{"id":267245,"date":"2021-04-09T10:02:54","date_gmt":"2021-04-09T09:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=267245"},"modified":"2026-02-06T12:07:16","modified_gmt":"2026-02-06T11:07:16","slug":"gilt-ludwig-erhards-leitbild-wohlstand-fuer-alle-noch-in-corona-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/gilt-ludwig-erhards-leitbild-wohlstand-fuer-alle-noch-in-corona-zeiten-10267245\/","title":{"rendered":"Gilt Ludwig Erhards Leitbild &#8222;Wohlstand f\u00fcr Alle&#8220; noch in Corona-Zeiten?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-267246\" title=\"Denkanst\u00f6\u00dfe - Acht Fragen unserer Zeit\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/400399-e1617958876961.jpg\" alt=\"Cover des Buches von Dr. Thies Claussen\" width=\"261\" height=\"196\" \/>Das Buch &#8222;Ludwig Erhard. Wegbereiter unseres Wohlstands &#8211; gestern und heute&#8220; von Dr. Thies Claussen wurde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium herausgegeben und kann dort kostenlos angefordert werden. In seinem neuen Buch &#8222;Denkanst\u00f6\u00dfe &#8211; Acht Fragen unserer Zeit&#8220; behandelt Claussen in einem der acht Kapitel die Frage, wie es um Ludwig Erhards Leitbild &#8222;Wohlstand f\u00fcr Alle&#8220; heute in Corona-Zeiten steht.<\/p> <p><!--more-->Am 15. September 1949 w\u00e4hlte der Deutsche Bundestag Konrad Adenauer mit der knappsten denkbaren Mehrheit &#8211; seiner eigenen Stimme &#8211; zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Ludwig Erhard, der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, wurde Bundeswirtschaftsminister. Ab 1952 stiegen 20 Jahre lang Bruttosozialprodukt, Reall\u00f6hne und Industrieproduktion viel st\u00e4rker als bei den westeurop\u00e4ischen Nachbarn. Bald war vom &#8222;deutschen Wirtschaftswunder&#8220; die Rede. Der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung festigte das Vertrauen in die Demokratie.<\/p> <p>Erhard galt in der Bev\u00f6lkerung bald als Vater des &#8222;Wirtschaftswunders&#8220;. Er wurde mit seiner rauchenden Zigarre zur Symbolfigur dieses sensationellen Aufschwungs. Mit seiner zunehmend rundlichen, wohlgen\u00e4hrten Erscheinung verk\u00f6rperte Erhard den wachsenden Wohlstand viel eher als der hagere Adenauer. Dieses Bild Erhards kam auch in seinem 1957 erschienenen Buch &#8222;Wohlstand f\u00fcr Alle&#8220; zum Ausdruck, das der Redakteur des Handelsblattes, Wolfram Langer, unter Erhards Namen schrieb.<\/p> <p>Die 1950er- und beginnenden 1960er-Jahre gelten als gute Zeit. Mit Optimismus und Tatendrang packten die Menschen den gemeinsamen Wiederaufbau an. Die meisten blickten nach vorne und selten zur\u00fcck &#8211; die d\u00fcstere NS-Vergangenheit wurde vielfach verdr\u00e4ngt. Schl\u00fcsselfiguren waren Millionen leistungswillige, gut qualifizierte Arbeiter und Angestellte und tatkr\u00e4ftige Unternehmerpers\u00f6nlichkeiten. Ab 1956\/1957 herrschte Vollbesch\u00e4ftigung. In Deutschland begann man, ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte, die &#8222;Gastarbeiter&#8220;, anzuwerben.<\/p> <p>Erhard gab den Menschen das Versprechen vom wirtschaftlichen Aufstieg, von sozialer Sicherheit und politischer Stabilit\u00e4t. Dieses Versprechen wird bis heute eingel\u00f6st. Bedeutet dies aber &#8222;Wohlstand f\u00fcr Alle&#8220;? Bereits nach Erhards R\u00fccktritt als Bundeskanzler und noch mehr nach seinem Tod begann die Umformung der Sozialen Marktwirtschaft. Die Lehren des britischen National\u00f6konomen John Maynard Keynes wurden zur wirtschaftspolitischen Richtschnur. Durch schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme sollten Konjunkturabschw\u00fcnge abgefedert werden. Der Sozialstaat wurde weiter ausgebaut.<\/p> <p>Trotz kontinuierlicher Anhebung der Mehrwertsteuer geriet der Staat rasch an die Grenzen seiner finanziellen Belastbarkeit. Die Staatsverschuldung stieg schnell an. Inflation und Arbeitslosigkeit kehrten zur\u00fcck. \u00d6lkrisen zeigten die Abh\u00e4ngigkeit des Industriestandortes Bundesrepublik Deutschland von diesem Energietr\u00e4ger. An die Stelle des Fortschrittsoptimismus der Wirtschaftswunderjahre begannen Zukunftssorgen im Zeichen der &#8222;Grenzen des Wachstums&#8220; zu treten.<\/p> <p>Trotz vieler Herausforderungen und Probleme zum Beispiel in der Umwelt-, der Klima- und der Energiepolitik ist die Bundesrepublik Deutschland heute im internationalen Ma\u00dfstab ein sehr erfolgreicher und angesehener Wirtschaftsstandort. Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag Deutschland 2019 mit 3,86 Billionen US-Dollar hinter USA, China und Japan weltweit an vierter Stelle, vor Indien, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Italien. Deutsche Produkte und Dienstleistungen sind weltweit sehr begehrt. 2019 hat Deutschland Waren und G\u00fcter in H\u00f6he von 1328 Mrd. Euro exportiert. Bei gleichzeitigen Importen in H\u00f6he von 1104 Mrd. Euro betrug der Export\u00fcberschuss somit 224 Mrd. Euro.<\/p> <p>Die Soziale Marktwirtschaft ist nach wie vor ein Aush\u00e4ngeschild Deutschlands. Doch die heutigen Vorstellungen haben mit der Ursprungsvision Ludwig Erhards nur noch wenig gemeinsam. Erhard wurde nicht m\u00fcde, vor einem stetig wachsenden Zugriff des Staates auf die Einkommen, vor steigenden Sozialausgaben und der damit von ihm bef\u00fcrchteten Entm\u00fcndigung der B\u00fcrger zu warnen. Heute erwarten immer mehr Menschen vom Staat die Absicherung aller Lebensrisiken.<\/p> <p>Als Erhard 1966 als Bundeskanzler zur\u00fccktrat, hat der deutsche Staat etwa 20 Prozent seines Etats f\u00fcr Soziales ausgegeben. Heute sind es mehr als 50 Prozent. Der relative Spielraum f\u00fcr andere wichtige Investitionen wie in Bildung, Infrastruktur oder Sicherheit wird dadurch immer kleiner. Trotz dieses deutlichen Anstiegs der Sozialausgaben und trotz eines insgesamt deutlich h\u00f6heren Wohlstandsniveaus gibt es soziale Spannungen. Die Schere zwischen arm und reich wurde keineswegs kleiner, sondern im Gegenteil gr\u00f6\u00dfer. Ludwig Erhards Botschaft der Freiheit und sein Lob der Eigeninitiative als Ausgangspunkt f\u00fcr \u00f6konomischen Erfolg dringt nicht mehr zu allen durch.<\/p> <p>Der demografische Wandel, die Globalisierung und die Digitalisierung stellen unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft heute vor v\u00f6llig neue Herausforderungen. Die immer schnelleren Wellen technologischer Innovationen haben eine wirtschaftliche Dynamik angesto\u00dfen, die noch vor einigen Jahren kaum vorstellbar war. &#8222;Disruption&#8220; ist das Wort der Stunde. Bestehende traditionelle Gesch\u00e4ftsmodelle, Produkte, Technologien oder Dienstleistungen werden von innovativen Erneuerungen abgel\u00f6st und teilweise vollst\u00e4ndig verdr\u00e4ngt. Was machen diese Umbr\u00fcche mit der Sozialen Marktwirtschaft? Braucht die Industrie 4.0 eine Soziale Marktwirtschaft 4.0? Inwieweit gelten heute noch die Prinzipien von Erhards Sozialer Marktwirtschaft? Ist &#8222;Wohlstand f\u00fcr alle&#8220; im 21. Jahrhundert gerade in Corona-Zeiten noch erreichbar?<\/p> <p>Soziale Marktwirtschaft ist heute sicher kein starres Modell. Soziale Marktwirtschaft muss immer wieder neu gedacht werden. Sie ist aufs Ausbalancieren angelegt. Wirtschaftliche Vernunft und sozialer Ausgleich m\u00fcssen unter st\u00e4ndig sich wandelnden Bedingungen austariert werden. Soziale Marktwirtschaft ist nur \u00fcberlebensf\u00e4hig, wenn sie an die sich wandelnden Rahmenbedingungen angepasst wird.<\/p> <p>Viele Herausforderungen setzen Deutschlands internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit schon heute unter Druck. Strukturwandel in einer bisher nicht bekannten Intensit\u00e4t wird der Wirtschaft und Gesellschaft gro\u00dfe Anpassungsleistungen abverlangen. Die Herausforderung, Wachstum mit der Verteilung von Chancen und Wohlstand in der Gesellschaft in einer Balance zu halten, wird unter diesen Bedingungen nicht kleiner, sondern gr\u00f6\u00dfer. Soziale Marktwirtschaft ist Leitprinzip f\u00fcr einen Staat, der nicht allein nur als W\u00e4chter \u00fcber effiziente M\u00e4rkte fungiert, sondern der immer wieder neu aufgefordert ist, die Grundlagen f\u00fcr einen auch global erfolgreichen Wirtschaftsstandort zu legen. Nur dann kann die Soziale Marktwirtschaft gew\u00e4hrleisten, dass alle Menschen in Deutschland die Chance haben, an den gemeinsam erwirtschafteten Wohlstandszuw\u00e4chsen teilzuhaben.<\/p> <p>Marcel Fratzscher, der Pr\u00e4sident des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung in Berlin, sieht die Soziale Marktwirtschaft zwar mehr denn je als geeigneten Gesellschaftsvertrag an, um die riesigen Herausforderungen von Globalisierung und technologischem Wandel erfolgreich zu meistern. Dennoch m\u00fcsse die Soziale Marktwirtschaft erneuert werden. Sie funktioniert nach Meinung Fratzschers heute nicht mehr ausreichend gut, denn zu h\u00e4ufig funktioniert weder die Marktwirtschaft noch der Sozialstaat. Das Ideal von Ludwig Erhard sei es gewesen, dass alle Menschen ihr Leben frei und in Eigenverantwortung gestalten k\u00f6nnen und dass sie mit der eigenen H\u00e4nde Arbeit f\u00fcr sich und ihre Familie ausk\u00f6mmlich sorgen k\u00f6nnen. Dieses Versprechen wird heute &#8211; so Fratzscher &#8211; f\u00fcr zu viele Menschen gebrochen. Die erforderliche Chancengleichheit gelte heute f\u00fcr zu wenige Menschen in Deutschland, deren Zukunft schon fr\u00fch festgelegt wird und zu stark vom sozialen Status der Familie, vom Geschlecht oder der Herkunft bestimmt wird, und zu wenig von individuellen Talenten und F\u00e4higkeiten.<\/p> <p>Die Schere zwischen arm und reich wird, gerade was die Verm\u00f6gensbildung betrifft, immer gr\u00f6\u00dfer. Verm\u00f6gen wird zunehmend vererbt, deutlich weniger durch eigenen Flei\u00df, Geschick und Sparsamkeit &#8211; wie Ludwig Erhard es sah &#8211; erarbeitet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Verm\u00f6gens in Deutschland steckt in Immobilien. Die H\u00e4lfte der Haushalte in Deutschland hat aber schon jetzt kein Verm\u00f6gen, insbesondere somit auch keine Immobilien. Der Immobilienboom insbesondere in Ballungsr\u00e4umen wie Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart oder M\u00fcnchen, hat die Reichen reicher gemacht. Der Bonner \u00d6konom Moritz Schularick hat berechnet, dass die obere H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in Deutschland mit ihren H\u00e4usern und Wohnungen zwischen 2011 und 2018 um nahezu drei Billionen Euro reicher geworden ist. W\u00e4hrend die Eigent\u00fcmer zu den gro\u00dfen Gewinnern des letzten Jahrzehnts geh\u00f6ren, z\u00e4hlen Mieter und potenzielle K\u00e4ufer zu den Verlierern. Man muss nicht lange dar\u00fcber nachdenken, dass gerade j\u00fcngere, gut ausgebildete Menschen, die keine Erbschaft in Aussicht haben, zunehmend \u00fcber diese Entwicklung frustriert sind, da sie sich aus eigener Kraft zumindest in Ballungsr\u00e4umen kaum noch eigene Wohnungen oder gar H\u00e4user erarbeiten k\u00f6nnen. Soziale Spannungen zeichnen sich hier ab.<\/p> <p>W\u00e4hrend beim Verm\u00f6gen die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander geht, teilte das Statische Bundesamt im September 2020 mit, dass die Lohnspreizung, das hei\u00dft der Abstand zwischen Gering- und Besserverdienenden erstmals leicht abnimmt. 2018 erzielten Besserverdienende das 3,27-Fache des Bruttostundenverdiensts von Geringverdienenden, w\u00e4hrend es 2014 noch das 3,48-Fache war. Allerdings z\u00e4hlten 2018 immer noch gut ein F\u00fcnftel (21,1 %) der Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse in Deutschland zum Niedriglohnsektor, wobei dieser Anteil in Ostdeutschland mit 29,1 % noch immer deutlich gr\u00f6\u00dfer war als in Westdeutschland (einschlie\u00dflich Berlin) mit 20,0 %.<\/p> <p>Die heutige Soziale Marktwirtschaft steht zweifellos vor vielen Herausforderungen. Hierzu drei Beispiele zu wichtigen Themen: den Freihandel, den Wettbewerb und die Sozialpolitik.<\/p> <p>Erstes Beispiel: Ludwig Erhard trat als \u00fcberzeugter &#8222;Atlantiker&#8220; f\u00fcr den Freihandel im Rahmen eines freien und offenen Welthandels ein, der allen zugutekommen sollte. Der fr\u00fchere amerikanische Pr\u00e4sident Donald Trump betrieb hingegen mit seinem Motto &#8222;America First&#8220; eine protektionistische Abschottungspolitik, die f\u00fcr den freien Welthandel erhebliche Probleme zur Folge hat und im Widerspruch zu den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft steht.<\/p> <p>Ein zweites Beispiel: Erhard bezeichnete den Kampf gegen Kartelle als seine wichtigste Aufgabe. Heute stellen Internetgiganten aus dem Silicon Valley und aus China die Wettbewerbsbeh\u00f6rden vor neue und gro\u00dfe Probleme. Egal ob Google, Apple, Facebook, Amazon oder in China Baidu, Alibaba oder Tencent: Die neue Plattform-\u00d6konomie f\u00fchrt international \u00fcber gewaltige Netzwerkeffekte und neue Datenmonopole zu erheblichen Marktkonzentrationen und Wettbewerbsverzerrungen.<\/p> <p>Ein Wettbewerbsthema, das wieder an Aktualit\u00e4t gewann, ist die Industriepolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron forderten Europa auf, k\u00fcnftig eine aktive europ\u00e4ische Industriepolitik zu betreiben, um mit den USA und China mithalten zu k\u00f6nnen. Aktive Industriepolitik war gerade in Deutschland lange verp\u00f6nt. Das Credo im Sinne Ludwig Erhards lautete, der Staat solle g\u00fcnstige Rahmenbedingungen f\u00fcr die Unternehmen schaffen und sich ansonsten heraushalten.<\/p> <p>Jetzt aber besteht die Gefahr, dass Europa ohne aktive Industriepolitik gegen\u00fcber USA und China bei wichtigen Schl\u00fcsselindustrien wie K\u00fcnstliche Intelligenz, 3D-Druck oder Elektromobilit\u00e4t massiv ins Hintertreffen geraten kann. Industriepolitik ist nicht mehr das Tabu, das es jahrzehntelang war. Es ist eine gewaltige, noch nicht gel\u00f6ste Aufgabe f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre, einerseits dem internationalen Druck aus USA und China standzuhalten, ohne andererseits den Wettbewerb einzuschr\u00e4nken und neue Kartelle und Monopolisten zu bef\u00f6rdern.<\/p> <p>Das dritte Beispiel: die Sozialpolitik. In der Sozialpolitik setzte Ludwig Erhard darauf, \u00fcber mehr Wachstum zu mehr Wohlstand f\u00fcr den Einzelnen zu gelangen. Der Focus lag f\u00fcr Erhard auf der Vergr\u00f6\u00dferung des Kuchens, nicht auf Verteilungsk\u00e4mpfen. Dazu Erhard: &#8222;Die L\u00f6sung liegt nicht in der Division, sondern in der Multiplikation des Sozialprodukts. Diejenigen, die ihre Aufmerksamkeit den Verteilungsproblemen widmen, werden immer wieder zu dem Fehler verleitet, mehr verteilen zu wollen, als die Volkswirtschaft nach Ma\u00dfgabe der Produktivit\u00e4t herzugeben in der Lage ist.&#8220;<\/p> <p>Erhard trat zwar f\u00fcr soziale Sicherung ein, war aber gegen den Versorgungsstaat. Individuelle Verantwortung und Eigeninitiative m\u00fcssten erhalten bleiben. Erhard lehnte als Gegenpol zur Planwirtschaft auch den unbeschr\u00e4nkt freien Markt, den Laissez-faire-Kapitalismus ab. J\u00fcngere Ereignisse, wie das Platzen der New-Economy-Blase im M\u00e4rz 2000 oder die weltweite Finanzkrise 2008\/2009 haben gezeigt, dass \u00fcbertriebene Gier und Spekulation und Laissez-faire-Kapitalismus zu einer Gef\u00e4hrdung der Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft f\u00fchren k\u00f6nnen. Das Platzen der New-Economy-Blase wurde durch hysterische Aktienspekulationen ausgel\u00f6st, die Finanzkrise insbesondere durch den Ausfall &#8222;fauler&#8220; Immobilienkredite in den USA.<\/p> <p>Dies alles zeigt: Unsere Soziale Marktwirtschaft ist keineswegs in Stein gemei\u00dfelt. Vielmehr m\u00fcssen in unserer globalisierten, sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden Welt ihre Prinzipien immer wieder auf neue Herausforderungen \u00fcberpr\u00fcft und gegebenenfalls bei Bedarf angepasst werden. Peter Altmaier, der 20. Nachfolger Erhards im Amt des Bundeswirtschaftsministers, ist fest davon \u00fcberzeugt, dass die Soziale Marktwirtschaft auch heute noch ein deutsches Erfolgsmodell ist. Bundeswirtschaftsminister Altmaier erkl\u00e4rte bei der Aussprache zur Regierungserkl\u00e4rung vor dem Deutschen Bundestag am 22. M\u00e4rz 2018 in Berlin:<\/p> <p>&#8222;Ich sehe kein anderes Modell, das so sorgf\u00e4ltig und zuverl\u00e4ssig funktioniert und sicherstellt, dass diejenigen zum Zuge kommen, die mit den geringsten Kosten die besten Produkte produzieren. Kein anderes Modell war so erfolgreich. Seit dem Fall der Mauer, seit dem Ende des Kalten Krieges sehen wir einen unerh\u00f6rten Siegeslauf der Marktwirtschaft rund um den Globus: in China, in Asien, ja sogar, trotz aller R\u00fcckschl\u00e4ge, die wir in der Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik beklagen, in Russland, jetzt auch in Kuba, und es d\u00e4mmert offenbar sogar einigen in Nordkorea.&#8220;<\/p> <p>Altmaier weiter: &#8222;Wichtig f\u00fcr die Soziale Marktwirtschaft ist auch das Vertrauen in die Verl\u00e4sslichkeit der Rahmenbedingungen. Unsere Mittelst\u00e4ndler, diejenigen, die Arbeitspl\u00e4tze schaffen, wollen keine neuen Subventionen, sie wollen keine \u00fcberbordenden Hilfen durch den Staat; aber sie wollen sich darauf verlassen k\u00f6nnen, dass die Investitionen, die sie heute t\u00e4tigen, auch noch in zehn oder 15 Jahren ein gutes Umfeld finden, dass sie keine Projekte in den Sand setzen, weil sich die Rahmenbedingungen zwei oder drei Jahre sp\u00e4ter \u00e4ndern. Deshalb sage ich: Manchmal muss man auch als Wirtschaftsminister den Mut haben, weniger zu tun oder vielleicht auch gar nichts zu tun, und darauf verzichten, jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Es hat sich n\u00e4mlich gezeigt, dass die Verl\u00e4sslichkeit der Rahmenbedingungen seit den Zeiten von Ludwig Erhard eine Erfolgsgarantie f\u00fcr die Zukunft ist.&#8220;<\/p> <p>Von Dr. Thies Claussen sind die B\u00fccher &#8222;Denkanst\u00f6\u00dfe &#8211; Acht Fragen unserer Zeit&#8220; (2021), &#8222;Unsere Zukunft nach Corona&#8220; (2020), &#8222;Ludwig Erhard. Wegbereiter unseres Wohlstands&#8220; (2019), &#8222;Zukunft beginnt heute&#8220; (2018) und &#8222;Unsere Zukunft&#8220; (2017) erschienen.<\/p> <p>Der Autor war Ministerialdirigent im Bayerischen Wirtschaftsministerium und zuletzt Vizechef der LfA F\u00f6rderbank Bayern. Berufliche Erfahrungen sammelte er auch bei der Wacker Chemie AG, der Flughafen M\u00fcnchen GmbH und im Bayerischen Landtag.<\/p> <p><b>Kontakt<\/b><\/p> <p>Buchautor Dr. Thies Claussen<\/p> <p>Thies Claussen<\/p> <p>Franzstra\u00dfe 28<\/p> <p>82152 Krailling<\/p> <p>0176 43404026<\/p> <p>claussen.thies@gmail.com<\/p> <p>https:\/\/tredition.de\/autoren\/thies-claussen-20009\/denkanstoesse-acht-fragen-unserer-zeit-paperback-150449\/<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch &#8222;Ludwig Erhard. Wegbereiter unseres Wohlstands &#8211; gestern und heute&#8220; von Dr. Thies Claussen wurde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium herausgegeben und kann dort kostenlos angefordert werden. 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