{"id":267993,"date":"2022-07-22T15:48:40","date_gmt":"2022-07-22T14:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=267993"},"modified":"2022-07-22T15:48:40","modified_gmt":"2022-07-22T14:48:40","slug":"elche-und-einhoerner-in-tuebingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/elche-und-einhoerner-in-tuebingen-10267993\/","title":{"rendered":"Elche und Einh\u00f6rner in T\u00fcbingen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-267994 size-full\" title=\"Bildquelle: Andreas K\u00f6rner\/BioRegio STERN Management GmbH\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/421229-e1658501255397.jpg\" alt=\"Dr. Harpreet Singh\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/421229-e1658501255397.jpg 300w, https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/421229-e1658501255397-272x182.jpg 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>BioGrafie: Dr. Harpreet Singh, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Immatics Biotechnologies GmbH<\/p> <p>Dr. Harpreet Singh ist Mitgr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Immatics Biotechnologies GmbH. Das T\u00fcbinger Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von T-Zell-basierten Immuntherapien f\u00fcr die Behandlung von Krebs spezialisiert. An inzwischen drei Standorten &#8211; neben T\u00fcbingen noch M\u00fcnchen und Houston, Texas &#8211; sind insgesamt rund 400 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt, die meisten davon am Hauptstandort in T\u00fcbingen. <!--more-->Nach dem erfolgreichen IPO an der Technologieb\u00f6rse Nasdaq im Jahr 2020 wurde j\u00fcngst ein milliardenschwerer Vertrag mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb verk\u00fcndet. Seit Singh das Unternehmen vor \u00fcber 20 Jahren mitgr\u00fcndete, lie\u00df er sich nicht von seinem Weg abbringen, eine wirksame Waffe gegen Krebs zu entwickeln. Aktuelle Nachrichten und Studien aus dem Unternehmen sprechen daf\u00fcr, dass er diesem Ziel immer n\u00e4her kommt.<\/p> <p>Es war keine Schnapsidee, aber Hochprozentiges hat bei der Gr\u00fcndungsgeschichte des Unternehmens in T\u00fcbingen wom\u00f6glich doch eine Rolle gespielt, als Harpreet Singh und Niels Emmerich in der Liquid Kelter Bar in T\u00fcbingen sa\u00dfen. &#8222;Die Idee f\u00fcr den Namen entstand bei einem Boston Sour&#8220;, ist sich Singh sicher. Der klassische Cocktail aus Bourbon, Zitronensaft, Sirup sowie einem Eiwei\u00df w\u00e4re damit ein Geburtshelfer f\u00fcr Immatics gewesen. In dem Start-up stellten die beiden Doktoranden ab dem Jahr 2000 zun\u00e4chst Bioreagenzien her und verkauften sie an Forschungsinstitute. Noch war nicht zu erahnen, dass das Unternehmen in der Zukunft an einem Mittel gegen Krebs arbeiten w\u00fcrde. Denn der damals 26-j\u00e4hrige Jungunternehmer Singh hatte seine Studienzeit nicht nur im Labor verbracht; gemeinsam mit dem sp\u00e4teren Oberb\u00fcrgermeister der Stadt T\u00fcbingen organisierte er beispielsweise 1997 einen Streik an der Universit\u00e4t. Daraus wurde eine Freundschaft, die bis heute Bestand hat. &#8222;Boris Palmer hat die Bedeutung der Biotechnologie f\u00fcr diesen Standort sehr fr\u00fch erkannt und sich daf\u00fcr eingesetzt&#8220;, erkl\u00e4rt Singh.<\/p> <p>Im Jahr 2000 zog Immatics als einer der ersten Mieter im neuen Technologiepark T\u00fcbingen-Reutlingen ein. Sie trotzten als Start-up in diesen Jahren dem &#8222;nuklearen Winter&#8220; f\u00fcr die Branche, erinnert sich Singh. &#8222;Wir haben es trotzdem geschafft, denn wir hatten Gl\u00fcck und haben die richtigen Leute getroffen. Beispielsweise Dietmar Hopp, den bis heute gr\u00f6\u00dften Anteilseigner des Unternehmens, der auch in schwierigen Zeiten immer an uns geglaubt hat, oder die Br\u00fcder Str\u00fcngmann, die seit \u00fcber 10 Jahren Gesellschafter der Immatics sind. Ohne diese Menschen w\u00fcrde es die Biotechnologie in Deutschland heute gar nicht geben.&#8220;<\/p> <p>Wie f\u00fcr den perfekten Boston Sour kommt es eben auch bei Unternehmen auf die Rezeptur an: die richtigen Leute am richtigen Ort. R\u00fcckblickend betrachtet Singh es daher als gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass er w\u00e4hrend seines Studiums der Biochemie in T\u00fcbingen Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee traf, der die Abteilung Immunologie des Interfakult\u00e4ren Instituts f\u00fcr Zellbiologie der Eberhard Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen leitete &#8211; und immer noch leitet. Bei diesem Ausnahme-Forscher hat Singh nicht nur promoviert: &#8222;Die Immatics gr\u00fcndete auf dem, was er geschaffen hat, er ist Teil unserer Entstehungsgeschichte. Er hat im Prinzip die Grundlagen f\u00fcr die moderne T-Zell-basierte Immuntherapie geschaffen, die darauf beruht, dass eine T-Zelle, also ein wei\u00dfes Blutk\u00f6rperchen, an eine Zielstruktur auf der Oberfl\u00e4che einer Tumorzelle andockt. Diese Zielstruktur ist ein Peptid, das in ein sogenanntes HLA-Molek\u00fcl eingebettet ist&#8220;, erl\u00e4utert Singh. Und dann erkl\u00e4rt er f\u00fcr den Laien, was f\u00fcr Fachleute vermutlich offensichtlich ist: Sowohl in den Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen der Immatics als auch in der Abteilung Immunologie in der Universit\u00e4t T\u00fcbingen sind zahlreiche Abbildungen von Elchen zu finden: &#8222;Die Struktur des HLA-Molek\u00fcls hat \u00c4hnlichkeit mit einem Elchkopf, deshalb ist er das Maskottchen der HLA-Immunologen in T\u00fcbingen.&#8220;<\/p> <p>Die K\u00f6rperpolizei greift ein!<\/p> <p>Toni Weinschenk, ein weiterer Mitgr\u00fcnder und Mitglied des Vorstands der Immatics hat dieses Wissen aus der Universit\u00e4t T\u00fcbingen weiterentwickelt und eine Technologieplattform geschaffen, mit deren Hilfe man feststellen kann, welche Zielstrukturen auf einem Tumor vorhanden sind. T-Zellen docken normalerweise mit Hilfe von T-Zell-Rezeptoren an den Zielstrukturen an und bek\u00e4mpfen so den Krebs. Manchmal hat das Immunsystem &#8222;vergessen&#8220;, diese Zielstrukturen zu erkennen und ist dank der Immatics-Technologie in der Lage, die Zielstruktur zu erkennen und zu bek\u00e4mpfen. Dieses Thema besch\u00e4ftigt Singh seit seiner Kindheit. Aus der Sicht des damals 7-J\u00e4hrigen war das ein Job f\u00fcr die &#8222;K\u00f6rperpolizei&#8220;. &#8222;Ich lag als Kind mit einer Infektion und hohem Fieber im Bett. Meine Mutter erkl\u00e4rte mir, dass in meinem Blut die K\u00f6rperpolizei aufr\u00e4umt, das hat mich sehr fasziniert&#8220;, erinnert sich Singh, der inzwischen selbst Vater von zwei S\u00f6hnen ist. &#8222;Diese Polizisten setzen wir jetzt in der Onkologie ein, indem wir ihnen durch eine Gentherapie einen Rezeptor einpflanzen. Und mit Hilfe dieser &#8222;Waffe&#8220; k\u00f6nnen wir jetzt Tumorzellen sehr spezifisch identifizieren, um sie zu bek\u00e4mpfen.&#8220;<\/p> <p>Dass das nicht nur im Labor funktioniert, konnte Immatics inzwischen in ersten klinischen Studien mit Menschen zeigen. &#8222;Bei der H\u00e4lfte der Patienten konnten wir sehen, dass die Tumore binnen weniger Tage regelrecht anfingen zu schmelzen&#8220;, so Singh. &#8222;Es waren Patienten, die schon zahlreiche Vorbehandlungen hatten, bei denen nichts mehr funktionierte. Dennoch sind riesige Tumore binnen weniger Wochen geschrumpft. Das ist f\u00fcr mich, der seit Jahrzehnten daran arbeitet, ein wirksames Mittel gegen Krebs zu finden, ein wahnsinnig tolles Ergebnis.&#8220; Jetzt ist der Blick schon nach vorne gerichtet. Im n\u00e4chsten Schritt gilt es zu pr\u00fcfen, ob und wie lange dieser Effekt auch anh\u00e4lt und damit nachhaltig einen medizinischen Nutzen f\u00fcr den Krebspatienten erzielt.<\/p> <p>Keine heimlichen Ausfl\u00fcge ins Labor<\/p> <p>&#8222;Meine Motivation ist es seit Jahrzehnten, eine wirksame Waffe gegen den Krebs zu finden, darauf konzentriere ich mich.&#8220; Wenn er sich mal nicht auf diesen Kampf konzentriert, entspannt sich der Familienvater am liebsten zu Hause. &#8222;Fr\u00fcher bin ich mit dem Gleitschirm geflogen, heute freue ich mich, wenn ich meinen S\u00f6hnen das Skifahren beibringen kann.&#8220; Da er aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden in M\u00fcnchen wohnt, wo das Unternehmen, neben Houston in Texas, einen weiteren Standort hat, ist er h\u00e4ufig unterwegs. L\u00e4ngst ist der Unternehmer mehr in B\u00fcros als im Forschungslabor, was er durchaus auch bedauert: &#8222;Vor zehn Jahren hat mich die Forschung so wenig losgelassen, dass ich mich nachts heimlich ins Labor geschlichen habe. Heute fokussiere ich mich darauf, gemeinsam mit dem fantastischen Team das Unternehmen voranzutreiben.&#8220; Seine gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke sieht er in der Kommunikation: &#8222;Ich kann wohl ganz gut \u00fcbersetzen &#8211; von der komplexen Forschung in etwas, das von Menschen verstanden wird. Das ist nicht nur in Interviews wichtig, sondern auch gegen\u00fcber Investoren.&#8220;<\/p> <p>Denn Investoren sind f\u00fcr Biotech-Unternehmen wie Immatics nach wie vor von gro\u00dfer Bedeutung, da diese Unternehmen in der Regel erst nach Jahrzehnten Produkte anbieten k\u00f6nnen, mit denen sie auch Geld verdienen. Dietmar Hopp ist beispielsweise \u00fcber seine Heidelberger Investmentgesellschaft dievini mit rund 26 Prozent gr\u00f6\u00dfter Einzelaktion\u00e4r von Immatics. Nach dem erfolgreichen B\u00f6rsengang an die Nasdaq im Jahr 2020 wurde j\u00fcngst ein milliardenschwerer Vertrag mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb verk\u00fcndet. Auf den Top-Deal reagierte die B\u00f6rse mit einem Kurssprung. Es l\u00e4uft also gut f\u00fcr die Immatics, die in den Jahren seit der Gr\u00fcndung auch immer mal wieder R\u00fcckschl\u00e4ge hinnehmen musste. Start-up-Unternehmen mit einer Marktbewertung von \u00fcber einer Milliarde US-Dollar werden in der Branche &#8222;Einh\u00f6rner&#8220; genannt. Ob die sich nicht hervorragend mit den Elchen in der T\u00fcbinger Immatics-Zentrale verstehen w\u00fcrden, ist f\u00fcr Singh keine Frage: &#8222;Im Moment sind alle B\u00f6rsen in Wallung und das hat nicht unbedingt etwas mit unseren Leistungen zu tun. Die kurzfristigen Ausschl\u00e4ge nach oben oder unten sind f\u00fcr mich nicht relevant. Wichtig ist, dass wir echte Werte f\u00fcr Krebspatienten schaffen.&#8220;<\/p> <p>Lernen, Erfolge zu feiern<\/p> <p>Dass das Unternehmen, neben Deutschland, auch in den USA ans\u00e4ssig ist, ergebe Sinn, erkl\u00e4rt Singh, der sowohl Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Immatics Biotechnologies GmbH in T\u00fcbingen ist als auch CEO der US-amerikanischen Immatics US, Inc.: &#8222;Die Denkweise in den USA ist: Es gibt Unternehmen, die es schaffen und es gibt Unternehmen, die es eben nicht schaffen. Es liegt in der Natur eines Ventures, dass man ein Risiko eingeht. Ich liebe Deutschland, ich bin hier geboren, aber hier fokussieren wir uns oft zu sehr auf das Negative, die M\u00f6glichkeit des Scheiterns. Das ist zwar Teil der deutschen Kultur, hier sollten wir uns aber von den Amerikanern abschauen, Erfolge zu feiern. Wir k\u00f6nnen wahnsinnig stolz sein, dass zwei von drei Unternehmen weltweit, die die mRNA-Technologie beherrschen, in Deutschland sitzen. Das ist super.&#8220; Wenn es um die Bewertung der eigenen Leistung geht, sind Singh Superlative aber fremd: &#8222;Bescheidenheit ist etwas, was wir in unserer Kultur bei Immatics verinnerlicht haben, auch das geht auf Prof. Rammensee zur\u00fcck. Der wird seit Jahrzehnten hochgelobt und ist dennoch immer auf dem Boden geblieben, das hat mich sehr beeindruckt.&#8220; Bei der Entdeckung der mRNA und ihrer M\u00f6glichkeiten, spielte ebenfalls Rammensee eine gro\u00dfe Rolle. &#8222;Das ist direkt nebenan im gleichen Stockwerk hier in T\u00fcbingen passiert.&#8220; Viele Jahre sp\u00e4ter wurde diese Entdeckung die Grundlage f\u00fcr die Entwicklung der ersten Impfstoffe gegen SARS-CoV-2. Singh geh\u00f6rte aus \u00dcberzeugung zu den ersten Studienkandidaten der CureVac: &#8222;Daher hatte ich lange Zeit keinen Impfstatus.&#8220; Das hat er aber l\u00e4ngst nachgeholt und reist nach zwei Jahren Homeoffice wieder rund um den Globus: &#8222;Nur Zoom, da geh&#8220; ich ein&#8220;, lacht er. Ob er jemals die Entscheidung in der Liquid Kelter Bar in T\u00fcbingen bereut habe? &#8222;Nein niemals, Immatics ist mein Leben.&#8220;<\/p> <p>\u00dcber die BioRegio STERN Management GmbH:<\/p> <p>Die BioRegio STERN Management GmbH ist Wirtschaftsentwickler f\u00fcr die Life-Sciences-Branche. Sie f\u00f6rdert im \u00f6ffentlichen Auftrag Innovationen und Start-ups und tr\u00e4gt so zur St\u00e4rkung des Standorts bei. In den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb mit den St\u00e4dten T\u00fcbingen und Reutlingen ist sie die zentrale Anlaufstelle f\u00fcr Gr\u00fcnder und Unternehmer.<\/p> <p>Die BioRegion STERN z\u00e4hlt zu den gro\u00dfen und erfolgreichen BioRegionen in Deutschland. Alleinstellungsmerkmale sind die bundesweit einzigartige Mischung aus Biotechnologie- und Medizintechnikunternehmen sowie die regionalen Cluster der Automatisierungstechnik, des Maschinen- und Anlagenbaus.<\/p> <p><b>Firmenkontakt<\/b><\/p> <p>BioRegio STERN Management GmbH<\/p> <p>Dr. Klaus Eichenberg<\/p> <p>Friedrichstra\u00dfe 10<\/p> <p>70174 Stuttgart<\/p> <p>0711-870 354 0<\/p> <p><a href=\"mailto:eichenberg@bioregio-stern.de\">eichenberg@bioregio-stern.de<\/a><\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.bioregio-stern.de\"  target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.bioregio-stern.de<\/a><\/p> <p><b>Pressekontakt<\/b><\/p> <p>Zeeb Kommunikation GmbH<\/p> <p>Anja P\u00e4tzold<\/p> <p>Alexanderstra\u00dfe 81<\/p> <p>70182 Stuttgart<\/p> <p>0711 &#8211; 60 70 719<\/p> <p><a href=\"mailto:info@zeeb.info\">info@zeeb.info<\/a><\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.zeeb.info\"  target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.zeeb.info<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BioGrafie: Dr. Harpreet Singh, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Immatics Biotechnologies GmbH Dr. Harpreet Singh ist Mitgr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Immatics Biotechnologies GmbH. 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