{"id":264932,"date":"2018-03-16T16:17:59","date_gmt":"2018-03-16T15:17:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=264932"},"modified":"2018-03-19T17:57:23","modified_gmt":"2018-03-19T16:57:23","slug":"online-befragung-dammschnitt-auswertung-unter-beruecksichtigung-wissenschaftlicher-studien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/online-befragung-dammschnitt-auswertung-unter-beruecksichtigung-wissenschaftlicher-studien-10264932\/","title":{"rendered":"Online-Befragung: Dammschnitt &#8211; Auswertung unter Ber\u00fccksichtigung wissenschaftlicher  Studien"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-264947 size-full\" title=\"Es ist nicht egal, wie wir geboren werden\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/geburt_-e1521213057864.jpg\" alt=\"Mutter mit Neugeborenem \" width=\"300\" height=\"172\" \/>Die Befragung wurde 1702-mal aufgerufen. Es geh\u00f6rt \u00dcberwindung dazu, auch den\u00a0 Schritt zur Beteiligung zu gehen. Solange die einzelne betroffene Frau das Gef\u00fchl hat,\u00a0 dass bagatellisiert wird, was sie erlebt hat, f\u00fchlt sie sich nicht ernst genommen.\u00a0 Dadurch nimmt das pers\u00f6nliche Leiden vielleicht sogar noch zu. Einzelaktionen wie\u00a0 Briefe an Kliniken, abgewiesene Strafanzeigen und fehlendes Verst\u00e4ndnis in der\u00a0 Familie zeigen, wie das Bed\u00fcrfnis nach Erkl\u00e4rungen oder Anteilnahme ins Leere l\u00e4uft. <!--more--><\/p> <p>Welchen Nutzen kann dann eine Befragung haben?<br \/> Die Frauen, die an der <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.greenbirth.de\/\"  >Befragung zum Dammschnitt<\/a> teilgenommen haben, erm\u00f6glichen uns einen\u00a0 pers\u00f6nlichen Einblick in das \u201eWas\u201c und \u201eWie\u201c des Erlebten. Das ber\u00fchrt, macht\u00a0 betroffen, erinnert an selbst Erlebtes. Befragung und Auswertung verbinden sich mit\u00a0 dem Anliegen, schwangere Frauen zu st\u00e4rken, um ihnen solche Erlebnisse zu\u00a0 ersparen.<\/p> <p>Mit zwei Studien und Erfahrungen von Lehrhebammen wollen wir dazu beitragen,\u00a0 dass sich werdende Eltern und das Personal im Krei\u00dfsaal \u00fcber vorhandenes\u00a0 wissenschaftliches und erfahrungsbezogenes Wissen informieren k\u00f6nnen.<br \/> Vor diesem Hintergrund werten wir die Dissertation von Gudrun Nitsche 2005 aus\u00a0 und ziehen die GKV-Pilotstudie von 2011 mit dem Fokus auf Geburtshaltungen und\u00a0 Dammschnitte hinzu. Des Weiteren f\u00fcgen wir einen Auszug aus einem Interview mit\u00a0 Dr. Christiane Schwarz, Lehrhebamme, hinzu.<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p><strong>III.1 Dissertation von Gudrun Nitsche zu den Folgen von\u00a0 Episiotomien (Dammschnitten) 2005<\/strong><\/p> <p>Zusammenfassung: Die Klinik f\u00fcr Frauenheilkunde und Geburtshilfe Gro\u00dfhadern der\u00a0 Universit\u00e4t M\u00fcnchen \u00e4nderte nach Abschluss einer Studie von Gudrun Nitsche\u00a0 (Nitsche 2005) ihre Indikation (Erl\u00e4uterung siehe Kapitel V) f\u00fcr Dammschnitte. Eine\u00a0 Dissertation als randomisierte Studie konzipiert (gilt als die hochwertigste\u00a0 Studienanordnung im Wissenschafts-betrieb) erbrachte eindeutige Ergebnisse\u00a0 zugunsten der Absenkung der Dammschnittrate (um 36 % !) wenn eine \u201erestriktive\u00a0 Indikation\u201c, angewandt wurde, d.h. ein Dammschnitt nur dann erfolgte, wenn die\u00a0 Situation des Kindes ihn erforderlich machte.<br \/> Zurzeit der Studie 2003-2004 lag die Dammschnittrate bei Erstgeb\u00e4renden an der\u00a0 Klinik Gro\u00dfhadern bei \u201efast 90 %\u201c. Zum Vergleich: Zur selben Zeit lag die Rate\u00a0 bei allen Geburten in Deutschland bei 60 %. 2005, nach Auswertung der Studie,\u00a0 gelang es in Gro\u00dfhadern, die Rate bei allen Geb\u00e4renden auf 20 % und in den Jahren\u00a0 danach sogar auf unter 10 % abzusenken. Das ergab die Nachfrage im dortigen\u00a0 Krei\u00dfsaal im Dezember 2017.<\/p> <p>Zur Dissertation von Gudrun Nitsche 2005:<br \/> Im Zeitraum von 18 Monaten (2003-2004) wurden 146 Frauen gebeten, freiwillig an\u00a0 einer Studie teilzunehmen. Untersucht werden sollte, wie Dammschnitte sich auf\u00a0 Kontinenz (urodynamische Parameter) und auf die Wiederaufnahme sexueller\u00a0 Aktivit\u00e4ten mit evtl. auftretenden Beeintr\u00e4chtigungen wie Schmerzen (Dyspareunie)\u00a0 auswirken.<br \/> Zu der Studie kam es aufgrund mehrerer Faktoren, welche die Autorin in ihrer\u00a0 Einleitung erw\u00e4hnt, u. a.:<\/p> <p>1) Kritik und Beschwerden von W\u00f6chnerinnen nach einem Dammschnitt.<br \/> Dazu schreibt die Autorin: \u201eW\u00e4hrend die Episiotomie aus kindlicher Indikation\u00a0 oft ihre Berechtigung hat \u2026, ger\u00e4t die m\u00fctterliche Indikation immer h\u00e4ufiger\u00a0 unter Kritik. Ein Grund daf\u00fcr sind die von W\u00f6chnerinnen mit Episiotomie\u00a0 ge\u00e4u\u00dferten Beschwerden im Dammbereich nach der Entbindung &#8230; Dabei kann\u00a0 der Nutzen eines routinem\u00e4\u00dfigen Einsatzes der Episiotomie, hinsichtlich der<br \/> Vermeidung von Dammrissen III. Grades, Wundheilungsst\u00f6rungen, Schmerzen\u00a0 und Deszensus [Senkung], sowie der Erhalt der langfristigen\u00a0 Beckenbodenfunktion bislang in keiner Studie hinreichend bewiesen werden\u00a0 &#8230;\u201c S. 9.<\/p> <p>2) Die Handlungsorientierung der GeburtshelferInnen im Krei\u00dfsaal f\u00fchre ohne\u00a0 hinreichende Begr\u00fcndung zu h\u00e4ufigen Dammschnitten: \u201e\u2018Der entscheidende\u00a0 Faktor\u2018, der die H\u00e4ufigkeit der Episiotomie beeinflusst, ist die Einstellung und\u00a0 Intention des Geburtshelfers. Sie wird gebildet von ihrer pers\u00f6nlichen Meinung \u00fcber Vor- und Nachteile der Episiotomie, von der Erwartungshaltung ihrer\u00a0 Geb\u00e4renden und der Technik und Intensit\u00e4t, mit der versucht wird, \u201aden Damm\u00a0 zu halten\u2018\u201c, S. 10.<\/p> <p>3) Es fehle an einschl\u00e4gigen Studien, um prophylaktische oder routinem\u00e4\u00dfige\u00a0 Dammschnitte zu rechtfertigen: Die Autorin erl\u00e4utert: \u201eeine umfassende\u00a0 Literatur\u00fcbersicht der gesamten englischsprachigen Literatur seit 1860 (habe)\u00a0 keine wissenschaftlichen Beweise f\u00fcr die angeblichen Vorteile von\u00a0 routinem\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrten Episiotomien erbracht\u2026 Die aktuelle Diskussion<br \/> \u2013 welche sich in der Literatur der letzten Jahre widerspiegelt \u2013 zeigt jedoch,\u00a0 dass die Vorz\u00fcge der Episiotomie mindestens zum Teil fraglich oder nicht\u00a0 hinreichend bewiesen sind und zum Teil als widerlegt gelten k\u00f6nnen.\u201c S. 8.<\/p> <p>Als Ziel f\u00fcr die Studie formuliert die Autorin, dass das Handeln der\u00a0 GeburtshelferInnen bei der Durchf\u00fchrung von Dammschnitten (restriktiv oder liberal)\u00a0 k\u00fcnftig evidenz-basiert erfolgen solle. Dazu wurden die Geburtshelfer w\u00e4hrend der\u00a0 Geburt genau instruiert, unter welchen Bedingungen sie schneiden d\u00fcrfen und wann\u00a0 nicht. Es erfolgten mehrere Monate nach der Geburt Nachuntersuchungen bei den\u00a0 Probandinnen, um die Funktionen des Beckenbodens zur Kontinenz zu messen. Bei\u00a0 der zeitgleich durchgef\u00fchrten Befragung konnten Beschwerden,\u00a0 Schmerzempfindungen sowie sexuelle Beeintr\u00e4chtigungen in Skalen eingeordnet werden.<br \/> Zum Ablauf der Studie:<br \/> Die Frauen wurden im Losverfahren den Gruppen A und B zugeordnet. Gruppe A (76 Frauen): Bei diesen Frauen wurde ein Dammschnitt durchgef\u00fchrt, wenn eine am Befinden des Kindes orientierte Indikation vorlag = \u201erestriktive Indikation\u201c.<\/p> <p>Gruppe B (70 Frauen): Diese Frauen erhielten nach Einsch\u00e4tzung des Personals einen Dammschnitt, wenn eine kindliche und\/oder m\u00fctterliche Indikation vorlag: \u201eliberale Indikation\u201c.<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <table style=\"width: 912px;\"> <tbody> <tr> <td style=\"width: 472.867px;\"><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">Die Anweisungen f\u00fcr Frauen der Gruppe A lauteten:<\/span><\/strong><\/p> <p><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">Epi-Studie<\/span><\/strong><br \/> <strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"> restriktive Indikation<\/span><\/strong><br \/> <strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"> Epi nur bei kindlicher Indikation &gt; selten schneiden<\/span><\/strong><\/p> <p><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">das hei\u00dft: rei\u00dfen lassen, bei drohender Dammruptur<\/span><\/strong><\/td> <td style=\"width: 442.133px;\"><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">Die Anweisungen f\u00fcr Frauen der Gruppe B lauteten:<\/span><\/strong><\/p> <p><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">Epi-Studie<\/span><\/strong><br \/> <strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"> liberale Indikation<\/span><\/strong><br \/> <strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"> Epi bei kindlicher und m\u00fctterlicher Indikation<\/span><\/strong><\/p> <p><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">das hei\u00dft: schneiden, bevor der Damm rei\u00dft<\/span><\/strong><\/td> <\/tr> <\/tbody> <\/table> <p>&nbsp;<\/p> <p><strong>Einige Ergebnisse:<\/strong><br \/> \u201eDer restriktive Einsatz der Episiotomie f\u00fcr fetale Indikation f\u00fchrte zu einer Reduzierung der Episiotomierate um 36 % [Differenz zwischen 77% in der liberalen Gruppe und 41% in der restriktiven Gruppe]\u2026 Im Gruppenvergleich der perinealen Traumen [den Damm betreffend] ergaben sich hoch signifikante Unterschiede. Die Reduktion der Episiotomierate in der restriktiven Gruppe war gefolgt von einer fast dreifach h\u00f6heren Rate an minimal perinealen Traumen (Perineum intakt oder Dammriss 1. Grades) verglichen mit der liberalen Gruppe. Weiter ging eine Reduktion der Episiotomierate in der restriktiven Gruppe auch mit einem dreifachen Anstieg der Rate an intakten D\u00e4mmen (29 % versus 10 %) einher\u2026 Hinsichtlich der Schmerzmedikation erwies sich die restriktive Indikation als deutlich komplikationsloser\u201c, S. 29.<br \/> \u201eKeine Studie ausreichender Qualit\u00e4t konnte bislang belegen, dass die Episiotomie das Risiko f\u00fcr einen h\u00f6hergradigen Dammriss (DR III\/IV) reduziert\u201c, Tabelle S. 62.<br \/> \u201eEs mehren sich die Hinweise, dass die Episiotomie keinen prophylaktischen Wert aufweist, m\u00f6glicherweise einer Inkontinenz und Senkung sogar Vorschub leistet\u201c, S. 19.<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p><strong>Was folgt aus der Dissertation?<br \/> <\/strong><br \/> Die gro\u00dfe \u00dcberraschung der M\u00fcnchner Studie besteht darin, dass bei der restriktiven Anweisung \u201erei\u00dfen lassen bei drohender Dammruptur\u201c bei Gruppe A im Ergebnis dreimal mehr Frauen unverletzt blieben. Der Anteil der Frauen, die keinen Dammschnitt erlitten, war um 36 % gesunken. Die Schmerzmedikation war \u201edeutlich komplikationsloser\u201c. Das Argument der Prophylaxe wurde dadurch entkr\u00e4ftet, dass die H\u00e4ufigkeit gr\u00f6\u00dferer Dammrisse in Gruppe A gegen\u00fcber der Gruppe B gleich hoch war.<br \/> Die Anweisung: \u201eNicht schneiden\u2026Rei\u00dfen lassen bei drohender Dammruptur\u201c(Gruppe A) beinhaltet \u00e4u\u00dferste Zur\u00fcckhaltung. Damit geben die Geburtshelfer die Kontrolle \u00fcber den Geburtsprozess weitgehend aus der Hand. Es wirkt paradox, dass durch Unterlassen des Schneidens bedeutend mehr Frauen unverletzt blieben, d.h., auch keinen Dammriss erlitten, wie erwartet worden war.<br \/> Schneiden erm\u00f6glicht dem Personal im Krei\u00dfsaal, etwas tun zu k\u00f6nnen. Eine Geburt geschehen zu lassen, erfordert eine Haltung des Respekts vor der ihr innewohnenden Urkraft. Die Geburt nicht kontrollieren zu wollen und stattdessen dem naturgem\u00e4\u00dfen Geburtsgeschehen zu vertrauen, erfordert eine ver\u00e4nderte Haltung dem Geburtsgeschehen insgesamt gegen\u00fcber.<br \/> Sind \u00dcberwachung und Kontrollen, Machen-wollen und Tun-m\u00fcssen die einzigen Handlungsm\u00f6glichkeiten, die dem Personal im Krei\u00dfsaal zur Verf\u00fcgung stehen?<br \/> Anders ausgedr\u00fcckt: Was ist die Aufgabe des Personals, wenn es nicht \u00fcberwacht, kontrolliert, medikament\u00f6s oder operativ interveniert?<br \/> Die M\u00fcnchner Studie zeigt sehr \u00fcberzeugende andere Handlungsm\u00f6glichkeiten auf.<br \/> Die konnten allerdings erst sichtbar werden durch Verzicht auf verbreitete Handlungsnormen und -routinen.<br \/> F\u00fcr geb\u00e4rende Frauen ist ein Dammschnitt leichter zu akzeptieren und zu verarbeiten, wenn sie die Gr\u00fcnde daf\u00fcr nachvollziehen k\u00f6nnen, sie informiert wurden und zugestimmt haben. Sonst tr\u00e4gt der Eingriff Z\u00fcge von Willk\u00fcr unter Missachtung von Patientenrechten. Zeitdruck, Personalmangel, Missachtung des ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rten Willens hinterlassen Gef\u00fchle von Dem\u00fctigung, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein. Das verletzt die W\u00fcrde der Frauen.<br \/> Bei der Dissertation von Gudrun Nitsche ist nicht untersucht worden, in welcher Geburtshaltung die Frauen ihre Kinder geboren haben. Dieser Faktor ist aber von gro\u00dfer Bedeutung. Darum ziehen wir zur Bewertung unserer Online-Befragung nachfolgend noch zwei weitere Quellen hinzu, die GKV-Pilotstudie von 2011 und ein Interview von Dr. Christiane Schwarz (Schwarz 2015).<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p><strong>III.2 Pilotstudie des Gesamtverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) 2011, Geb\u00e4rhaltungen &#8211; Dammschnitte<\/strong><\/p> <p>Diese Erhebung wurde erstellt vom Gesamtverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Zusammenarbeit mit dem Verein \u201eQualit\u00e4tssicherung au\u00dferklinischer Geburtshilfe e.V.\u201c (QUAG), dem Deutschen Hebammenverband (DHV) und dem Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD). Verglichen wurden erstmals in Deutschland klinische mit au\u00dferklinischen Geburten. Dabei wurden insgesamt ca. 90 000 Geburten von ausschlie\u00dflich gesunden M\u00fcttern und Einzelkindern in Sch\u00e4dellage betrachtet. Davon fanden ca. 30 000 Geburten in von Hebammen<br \/> geleiteten Einrichtungen (HgE) bundesweit statt und ca. 60 000 Geburten in Kliniken Hessens (GKV-Pilotstudie 2011).<br \/> Zwei Parameter, die uns im Zusammenhang mit der Online-Befragung interessieren, zeigen signifikante Unterschiede zwischen Kliniken und von Hebammen geleiteten Einrichtungen (HgE), n\u00e4mlich die Dammverletzungen und die Geb\u00e4rpositionen.<\/p> <p><em>H\u00e4ufigkeit von Dammverletzungen<\/em><br \/> Kliniken 70,2 %<br \/> Hebammen geleitete Einrichtungen (HgE) 58,8 %<\/p> <p>\u201eEine Geburt mit intaktem Damm konnte signifikant h\u00e4ufiger in der HgE erreicht werden, h\u00f6hergradige Dammrisse waren in beiden Settings gleich selten\u201c, S. 25.<\/p> <p>Die gr\u00f6\u00dften Unterschiede wurden in Bezug auf Geb\u00e4rpositionen gefunden.<\/p> <p>Geb\u00e4rposition Hebammen-Einrichtung (HgE) Klinik<br \/> Horizontal 23,7 % 86,1 %<br \/> Vertikal 36,0 % 4,7 %<br \/> Wassergeburt 22,1 % 4,5 %<br \/> Anderes 18,2 % 4,7 %<\/p> <p>Das k\u00f6nnte darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, dass die in den 1970-1980er Jahren weltweit erhobenen ethno-medizinischen Studien(1) bei freiberuflich geburtshilflich t\u00e4tigen Hebammen zu Umdenken und entsprechend ver\u00e4nderten Angeboten f\u00fcr schwangere Frauen f\u00fchrten. W\u00e4hrenddessen stagnierte offensichtlich die diesbez\u00fcgliche Weiterentwicklung an Kliniken zugunsten von Technik\u00fcberwachung und Personaleinsparungen.<br \/> Die Lehrmeinung in den Hebammenwissenschaften zum Thema Geb\u00e4rhaltung und Dammschnitt entnehmen wir den folgenden Ausf\u00fchrungen der Lehrhebamme und Dozentin Dr. Christiane Schwarz im Rahmen eines Interviews 2015 (Schwarz 2015).<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p><strong>III.3 Ausschnitte aus Interview mit Lehrhebamme und Dozentin<br \/> <\/strong><br \/> Dr. Christiane Schwarz zu Geb\u00e4rhaltungen und Dammschnitten 2015<\/p> <p>Interview mit der Dozentin f\u00fcr eine Gesundheitszeitung (Schwarz 2015): \u201eDrei von vier Frauen bringen ihr Kind in R\u00fcckenlage zur Welt. \u201aDas ist alles andere als ideal\u2018, findet die Hebamme und Hebammen-Lehrerin Christiane Schwarz aus Hannover. Sie erkl\u00e4rt, welche Geburtshaltungen f\u00fcr Mutter und Kind besser sind.<br \/> Frauen haben vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten, die Geburt ihres Babys zu gestalten: Sie k\u00f6nnen w\u00e4hlen, ob ihr Kind im Geburtshaus, zu Hause oder in der Klinik zur Welt kommt. Auch w\u00e4hrend der Entbindung sollten sie mitentscheiden k\u00f6nnen, welche Geb\u00e4rposition f\u00fcr sie am angenehmsten ist &#8211; sei es Stehen, Hocken oder Liegen. Die R\u00fcckenlage hat erhebliche Nachteile: \u201aIn dieser Position kann sich das Becken nicht bewegen, und der Geburtskanal ist enger. Deshalb hat die Frau mehr Schmerzen, und die Geburt dauert im Vergleich auch l\u00e4nger,\u2026\u2018<br \/> \u201aJede Schwangere muss selbst sp\u00fcren und mit der fachkundigen Unterst\u00fctzung der Hebamme herausfinden, was ihr gut tut\u2026 Alles was statisch und unver\u00e4nderbar ist, ist schlecht bei einer Geburt. Variabilit\u00e4t ist das Ma\u00df aller Dinge\u2018.<br \/> <strong>Vertikale Geb\u00e4rpositionen sind besser als horizontale<\/strong> \u2026Au\u00dferdem werde bei aufrechter Haltung die Geb\u00e4rmutter st\u00e4rker durchblutet, so dass die Sauerstoffversorgung des Kindes besser sei und die Risiken geringer w\u00fcrden. Au\u00dferdem seien seltener Dammschnitte n\u00f6tig, weil das Baby nicht pl\u00f6tzlich &#8222;befreit&#8220; werden m\u00fcsse.<br \/> <strong>Vierf\u00fc\u00dflerstand:<\/strong> \u201aDiese Haltung garantiert zum einen gute Bewegungsm\u00f6glichkeiten und zum anderen k\u00f6nnen R\u00fcckenschmerzen so gemildert werden. Au\u00dferdem wird der Damm entlastet, so dass es seltener zu Rissen kommt\u2018.<br \/> <strong>Wassergeburt:<\/strong> \u201aIn einer Geburtswanne zu entbinden hat eigentlich keine Nachteile, nur Vorteile. Deshalb ist es mein Favorit unter den Geb\u00e4rhaltungen. Die Frauen sind im Wasser v\u00f6llig frei in ihrer Beweglichkeit und empfinden die Geburt im nassen Element meist als weniger anstrengend. Au\u00dferdem wirkt das angenehm warme Wasser schmerzlindernd und hilft Dammrisse zu vermeiden\u2018.<br \/> <strong>Geb\u00e4ren auf K\u00fcchenarbeitsh\u00f6he<\/strong><br \/> Da ca. 86 % der Frauen in Kliniken in liegender Position geb\u00e4ren und 60 % eine PDA gelegt bekommen, seien die meisten schwangeren Frauen zu Passivit\u00e4t verurteilt.<br \/> \u201aF\u00fcr einen m\u00f6glichst reibungslosen Ablauf des Klinikbetriebes ist es praktischer, die Schwangeren in &#8218;K\u00fcchenarbeitsh\u00f6he&#8216; &#8211; \u00e4hnlich wie im OP &#8211; vor sich zu haben. Das ist bequem f\u00fcr die beteiligten Helfer, denn so ist es leichter, mehrere Geburten gleichzeitig zu betreuen\u2018, merkt Schwarz kritisch an. \u201aGeburtshelfer k\u00f6nnen bei liegenden Frauen beispielsweise besser einen Dammschnitt durchf\u00fchren\u2018.\u201c<\/p> <p><span style=\"font-size: 10pt;\">(1) Schiefenh\u00f6vel, W. 1995: \u201eAm auff\u00e4lligsten und f\u00fcr die Mehrheit der Fachleute wohl auch am <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">akzeptabelsten geschieht die Informations\u00fcbermittlung seitens der Ethnomedizin f\u00fcr den Bereich der <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">Geburtsmechanik, vor allem der vertikalen Geb\u00e4rhaltung. Bisweilen werden Zweifel ge\u00e4u\u00dfert, ob <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">Stehen, Knien, Sitzen und Hocken wirklich so verbreitete K\u00f6rperhaltungen bei Geb\u00e4renden sind. Es ist <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">jedoch unbestreitbar, da\u00df in den Ethnien, von denen man verl\u00e4\u00dfliche Zeugnisse hat, aufrechte <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">Geb\u00e4rpositionen bevorzugt werden; so haben die sorgf\u00e4ltigen Studien von F.R. und F. Narrol \u2026 und J.E. <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">Roberts (1980) ergeben, dass vertikale Geb\u00e4rhaltungen in den verschiedensten Kulturen \u00fcberwiegen. <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">Auch die in diesem Band zusammengefa\u00dften ethnographischen oder ethnomedizinischen Berichte <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">(die keiner diesbez\u00fcglichen Vorauswahl unterworfen waren!) zeigen dasselbe Resultat\u2026\u201c.<\/span><\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p>weiterlesen:<br \/> <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/online-befragung-dammschnitt-zusammenfassung-forderungen-10264935\/\">Online-Befragung: Dammschnitt &#8211; Zusammenfassung &#8211; Forderungen<\/a><br \/> <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/online-befragung-dammschnitt-bagatelle-oder-koerperverletzung-erlaeuterungen-10264936\/\">Online-Befragung: Dammschnitt &#8211; Bagatelle oder K\u00f6rperverletzung: Erl\u00e4uterungen<\/a><\/p> <p>zum Anfang der Online-Befragung:<br \/> <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/online-befragung-dammschnitt-bagatelle-oder-koerperverletzung-10264914\/\">Online-Befragung: Dammschnitt &#8211; Bagatelle oder K\u00f6rperverletzung<\/a><br \/> <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/erhaltene-antworten-bei-der-online-befragung-dammschnitt-bagatelle-oder-koerperverletzung-10264916\/\">Erhaltene Antworten bei der Online-Befragung Dammschnitt &#8211; Bagatelle oder K\u00f6rperverletzung<\/a><\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p>Irene Behrmann (1. Vorsitzende), Anna Gro\u00df-Alpers (2. Vorsitzende)<\/p> <p>Gesch\u00e4ftsstelle<br \/> Altenceller Weg 58, 29331 Lachendorf<br \/> Telefon 05145-284289<br \/> E-Mail: <span id=\"cloak6a461c2df6a6514823661fcffe0a1b05\">info@greenbirth.de<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Befragung wurde 1702-mal aufgerufen. Es geh\u00f6rt \u00dcberwindung dazu, auch den\u00a0 Schritt zur Beteiligung zu gehen. Solange die einzelne betroffene Frau das Gef\u00fchl hat,\u00a0 dass bagatellisiert wird, was sie erlebt hat, f\u00fchlt sie sich nicht ernst genommen.\u00a0 Dadurch nimmt das pers\u00f6nliche Leiden vielleicht sogar noch zu. 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