{"id":2788,"date":"2012-10-09T12:12:21","date_gmt":"2012-10-09T11:12:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=2788"},"modified":"2015-06-15T06:54:47","modified_gmt":"2015-06-15T05:54:47","slug":"ist-google-translate-letztlich-eine-gefahr-fuer-professionelle-uebersetzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/ist-google-translate-letztlich-eine-gefahr-fuer-professionelle-uebersetzer-102788\/","title":{"rendered":"Ist Google Translate letztlich eine Gefahr f\u00fcr professionelle \u00dcbersetzer?"},"content":{"rendered":"<p>Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer untersucht, wie gut Google Translate wirklich ist.<\/p> <p>Google Translate ist beliebt. Ob Webseiten, Speisekarten, E-Mails Privatpersonen wie Gesch\u00e4ftsleute nutzen flei\u00dfig das kostenlose \u00dcbersetzungstool aus dem Internet. Aber wie gut ist die Qualit\u00e4t der maschinellen \u00dcbersetzung wirklich? Ist Google Translate letztlich eine Gefahr f\u00fcr professionelle \u00dcbersetzer? Der Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer untersuchte Google Translate in mehreren Sprachen und mit verschiedenen Textsorten.<\/p> <p><!--more-->Kostenlose \u00dcbersetzungsprogramme im Internet sind beliebt und werden angeblich immer besser. Wird die maschinelle \u00dcbersetzung damit zur Gefahr f\u00fcr professionelle \u00dcbersetzer? Das fragte sich der Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer e.V. (BD\u00dc), Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Branchenverband, und untersuchte stellvertretend Google Translate in mehreren Sprachen und mit verschiedenen Textsorten. Das Ergebnis war durchaus \u00fcberraschend. Auf den ersten Blick sahen die maschinellen \u00dcbersetzungen gut aus: Das System \u00fcbernahm die Absatzstruktur vom Ausgangstext, und es gab nur wenige Schreibfehler. Im Bereich der Rechtschreibung schnitt das System mit Schulnote 1-2 ab, so BD\u00dc-Pr\u00e4sident Andr\u00e9 Lindemann. Doch f\u00fcr die inhaltliche Korrektheit gab es schlechte Noten. Das Lesen der Texte war zum Teil m\u00fchsam, und kaum ein Satz war fehlerfrei. Manche Passagen waren schlicht unverst\u00e4ndlich. Google Translate erhielt vom Verband f\u00fcr die inhaltliche Korrektheit seiner \u00dcbersetzungen die Schulnote 4-5, also ausreichend bis mangelhaft.<br \/> F\u00fcr Uwe Reinke, Professor f\u00fcr Sprach- und \u00dcbersetzungstechnologie an der Fachhochschule K\u00f6ln, ist das Ergebnis nicht \u00fcberraschend: Systeme wie Google Translate tun sich bei der \u00dcbersetzung ins Deutsche immer schwer mit komplexem Satzbau. Auch wenn ein schnelles und kostenloses \u00dcbersetzungsprogramm wie Google Translate n\u00fctzlich ist, gibt er zu bedenken: Auch schnelle \u00dcbersetzungen sollten einen &#8222;Verstehfaktor&#8220; haben. Das hei\u00dft, es sollte darum gehen, die wichtigsten Informationen aus einem Text herauszubekommen. Das gelingt h\u00e4ufig nicht.<\/p> <p>Umso bemerkenswerter ist es, wie massiv Google Translate genutzt wird. Google Translate hat nach eigenen Angaben vom Mai 2012 jeden Monat 200 Millionen Nutzer, und t\u00e4glich wird eine Textmenge von Google Translate \u00fcbersetzt, die etwa einer Million B\u00fccher entspricht. BD\u00dc-Pr\u00e4sident Lindemann: F\u00fcr private Zwecke kann eine \u00dcbersetzung durch Google Translate n\u00fctzlich sein und der ersten Orientierung dienen. Wir empfehlen aber, Google Translate nur f\u00fcr die \u00dcbersetzung in eine Sprache zu verwenden, die man selbst beherrscht. Sonst kann man Fehler nicht erkennen. Vor einer gesch\u00e4ftlichen Nutzung von Google Translate r\u00e4t der Verband ab. Lindemann: Keine Maschine und somit auch nicht Google Translate \u00fcbersetzt bisher auch nur ann\u00e4hernd fehlerfrei. Daf\u00fcr ist die menschliche Sprache zu komplex. F\u00fcr professionelle \u00dcbersetzer ist die maschinelle \u00dcbersetzung aus dem Internet keine Konkurrenz.<\/p> <p>Zerfetztes Fleisch und geschredderte Bambussprossen<\/p> <p>F\u00fcr seine Untersuchung lie\u00df der Verband vier qualifizierte \u00dcbersetzer f\u00fcr die Sprachen Chinesisch, Englisch, Polnisch und Spanisch verschiedene Textsorten in der Fremdsprache frei ausw\u00e4hlen und von Google Translate ins Deutsche \u00fcbersetzen. Die \u00dcbersetzung wurde anschlie\u00dfend anhand einheitlicher Kriterien bewertet. \u00dcbersetzt wurden jeweils ein Zeitungsartikel, eine Speisekarte oder ein Kochrezept, eine Bedienungsanleitung eines Elektroger\u00e4ts, Allgemeine Gesch\u00e4ftsbedingungen (AGB) eines Online-Shops sowie eine gesch\u00e4ftliche E-Mail. Lindemann: Interessanterweise schnitten die \u00dcbersetzungen von Speisekarten und Kochrezepten noch mit am besten ab, wahrscheinlich, weil nur einzelne W\u00f6rter und kurze S\u00e4tze zu \u00fcbersetzen waren. Dabei kennt jeder die ulkigen \u00dcbersetzungen von Speisekarten aus dem Urlaub, die wahrscheinlich auf maschinelle \u00dcbersetzungen zur\u00fcckgehen. Auch bei der BD\u00dc-Untersuchung gab es Grund zum Schmunzeln. Im chinesischen Kochrezept war beispielsweise die Rede von Schweinelende in Fetzen geschnitten, Brennende Wok und Gegossen in die geschredderten Bambussprossen .<\/p> <p>Ganz eindeutig schlecht waren die Ergebnisse der \u00dcbersetzungen von Bedienungsanleitungen, AGB oder Zeitungsartikeln, die mit einer Gesamtnote 5 abschnitten. Die \u00dcbersetzungen von gesch\u00e4ftlichen E-Mails, die in der Untersuchung immerhin die Gesamtnote 3-4 erhielten, hatten ganz eigene Haken: Das System \u00fcbersetzte zum Beispiel die Uhrzeit f\u00fcr eine Verabredung nicht korrekt aus dem Englischen: Aus 8 p.m. im Ausgangstext wurde in der deutschen \u00dcbersetzung 8.00 Uhr dabei w\u00e4re dies korrekt mit 20.00 Uhr zu \u00fcbersetzen. Lindemann: Man kann bei Google Translate nie sicher sein, ob man der \u00dcbersetzung auch vertrauen kann. Dazu gibt es zu oft Fehler.<\/p> <p>Nicht n\u00e4her untersuchen konnte der Verband die Frage, was Google eigentlich mit all den Texten und Daten macht, die f\u00fcr eine \u00dcbersetzung eingegeben werden. Und wo die Daten hingehen. Dar\u00fcber sind keine n\u00e4heren Informationen zu finden, und auch die Datensch\u00fctzer haben Google Translate nach Recherchen des Verbandes bisher nicht auf dem Schirm. Das liegt daran, dass man f\u00fcr die Nutzung von Google Translate weder seinen Namen noch eine Mailadresse angeben muss. Nichtsdestotrotz geben viele Menschen komplette E-Mails mitsamt Kontaktdaten oder auch Vertr\u00e4ge in das System ein. Lindemann: In der unkritischen Nutzung von Google Translate sehen wir durchaus ein Problem. Sensible Dokumente oder auch vertrauliche E-Mails sollte man auf keinen Fall von Google Translate \u00fcbersetzen lassen.<\/p> <p>Tipp: Ende September lie\u00df der BD\u00dc den Finanz\u00fcbersetzer Ralf Lemster in einem Live-Experiment gegen Google Translate antreten. Die Ergebnisse der \u00dcbersetzungen bewerteten Professor Uwe Reinke und BD\u00dc-Pr\u00e4sident Andr\u00e9 Lindemann. Der Videobeitrag \u00fcber das &#8222;Duell&#8220; von Mensch gegen Maschine ist auf Youtube zu finden: <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3oc6-hH9IAw\" title=\"Der Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer e. V. (BD\u00dc) l\u00e4sst in einem Liveexperiment einen \u00dcbersetzer gegen Google Translate antreten.\" >http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3oc6-hH9IAw<\/a> .<\/p> <p>\u00dcber den Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer e.V.:<\/p> <p>Der Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer e.V. (BD\u00dc) ist mit \u00fcber 7.000 Mitgliedern der gr\u00f6\u00dfte deutsche Berufsverband der Branche. Er repr\u00e4sentiert 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und \u00dcbersetzer in Deutschland und vertritt seit 1955 deren Interessen. Eine BD\u00dc-Mitgliedschaft steht f\u00fcr Qualit\u00e4t, denn alle Mitglieder mussten vor Aufnahme in den Verband ihre fachliche Qualifikation f\u00fcr den Beruf nachweisen. Die Mitgliederdatenbank des BD\u00dc im Internet hilft bei der Suche nach Dolmetschern und \u00dcbersetzern f\u00fcr mehr als 80 Sprachen (www.bdue.de).<\/p> <p>Kontakt:<br \/> golms communications<br \/> Birgit Golms<br \/> Windscheidstra\u00dfe 24<br \/> 10627 Berlin<br \/> 030 88 62 76 44<br \/> mail@golms-communications.com<br \/> www.golms-communications.com<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundesverband der Dolmetscher und \u00dcbersetzer untersucht, wie gut Google Translate wirklich ist. Google Translate ist beliebt. Ob Webseiten, Speisekarten, E-Mails Privatpersonen wie Gesch\u00e4ftsleute nutzen flei\u00dfig das kostenlose \u00dcbersetzungstool aus dem Internet. Aber wie gut ist die Qualit\u00e4t der maschinellen \u00dcbersetzung wirklich? Ist Google Translate letztlich eine Gefahr f\u00fcr professionelle \u00dcbersetzer? 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