{"id":265386,"date":"2018-07-30T10:46:55","date_gmt":"2018-07-30T09:46:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=265386"},"modified":"2025-12-05T13:02:20","modified_gmt":"2025-12-05T12:02:20","slug":"zukunftsfaehigkeit-genossenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/zukunftsfaehigkeit-genossenschaft-10265386\/","title":{"rendered":"Zukunftsf\u00e4higkeit Genossenschaft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/zukunftsfaehigkeit-genossenschaft-10265386\/attachment\/347982\/#main\" rel=\"attachment wp-att-265387\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-265387 size-full\" title=\" MMW Bundesverband Cooperationswirtschaft e.V.\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/347982.jpg\" alt=\"Logo des MMW\" width=\"86\" height=\"98\" \/><\/a>Mittelstand braucht Genossenschaften<br \/> Nur 0,2 Prozent des Mittelstands sind Genossenschaften das sollte sich \u00e4ndern.<\/p> <p>Wer heute in Deutschland nach einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen sucht, das vielleicht sogar noch intensiv Forschung und Entwicklung im Unternehmenskonzept vorsieht, wird schnell feststellen, dass so etwas in der Rechtsform einer Genossenschaft nicht vorkommt. Eine wirklich ern\u00fcchternde Bilanz, die der MMW\/CoopGo Bundesverband der Cooperationswirtschaft in einem Fach-Hearing Mittelstand sucht Genossenschaften zur Kenntnis nehmen musste. Wir haben das Problem erahnt, jedoch in dieser Klarheit und Schl\u00fcssigkeit nicht erwartet so das Res\u00fcmee des MMW Vorstandes Gerd K. Schaumann.<\/p> <p><!--more-->Das Raiffeisenjahr 2018 war bisher eher ein Jahr des Feierns und des Selbstlobs. Das hat durchaus seine Berechtigung, h\u00e4lt aber einem kritischen Blick &#8211; vor allem in Richtung Potenzialentfaltung &#8211; nicht Stand. Nichts gegen Feiern, so der Ausblick zahlreicher Referenten zum Hearing, aber wir w\u00fcrden uns w\u00fcnschen, wenn man sich jetzt mehr auf die Zukunftsf\u00e4higkeit des Genossenschafts-Sektors orientiert. Und dort zeigten die teilnehmenden Mittelstandsforscher erhebliche Defizite auf.<\/p> <p>Insbesondere zu den Themenbereichen: Gr\u00fcndung Konsolidierung Finanzierung &#8211; Forschung und Entwicklung Innovationen Politikpr\u00e4senz Attraktivit\u00e4t Unternehmensf\u00fchrung und Vorbildeigenschaften stellten alle Referenten \u00fcbereinstimmend fest, dass bisher weder die St\u00e4rken noch die Schw\u00e4chen einer kooperativen Rechtsform in Gesellschaft und Politik wirklich erforscht bzw. bekannt sind. Sie kritisierten vor allem, dass man vor allem seitens der Verb\u00e4nde sich fast ausschlie\u00dflich auf das (rechtliche) Zustandekommen von Genossenschaft konzentriere. Was die Menschen jedoch ben\u00f6tigen, seien schl\u00fcssige und belastbar Aussagen, worin die Vorteile einer Genossenschaft liegen, welches ihre besonderen Erfolgs-Potenziale sind und mit welchen speziellen Konzeptionen und Methoden die latent bestehenden WirKraft-Vorteile in Wirkung zu bringen sind.<\/p> <p>Eine Auswertung von Ver\u00f6ffentlichungen der unterschiedlichen Verb\u00e4nde im Genossenschafts-Sektor zeige, dass man sich zwar sehr intensiv mit der Unternehmens-Struktur befasse, jedoch wenig dazu beitr\u00e4gt, darzulegen, worin die Vorteile eines kooperativ wirkenden Unternehmens liegen &#8211; im Gegensatz zu einem Unternehmen mit eher konkurrierend ausgerichteter Sichtweise nach innen und nach au\u00dfen.<\/p> <p>Kurzum, die latenten unternehmerischen Erfolgsfaktoren, wie z.B. die F\u00f6rderung von Selbstverantwortung, Selbstbewusstsein oder Selbstorganisation werden kaum thematisiert. Es wurden Zweifel ge\u00e4u\u00dfert, ob eine Dominanz der Struktur-Verliebtheit wirklich dazu beitragen kann, dass sowohl der Startup-Bereich, wie auch bestehende Unternehmen anzusprechen sind, sich ernsthaft mit einer Alternativ-L\u00f6sung Genossenschaft versus GmbH oder AG auseinanderzusetzen.<\/p> <p>Die Zahlen im Genossenschaftsbereich sind eigentlich ern\u00fcchternd genug:<\/p> <p>2017 kamen gerade einmal (netto) 3 (!) Genossenschaften hinzu.<\/p> <p>Der Anteil an Genossenschaften am gesamten Mittelstandsbereich betr\u00e4gt bescheidene 0,2% (!). Geht man davon aus, dass von den ca. 8.000 bestehenden Genossenschaften etwa 50 % den Bereichen Banken, Wohnungsbau, Landwirtschaft, etc. zuzurechnen sind, repr\u00e4sentieren etwa 4.000 Genossenschaften diesen Anteil von 0,2 % Genossenschaften.<\/p> <p>Es wurde eingehend diskutiert, welches das angemessene Potenzial sei, mit dem Genossenschaften im Mittelstand vertreten sein sollten.<\/p> <p>Ausgehend davon, dass Genossenschaften wohl die einzige Rechtsform mit kooperativer Ausrichtung sind, einigte man sich auf 3 Zielgr\u00f6\u00dfen:<\/p> <p>A. Kurzfristig sollte ein %-Satz von 1% angestrebt werden. Das entspricht einem Faktor 5 und w\u00fcrde bedeuten, dass es ca. 20.000 Genossenschaften geben m\u00fcsste (4.000 x 5)<\/p> <p>B. Mittelfristig sollte ein %-Satz von 5% angestrebt werden. Das entspr\u00e4che ca. 100.000 Genossenschaften.<\/p> <p>C. L\u00e4ngerfristig das entspr\u00e4che etwa einem Zeitraum bis 2025 sollte der Anteil an Genossenschaften bei 10% liegen. Damit w\u00fcrde sich die Anzahl der Genossenschaften auf tendenziell 200.000 Unternehmen zubewegen.<\/p> <p>Bei diesen Zahlen wird deutlich, wie weit der Genossenschafts-Sektor bereits ins Hintertreffen geraten ist, bzw. vor welchen Herausforderungen Politik und Verb\u00e4nde wirklich stehen.<\/p> <p>Eingedenk solcher ern\u00fcchternden &#8211; Zahlen wird auch verst\u00e4ndlich, weshalb man Genossenschaften bisher kaum wirklich als Erfolgs-Story feiern kann, zumindest nicht, um sie als eine feste Gr\u00f6\u00dfe im Mittelstandsbereich zu etablieren.<\/p> <p>Die Mittelstandsforscher begr\u00fc\u00dften die Initiative von MMW ausdr\u00fccklich, endlich an Hochschulen und Universit\u00e4ten Studienf\u00e4cher bzw. Fachbereiche f\u00fcr Kooperationswissenschaften bzw. Kooperationswirtschaft einzurichten, weil nur so gew\u00e4hrleistet werden kann, dass ein Umdenken in Richtung mehr Kooperation statt Konkurrenz erfolgen kann und auch das f\u00fcr Kooperationsunternehmen notwendige Management ausgebildet wird. Die Wissenschaftler prognostizierten staatlichen und privaten Hochschulen eine gute Perspektive, vor allem um sich mittels eines neuen und attraktiven (Kooperations-) Profils aus einem immer st\u00e4rker werden Verdr\u00e4ngungswettbewerb zu l\u00f6sen.<\/p> <p>Der gesamte Genossenschafts-Sektor so die Experten ist bisher wenig darauf ausgerichtet, den Mittelstandsbereich kooperativ mitzugestalten. Als Beispiel diente die Frage der Finanzierung von innovativen Unternehmensprojekten.<\/p> <p>Man war sich einig, dass Genossenschaften besondere Probleme haben bei der Kapitalbeschaffung, sowohl beim Eigen- wie auch beim Fremdkapital.<\/p> <p>Es d\u00fcrfte nicht ausreichen, pauschal einfach alle Bem\u00fchungen, einen Eigenkapitalaufbau zu schaffen, recht oberfl\u00e4chlich als Kapitalanlagegenossenschaften zu bezeichnen und diese pauschal zu stigmatisieren. Es gibt sicherlich auch Problemf\u00e4lle, meist verursacht von einem Management, das eigentlich \u00fcber keine nachvollziehbare und erfolgsbezogene Konzeptionen und oftmals auch \u00fcber zu wenig Managementkompetenz verf\u00fcgt, solche Projekte mittels eines Kooperations-Unternehmens erfolgreich umzusetzen.<\/p> <p>Wer jedoch eingedenk solcher M\u00f6chtegern-Spielarten meint, sich mit dem Grundproblem Kapitalaufbau und Qualifikation nicht mehr befassen zu m\u00fcssen, hat entweder keine F\u00e4higkeit oder Bereitschaft zur wirklichen Probleml\u00f6sung oder es ist ihm einfach gleichg\u00fcltig, ob und wie es gelingen kann bzw. muss, den Genossenschafts-Sektor im Mittelstand wirklich zu platzieren, zumindest zun\u00e4chst &#8211; mit einem relativ bescheidenen Anteil von 1% bis 10%.<\/p> <p>Erstaunt zeigte sich auch einige der Teilnehmer \u00fcber eine recht problematische Tendenz der Presse, beim pauschalen Ruf nach mehr Reglementierung durch Staat und Verb\u00e4nde. Eher seien jetzt konstruktive L\u00f6sungen seitens Regierung und Parteien gefordert, endlich der Besonderheit des Sektors entsprechend Voraussetzungen zu schaffen, um Genossenschafts-Projekte finanzierbar zu machen.<\/p> <p>Verbraucherschutz ist gut f\u00fcr Verbraucher, aber Teilhaber an Genossenschaften sind nun einmal keine Verbraucher. Und eine Genossenschaft, die Beteiligungschancen f\u00fcr viele Menschen er\u00f6ffnet, ist deshalb nicht automatisch ein Unternehmen, das irgendwelche Anlagen f\u00fcr Kapital oder Verm\u00f6gen anbietet.<\/p> <p>Wie w\u00e4re es zumindest zus\u00e4tzlich die Perspektive zu er\u00f6ffnen, dass mehr Genossenschaften im Mittelstand auch etwas mit einer ver\u00e4nderten Sicht zur Verm\u00f6gensverteilung zu tun haben k\u00f6nnten und solche Unternehmen Voraussetzungen schaffen k\u00f6nnen, damit mehr Menschen eine Unternehmens- Teilhabe er\u00f6ffnet w\u00fcrde, um Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung sind Unternehmen nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen, in denen die betroffenen Menschen Mitgestaltungsrechte haben.<\/p> <p>Was aus Sicht der Menschen jedoch offensichtlich fehlt, ist der ganz normale Umgang sich dem Thema Teilhabe an Genossenschaften interessiert und informiert zu n\u00e4hern. Hier scheint es an Aufkl\u00e4rung zu fehlen, jedoch nicht aus Sicht von Verbrauchern, sondern von Teilhabern. Warum nicht analog &#8211; dem bew\u00e4hrten Prinzip der Selbstorganisation im Arbeitssektor folgend im Genossenschaftssektor ebenfalls mehr Selbstorganisation zu erm\u00f6glichen?<\/p> <p>Wer wie in den letzten Jahren geschehen den Verbraucherschutz massiv mit \u00f6ffentlichen Mitteln st\u00e4rkte, sollte kreativ genug sein, \u00e4hnlich auch eine Art Teilhaber-Schutz f\u00fcr den Genossenschaftssektor zu schaffen. So wie die Mitwirkungsrechte von Gewerkschaften den Unternehmen im Konkurrenzsektor eher gen\u00fctzt als geschadet haben, w\u00e4re auch zu pr\u00fcfen, ob im Selbstorganisations-Sektor Genossenschaften eine Vereinigung f\u00fcr Teilhaber aufzubauen und deren Arbeit zumindest in der Anfangsphase &#8211; staatlich zu bef\u00f6rdern.<\/p> <p>Statt mehr staatliche Reglementierung und mehr verbandliche B\u00fcrokratisierung, die beide eigentlich nichts bzw. wenig Konstruktives zur Entwicklung des Genossenschaftssektors beitragen k\u00f6nnen und nur Mehrkosten verursachen, w\u00e4ren folgende Wege eher zielf\u00fchrend:<\/p> <p>A. Der staatliche Sektor entwickelt auch f\u00fcr Genossenschaften &#8211; stimmige F\u00f6rderprogramme zur Finanzierung von Startups, Forschung und Entwicklung, sowie allgemeine Unternehmensentwicklungen.<\/p> <p>B. Die Verb\u00e4nde im Genossenschaftssektor gehen \u00fcber das Senden von Strukturinformation zu Genossenschaften hinaus und bieten \u00fcberzeugende und spezielle Werkzeuge und Instrumente an, mit denen die WirKraft-Vorteile erkennbar und erfolgreich umsetzbar sind.<\/p> <p>C. Es kommt zu einer Genossenschafts- und Kooperations-Allianz von Regierung, Parteien und Verb\u00e4nden, deren Aufgabe es sein sollte, den gesamten Genossenschafts-Sektor zu bef\u00e4higen, mindestens kurzfristig einen Anteil von 1% Genossenschaften im Mittelstand zu erreichen, was einer Zielgr\u00f6\u00dfe von etwa 20.000 Genossenschaften entspricht.<\/p> <p>D. Die Selbstorganisationsf\u00e4higkeit des Genossenschafts-Sektors wird systematisch ausgebaut. Das beinhaltet zugleich Aufkl\u00e4rung und Qualifikationen f\u00fcr Teilhaber und potenzielle Teilhaber in Genossenschaften.<\/p> <p>E. Es wird unter parit\u00e4tischer Beteiligung von Politik Verb\u00e4nden Vertretern der Teilhaber eine Institution Genossenschafts-Parlament eingerichtet. Deren vordringliche Aufgabe es sein sollte, unser Land endlich aus dem genossenschaftlichen Dornr\u00f6schen-Schlaf zu befreien und Voraussetzungen zu schaffen, um wieder an die Spitze des europ\u00e4ischen Genossenschaftswesen zu kommen. Dazu wird zun\u00e4chst empfohlen, an eine m\u00f6glichst nichtdeutsche Universit\u00e4t einen Forschungsauftrag zu vergeben, das Genossenschaftswesen auf EU-Ebene vergleichbar zu machen und im Rahmen eines St\u00e4rke-Schw\u00e4che-Vergleichs erste Handlungsempfehlungen f\u00fcr das Genossenschafts-Parlament zu geben.<\/p> <p>Das Fach-Hearing wurde \u00fcbereinstimmend als eine wichtige Positionsbeschreibung des deutschen Genossenschaftssektors gesehen. MMW greift so abschlie\u00dfend der Vorstand die vielen Anregungen des Hearings gern auf und sichert zu, daraus entsprechende politische Initiativen zu entwickeln. Im Rahmen von MMW wird gepr\u00fcft, einen Fachausschuss Genossenschaften und Mittelstand einzurichten, zu dessen Mitwirkung neben Vertretern aus Wissenschaft und Praxis auch Vertreter von Parteien und Verb\u00e4nden nicht nur aus dem Genossenschafts-Sektor &#8211; eingeladen werden.<\/p> <p>Diese Pressemitteilung wurde im Auftrag \u00fcbermittelt. F\u00fcr den Inhalt ist allein das berichtende Unternehmen verantwortlich.<\/p> <p><b>Firmenkontakt<\/b><\/p> <p>MMW Bundesverband Cooperationswirtschaft e.V.<\/p> <p>Gerd K. Schaumann<\/p> <p>Wasserstadt 16-18<\/p> <p>06844 Dessau-Ro\u00dflau<\/p> <p>493402202424<\/p> <p>info@menschen-machen-wirtschaft.de<\/p> <p>http:\/\/<\/p> <p><b>Pressekontakt<\/b><\/p> <p>MMW Bundesverband Cooperationswirtschaft e.V.<\/p> <p>Gerd K. Schaumann<\/p> <p>Wasserstadt 16-18<\/p> <p>06844 Dessau-Ro\u00dflau<\/p> <p>493402202424<\/p> <p>info@menschen-machen-wirtschaft.de<\/p> <p>http:\/\/www.mmw-ev.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittelstand braucht Genossenschaften Nur 0,2 Prozent des Mittelstands sind Genossenschaften das sollte sich \u00e4ndern. Wer heute in Deutschland nach einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen sucht, das vielleicht sogar noch intensiv Forschung und Entwicklung im Unternehmenskonzept vorsieht, wird schnell feststellen, dass so etwas in der Rechtsform einer Genossenschaft nicht vorkommt. 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