{"id":265869,"date":"2019-02-19T11:16:28","date_gmt":"2019-02-19T10:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=265869"},"modified":"2019-02-19T11:16:29","modified_gmt":"2019-02-19T10:16:29","slug":"rohstoffpreise-muessen-die-oekologische-wahrheit-sagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/rohstoffpreise-muessen-die-oekologische-wahrheit-sagen-10265869\/","title":{"rendered":"Rohstoffpreise m\u00fcssen die \u00f6kologische Wahrheit sagen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/rohstoffpreise-muessen-die-oekologische-wahrheit-sagen-10265869\/ressourcen_s-z-_fotolia_100138697_m\/#main\" rel=\"attachment wp-att-265870\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-265870 size-full\" title=\"Raw Materials &amp; Environment 2019\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ressourcen_s.z._fotolia_100138697_m-e1550571303272.jpg\" alt=\"karge Felsen und angrenzende Bewaldung\" width=\"300\" height=\"150\" \/><\/a>Angesichts des global steigenden Rohstoffbedarfs r\u00e4t das Umweltbundesamt (UBA) zu mehr Umweltschutz im Bergbau. \u201eAls Gro\u00dfimporteur hat Deutschland eine Mitverantwortung f\u00fcr die durch Rohstoff-Abbau weltweit verursachten lokalen, regionalen und globalen Umweltsch\u00e4den. Wir sollten mit der EU auf international verbindliche Umweltstandards entlang der Rohstofflieferkette vom Bergwerk bis zur Rohstoffaufbereitung dr\u00e4ngen\u201c, sagte Maria Krautzberger, Pr\u00e4sidentin des UBA. Die neuen Pflichten m\u00fcssten als zweite S\u00e4ule der Rohstoffsicherung neben das Recycling treten. Sonst k\u00f6nne nicht sichergestellt werden, dass Deutschland seinen Rohstoffbedarf k\u00fcnftig aus \u00f6kologisch unbedenklichen Quellen decken kann. <!--more-->Deutschland ist einer der gr\u00f6\u00dften Rohstoff-Importeure der Welt: Bei Aluminium, Blei, Kupfer und Zinn der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Nachfrager und bei Stahl der sechstgr\u00f6\u00dfte (Zahlen f\u00fcr 2017). Prognosen der OECD erwarten, dass sich f\u00fcr Metalle die weltweite Nachfrage bis 2060 g egen\u00fcber 2011 nahezu verdreifachen wird.<\/p> <p>Umweltsch\u00e4den durch unsachgem\u00e4\u00dfen Minenbetrieb haben in den vergangenen Jahren zu betr\u00e4chtlichen Umweltsch\u00e4den gef\u00fchrt. Allein beim Bruch des Fund\u00e3o Damms in Brasilien im Jahr 2015 entstand ein Schaden von mindestens 4,6 Milliarden Euro. 33 Millionen Kubikmeter zum Teil giftiger Bergbauabf\u00e4lle wurden freigesetzt. Die hochbelastete Schlammlawine ergoss sich 17 Tage nach dem Ungl\u00fcck in den 650 Kilometer entfernten Atlantik. \u201eSolche Umweltsch\u00e4den sind vermeidbar, wenn anspruchsvolle Umweltstandards implementiert, kontrolliert und eingehalten werden. Wir m\u00fcssen verhindern, dass unterlassener Umweltschutz zum unkalkulierbaren Kostentreiber f\u00fcr unsere auf Rohstoffe angewiesenen Unternehmen wird. Beim Umweltschutz zu sparen, w\u00e4re volkswirtschaftlich \u00e4u\u00dferst kurzsichtig\u201c, sagte Maria Krautzberger.<\/p> <p>Auch jenseits solcher Ungl\u00fccke und St\u00f6rf\u00e4lle sind die Umweltwirkungen der Rohstoffgewinnung schwerwiegend. Sie reichen vom hohen Energie- und Wasserverbrauch bis hin zur Auswaschung von Schwermetallen oder Radioisotopen in Boden oder Grundwasser.<\/p> <p>Trotz der Erfolge beim Recycling wird der Rohstoffhunger der Welt in den n\u00e4chsten Jahrzehnten \u00fcberwiegend durch den Bergbau gedeckt werden m\u00fcssen. \u201eAuch f\u00fcr die Energiewende sind wir von neu abgebauten Rohstoffe abh\u00e4ngig, da nicht gen\u00fcgend Recycling-Material vorhanden ist. Ein Beispiel ist Lithium f\u00fcr Energiespeicher, das derzeit noch nicht wirtschaftlich aus schon vorhandenen Batterien wiedergewonnen werden kann, sondern das wir aus Bodensch\u00e4tzen vor allem in \u00dcbersee neu gewinnen m\u00fcssen. Strenge Standards m\u00fcssen daher sicherstellen, dass Umweltsch\u00e4den durch den Abbau von Lithium oder auch Kobalt nicht zur Achillesferse der Energiewende werden\u201c, so Krautzberger. Eine aktuelle Studie des UBA geht davon aus, dass der globale Lithiumbedarf f\u00fcr Energie-Speichertechnologien bis 2050 auf das 12-fache der Weltjahresproduktion von 2013 ansteigen k\u00f6nnte.<\/p> <p>Aus Sicht des UBA sind insgesamt drei Ansatzpunkte zu verfolgen:<\/p> <ol> <li>Die EU sollte Umweltaspekte des Bergbaus st\u00e4rker bei der Bewertung der Rohstoffversorgungssituation, der sogenannten Kritikalit\u00e4t von Rohstoffen, ber\u00fccksichtigen. Das so genannte Kritikalit\u00e4tskonzept der EU \u2013 es beschreibt die wirtschaftliche Bedeutung von Rohstoffen und stellt sie geopolitisch-technischen Versorgungsrisiken gegen\u00fcber \u2013 sollte dazu um das Kriterium \u201eUmweltgef\u00e4hrdung durch Bergbau\u201c erweitert werden. Ob ein Material \u201ekritisch\u201c ist, beurteilt sich k\u00fcnftig auch nach dem Umweltgef\u00e4hrdungspotential beim Bergbau und danach, auf welchem Niveau die F\u00f6rderl\u00e4nder den Schutz der Umwelt vor Ort sicherstellen. Nach UBA-Empfehlung m\u00fcssten k\u00fcnftig zum Beispiel Zink und Kupfer als \u00f6kologisch kritisch eingestuft werden.<\/li> <li>Das UBA empfiehlt zudem ein System verbindlicher menschenrechtlicher, \u00f6kologischer und sozialer Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Rohstofflieferkette vom Bergbau bis zum Endprodukt. Dieses System sollte Mechanismen enthalten, die die Umweltkosten des Bergbaus entlang der gesamten Lieferkette einpreisen, damit die Rohstoff- und Produktpreise die \u00f6kologische Wahrheit ausdr\u00fccken. Um sicherzustellen, dass damit tats\u00e4chliche Verbesserungen in den F\u00f6rderl\u00e4ndern bewirkt werden, muss es von Monitoring und Schulung vor Ort begleitet werden.<\/li> <li>Um Forderungen nach h\u00f6heren Umwelt- und Sozialstandards im Bergbau glaubhaft gegen\u00fcber den Rohstofff\u00f6rderl\u00e4ndern im globalen S\u00fcden vertreten zu k\u00f6nnen, empfiehlt das Umweltbundesamt Best-Practice Demonstrationsvorhaben zur inl\u00e4ndischen prim\u00e4ren Rohstoffgewinnung von Metallerzen.<\/li> <\/ol> <p>Links:<br \/> Informationen zur Konferenz finden Sie unter:<br \/> <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/rawmaterialsconference\"  >https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/rawmaterialsconference<\/a><\/p> <p>Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:<br \/> https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/publikationen\/die-nutzung-natuerlicher-ressourcen-bericht-fuer<br \/> https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/umweltfragen-umsoress<br \/> https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/presse\/pressemitteilungen\/oekologische-rohstoffverfuegbarkeit<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts des global steigenden Rohstoffbedarfs r\u00e4t das Umweltbundesamt (UBA) zu mehr Umweltschutz im Bergbau. \u201eAls Gro\u00dfimporteur hat Deutschland eine Mitverantwortung f\u00fcr die durch Rohstoff-Abbau weltweit verursachten lokalen, regionalen und globalen Umweltsch\u00e4den. 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