{"id":267032,"date":"2020-12-04T12:35:07","date_gmt":"2020-12-04T11:35:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=267032"},"modified":"2020-12-04T12:35:07","modified_gmt":"2020-12-04T11:35:07","slug":"der-gigant-von-prora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/der-gigant-von-prora-10267032\/","title":{"rendered":"Der Gigant von Prora"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-267033 size-full\" title=\"Binz, die Perle der Ostsee: Direkt am Meer mit Wellenrauschen\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/394458-e1607081638581.jpg\" alt=\"Wellen der Ostsee\" width=\"300\" height=\"168\" \/>Der Gigant von Prora &#8211; eine riesige Immobilie als Verdichtungsort deutscher Geschichte, von Thomas Friese, Immobilien und Projekt Entwickler aus Berlin\/ Oldenburg<\/p> <p>Als vor 16.000 Jahren, nach der letzten Eiszeit, sich das Eis immer weiter Richtung Norden zur\u00fcck zog verblieb im Osten Deutschlands eine K\u00fcstenlandschaft, die von unglaublicher Sch\u00f6nheit ist. Die Ostsee ein friedliches Meer, Kreidefelsen, eine abwechslungsreiche K\u00fcste, wie ein Gott sie h\u00e4tte nicht sch\u00f6ner zeichnen k\u00f6nnen. Eine Insel wie R\u00fcgen entstand. <!--more-->Vor tausend Jahren traten sich Grundherren &#8222;derer zu Putbus&#8220; hervor. Die Besiedlung ging weiterschleppend voran, den Herren von Putbus in Putbus auf R\u00fcgen waren ma\u00dfgeblich beteiligt, \u00fcber lange Jahrzehnte belehnt, dann Eigent\u00fcmer riesiger Fl\u00e4chen, ihnen geh\u00f6rte die die Landschaft, die K\u00fcste, die Menschen, die D\u00f6rfer, die Gemeinden. Alles lief bestens: Regierungen kamen und gingen. Fast tausend Jahre war das alte Adelsgeschlecht f\u00fchrend auf der Insel. Irgendwann entstanden auch Grundb\u00fccher, die die Herren zu Putbus als Eigent\u00fcmer eines besonders sch\u00f6nen K\u00fcstenstreifens an der Ostsee auswiesen. W\u00e4hrend also die Kulisse ein St\u00fcck vom Himmel darstellen, bahnte sich um die Fl\u00e4che auf der jetzt die Immobilie Prora ein t\u00f6dliches Drama an.<\/p> <p>Malte zu Putbus im Konflikt \u00fcber das Grundst\u00fcck &#8211; &#8220; das merke er sich, F\u00e4hnleinf\u00fchrer&#8220;<\/p> <p>Irgendwann etablierte sich in Putbus auf R\u00fcgen der m\u00e4chtige Grundherr &#8222;Malte von und zu Putbus&#8220;, w\u00e4hrend in Berlin die Nationalsozialisten regierten. 1935 dann ein Zerw\u00fcrfnis, des Grundherrn Putbus, eigentlich Nationalsozialist, mit den regionalen Parteibonzen \u00fcber ein Bau-Projekt. Malte von und zu Putbus war Eigent\u00fcmer des Gel\u00e4ndes, auf dem ein riesige staatliche Freizeitanlage gebaut werden sollte. Die Nazis plante &#8222;Kraft durch Freude&#8220;. Das bedeutet Urlaub f\u00fcr die hart arbeitenden Volksgenossen. 20.000 Menschen sollten in der riesigen Ferienanlage Platz finden. Wenn dort in den Sommermonaten jeweils Familie zwei Wochen Urlaub machen, w\u00e4ren binnen von 20 Jahren die halbe Volksgemeinschaft durch diese Immobilie geschleust worden.<\/p> <p>Ein Riesenprojekt, Malte zu Putbus, der stolze Grundherr sollte daf\u00fcr sein Grundst\u00fcck hergeben. Die Grundst\u00fccksfl\u00e4che direkt an der Ostsee war im Grunde extrem klein in Bezug auf seine sonstigen G\u00fcter auf der Insel. Auf der anderen Seite hatte die Familie schon von der Entwicklung des D\u00f6rfchens Binz ganz in der N\u00e4he profitiert und landwirtschaftlich kaum nutzbare Fl\u00e4che an neureiche Berliner verkauft, die sich dort Villen bauten. Um das Gel\u00e4nde Prora entstand Streit; legend\u00e4r das Zitat &#8230; &#8222;das merke er sich, F\u00e4hnleinf\u00fchrer&#8220; mit dem der Malte zu Putbus einen \u00f6rtlichen Parteibonzen abgekanzelt hatte. Dieser Malte zu Putbus \u00fcberlebte den Zweiten Krieg wie viele anderen Millionen nicht. Er wurde 1945 von den Nazis hingerichtet. Der Zweite Weltkrieg ging verloren; die Familie wurde enteignet und auf dem Grundst\u00fcck stand eine inzwischen ein riesiges Geb\u00e4ude, teils halbfertig. Aber solide gebaut; viel Beton und viel Stahl. Den Nazis war w\u00e4hrend des Krieges die Puste zum Weiterbau ausgegangen.<\/p> <p>Nach 1990 &#8222;R\u00fcgen zur\u00fcck in Junkerhand?&#8220;<\/p> <p>Eine Petitesse am Rande der Geschichte der Herren zu Putbus auf R\u00fcgen. Seine Erben verlangten nach dem ein Zwischen Regime wie das der Deutschen Demokratischen Republik 1990 untergegangen war, in einem aufsehenerregenden Prozess weite Teile R\u00fcgens als Eigentum zur\u00fcck. Erst das Bundesverwaltungsgericht beendete diesen Rechtsstreit und entschied: die Herren zu Putbus bekommen ihr Land nicht zur\u00fcck.<\/p> <p>Wie sollte ein Staat wie die Bundesrepublik mit den Konflikten nach 1990 umgehen? Privates Eigentum ist als &#8222;Mutter aller freiheitlichen Grundrechte&#8220; bezeichnet worden. Eigentum &#8211; das sieht R\u00fcgen an den Grundherren seit 1.000 Jahren hat sicherlich eine noch viel l\u00e4ngere Geschichte. Aber das 19. Jahrhundert bietet durch die Einf\u00fchrung des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches und damit einhergehend des Grundbuchs quasi ein Scharnier zwischen den fr\u00fcheren Aufschreibsystemen von Eigentum und der Form des Grundbuchs, die bis heute noch gilt. Wer im Grundbuch steht, ist Eigent\u00fcmer. Mit diesem Grundsatz wurde es auch f\u00fcr die Neuordnung des Eigentums nach 1990 zentral. Die in der DDR nicht aufgearbeiteten Enteignungen des Nationalsozialismus wurden, nach 1990 wieder relevant. Die 1990er Jahre stellten also eine wichtige Zeit f\u00fcr eine Neuordnung des Eigentums dar, die durchaus f\u00fcr \u00c4rger sorgte. Zugleich l\u00e4sst sich aber durchweg beobachten, dass die zugrundeliegenden Ideen und Konzepte von Wohneigentum bei den Akteuren weitgehend unver\u00e4ndert blieben. Aber zur\u00fcck in das Jahr 1945.<\/p> <p>Nazis bauen, DDR nutzt das Geb\u00e4ude milit\u00e4risch und die BRD macht daraus Luxuswohnungen<\/p> <p>Die DDR wusste die halbe Ruine gut zu nutzen. F\u00fcr ein Regime, dass auf Milit\u00e4r und Unterdr\u00fcckung setzte, passte das in die Landschaft. Wie viele Schicksale, wie viele pers\u00f6nliche schlimme Erlebnisse f\u00fcr damalige DDR B\u00fcrger sind dann mit der Immobilie Prora verbunden. Hier war eine riesige Kaserne, hier munkelt man im Ort wurden ausl\u00e4ndische Soldaten ausgebildet, die kapitalistischen Feindesland t\u00e4tig werden sollten. \u00dcber 100.000 Menschen besuchen heute noch jedes Jahr die Immobilie Prora. Viele mit den Gedanken an ihre vergangene Jugend und die schlimmen Erlebnisse. Nach der Wende \u00fcbernahmen neue Kr\u00e4fte. Der Kapitalismus zog wieder ein, allerdings unter neuen Vorzeichen. Die milit\u00e4rische Nutzung endete. Die &#8222;Soziale Marktwirtschaft&#8220; schaffte es einige Jahre nicht, die Immobilie dem Markt zuzuf\u00fchren. Die gammelte vor sich hin. Ein Museum entstand.<\/p> <p>Ein neuer Wandel. Hunderte Luxuswohnungen wurden gebaut, die angesichts der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse unserer Zeit, den Verk\u00e4ufern aus der Hand gerissen werden.<\/p> <p>Fazit: Der Gigant von Prora mit direktem Zugang \u00fcber den Ostseestrand in die Ostsee &#8211; eine Chance f\u00fcr neue Geschichten.<\/p> <p>Sollte Malte von Putbus von oben noch einmal schauen, w\u00fcrde er sich wundern, was aus seinem Grundst\u00fcck geworden ist. Im Grunde war dieser schmale Streifen an der Ostsee f\u00fcr die Landwirtschaft mit Sandboden nicht gro\u00dfartig nutzbar.<\/p> <p>Erst in Junkerhand, dann Kraft durch Freude Projekt, DDR-Milit\u00e4r und jetzt: Der Kapitalismus hat gesiegt, die Immobilie geh\u00f6rt nicht einer Volksgemeinschaft. Reiche Rechtsanw\u00e4lte, Notare, Wirtschaftspr\u00fcfer und andere, die sich Eigentumswohnungen im Preis von bis zu 10.000 EUR pro Quadratmeter in einer Toplage direkt am Strand leisten k\u00f6nnen. Kritisch formuliert, vielleicht doch eine neue &#8222;Kaserne&#8220; f\u00fcr Reiche. So geht die Geschichte des Giganten von Prora weiter. Geballte deutsche Geschichte zum Anfassen. Die Immobilie von Prora geht seit der Grundsteinlegung dem 100. Geburtstag entgegen. Stein ist geduldig.<\/p> <p>V.i.S.d.P.:<br \/> Thomas Friese<br \/> Projektentwickler &amp; Immobilienexperte<\/p> <p>\u00dcber Thomas Friese:<br \/> Der Immobilienexperte und Projektentwickler Thomas Friese, Berlin\/ Oldenburg (Niedersachsen) ist einer Ausbildung im steuerlichen Bereich seit Mitte der siebziger Jahre im Bereich Immobilienentwicklung und Vermarktung t\u00e4tig.<\/p> <p><b>Kontakt<\/b><\/p> <p>Projektentwickler &amp; Immobilienexperte<br \/> Thomas Friese<br \/> Unter den Eichen 108 a<br \/> 12203 Berlin<br \/> +49 172 3801981<\/p> <p>frieseberlin@aol.com<\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/web.facebook.com\/thomas.friese.100\u202f\"  target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">https:\/\/web.facebook.com\/thomas.friese.100\u202f<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gigant von Prora &#8211; eine riesige Immobilie als Verdichtungsort deutscher Geschichte, von Thomas Friese, Immobilien und Projekt Entwickler aus Berlin\/ Oldenburg Als vor 16.000 Jahren, nach der letzten Eiszeit, sich das Eis immer weiter Richtung Norden zur\u00fcck zog verblieb im Osten Deutschlands eine K\u00fcstenlandschaft, die von unglaublicher Sch\u00f6nheit ist. 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