{"id":266480,"date":"2019-12-13T17:17:50","date_gmt":"2019-12-13T16:17:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=266480"},"modified":"2025-11-14T11:37:26","modified_gmt":"2025-11-14T10:37:26","slug":"neue-hefe-aus-baumsaft-isoliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/neue-hefe-aus-baumsaft-isoliert-10266480\/","title":{"rendered":"Neue Hefe aus Baumsaft isoliert"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-266481\" title=\"Baumst\u00e4mme bieten Mikroorganismen Lebensraum\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/376797-e1576253824394.jpg\" alt=\"en Mann entnimmt eine Probe aus einem Baumstamm\" width=\"221\" height=\"295\" \/>Neue Hefe-Spezies in Braunschweig entdeckt<\/p> <p>Heimische Buchen stellen Lebensraum f\u00fcr vom Klimawandel bedrohte Hefe dar<\/p> <p>Mikrobiologe Dr. Andrey M. Yurkov vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH hat in den Braunschweiger Stadtteilen St\u00f6ckheim und Gartenstadt eine neue Hefe aus Baumsaft isoliert. Im Fr\u00fchjahr 2016 und 2019 erfolgte die Entnahme von Proben aus Baumsaft von durch den j\u00e4hrlichen R\u00fcckschnitt verletzten B\u00e4umen und Str\u00e4uchern, wie beispielsweise Birken, Buchen, Hainbuchen und Hartriegel. Es ist bekannt, dass in dem zuckerreichen Saft der B\u00e4ume viele Mikroorganismen, damit auch Hefepilze leben k\u00f6nnen. <!--more-->Aber die Vielfalt der Hefen, die in Baumsaft vorkommen, ist noch unbekannt. Die von Doktor Yurkov neu entdeckte Hefe tr\u00e4gt den Namen Mrakia fibulata sp. nov. (DSM 103931). &#8222;Spezies der Mrakia-Gattung bevorzugen eher kalte Lebensr\u00e4ume wie Gletscher, Eis und Permafrost, Mrakia fibulata ist die erste dieser Hefen, die bei einer Temperatur von mehr als 20 Grad Celsius w\u00e4chst&#8220;, stellt der renommierte Pilzspezialist fest.<\/p> <p>Klimawandel bedroht auch Mikroorganismen<\/p> <p>Die Mehrheit der in Baumsaft vorkommenden Hefen ist prim\u00e4r aus kalten Lebensr\u00e4umen bekannt. So wurden beispielsweise Hefen der Gattung Mrakia fr\u00fcher aus polaren (Arktis und Antarktis) und nichtpolaren Gletschern (in hohen Gebirgen) isoliert. Diese Habitate sind stark von der globalen anthropogenen Klimaerw\u00e4rmung bedroht. Der Calderone-Gletscher beispielsweise liegt in den Abruzzen und ist einer der s\u00fcdlichsten Gletscher Europas. Zwei Hefe-Kulturen aus diesem Gletscher wurden ebenfalls als Mrakia fibulata identifiziert. Bedingt durch die Klimaerw\u00e4rmung schmilzt der Calderone-Gletscher seit einigen Jahren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gletscher in den n\u00e4chsten Jahren v\u00f6llig verschwinden wird. Das hat zur Folge, dass die dort lebenden psychrophilen (k\u00e4lteliebend) Mikroorganismen ihren Lebensraum verlieren. &#8222;Umso erfreulicher ist es, dass wir genau diese Hefen nun im klimatisch gem\u00e4\u00dfigten Braunschweig nachweisen konnten&#8220;, freut sich Andrey Yurkov. &#8222;Es ist vor allem sehr interessant, dass k\u00e4lteliebende Mikroorganismen wie die neuentdeckte Mrakia fibulata und einige verwandte Arten bis jetzt den Klimawandel in Mitteleuropa \u00fcberleben konnten. Das macht uns Hoffnung, dass diese trotz des Klimawandels in Zukunft nicht nur in Bioressourcen-Sammlungen wie der DSMZ, sondern auch weiterhin in der Natur vorkommen werden.&#8220;<\/p> <p>Bedeutung f\u00fcr die Biotechnologie<\/p> <p>Mikroorganismen, insbesondere Hefen, die aus Baumsaft isoliert wurden, k\u00f6nnen von gro\u00dfer biotechnologischer Bedeutung sein. Die Hefe Phaffia rhodozyma beispielsweise produziert ein Carotinoid (Astaxanthin), das dem Fischfutter beigef\u00fcgt wird, um die Rotf\u00e4rbung des Lachsfleisches zu intensivieren. Arten der Gattung Mrakia k\u00f6nnen einfache Zucker fermentieren und werden aktuell in der Produktion von alkoholfreiem Bier bei Kooperationspartnern der DSMZ an der Universit\u00e4t von Perugia in Italien getestet. Au\u00dferdem, sind diese Hefen als Produzenten von Enzymen (wie zum Beispiel Lipasen und Proteasen f\u00fcr Gew\u00e4sserreinigung) bekannt.<\/p> <p>Originalpublikation<\/p> <p>Yurkov, A.M., Sannino, C. &amp; Turchetti, B. Mrakia fibulata sp. nov., a psychrotolerant yeast from temperate and cold habitats. Antonie van Leeuwenhoek (2019)<\/p> <p>doi:10.1007\/s10482-019-01359-4<\/p> <p>Die DSMZ ist eines der gr\u00f6\u00dften Bioressourcenzentren weltweit. Die Sammlung umfasst derzeit \u00fcber 67.000 Kulturen, einschlie\u00dflich \u00fcber 35.000 verschiedene Bakterien- und 4000 Pilz-St\u00e4mme, 800 menschliche und tierische Zelllinien, 41 Pflanzenzelllinien, 1.400 Pflanzen-Viren und Antiseren und 13.000 verschiedene Typen genomischer Bakterien-DNA.<\/p> <p><b>Kontakt<\/b><\/p> <p>Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen<\/p> <p>Sven-David M\u00fcller<\/p> <p>Inhoffenstra\u00dfe 7 B<\/p> <p>38124 Braunschweig<\/p> <p>0531-5312616300<\/p> <p>sven.david.mueller@dsmz.de<\/p> <p>http:\/\/www.dsmz.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Hefe-Spezies in Braunschweig entdeckt Heimische Buchen stellen Lebensraum f\u00fcr vom Klimawandel bedrohte Hefe dar Mikrobiologe Dr. Andrey M. Yurkov vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH hat in den Braunschweiger Stadtteilen St\u00f6ckheim und Gartenstadt eine neue Hefe aus Baumsaft isoliert. 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