{"id":3237,"date":"2012-11-20T16:49:28","date_gmt":"2012-11-20T15:49:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=3237"},"modified":"2016-02-05T13:44:19","modified_gmt":"2016-02-05T12:44:19","slug":"unterhaltung-als-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/unterhaltung-als-wissenschaft-103237\/","title":{"rendered":"Unterhaltung als Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0Der freiburger Trendforscher Sacha Szabo im Interview<\/p> <p>Wissenschaft muss nicht trocken sein. Der freiburger Soziologe Dr. Sacha Szabo hat daraus ein Berufsbild geformt: Unterhaltungswissenschaft. Wie dieses aussieht und was man als Unterhaltungswissenschaftler so tut, dar\u00fcber sprachen wir mit ihm.<\/p> <p>Frage: Die K\u00f6nigsdisziplin des beruflichen Werdegangs ist f\u00fcr viele Studenten und Absolventen das Fach oder den Beruf der eigenen Gro\u00dfmutter zu erkl\u00e4ren: Wie machen Sie das?<\/p> <p><!--more-->Sacha Szabo: Unser Motto ist, dass Unterhaltungswissenschaft unterhaltende Wissenschaft von der Unterhaltung sein muss. Da unser Begriff der Unterhaltung sehr weit gefasst wird, wir n\u00e4mlich symbolische Ordnungen als Unterhaltung verstehen, sollte es recht einfach sein.<\/p> <p>Nun die Omi: Ich zeig auf ein Ding, sagen wir, ihre S\u00fc\u00dfstoffdose, und frage sie: &#8222;Hast du dich schon mal gefragt, was das \u00fcberhaupt ist und warum es das gibt&#8220; und freestyle \u00fcber die angeborene S\u00fc\u00dfpr\u00e4ferenz beim Menschen. Dieses Thema sollte dann schon so gut sein, dass das Lamento \u00fcber irgendwelche Krankheiten, das alte Menschen so gerne vortragen, in den Hintergrund tritt.<\/p> <p>Frage: Die K\u00f6nigsdisziplin des beruflichen Werdegangs ist f\u00fcr viele Studenten und Absolventen das Fach oder den Beruf der eigenen Gro\u00dfmutter zu erkl\u00e4ren: Wie machen Sie das?<\/p> <p>Sacha Szabo: Unser Motto ist, dass Unterhaltungswissenschaft unterhaltende Wissenschaft von der Unterhaltung sein muss. Da unser Begriff der Unterhaltung sehr weit gefasst wird, wir n\u00e4mlich symbolische Ordnungen als Unterhaltung verstehen, sollte es recht einfach sein.<\/p> <p>Frage: Wie haben Sie gemerkt, dass &#8222;Vergn\u00fcgungswelten&#8220; Ihr Fachgebiet werden k\u00f6nnten?<\/p> <p>Sacha Szabo: Die Faszination f\u00fcr diese Alltagsdinge und Alltagsph\u00e4nomene haben mich schon fr\u00fch im Studium begleitet, soziologisch kann man dies aus dem Milieu erkl\u00e4ren, aus dem ich stamme. Ich wurde eben nicht mit Goethe und Bach sozialisiert, sondern mit Biene Maja und Schlagermusik. Im Studium merkte ich, dass ich in der Lage bin, die Codes dieser popul\u00e4rkulturellen Ph\u00e4nomene genauso leicht zu lesen, wie die anderen ihre hochkulturellen Codes.<\/p> <p>Frage: War es schwer, Ihre Profs von Ihren konkreten Forschungsvorhaben zu \u00fcberzeugen? Wie waren die Reaktionen?<\/p> <p>Sacha Szabo: Es war f\u00fcr mich \u00fcberraschenderweise selten ein Problem, meine Professoren und Professorinnen f\u00fcr meine Ideen zu gewinnen. Eher musste ich mit mir ringen, ob ich ein Thema wie die Motivgeschichte der Kuh in Thomas Manns Romanen \u00fcberhaupt vorschlagen darf. So ging es mir auch mit dem Promotionsthema, aber mein Doktorvater traute mir das Thema zu und fasste das Projekt mit den Worten zusammen: &#8222;Die Kirmes als Urszene&#8220;.<\/p> <p>Frage: Haben Sie den Eindruck, Sie haben durch Ihr Fachgebiet auch mehr Spa\u00df an der Arbeit als andere Wissenschaftskollegen?<\/p> <p>Sacha Szabo: Ich gehe davon aus, dass die meisten Wissenschaftler Lust an ihrer Arbeit haben, zus\u00e4tzlich erzeugt aber meine Forschung bei den Rezipienten Am\u00fcsement. Die Verlockungspr\u00e4mie meiner Arbeit ist, dass pl\u00f6tzlich der Alltag mehr Spa\u00df macht. Die entzauberte Wirklichkeit wird sozusagen wieder verzaubert.<\/p> <p>Frage: Gibt es immer noch die vielbeschworenen Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zwischen Wissenschaft und Popul\u00e4rkultur? Von beiden Seiten?<\/p> <p>Sacha Szabo: Die Krankheit der Unterhaltungswissenschaft ist eine Art negativer Halo-Effekt. Weil die Gegenst\u00e4nde, die ich behandele, oftmals als banal angesehen werden, wird auch meine Arbeit als banal beurteilt. Nicht selten sogar von denen, deren Interessen durch meine Arbeit aufgewertet werden.<\/p> <p>Frage: Muss man sich f\u00fcr eine Feld-Studie am Ballermann mehr rechtfertigen als andere Kollegen aus dem Wissenschaftsbetrieb?<\/p> <p>Sacha Szabo: Nat\u00fcrlich muss man sein Anliegen begr\u00fcnden, das ist aber auch ein Recht des Gegen\u00fcbers, schlie\u00dflich tr\u00e4gt er auch eine Verantwortung daf\u00fcr, seine Lebenszeit nicht zu verschwenden. Wenn man aber ein Projekt ernsthaft vortr\u00e4gt ist es &#8211; so meine Erfahrung &#8211; sogar einfacher, da sich ja Forschung \u00fcber Massenkultur schon dadurch legitimiert, dass sie eben von Massen rezipiert wird und Wissenschaft auch den Auftrag hat, sich der sozialen Wirklichkeit anzunehmen.<\/p> <p>Frage: Sie sind mit Ihren Publikationen oft in den Medien vertreten, gibt es Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zu Medien wie Express oder RTL?<\/p> <p>Sacha Szabo: Es wird in der Wissenschaft ein Mythos der Distinktion zum Boulevard gepflegt, den ich bewusst \u00fcberschreite, aber ich muss auch sagen, viele Themen taugen eben auch gar nicht, um \u00f6ffentlich wahrgenommen zu werden. Was die Zusammenarbeit angeht, da muss ich sagen, dass gerade in diesen Medien sehr respektvoll und verantwortungsvoll mit mir und meiner Arbeit umgegangen wird.<\/p> <p>Frage: Wie reagieren die Kollegen?<\/p> <p>Sacha Szabo: Vermutlich ist es schon so, wenn man im Boulevard pr\u00e4sent ist, hat man einen Rubikon \u00fcberschritten und wird eher als Exot, denn als Konkurrent wahrgenommen und ist damit v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich, was das Verh\u00e4ltnis doch sehr entspannt.<\/p> <p>Frage: Achterbahn, Wasserrutschen und Bubble Tea &#8211; testen Sie alles auch im Selbstversuch?<\/p> <p>Sacha Szabo: Grunds\u00e4tzlich glaube ich nicht, dass man alles erfahren muss, was man behandelt, wie sollte man sonst \u00fcber Laserschwerter oder interstellare Reisen arbeiten. Aber nat\u00fcrlich ist es schon so, dass mich ein Thema fesselt und ich nat\u00fcrlich Interesse habe, was das denn nun ist. Was dazu f\u00fchren kann, dass man sich den Rest des Urlaubs mit einer Hodenprellung rumplagt, weil man ums Verrecken irgendeine M\u00f6rderwasserrutsche ausprobieren wollte. Das dann dem Urologen zu erkl\u00e4ren, das ist Unterhaltung f\u00fcr die ganze Praxis.<\/p> <p>Frage: Gibt es Grenzen oder Tabus, was den Forschungsgegenstand betrifft?<\/p> <p>Sacha Szabo: Ja, sicherlich gibt es pers\u00f6nliche Grenzen, wo ich sagen muss, da hab ich einfach keine Lust zu und ich muss das jetzt nicht haben. Aber nat\u00fcrlich gibt es auch f\u00fcr mein Forschungsdesign den Anspruch alles zu vermeiden, was die Kategorisierung als irgendein -ismus zul\u00e4sst.<\/p> <p>Frage: Wie spielen Sie? Zum Beispiel Computerspiele? Mit dem soziologischen Blick oder v\u00f6llig unbefangen?<\/p> <p>Sacha Szabo: Der unbefangene Blick und der soziologische Blick schlie\u00dfen sich ja nicht aus, es ist sogar so, dass einem manche Dinge erst auffallen, wenn man auf sie aufmerksam gemacht wurde. Was glauben Sie, wie vielen Menschen gar nicht klar ist, dass das Innere des \u00dcberraschungseis gelb ist, weil es das Eigelb ist. In diesem Sinne ist Wissenschaft ein Genussverst\u00e4rker.<\/p> <p>Frage: Haben Sie keine Sorge, Objekte der Popul\u00e4rkultur auch f\u00fcr sich und Ihre Mitmenschen zu &#8222;entzaubern&#8220;?<\/p> <p>Sacha Szabo: Ich w\u00fcrde ja sagen, dass ich die Objekte \u00fcberhaupt erst verzaubere, indem ich darauf hindeute, wo bestimmte Muster auftauchen. Neulich sah ich Judge Dredd und mir fiel auf, wie die Korrespondenz der Begriffe von Recht und Gesetz, die ich bei August von Hayek las, pl\u00f6tzlich als Motiv in unglaublich vielen amerikanischen Filmen auftauchte. Also die Frage, dass nicht alles Recht ist, was Gesetz ist und wie jetzt wieder dem Recht zu seiner Geltung verholfen wird. Das ist doch super und en passant lernt man noch die Theorie eines Nobelpreistr\u00e4gers kennen.<\/p> <p>Frage: Sie haben Kulturmanagement studiert, eine Zusatzausbildung zum Erlebnisp\u00e4dagogen absolviert &#8211; wie m\u00f6chten Sie die Ergebnisse Ihrer Forschung in die Praxis transportieren?<\/p> <p>Sacha Szabo: Abstrakt interessierte mich an der Erlebnisp\u00e4dagogik erst mal die Inszenierung von Erlebnissen als au\u00dferallt\u00e4gliche Erfahrung, konkret nutze ich erlebnisp\u00e4dagogische Werkzeuge, um sehr schnell Befangenheiten im Seminar oder im Vortrag abzubauen. Als Beispiel: In jeder ersten Sitzung gibt&#8220;s die schreckliche Vorstellungsrunde nach dem Muster: Ich bin der sowieso und ich bin hier, weil mich das Thema interessiert. Na, das nehme ich doch als Dozent oder Kommilitone sowieso an, sonst ist es ja pure Frechheit. Bei mir stellt jeder seinen Tischnachbarn oder Tischnachbarin mit einer erfundenen Geschichte vor, obwohl er sie bis auf den Namen nicht kennt. Das erzeugt sehr schnell befreites Lachen und die Teilnehmer sind sofort im kreativen Denkprozess.<\/p> <p>Frage: Was verbirgt sich hinter dem Institut f\u00fcr Theoriekultur? Welche Ziele verfolgt das Institut aktuell und auch langfristig?<\/p> <p>Sacha Szabo: Das Institut war urspr\u00fcnglich ein eingetragener Verein. Die Idee dahinter ist es eine unabh\u00e4ngige Wissenschaft zu etablieren, die sich am Markt behauptet. Das hat das Risiko des Prek\u00e4ren, aber den Vorteil ohne Vereinnahmungen durch den Wissenschaftsbetrieb forschen zu k\u00f6nnen. Hei\u00dft, wir k\u00f6nnen uns Dingen zuwenden, die vom traditionellen Wissenschaftsbetrieb stiefm\u00fctterlich behandelt werden. Wir sehen uns eben nicht als Bewohner des Elfenbeinturms, sondern eher als Mitbewohner von Oscar aus der Tonne aus der Sesamstra\u00dfe.<\/p> <p>____________________________________________________________<\/p> <p>Das Institut f\u00fcr Theoriekultur ist einer von Deutschlands f\u00fchrenden Theoriedienstleistern.<\/p> <p>Unser Angebot<\/p> <p>Als Wissenschaftler sind wir in der Lage Ihr Unternehmen oder Ihr Produkt auf eine innovative und einzigartige Weise zu thematisieren. Ihr Produkt wird pl\u00f6tzlich f\u00fcr das Feuilleton und den Kulturteil interessant.<\/p> <p>\u00dcber diese Kan\u00e4le k\u00f6nnen Sie ein v\u00f6llig anderes, anspruchsvolles Kundenmillieu ansprechen.<\/p> <p>Sie betreiben mit uns keine herk\u00f6mliche Werbung sondern Pflege Ihrer Unternehmeskultur.<\/p> <p>Unsere M\u00f6glichkeiten<\/p> <p>Ausgehend von Ihrem Produkt, Ihrer Marke oder Ihrem Unternehmen umfasst unser Angebot die Erarbeitung von:<\/p> <p>B\u00fcchern (Monographien und Sammelb\u00e4nde) Kongressen (Wir organisieren Kongresse und Workshops) Ausstellungen (Wir kuratieren Ausstellungen)<\/p> <p>Kontaktieren Sie uns und lassen Sie sich von unseren Referenzen \u00fcberzeugen.<\/p> <p>Kontakt: Institut f\u00fcr Theoriekultur Dr. Sacha Szabo In der Breige 9 79189 Bad Krozingen 0157\/ 82260601 kontakt@institut-theoriekultur.de http:\/\/www.institut-theoriekultur.de<\/p> <p>Pressekontakt: Selbstst\u00e4ndig\/ Institut f\u00fcr Theoriekultur Sacha Szabo In der Breige 19 79189 Bad Krozingen 0157\/ 822 60 601 kontakt@institut-theoriekultur.de http:\/\/www.institut-theoriekultur.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Der freiburger Trendforscher Sacha Szabo im Interview Wissenschaft muss nicht trocken sein. 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