{"id":2829,"date":"2012-10-11T13:39:47","date_gmt":"2012-10-11T12:39:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=2829"},"modified":"2015-06-15T06:54:47","modified_gmt":"2015-06-15T05:54:47","slug":"raviolitaet-identitaet-oder-quatsch-mit-sosse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/raviolitaet-identitaet-oder-quatsch-mit-sosse-102829\/","title":{"rendered":"Raviolit\u00e4t &#8211; Identit\u00e4t oder Quatsch mit So\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Benjamin Schulz<\/p> <p>Was ist denn das f\u00fcr ein Titel? Eine berechtigte Frage. Es ist ein Buchtitel: Autor des Buches ist Benjamin Schulz. Auf 155 Seiten, geht es um ihn, um Sie und mich. Genauer: Um das, was uns alle ausgemacht. Unsere Identit\u00e4t. Benjamin Schulz redet Klartext, geht ans Eingemachte und bringt die Dinge auf den Punkt. Manchmal auch auf unangenehme Weise. Dies geschieht immer dann, wenn er der Wahrheit sehr nahe kommt. Dabei macht er auch vor sich selbst nicht halt wenn er sagt: &#8222;Ich bin der, der ich bin.&#8220;<\/p> <p><!--more-->Klaus Wenderoth: Herr Schulz, in Ihrem Buch geht es auch und besonders um Mut. Fehlt uns allen, viel zu oft der Mut, zur eigenen Identit\u00e4t zu stehen?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Wenn man wei\u00df, dass man an etwas sto\u00dfen k\u00f6nnte, das man nicht kennt, sch\u00fcrt das immer zuerst mal Unbehagen. Der bequeme Weg w\u00e4re, sich dem erst gar nicht zu stellen &#8211; und diesen Weg w\u00e4hlen viele Menschen.<\/p> <p>Wenn ich mich aber entscheide, mich mit dem Unbekannten auseinanderzusetzen, kann ich an Dinge sto\u00dfen, die mit mir zu tun haben. Dazu braucht es schon eine geh\u00f6rige Portion Mut, denn ich wei\u00df nicht, was mir dort begegnet. Ich wei\u00df im Vorhinein nicht, wie mein Umfeld auf mich oder das was ich tue reagiert. Daf\u00fcr bedarf es einer Kl\u00e4rung.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Ihr Buch wirkt im positiven Sinne distanzlos. Sie schreiben \u00fcber Pers\u00f6nliches aus Ihrem Leben. Macht Sie diese teilweise entwaffnende Offenheit nicht auch angreifbar?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Sicherlich ist das so, dass ich mich \u00f6ffne und damit angreifbar werde. Allerdings w\u00e4re es f\u00fcr mich ein Paradoxon, ein Buch \u00fcber Identit\u00e4t zu schreiben und dann nichts von mir preiszugeben. Dass ich das im Buch tue, macht mich nahbar und die Leser k\u00f6nnen sich mit dem, wor\u00fcber ich in meinem Buch spreche, identifizieren.<\/p> <p>Sie selbst sollen den Mut bekommen, sich zu offenbaren. Dar\u00fcber hinaus hat Schw\u00e4chen zugeben nichts damit zu tun, angreifbar zu sein. Wenn man sich die ganzen Heldengeschichten anschaut, wird klar: Alle haben einen Punkt, der sie verwundbar macht. Siegfried mit dem Blatt an der Schulter, oder Simson, der seine B\u00e4renkr\u00e4fte durch das Abschneiden seiner Haare verlor.<\/p> <p>Schw\u00e4chen zugeben und damit offen umgehen ist eigentliche eine St\u00e4rke. Dazu kann ich Ihnen kurz eine beeindruckende Story aus dem reellen Leben erz\u00e4hlen: Ein Freund von mir &#8211; Legastheniker &#8211; hat sich einmal auf einen hohen Job beworben.<\/p> <p>Beim Vorstellungsgespr\u00e4ch waren alle sehr von ihm angetan und er legte die Karten offen auf den Tisch, indem er nicht nur seine Gehaltvorstellung preisgab, sondern auch seine Anforderung. Er verlangte nach einer eigenen Sekret\u00e4rin, weil er Legastheniker sei. War eine krasse, mutige Aktion.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Gleich auf den ersten Seiten wird klar: Wer kompromisslos zu dem steht, was er will und auch zu dem was er nicht will, wird schnell einsam. Lohnt es sich trotzdem?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Das klingt ein bisschen pauschal. Nicht immer, wenn ich zu meiner Meinung stehe, werde ich einsam. Das wird es zwar immer geben aber grunds\u00e4tzlich kommt es auf das Umfeld und auf die Menschen an, mit denen man zu tun hat.<\/p> <p>Es ist wichtig, eine weise Balance in der Meinungs\u00e4u\u00dferung zu finden und abw\u00e4gen zu k\u00f6nnen, wann ein Kommentar oder eine Reaktion angebracht ist oder wann man sich besser zur\u00fcckhalten sollte. Andererseits strahlt jemand auch eine gewisse Attraktivit\u00e4t aus, wenn er wei\u00df, was er will und das auch so kommuniziert.<\/p> <p>Das kommt vielleicht nicht bei allen an, zeigt aber, dass derjenige mutig ist, souver\u00e4n ist und Charakterst\u00e4rke hat. Jemand der &#8222;ohne R\u00fccksicht auf Verluste&#8220; sein Ding durchboxt, wirkt sehr gef\u00fchl- und r\u00fccksichtslos und wird auf Dauer in der Tat nicht viele Menschen auf seiner Seite haben.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Wenn Sie mit Ihrem Buch nicht missionieren wollen, was m\u00f6chten Sie dann damit bewirken? Und: F\u00fcr wen haben Sie es geschrieben?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Wer oder was sagt, dass ich nicht missionieren will? Jetzt komme ich nun mal aus einer Pastorenfamilie und da liegt das einfach sehr nah \u263a. F\u00fcr mich ist das eine Art Auftrag, weil es eben auch ein Lebensthema ist, das mich besch\u00e4ftigt.<\/p> <p>Auf dem Klappentext in meinem Buch steht der Satz: &#8222;Als Unternehmer und geschiedener Vater von vier Kindern hat er selbst viele Herausforderungen mit seiner eigenen Identit\u00e4t durchlebt&#8220;. Der m\u00fcsste eigentlich noch erweitert werden mit den Worten: &#8222;&#8230; und immer noch tut.&#8220; Vielleicht bin ich auf der &#8222;Mission Identit\u00e4t&#8220; unterwegs und m\u00f6chte die Leute sensibilisieren: Fangt an, eine Expedition zu machen.<\/p> <p>Das Buch ist f\u00fcr jeden Menschen geschrieben, egal in welchem Umfeld. Kann man Identit\u00e4t denn eigentlich aus irgendeiner Zielgruppe ausklammern? Ich glaube nicht. Also gibt es niemanden, f\u00fcr den das Buch nicht ist.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Menschen, die wie Sie viele H\u00f6hen und Tiefen in jungen Jahren erlebt und dann ein Buch geschrieben haben, sagten danach oft: &#8222;Ein Buch \u00fcber das Erlebte zu schreiben, war f\u00fcr mich wie der erfolgreiche Abschluss einer Therapie.&#8220; Wie war das bei Ihnen?<\/p> <p>Benjamin Schulz: K\u00f6nnte man meinen&#8230; aber: Das Thema Identit\u00e4t ist ein Thema, dem wir uns aus meiner Sicht das gesamte Leben stellen. Die Frage nach der Identit\u00e4t stellt sich gleich zu unserer Geburt und zum letzten Mal wenn wir im Sterben liegen.<\/p> <p>Als bei der Geburt meiner Zwillinge zum Beispiel bei einem der M\u00e4dchen Komplikationen auftauchten, habe ich mir in genau diesem Moment die Frage gestellt &#8211; f\u00fcr meine Tochter und f\u00fcr uns als Eltern. Genauso ging es mir, als ich am Bett meines Gro\u00dfvaters gestanden habe, der auf der Intensivstation gegen den Tod angek\u00e4mpft hat. St\u00e4ndig wird man im Leben mit Dingen konfrontiert, die einen herausfordern.<\/p> <p>F\u00fcr Samuel Koch zum Beispiel, dessen Geschichte ich auch im Buch aufgreife, hat sich sein bisheriges Leben innerhalb weniger Sekunden um 180 Grad gedreht. Das ist nat\u00fcrlich ein krasses Beispiel, aber wir m\u00fcssen uns immer mit dem Thema Identit\u00e4t auseinandersetzen. Das ist ein Lebensprozess. Man wird sich dieser Frage einfach immer bewusster.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Jeder Mensch ist zu Beginn seines Lebens ein Original und wom\u00f6glich so nah an seiner tats\u00e4chlichen Identit\u00e4t wie sp\u00e4ter niemals mehr. Sollten wir also bei unseren Kindern davon so viel wie m\u00f6glich f\u00f6rdern und bewahren?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Dass wir zu Beginn unseres Lebens ein Original sind, stimmt so nicht. Schon im Mutterleib wird ein Kind gepr\u00e4gt und ist bereits dort kein &#8222;ungeschriebenes Blatt&#8220; mehr. Internationale Studien (beispielsweise ISPPM oder INFAT) belegen, dass Stress, falsche Ern\u00e4hrung, Drogenmissbrauch und andere \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse von der Mutter auf das Ungeborene \u00fcbertragen werden, dessen Entwicklung beeinflussen und auch sp\u00e4ter noch Auswirkungen zeigen k\u00f6nnen, wie zum Beispiel erh\u00f6hter Blutdruck, Diabetes oder Herzkrankheiten.<\/p> <p>Auch, ob ein Kind besonders dominant, \u00e4ngstlich, freiheitsliebend, kontaktsuchend oder was auch immer ist, wird bereits durch seine Erfahrungen im Mutterleib gepr\u00e4gt. Es ist also keine Frage des Bewahrens sondern des Pr\u00e4gens. Ist das Kind geboren, flie\u00dft die Erziehung der Eltern nat\u00fcrlich mit ein. Wird das Kind antiautorit\u00e4r erzogen oder lernt es Grenzen kennen?<\/p> <p>Hier liegt es im Verantwortungsbereich der Eltern, die Kinder zu verantwortungsvollen Individuen zu erziehen, die ihre Werte leben k\u00f6nnen.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Menschen sind soziale Wesen. Wie viel ausgelebte Individualit\u00e4t und Identit\u00e4t kann man sich eigentlich im Privat- und Berufsleben erlauben ohne permanent &#8222;anzuecken&#8220;?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Die Frage drehe ich mal herum: Nicht &#8222;wie viel darf ich mir erlauben&#8220;, sondern wie tolerant gehe ich mit anders denkenden Menschen um? Inwiefern respektiere ich das Andersartige und toleriere es auch? Viele unterdr\u00fccken ihre Identit\u00e4t einfach weil sie Angst haben, nicht in der Gemeinschaft akzeptiert zu werden.<\/p> <p>Ich finde, Individualit\u00e4t darf auch gelebt werden! Es ist in Ordnung, dass man nicht st\u00e4ndig einer Meinung ist. W\u00e4re die Gesellschaft toleranter, w\u00fcrden sich viel mehr Menschen tauen, ihre Identit\u00e4t zu leben. Diese fehlende Toleranz dem Andersartigen gegen\u00fcber ist unser Problem in der Gesellschaft.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Zitat Benjamin Schulz: &#8222;Unser Leben ist eine Inszenierung von uns selbst.&#8220; Verstehen Sie das als Ermunterung? Und zwar in dem Sinne, doch einmal von der Rolle des passiven Zuschauers in die eines aktiven Regisseurs zu schl\u00fcpfen?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Ich nehme die Menschen gerne mit in die Welt des Theaters, denn wenn wir uns das Bild eines Theaters anschauen, passen wir genau da rein, weil wir es selbst in der Hand haben, die Dinge anzusto\u00dfen und etwas zu bewegen.<\/p> <p>Aber auch das kann man nicht pauschalisieren: Es kommen immer wieder Situationen und Einfl\u00fcsse von au\u00dfen, die uns nicht Regisseur sein lassen. Von diesen spreche ich hier aber nicht. Ich meine solche Situationen, die wir selbst bestimmen und selbst gestalten k\u00f6nnen.<\/p> <p>Das machen die Menschen da drau\u00dfen viel zu wenig. Ich kann nur jedem dazu raten: Seien Sie Autor, Regiesseur und Akteur Ihres Lebens zugleich!<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Es gibt ja nun schon gen\u00fcgend Fachb\u00fccher zu Ihrem Thema auf dem Markt. Warum sollten sich die Leute gerade Ihres kaufen?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Es gibt sogar ganz tolle B\u00fccher auf dem Markt &#8211; keine Frage &#8211; und ich selbst habe auch schon viel Literatur dar\u00fcber gelesen. Allerdings sind es die Einfachheit und die N\u00e4he, die mir in dieser Literatur fehlen. Das Thema Identit\u00e4t wird darin so abstrakt behandelt, es fehlt mir die Bezug-Ebene.<\/p> <p>Das entspricht auch genau dem Feedback, das ich auf mein Buch bekommen habe: Es ist nahbar! Mein Anliegen war klar darauf ausgerichtet, das Thema Identit\u00e4t in eine nahbare Form zu bringen, zum Anfassen und nicht nur eine theoretische Betrachtung zu haben. Au\u00dferdem erlebe ich in meiner Arbeit als Berater und Coach regelm\u00e4\u00dfig, wie pr\u00e4sent das Thema Identit\u00e4t in allen Lebensbereichen ist und wie festgefahren sich viele f\u00fchlen.<\/p> <p>Die Erkenntnis dar\u00fcber, selbst etwas tun zu k\u00f6nnen, ist f\u00fcr viele wie ein Strohhalm, nach dem sie schon lange gesucht haben. Ich will mit meinem Buch keine neue Wissenschaft verbreiten. Ich m\u00f6chte die Menschen wach r\u00fctteln, wieder aktiv zum Gestalter ihres Lebens zu werden.<\/p> <p>Klaus Wenderoth: Ihr Buch wird polarisieren. Das ist Ihnen aber sicherlich klar. Ist es auch beabsichtigt?<\/p> <p>Benjamin Schulz: Wenn Sie &#8222;Klartext reden&#8220; mit polarisieren meinen: Ja. Wenn polarisieren hei\u00dft, sich mit der eigenen Identit\u00e4t zu besch\u00e4ftigen, vom Passiven ins Aktive zu kommen, vom Sein ins Tun &#8211; dann bin ich gerne Polarisierer und werde es auch immer sein.<\/p> <p>Dieses und weitere Interviews finden Sie im Expertenblog <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.KlausWenderoth.de\" title=\"Experten im Interview\" >http:\/\/www.KlausWenderoth.de<\/a><\/p> <p>\u00dcber EuropaDruck.com:<\/p> <p>Gr\u00fcndungsjahr: 2001<\/p> <p>Ein Druckportal f\u00fcr Drucksacheneink\u00e4ufer. Europadruck.com wird genutzt von Werbeagenturen, Verlagen, \u00f6ffentlichen Einrichtungen und aus Industrie und Handel. Erm\u00f6glicht wird ein objektiver Preis- und Leistungsvergleich von Druckereien.<\/p> <p>Gleichzeitig bietet das Portal eine umfangreiche Auftragsdatenbank f\u00fcr Druckereien.<br \/> Zu Europadruck.com geh\u00f6ren Partnerdruckereien in 11 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. 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