{"id":270811,"date":"2026-07-28T09:26:33","date_gmt":"2026-07-28T08:26:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=270811"},"modified":"2026-07-28T09:26:33","modified_gmt":"2026-07-28T08:26:33","slug":"mikroplattenreader-im-forschungslabor-was-muessen-multimode-systeme-in-der-heutigen-zeit-leisten-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/mikroplattenreader-im-forschungslabor-was-muessen-multimode-systeme-in-der-heutigen-zeit-leisten-koennen-10270811\/","title":{"rendered":"Mikroplattenreader im Forschungslabor: Was m\u00fcssen Multimode-Systeme in der heutigen Zeit leisten k\u00f6nnen?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-270812 size-full\" title=\"Messwerte vergleichen\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild1-e1785226850549.jpg\" alt=\"Auge mit Schutzbrille schaut durch ein Mikroskop\" width=\"300\" height=\"169\" \/>Ein Mikroplattenreader ist im Kern ein sehr genaues Lichtmessger\u00e4t. Die Proben sitzen dabei in einer flachen Kunststoffplatte mit vielen kleinen Vertiefungen, je nach Format 96, 384 oder sogar 1.536 St\u00fcck, sodass sich hunderte Ans\u00e4tze in wenigen Minuten abarbeiten lassen. In Laboren der Biologie, Chemie und Medizin geh\u00f6rt ein solches Ger\u00e4t deshalb zur Grundausstattung und l\u00e4uft dort praktisch t\u00e4glich.<!--more--><\/p> <h3><span style=\"color: #42558c;\">Was bedeutet Multimode bei einem Mikroplattenreader?<\/span><\/h3> <p>\u00c4ltere Ger\u00e4te konnten meist nur eine einzige Sache. Sie haben Licht durch die Probe geschickt und gemessen, wie viel davon unterwegs h\u00e4ngen bleibt, was f\u00fcr einen klassischen ELISA auch v\u00f6llig ausreicht. Ein Multimode-Reader beherrscht dagegen mehrere Messarten und wechselt per Software zwischen ihnen, ohne dass jemand am Ger\u00e4t etwas umbauen m\u00fcsste. Vereinfacht gesagt geht es um vier Gruppen:<\/p> <ul> <li><strong>Licht, das die Probe schluckt<\/strong> (Absorption) f\u00fcr ELISA, Proteinbestimmung und Zellwachstum<\/li> <li><strong>Licht, das die Probe zur\u00fcckgibt<\/strong> (Fluoreszenz) f\u00fcr Farbstoffe, die nach Anregung aufleuchten<\/li> <li><strong>Licht, das die Probe selbst erzeugt<\/strong> (Lumineszenz) f\u00fcr Luciferase-Systeme und ATP-Nachweise<\/li> <li><strong>Spezialverfahren<\/strong> wie Fluoreszenzpolarisation oder zeitaufgel\u00f6ste Messungen f\u00fcr Bindungsstudien und schwierige Proben<\/li> <\/ul> <p>Ein Ger\u00e4t statt vier bedeutet weniger Stellfl\u00e4che, weniger Wartungsvertr\u00e4ge und vor allem Planungssicherheit, denn wer heute die Lebensf\u00e4higkeit von Zellen misst, arbeitet in zwei Jahren wom\u00f6glich an einem ganz anderen Test und m\u00f6chte daf\u00fcr kein neues Budget beantragen. Neue Testformate tauchen in der <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/zeitschriften-magazine-chemie-biologie-kunststoffe\">Fachliteratur aus Chemie und Biologie<\/a> ohnehin meist Jahre fr\u00fcher auf als im Katalog der Ger\u00e4tehersteller.<\/p> <h3><span style=\"color: #42558c;\">Warum liefern zwei Ger\u00e4te mit gleicher Ausstattung unterschiedliche Ergebnisse?<\/span><\/h3> <p>Auf dem Datenblatt sehen viele Reader \u00e4hnlich aus. Der eigentliche Unterschied liegt darin, wie sauber sie das Licht ausw\u00e4hlen und genau daran entscheidet sich sp\u00e4ter die Qualit\u00e4t der Messwerte.<\/p> <p>Filter sind feste Bauteile f\u00fcr genau eine Wellenl\u00e4nge. Sie lassen viel Licht durch und sind entsprechend empfindlich, bleiben aber unflexibel, sobald sich das Testverfahren \u00e4ndert. Monochromatoren kann man dagegen frei einstellen, sie verlieren dabei jedoch Signal und lassen etwas Streulicht durch. Neuere Ger\u00e4te kombinieren beide Prinzipien und bringen so Empfindlichkeit und Flexibilit\u00e4t unter einen Hut.<\/p> <p>Eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als viele erwarten spielt au\u00dferdem die H\u00f6he, in der gemessen wird. Schon 0,2 mm daneben k\u00f6nnen ein Viertel des Signals kosten, weshalb gute Ger\u00e4te die passende H\u00f6he automatisch suchen.<\/p> <p>Wie verl\u00e4sslich ein Test am Ende ist, l\u00e4sst sich mit dem Z-Faktor beziffern, der den Abstand zwischen Positiv- und Negativkontrolle mit der Streuung der Messwerte vergleicht. Ab etwa 0,5 gilt ein Test als robust. In der <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/publikationen\/mathematik-naturwissenschaften\/\">naturwissenschaftlichen Publikationspraxis<\/a> scheitern deutlich mehr Datens\u00e4tze an schwankenden Messbedingungen als an zu geringer Empfindlichkeit.<\/p> <h3><span style=\"color: #42558c;\">Was \u00e4ndert sich bei Messungen an lebenden Zellen?<\/span><\/h3> <p>Bei einem einfachen Test ist die Probe fertig, sobald sie ins Ger\u00e4t kommt. Lebende Zellen reagieren dagegen weiter, w\u00e4hrend gemessen wird. Der Reader muss deshalb einiges mehr k\u00f6nnen als Licht auszuwerten:<\/p> <ul> <li>Temperatur konstant halten, \u00fcblicherweise bis rund 45 \u00b0C<\/li> <li>Sch\u00fctteln, damit sich die Reagenzien gleichm\u00e4\u00dfig verteilen<\/li> <li>Sauerstoff und Kohlendioxid regeln, etwa bei Langzeitversuchen<\/li> <li>Fl\u00fcssigkeiten direkt im Ger\u00e4t zugeben, wenn Reaktionen im Sekundenbereich ablaufen<\/li> <\/ul> <p>Flexible Systeme wie der <a href=\"https:\/\/www.bmglabtech.com\/en\/clariostar-plus\/\">CLARIOstar Plus<\/a> bringen diese Ausstattung mit und messen zus\u00e4tzlich von unten durch den Plattenboden, was sich anbietet, weil viele Zelltypen genau dort anhaften.<\/p> <p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-270815 size-full\" title=\"Messwerte an lebenden Zellen\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild2-1.png\" alt=\"Laborantin h\u00e4lt Pl\u00e4ttchen hoch\" width=\"602\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild2-1.png 602w, https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild2-1-300x201.png 300w, https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild2-1-272x182.png 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/p> <p>&nbsp;<\/p> <h3><span style=\"color: #42558c;\">Wie kommen die Messdaten sauber aus dem Ger\u00e4t?<\/span><\/h3> <p>Ein Reader, dessen Ergebnisse nur als Ausdruck existieren, ist heute schwer zu vermitteln. Der Kodex zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis verlangt eine l\u00fcckenlose Dokumentation und eine Aufbewahrung \u00fcber mindestens zehn Jahre, was sich ohne durchg\u00e4ngige digitale Kette kaum bew\u00e4ltigen l\u00e4sst.<\/p> <p>Damit Messwerte automatisch in der Labordatenbank landen, brauchen Ger\u00e4t und Software eine gemeinsame Sprache. Durchgesetzt hat sich daf\u00fcr der offene Kommunikationsstandard SiLA. Wichtiger als jede Exportfunktion ist am Ende jedoch, dass Ger\u00e4t, Platte, Charge und Einstellungen automatisch mitgespeichert werden. Fehlen diese Angaben, l\u00e4sst sich eine Messung ein halbes Jahr sp\u00e4ter schlicht nicht mehr nachvollziehen.<\/p> <h3><span style=\"color: #42558c;\">Worauf kommt es beim Kauf an?<\/span><\/h3> <p>Ein Multimode-Reader begleitet ein Labor oft zehn Jahre, weshalb sich ein ehrlicher Blick auf den eigenen Bedarf lohnt. F\u00fcnf Fragen helfen dabei weiter:<\/p> <ul> <li>Welche Messverfahren werden in drei bis f\u00fcnf Jahren realistisch gebraucht?<\/li> <li>L\u00e4sst sich das Ger\u00e4t sp\u00e4ter nachr\u00fcsten oder ist die Ausstattung ab Werk festgelegt?<\/li> <li>Wie lange dauert die Messung einer vollen Platte im echten Protokoll des Labors?<\/li> <li>Passt das Ger\u00e4t samt Zubeh\u00f6r und Rechner auf die vorhandene Laborbank?<\/li> <li>Wie schnell reagiert der Support und was kostet die Wartung pro Jahr?<\/li> <\/ul> <p>Ein Punkt wird dabei gern \u00fcbersehen. Passen die Dateiformate des Readers nicht zum hauseigenen Forschungsdatenmanagement, entsteht bei jeder Messreihe Handarbeit beim Umkopieren, die sich \u00fcber die Jahre erheblich summiert.<\/p> <h3><span style=\"color: #42558c;\">Wohin geht die Entwicklung?<\/span><\/h3> <p>Die Ger\u00e4te werden vor allem selbstst\u00e4ndiger. Verst\u00e4rkung, Fokus und Wellenl\u00e4nge stellen sie zunehmend selbst ein, was fr\u00fcher Erfahrung und einiges an Geduld verlangt hat. Parallel wachsen <a href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/publikationen\/robotik-ki-ai\/\">KI-gest\u00fctzte Auswertung und Laborrobotik<\/a> mit der Ger\u00e4tesoftware zusammen, von der automatischen Kurvenanpassung bis zur Qualit\u00e4tspr\u00fcfung ganzer Platten. F\u00fcr Labore ist das Ergebnis angenehm unspektakul\u00e4r, denn ein gut ausgew\u00e4hlter Multimode-Reader bleibt zehn Jahre und l\u00e4nger n\u00fctzlich, solange er offen f\u00fcr neue Tests, neue Software und neue Schnittstellen bleibt.<\/p> <p>Bilder von <a href=\"https:\/\/www.magnific.com\/free-photo\/closeup-scientist-woman-looking-test-sample-leaf-analyzing-biological-experiment-with-organic-plants_15853276.htm\">Magnific<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mikroplattenreader ist im Kern ein sehr genaues Lichtmessger\u00e4t. 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