{"id":41331,"date":"2013-08-13T08:30:35","date_gmt":"2013-08-13T08:30:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=41331"},"modified":"2018-12-14T16:43:01","modified_gmt":"2018-12-14T15:43:01","slug":"ein-gerechtigkeitsproblem-die-hochwasser-pflichtversicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/ein-gerechtigkeitsproblem-die-hochwasser-pflichtversicherung-1041331\/","title":{"rendered":"Ein Gerechtigkeitsproblem &#8211; Die Hochwasser-Pflichtversicherung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-41405\" title=\"Schadensbilanz des Hochwassers 2013\" alt=\"Schadensbilanz des Hochwassers 2013\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Screenshot_24.jpg\" width=\"309\" height=\"95\" \/>Am Modell Hochwasser-Pflichtversicherung scheiden sich die Geister<\/p> <div> <p>Pflichtversicherung f\u00fcr alle oder ein verbesserter Hochwasserschutz &#8211; die Flutkatastrophe vom Juni hat eine breite Debatte dar\u00fcber ausgel\u00f6st, welche Lehren sich aus der Schadensbilanz des Hochwassers ziehen lassen. Rund acht Milliarden Euro sollen Bund und L\u00e4nder f\u00fcr einen Fluthilfe-Fonds bereitstellen. Eine Summe, die den Bundeshauhalt empfindlich belastet. <!--more-->Landespolitiker in Sachsen, Th\u00fcringen und Hessen haben daher das Konzept einer Pflichtversicherung gegen Elementarsch\u00e4den ins Spiel gebracht. Die Versicherungswirtschaft ist gegen die Pl\u00e4ne Sturm gelaufen. Und auch die Bundesregierung sieht das Modell derzeit eher skeptisch.Beispielhaft f\u00fcr die weit \u00fcberwiegende Meinung in der deutschen Versicherungswirtschaft weist auch Ralph Brand, Vorstandsvorsitzender der Zurich Versicherung, auf ein ganz besonderes Problem bei der Einf\u00fchrung einer Pflichtversicherung gegen Hochwasser hin. Ralph Brand: &#8222;Eine Pflichtversicherung gegen Hochwasser produziert Ungerechtigkeit bei denjenigen, die kaum hochwassergef\u00e4hrdet sind und dennoch f\u00fcr die anderen mit bezahlen: Ein Gerechtigkeitsproblem!&#8220;<\/p> <p>Eigentlich war die Pflichtversicherung bereits zu den Akten gelegt: Nach dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 hatte sich die Option einer Zwangs-Police in den Bundesl\u00e4ndern nicht durchsetzen k\u00f6nnen. Eine Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) hatte das Modell wieder ins Gespr\u00e4ch gebracht: Die Versicherungspflicht gegen Elementarsch\u00e4den, so das Argument, sei f\u00fcr den Staat langfristig g\u00fcnstiger, als die Milliarden-Soforthilfe nach einer Katastrophe. Zudem sei den Hochwasseropfern eine finanzielle Entsch\u00e4digung sicher. Dagegen werden die Gelder des Fluthilfe-Fonds nach einem bestimmten Schl\u00fcssel verteilt, so dass der Einzelne im Unklaren dar\u00fcber ist, mit welcher Summe er entsch\u00e4digt wird.<\/p> <p>Wird die Pflichtversicherung eingef\u00fchrt, m\u00fcssen sich alle Privateigent\u00fcmer von H\u00e4usern oder Wohnungen gegen Elementarsch\u00e4den versichern. Der Schutz umfasst Sch\u00e4den durch Hochwasser, Erdbeben und Erdrutsche sowie gegen Lawinen. Denn die klassischen Wohngeb\u00e4ude- und Hausratsversicherungen \u00fcbernehmen lediglich Sch\u00e4den durch Leitungswasser, Brand, Blitzschlag, Sturm und Hagel. Der Versicherungszwang bedeutet aber auch, dass Immobilienbesitzer in nicht gef\u00e4hrdeten Regionen Geld f\u00fcr eine Versicherung zahlen m\u00fcssen, die sie freiwillig nicht abschlie\u00dfen w\u00fcrden. Landespolitiker unter anderem aus Sachsen, Th\u00fcringen und Hessen sehen das Modell dennoch als gerechte L\u00f6sung an: Zahlen alle f\u00fcr den Versicherungsschutz, werden Privateigent\u00fcmer in Risikogebieten entlastet. Denn sie erhalten den n\u00f6tigen Versicherungsschutz oftmals nur gegen hohe Selbstbeteiligungen, wie Verbrauchersch\u00fctzer kritisieren.<\/p> <p>Ralph Brand, Vorstandsvorsitzender der Zurich Versicherung weist in diesem Zusammenhang noch auf ein anderes Problem hin, das sich mit Einf\u00fchrung einer Pflichtversicherung gegen Hochwasser ausweiten k\u00f6nnte. Thema: Nachlassen im Bereich der vorbeugenden Hochwasserschutzma\u00dfnahmen. Ralph Brand: &#8222;Eine solche Pflichtversicherung w\u00fcrde eine Scheinsicherheit erzeugen und dringend notwendige vorbeugende Sicherheitsma\u00dfnahmen f\u00fcr Flussl\u00e4ufe und Geb\u00e4ude erlahmen lassen. Auch hier muss die Versicherungswirtschaft beratend einbezogen werden.&#8220; Als Vorstandsvorsitzender der Zurich Versicherung wei\u00df Ralph Brand, dass ohne Einbeziehung des Sachverstandes der Versicherer auch bei den vorbeugenden Ma\u00dfnahmen gegen Hochwassergefahren kaum Passgenauigkeit erreicht werden kann.<\/p> <p>Bislang liegt der Anteil der Privateigent\u00fcmer, die eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben, bundesweit bei 32 Prozent. Lediglich die Bundesl\u00e4nder Baden-W\u00fcrttemberg, Th\u00fcringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen deutlich \u00fcber diesem Schnitt. Die mangelnde Nachfrage des Extra-Schutzes gegen Hochwassersch\u00e4den f\u00fchrt der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) auch auf die Fluthilfe-Politik zur\u00fcck. Immobilienbesitzer spekulierten auf staatliche Milliardenentsch\u00e4digungen, anstatt selbst in den Eigentumsschutz zu investieren. Der GDV hat angesichts der j\u00fcngsten Flut erneut betont, dass sich knapp 99 Prozent aller Privatgeb\u00e4ude versichern lassen. Verbrauchersch\u00fctzer bewerten diese Aussage kritisch: So sei ein Versicherungsschutz in gef\u00e4hrdeten Zonen nur zu hohen Selbstbehalten m\u00f6glich. In einem umfassenden Schadensfall reiche die ausgezahlte Summe aber bei weitem nicht f\u00fcr die Sanierung.<\/p> <p>Die Versicherungsbranche sieht Bund und L\u00e4nder jetzt in der Pflicht, st\u00e4rker in Ma\u00dfnahmen zum Hochwasserschutz zu investieren. Baugenehmigungen in Hochrisikogebieten d\u00fcrften zudem nicht erteilt werden. W\u00fcrde die Pflichtversicherung eingef\u00fchrt, m\u00fcssten die Versicherer jeden Hauseigent\u00fcmer mit einer Police ausstatten, selbst in den Risikogebieten. Ein Gesch\u00e4ftsmodell, das sich nach Ansicht von Branchenexperten trotz hoher Selbstbehalte der Versicherungsnehmer f\u00fcr die Gesellschaften nicht rechnet. Die Bundesregierung setzt jetzt auf Aufkl\u00e4rung. Statt eine Pflichtversicherung einzuf\u00fchren, sollen Kampagnen \u00fcber die Risiken in den gef\u00e4hrdeten Gebieten aufkl\u00e4ren. Denn eine Versicherungspflicht k\u00e4me den Bund ebenfalls teuer zu stehen: Um das Modell \u00fcberhaupt tragbar zu machen, m\u00fcssten staatliche Garantien in Milliardenh\u00f6he her.<\/p> <p>news4today ist eine deutschsprachige, f\u00fcr Leser kostenfreie Informationsseite. news4today ist auf der Hauptseite \/ Startseite frei von Werbeeinblendungen. news4today verbreitet Informationen aus eigenen und fremden Quellen.<\/p> <p>Kontakt:<br \/> news4today<br \/> Kai Beckmann<br \/> Baarerstra\u00dfe 53<br \/> 6304 Zug<br \/> 015158753265<br \/> info@news4today.de<br \/> http:\/\/www.news4today.de<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Modell Hochwasser-Pflichtversicherung scheiden sich die Geister Pflichtversicherung f\u00fcr alle oder ein verbesserter Hochwasserschutz &#8211; die Flutkatastrophe vom Juni hat eine breite Debatte dar\u00fcber ausgel\u00f6st, welche Lehren sich aus der Schadensbilanz des Hochwassers ziehen lassen. Rund acht Milliarden Euro sollen Bund und L\u00e4nder f\u00fcr einen Fluthilfe-Fonds bereitstellen. Eine Summe, die den Bundeshauhalt empfindlich belastet.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":265776,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36],"tags":[134],"class_list":["post-41331","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bauen-wohnen-garten","tag-default"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41331"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41331\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":265777,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41331\/revisions\/265777"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/media\/265776"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}