept vorlegen. Aufgrund des Rechtsverst\u00e4ndnisses und der Gesetzeslage sei es nicht denkbar, auf staatliche Pr\u00fcfungen komplett zu verzichten.<\/p> <p>Die Pflegenoten waren aus Opolonys Sicht schlecht gemacht. Im Hinblick auf Pflegebed\u00fcrftige m\u00fcsse das Ziel sein, zu einer personenzentrierten Sicht zu kommen. Man m\u00fcsse schauen, wo die jeweilige Person gesch\u00fctzt werden muss. &#8222;Vertrauen ist nicht der Gegensatz zu Kontrolle. Vertrauen ist der Gegensatz zu Misstrauen. Vertrauen entsteht dann, wenn ein gemeinsames Grundverst\u00e4ndnis und eine gemeinsame Sprache gefunden werden&#8220;, so Opolony.<\/p> <p>Ziel des MDK: F\u00fcr den Laien verst\u00e4ndliche Bewertungen<\/p> <p>Der Leiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) Reiner Kasperbauer m\u00f6chte, dass der MDK k\u00fcnftig gemeinsam mit der staatlichen Fachstelle (FQA) Qualit\u00e4tsprobleme identifiziert und dann auch gemeinsam in die jeweilige Einrichtung geht. Bei Pr\u00fcfberichten stelle sich die Frage: Kann die der Laie lesen? &#8222;Wir m\u00fcssen es schaffen, dem Laien k\u00fcnftig verst\u00e4ndliche Bewertungen vorzulegen.&#8220;<\/p> <p>Das zweite Pflegest\u00e4rkungsgesetz sieht die Erarbeitung eines neuen Pr\u00fcfkonzepts unter wissenschaftlicher Begleitung vor. Zun\u00e4chst sollen Ergebnisindikatoren gefunden werden, danach sind Richtlinien auszuarbeiten. Die Frage der Bewohnerbeteiligung sei jedoch noch nicht gel\u00f6st. Die Personalbemessung werde ein ganz gro\u00dfes Thema sein. Reiner Kasperbauer erl\u00e4uterte, wo man diesbez\u00fcglich steht: In Zusammenarbeit mit der Uni Bremen sollen 45 vollstation\u00e4re und 15 teilstation\u00e4re Einrichtungen untersucht werden. 2.500 Bewohner sollen in die Stichprobe kommen. Auf dieser Basis wird exemplarisch eine bewohnerbezogene Pflegeplanung erfolgen, mit 3 Schichten und Wochenende. &#8222;Das muss Ende des Jahres auf den Tisch.&#8220;<\/p> <p>Ziel von KWA: Gutes Leben auch bei Pflegebedarf<\/p> <p>Bianca Jendrzej leitet bei KWA die Abteilung Qualit\u00e4t, Prozesse, Strukturen. &#8222;Wir von KWA sehen es so: Der MDK definiert Mindeststandards. Auf Basis der Frage &#8222;Was ist gutes Leben?&#8220; versuchen wir, bei unserer internen Qualit\u00e4tssicherung von der intuitiven Beurteilung zu Qualit\u00e4tsindikatoren zu kommen.&#8220; Frageb\u00f6gen zu verschiedenen Bereichen des Lebens werden in Bezug zueinander gestellt.<\/p> <p>Erfahrungen der KWA-Pflegeexpertin in Bezug auf Pr\u00fcfungen durch den MDK und die FQA: Auch wenn Pr\u00fcfende in der Regel freundlich auftreten: Immer wieder werden Pr\u00fcfungen von Emotionen begleitet und dann gelinge es nicht mehr, auf die Ebene einer n\u00fcchternen Analyse zu kommen. Wenn beispielsweise ein Bewohner weint &#8211; vielleicht nur, weil er mit der Situation \u00fcberfordert ist &#8211; werten Pr\u00fcfende das als Indikator daf\u00fcr, dass in der Pflege etwas nicht stimmt. Eine grunds\u00e4tzliche Schwierigkeit bestehe darin, dass bei kurzfristig angek\u00fcndigten Pr\u00fcfungen oft nur 1 Person zur Beantwortung der Fragen mehrerer Pr\u00fcfenden freigestellt werden kann. Auch n\u00e4chtliche Pr\u00fcfungen sieht sie kritisch. Das gr\u00f6\u00dfte Problem sei jedoch die Fachkraftquote. Die Bewertung von Qualifikationen muss aus KWA-Sicht \u00fcberdacht werden, sodass der Kreis der Personen, die als Fachkr\u00e4fte gelten, erweitert wird.<\/p> <p>KWA Kuratorium Wohnen im Alter ist ein gemeinn\u00fctziges Sozialunternehmen im Bereich der Altenhilfe und Altenpflege. Als Tr\u00e4ger von 14 Altenwohnstiften, zwei Pflegestiften, einer Klinik f\u00fcr Neurologische und Geriatrische Rehabilitation sowie einem Bildungszentrum mit staatlich anerkannten Berufsfach- und Fachschulen ist KWA in mehreren Bundesl\u00e4ndern vertreten. KWA ist Mitglied im Parit\u00e4tischen. Durch Publikationen, Foren und Symposien zu aktuellen Fachthemen beteiligt sich KWA an der \u00f6ffentlichen Diskussion. Mit wissenschaftlich fundierten Konzepten entwickelt KWA sich nachhaltig weiter.<\/p> <p><b>Kontakt<\/b><\/p> <p>KWA Kuratorium Wohnen im Alter<\/p> <p>Sieglinde Hankele<\/p> <p>Biberger Stra\u00dfe 50<\/p> <p>82008 Unterhaching<\/p> <p>089 66558-565<\/p> <p>hankele-sieglinde@kwa.de<\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.kwa.de\"  target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.kwa.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KWA Symposium 2018: Pflege au\u00dfer Kontrolle? 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